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Lessings Hamburgische Dramaturgie: 'Furcht und Mitleid' oder 'Jammer und Schaudern' - Das aristotelische Begriffspaar 'eleos' und 'phobos' als Ausgangspunkt verschiedener Wirkungstheorien

Title: Lessings Hamburgische Dramaturgie: 'Furcht und Mitleid' oder 'Jammer und Schaudern' -  Das aristotelische Begriffspaar 'eleos' und 'phobos' als Ausgangspunkt verschiedener Wirkungstheorien

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 32 Pages , Grade: 1.7

Autor:in: Roman Seda (Author)

German Studies - Modern German Literature
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1. Aristoteles’Poetikals Maßstab und methodische Autorität

Neben Horaz’Ars Poeticagilt diePoetikdes Aristoteles als ältester poetologischer Text der Antike und damit erste bekannte Literaturtheorie Europas als grundlegendster literaturtheoretischer Text des Abendlandes. Die Rezeptionsgeschichte dieser leider nur unvollständig erhaltenen Schrift, die Aristoteles wohl weniger zur Veröffentlichung, sondern vielmehr als Vorlesungsmanuskripts für eine eingeweihte Hörerschaft konzipiert hatte, beeinflusste die Entwicklung der europäischen Literatur in Theorie und Praxis sehr nachhaltig. Spätestens seit der Wiederentdeckung derPoetikzur Zeit der italienischen Renaissance, die sich im Zuge der zunehmenden Beschäftigung mit der griechischen Literatur vollzog, wurde der Text neu als von der Rhetorik gelöste, eigenständige Schrift erkannt und damit zum Fundament einer bis heute andauernden Tradition europäischer Dichtungstheorie. Innerhalb der aristotelischen Reflexion über die grundlegenden Möglichkeiten dichterischer Schöpfung, spielt das Wesen des Tragischen - die Abhandlungen über die Komödie sind über die Jahrhunderte verloren gegangen - eine besonders nachhaltige Rolle für den folgenden poetologischen Diskurs. DiePoetikwurde nicht nur hinsichtlich einer verstärkten Rezeption und damit eines besseren Verständnisses der griechischen Tragödie, die ihre Blütezeit im europäischen Klassizismus fand, zu einem Schlüsselwerk der europäischen Literatur. Aristoteles’ Werk diente vor allem als zentrale Richtschnur innerhalb der Entwicklung mehr oder weniger verbindlicher Gattungstheorien und wurde bis in die heutige Zeit zu einem umstrittenen Zankapfel der verschiedensten Deutungsmodelle.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Aristoteles’ Poetik als Maßstab und methodische Autorität

1.1 Die italienische Renaissance

1.2 Der französische Klassizismus

1.3 Die deutsche Aristoteles-Rezeption bis Lessing

2. Die Hamburgische Dramaturgie von Gotthold Ephraim Lessing

2.1 Entstehungsgeschichte und Allgemeines

2.2 Einflüsse und Wesen der Hamburgischen Dramaturgie

3. Furcht und Mitleid – Lessings Wirkungstheorie (Dramaturgie der Identifikation)

4. Der Streit um eleos und phobos als Musterfall für die Hermeneutik

5. Schadewaldt/Furhmann: Jammer und Schaudern vs. Mitleid und Furcht

6. Drei Diskurse zur Kritik an Schadewaldt/Fuhrmann

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die wirkungsästhetischen Konzepte der "Hamburgischen Dramaturgie" von Gotthold Ephraim Lessing, insbesondere im Hinblick auf seine Interpretation der aristotelischen Affekte "eleos" (Mitleid) und "phobos" (Furcht) als Ausgangspunkt für ein bürgerliches Trauerspiel und als Gegenentwurf zur französischen Klassik.

  • Rezeptionsgeschichte der aristotelischen "Poetik" von der Renaissance bis Lessing.
  • Entstehung und dramentheoretischer Kontext der "Hamburgischen Dramaturgie".
  • Die Kontroverse um die Übersetzung der zentralen Wirkungskategorien "eleos" und "phobos".
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Forschungsposition von Schadewaldt und Fuhrmann.
  • Die Funktion der Katharsis im Rahmen von Lessings moralischer Dramenkonzeption.

Auszug aus dem Buch

3. Furcht und Mitleid – Lessings Wirkungstheorie der Identifikation

Die aristotelischen Wirkungskategorien eleos und phobos sind der Dreh- und Angelpunkt im Bestreben Lessings, seiner Dramaturgie der Identifikation ein autoritäres Fundament zu verleihen. Die ersten nachvollziehbaren Auseinandersetzungen Lessings mit den wichtigsten Leidenschaften und Wirkungen der Tragödie beginnen mit seinen Briefen an F. Nicolai und M. Mendelsohn (und dessen Lehre von den vermischten Affekten) in den Jahren 1756/57, in welchen Lessing bereits herausstreicht, dass das Mitleid die zentralste Leidenschaft im Drama sei:

Kurz, ich finde keine einzige Leidenschaft, die das Trauerspiel in dem Zuschauer rege macht, als das Mitleiden. Sie werden sagen: erweckt es nicht auch Schrecken? Erweckt es nicht auch Bewunderung? Schrecken und Bewunderung sind keine Leidenschaften, nach meinem Verstande. […] Die Leiter [..] heißt: Mitleid; und Schrecken und Bewunderung sind nichts als die ersten Sprossen, der Anfang und das Ende des Mitleids.

Im Verlauf des Briefwechsels verbannt Lessing die Bewunderung ganz aus dem Trauerspiel und unterstreicht wiederholt die primäre Stellung des Mitleids (eleos) als wichtigste Leidenschaft. Phobos übersetzt Lessing bis April 1757 noch wie Curtius mit „Schrecken“, welchen er eher als zweitrangigen Affekt, denn als unentwickeltes Mitleiden interpretiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Aristoteles’ Poetik als Maßstab und methodische Autorität: Dieses Kapitel skizziert die historische Rezeptionsgeschichte der aristotelischen Poetik von der Renaissance über den französischen Klassizismus bis hin zur deutschen Barockdichtung und deren Reglementierungsbestrebungen.

2. Die Hamburgische Dramaturgie von Gotthold Ephraim Lessing: Das Kapitel analysiert die Entstehung und den inhaltlichen Kontext von Lessings Theaterzeitung als kritisches Register gegen die starre französische Regelpoetik und den Gottschedschen Rationalismus.

3. Furcht und Mitleid – Lessings Wirkungstheorie (Dramaturgie der Identifikation): Hier wird Lessings zentrales Anliegen dargestellt, durch die aristotelischen Begriffe von Furcht und Mitleid eine Identifikation des bürgerlichen Zuschauers mit den Bühnenfiguren zu ermöglichen, um eine moralische Besserung zu erzielen.

4. Der Streit um eleos und phobos als Musterfall für die Hermeneutik: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftliche Kontroverse ein, in der Lessings Interpretation der aristotelischen Begriffe einer kritischen Revision unterzogen wird.

5. Schadewaldt/Furhmann: Jammer und Schaudern vs. Mitleid und Furcht: Eine philologische Gegenposition zu Lessing wird vorgestellt, in der Schadewaldt und Fuhrmann eine modernere, vermeintlich "korrekte" Übersetzung der aristotelischen Affekte fordern.

6. Drei Diskurse zur Kritik an Schadewaldt/Fuhrmann: Dieser Teil befasst sich mit der Analyse Thomas Dreßlers, der die Argumentationsmuster von Schadewaldt und Fuhrmann auf ihre hermeneutische Validität prüft und Lessings Standpunkt verteidigt.

7. Fazit: Das Fazit resümiert die Gültigkeit von Lessings Wirkungstheorie und betont die Unmöglichkeit einer objektiv-zeitlosen Interpretation des literarischen Werkes im Sinne der modernen Hermeneutik.

Schlüsselwörter

Hamburgische Dramaturgie, Gotthold Ephraim Lessing, Aristoteles, Poetik, Furcht und Mitleid, eleos, phobos, Katharsis, Wirkungsästhetik, bürgerliches Trauerspiel, Schadewaldt, Fuhrmann, Hermeneutik, Aufklärung, Dramaturgie der Identifikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Lessings Dramentheorie in der "Hamburgischen Dramaturgie" und seine Interpretation der aristotelischen Affekte Furcht und Mitleid.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Dramentheorie, die Wirkungsgeschichte der aristotelischen Poetik, das bürgerliche Trauerspiel und die hermeneutische Diskussion um die korrekte Übersetzung antiker Begriffe.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit hinterfragt, inwiefern Lessings Interpretation von Mitleid und Furcht eine produktive, wenn auch moralisch geprägte Umdeutung darstellt, die für die Entwicklung der deutschen Literatur entscheidend war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine philologische und hermeneutische Analyse, die verschiedene Interpretationsansätze der Poetik gegenüberstellt und kritisch diskutiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung der "Hamburgischen Dramaturgie", Lessings Abkehr vom französischen Klassizismus und den wissenschaftlichen Streit um die Begriffe eleos und phobos.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen Lessings Dramentheorie, den Streit zwischen Mitleid/Furcht und Jammer/Schaudern sowie die Rolle der Katharsis.

Wie bewertet der Autor Lessings Umgang mit Aristoteles?

Der Autor argumentiert, dass Lessing Aristoteles zwar zur eigenen dramentheoretischen Legitimation nutzt, seine Interpretation jedoch als innovativen und wirkungsgeschichtlich bedeutsamen Akt der "produktiven Falschinterpretation" wertet.

Warum wird die Position von Schadewaldt und Fuhrmann kritisiert?

Die Kritik durch den Autor (und durch die herangezogene Quelle Dreßler) lautet, dass Schadewaldt und Fuhrmann versuchen, Lessings Interpretation durch eine vermeintlich objektive philologische Neuauslegung zu ersetzen, dabei aber selbst dem Irrtum einer instrumentellen Anwendung von Quellen verfallen.

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Details

Title
Lessings Hamburgische Dramaturgie: 'Furcht und Mitleid' oder 'Jammer und Schaudern' - Das aristotelische Begriffspaar 'eleos' und 'phobos' als Ausgangspunkt verschiedener Wirkungstheorien
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Institut für Germanistik)
Course
Lessing - Dramen und Dramentheorie
Grade
1.7
Author
Roman Seda (Author)
Publication Year
2004
Pages
32
Catalog Number
V44159
ISBN (eBook)
9783638418119
ISBN (Book)
9783656381358
Language
German
Tags
Lessings Hamburgische Dramaturgie Furcht Mitleid Jammer Schaudern Begriffspaar Ausgangspunkt Wirkungstheorien Lessing Dramen Dramentheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Roman Seda (Author), 2004, Lessings Hamburgische Dramaturgie: 'Furcht und Mitleid' oder 'Jammer und Schaudern' - Das aristotelische Begriffspaar 'eleos' und 'phobos' als Ausgangspunkt verschiedener Wirkungstheorien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44159
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