Wirtschaftspsychologie studieren? Eine persönliche Reflexion


Hausarbeit, 2018
29 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Entwicklung meines Bildes von Wirtschaftspsychologie im Verlaufe des 1. Semesters

2. Herausarbeitung und Vergleich des Themas ‚Werbepsychologie‘ in zwei Fachbüchern zur Einführung in die Wirtschaftspsychologie

3. Umgang mit den 12 ‚Umbildungs-Pflöcken‘

Literaturverzeichnis

1. Die Entwicklung meines Bildes von Wirtschaftspsychologie im Verlaufe des 1. Semesters

Bis zum letzten Sommer wusste ich nichts über das Studium und das Tätigkeitsfeld der Wirtschaftspsychologie. Auf der langen und ermüdenden Suche nach dem richtigen Studiengang stieß ich zwischen Wirtschaftsrecht und Wirtschaftskommunikation auf den Terminus. Wie vermutlich die meisten, stellte auch ich mir darunter eine Verbindung betriebswirtschaftlicher Kompetenzen mit psychologischem Know-How vor. Da ich mich bis dahin sehr wenig mit Psychologie beschäftigt hatte und mehr darüber erfahren wollte, welche wissenschaftlichen Methoden und Erkenntnisse über unsere Erleben und Verhalten gelehrt werden, gefiel mir die Bezeichnung sehr gut. Die Verbindung zur Wirtschaft schien ‚den‘ Beruf des Wirtschaftspsychologen auch recht gut bezahlt zu machen. Als mir dann noch das Stichwort ‚Personalmanagement‘ als mögliche spätere Tätigkeit ins Auge sprang, war ich mir sicher, dass dieser Studiengang der Richtige für mich sein sollte. Schließlich wurde mir von meiner Mutter oft gesagt, wie gut meine Menschenkenntnis und mein Umgang mit ihnen ist und der Begriff ‚Management‘ hörte sich vielversprechend an. Also etwas was mich interessiert, recht gut bezahlt wird und meinen Begabungen und Veranlagungen angemessen ist.

Die BSP war die erste Hochschule, die ich für den Studiengang als besonders kompetent empfand und sie blieb nach weiteren Suchen auch als Favorit erhalten. Die Begriffe ‚qualitativ‘ und ‚quantitativ‘ sagten mir zu dem Zeitpunkt etwas ganz anderes als heute. Auch in der Gesprächsrunde konnten wir feststellen, dass die Ungleichheit des quantitativen und qualitativen Ansatzes und der darunter folgenden Abzweigungen nicht annähernd so bedeutend eingestuft wurde, wie sie es eigentlich ist. Eher wurden ‚quantitativ‘ und ‚qualitativ‘ als Randbegriffe aufgenommen. Ich vermutete, dass das Studium an der BSP wohl einfach ‚qualitativ hochwertig‘ sei und es auch an Quantität, also an Menge der Vermittlung und der Lehre nicht mangeln sollte. Aufgrund der weit verbreiteten alltäglichen Benutzung von Quantität und Qualität war auch der Laie von dieser Bedeutung ausgegangen. Ebenfalls fiel auf, dass die Wirtschaftspsychologie vor Beginn des Studiums von uns stark vereinfacht wurde. Unser Gespräch ergab, dass man sich im Grunde eine lineare Abfolge des gelernten und zu lernenden Stoffes vorstellte, sowohl in den betriebswirtschaftlichen Kompetenzen, als auch in den psychologischen. Schließlich müsse es natürlich noch Raum für das Ineinandergreifen und Verbinden beider Bereiche geben, sodass man psychologische Modelle und Theorien auf spezielle wirtschaftliche Kontexte übertragen könne. Auch der Laie hatte das Bild von einer einheitlichen psychologischen Ausbildung gepaart mit wirtschaftlichen Kompetenzen. Interessanterweise spielt der Nicht-Wirtschaftspsychologe unserer Gesprächsrunde mit dem Gedanken klassische Psychologie zu studieren, da man dort, so er, mehr über den Menschen an sich erfährt und die Wirtschaftspsychologie nur Aufschluss darüber geben kann, wie und wieso sich der Mensch beispielsweise beim Kaufen eines Produkts oder beim Sehen einer Werbung verhält. Diese Einschätzung hatte ich auch vor Beginn des Studiums nicht. Ich war mir sicher, viel über ,den’ Menschen erfahren zu können, auch über mich selbst. Die „(…)Schulung (…) [von] sozialen und personalen Kompetenzen“ (Schulte, Abruf: 09.03.2018) war nach Angaben der Website schließlich fest in das Studium integriert. Wer Psychologie, oder etwas damit verbundenes studiert, studiert sich doch schließlich selber, lautete meine Überlegung dazu. Mir schwirrten in dieser Zeit ebenfalls immer wieder Begriffe wie ‚Konsumverhalten‘ und ‚Marken’ durch den Kopf. Mir war bewusst, dass ich nicht mein gesamtes Studium darüber diskutieren würde, wie Marken uns beeinflussen, verband mit dem Studium damals aber sehr stark die Beschäftigung mit Einflüssen der Wirtschaft auf den Konsumenten, respektive das Individuum. Den Einfluss des Individuums auf die Wirtschaft durchdachte ich nicht. Ich reduzierte den Studiengang jedoch auch nicht darauf, zu lernen, wie die Wirtschaft uns beispielsweise durch Werbung manipuliert und welche psychologischen Knöpfe dafür gedrückt werden müssten. Die genauen Inhalte ließ ich mir offen, schließlich war es der einzige Studiengang, bei welchem mein Herz schneller schlug, als ich die ersten Beschreibungen las. Auch die herzliche Empfehlung einer Bekannten und die überaus schönen Räumlichkeiten trugen zur endgültigen Entscheidungsfindung bei, obwohl ich nicht sicher sein konnte, was mich erwartete (Ich denke, dass kann man nur bei einer geringen Menge an Studiengängen). Glücklicherweise hielt man mich davon ab, mir ein allgemeines Buch zur Einführung in die (gängige) Wirtschaftspsychologie zu kaufen, dieses hätte womöglich das Interesse an der Wirtschaftspsychologie zunichte gemacht. Ich blieb also einfach bei meinen unvoreingenommenen Erwartungen und Vorstellungen über das Bevorstehende und ließ keine wirtschaftspsychologischen Einführungen nach quantitativer Art mein Bild verrücken, oder die Vielfalt, welche mich mit Beginn des Studiums traf, schmälern. Ich bewarb mich also für einen Studienplatz und las danach wiederholt die Vorstellung der Hochschule und des Studiengangs auf der Website der BSP und wurde so noch überzeugter von meiner Entscheidung, ebenfalls neugieriger auf diese Wirtschaftspsychologie. Die Ausrichtung der Modulgruppen auf die fünf großen Arbeitsfelder gefiel mir gut. Ideen zu den Tätigkeitsbereichen, und was diese meinen könnten, hatte ich, jedoch kein geprüftes Wissen oder Erfahrungen und hielt mir so die genaue Überlegung zum späteren Beruf fürs erste frei. Die Möglichkeit des Personalmanagements bestand ja. Zwar wusste ich mit Begriffen wie ‚Kulturpsychologie‘ nicht viel anzufangen, so schien doch das Fach und die Hochschule immer vielseitiger und lebendiger. Diese Sichtweise hat sich im Verlauf der 1. Semesters nicht nur halten können, sondern wurde um ein Vielfaches übertroffen.

Zu Beginn fühlte ich mich ein wenig ertappt. Im ersten Seminar zur Einführung in die Wirtschaftspsychologie begann auch ich direkte Handlungsvorschläge zur Behandlung des Problems mit dem Dresscode zu sammeln. Im Nachhinein habe ich mich gefragt, wieso ich in diese Falle getreten bin. Immerhin studiert man drei Jahre für einen ersten anerkannten Abschluss und kann nicht von Beginn an wissen, was zu tun ist. Im weiteren Verlauf verstand ich aber, dass ich gar nicht anders konnte, so wie die anderen auch. Man wird etwas gefragt und jeder glaubt, ein bisschen psychologisch denken zu können und somit als neutraler Betrachter passende Vor- und Ratschläge geben zu können. Die Frage ist dann natürlich, wozu man Psychologie studiert, wenn man sich die Inhalte auch durch Lesen und Auswendig Lernen in gängigen Fachbüchern aneignen kann. Dass Kontext und Zusammenhänge und eine damit verbundene umfassende Unternehmens-kulturanalyse erforderlich sind, ist eine Idee, auf die ich leider (so glaube ich zumindest) nicht gekommen wäre. Nach den ersten Wochen wurde mir klar, dass die Erteilung sofortiger Maßnahmen nach Art des Lehrbuchs oder die Selbstauskunft als Lösungsweg in wirtschaftspsychologischen Kontexten der heutigen Zeit keine Seltenheit ist. Andernorts wird Wirtschaftspsychologie auf diese quantitative Art gelehrt. Ob ich an einer solchen Hochschule die Methoden und die zugrunde liegenden Auffassungen hingenommen hätte oder ob ich mich nach gegensätzlichen Positionen umgesehen hätte, würde ich durchaus gerne wissen. Nun bin ich aber glücklicherweise in der Lage, beide Seiten kennen zu lernen und abzuwägen. So kommt auch die Vielfalt zustande, vor welcher ich immer wieder stehe und staune. Wie konträr manche wissenschaftlichen Herangehensweisen sind und wie unterschiedlich die Schlussfolgerungen und Erkenntnisse. Ich rechnete vor Beginn des Studiums nicht damit, so viele verschiedene Psychologiekurse zu haben. Nun verstehe ich auch, weshalb die BSP ‚Psychologen für die Wirtschaft‘ ausbildet. In wenigen Monaten lernte ich verschiedene Psychologieansätze, wie die morphologische, die allgemeine und die biologische kennen.

Mit steigender Bewunderung verfolgte ich das Seminar zur Einführung in die Wirtschaftspsychologie und die sich mir auftuende Vielfalt der tiefenpsychologisch-morphologischen Untersuchungen. Dass es dabei um die gewöhnlichsten Dinge, wie Schokolade essen und Aufzug fahren gehen kann, habe ich schnell verstanden und die damit zusammenhängenden ‚Umpark-Vorgänge im Kopf‘ akzeptiert. Durch die Begegnung mit dieser alltagsnahen und lebhaften Psychologie, begann ich auch meinen privaten Alltag neu zu entdecken, sei es, dass ich mich nun in einer Situation befand, welche wir bereits in Erlebensprotokollen ausführlich beschrieben und besprochen hatten, oder in einer, über welche ich gerne tiefenpsychologische Untersuchungen lesen würde, wenn nicht sogar eines Tages selbst eine solche durchzuführen. Öfter war ich nun mit dem anderen Bild auf eine Situation, eine Marke oder ein Produkt konfrontiert, hatte man doch sein gesamtes, wenn auch noch nicht allzu langes Leben bestimmte Grundsätze unwissend festgeklopft und viele Details außer Acht gelassen. Zusätzlich stoße ich immer wieder auf Wörter wie: Bild, Gestalt, Alltag oder (Kunst-)Werk, welche ich in einem völlig veränderten Licht sehe. Schließlich sind dies Begriffe, die in der morphologischen Psychologie eine wichtige Funktion besitzen. Auf ein Alleinnutzungsrecht besteht diese Psychologie sicher nicht, sind es doch geläufige Begriffe, die man im Alltag verwendet und sich die morphologische Psychologie als Alltagspsychologie versteht.

Auch die quantitative Psychologie begegnet mir weit verbreitet in den Meinungsumfragen, welche ich beispielsweise einige Male für eine Agentur durchgeführt habe. Jeder kann mit diesen Fragebögen arbeiten: sie enthalten schließlich nur ein paar simple Fragen, Skalen und abgestufte Antwortmöglichkeiten. Es ist sicher einfach, aber ob es wirklich den gewünschten Erfolg hat?

Ich nehme die Wirtschaftspsychologie also mit in meinen gelebten Alltag, ich denke über morphologische Ansätze nach und bin konfrontiert mit statistischen Fragebögen.

Das Studium und die Inhalte bleiben also nicht in der Hochschule, ich habe sie stets bei mir und öfter die Zeit, sie zu hinterfragen, mir selbst zu erläutern oder mehr darüber zu lesen. Als es um das ‚Umparken im Kopf’ ging, bekam ich zwar keine Angst, erwartete jedoch trotzdem ‚mehr‘ Umbruch in mir, als ich bis jetzt spürte. Bei manchen Kommilitonen sah ich den Widerstand gegenüber den Methoden und bestimmten Ergebnissen. Einige dieser Ergebnisse waren für mich leicht zu akzeptieren, wie die tiefenpsychologische Untersuchung zum ‚Flirtspiel‘, manch andere, wie der Verwendungszweck des Fruchtquarks, schwerer zu verarbeiten.

Gerne würde ich manchmal die kulturpsychologisch-tiefenpsychologisch-morphologische Sichtweise vor Freunden oder meiner Mutter erklären, diese Möglichkeit, respektive dieser Einfall bleibt aber auch nur kurz erhalten. Ich spüre dann das Gefühl, einen Schatz in mir zu tragen, welcher einigen bekannt ist, der breiten Masse aber unbekannt. Nie hätte ich vor dem Studium geglaubt, dass das Wissen und die Geschichten, welche ich mit nach Hause nehmen würde, so etwas Besonderes und wichtiges für mich wären. Gleichzeitig sind diese für mich so andersartigen, mit einer gewissen Veränderung einhergehenden Inhalte (Ursache des Dresscode-Problems) und Fragestellungen (Was hat das Seelische vom Schuhe binden?) für Nicht-Wirtschaftspsychologen in einem Small-Talk oder auch einem Gespräch beim gemeinsamen Essen schwer bis unmöglich begreifbar zu machen. Sie bleiben somit vorerst in meinem Kopf und können in den nächsten Jahren ausführlich und umfassend bearbeitet werden.

Auch fände ich es interessant, irgendwann mit quantitativ arbeitenden (Wirtschafts-)Psychologen, welche sich auch ausführlich mit der tiefenpsychologisch-kulturpsychologisch-morphologisch ausgerichteten Psycho-logie beschäftigt haben, sprechen und diskutieren, weshalb sie sich für die quantitative Vorgehensweise entschieden haben. Im Moment fühle ich mich aber zu sehr als Laie und (noch) nicht bereit, um in größere Diskussionen einzusteigen. Die Fragen brennen trotzdem: Liegt es am Unwissen über die Details, vielleicht doch über die bloße Existenz dieser Psychologie? Ist es ein Mangel an Interesse, sich noch über den quantitativ-naturwissenschaftlichen psychologischen Tellerrand zu beugen? Sind es wohl überlegte Argumente, welche gegen die morphologische Psychologie sprechen? Ist es eine Angst vor dem anderen, dem nicht weit verbreiteten?

Wie meine ersten Vorstellungen über die Wirtschaftspsychologie, erscheint auch der anfänglich von mir stark favorisierte Beruf der Personalmanagerin zu flach und zu einfach, obwohl auch das nur Eindrücke sind und ich noch nie gesehen habe, wie der Berufsalltag einer gemeinen Personalmanagerin nun aussieht. Andererseits fehlt es noch an Mut, um zu sagen, dass ich später selbst tiefenpsychologisch-kulturpsychologisch-morphologisch ausgerichtete Studien und Analysen durchführen werde. Meine Frage nach bestimmten Voraussetzungen, Talenten, Eigenschaften oder Begabungen für eine solche Arbeit hat sich nach wie vor nicht beantworten lassen. Natürlich muss man die psychologische Haltung nicht bloß erlernen, sondern sie sich durch Übung aneignen. Aber das erklärt bei weitem nicht alles. Ich vertraue einfach darauf, dass sich alles fügen wird, spätestens bis zum Praxissemester. Da ich im ersten Semester bereits sehr viel erfahren habe, werden drei weitere Semester sicher dabei helfen, die Anwendungsbereiche noch klarer zu strukturieren und mit Inhalten zu füllen. Dadurch, dass ich bei Entdeckung des Studiengangs sehr schnell mehrere Anwendungsfelder erfasste, war ich nicht der Meinung, dass man Wirtschaftspsychologie studiert, um „ein“ Wirtschaftspsychologe zu werden. Der Laie konnte sich nach spontaner Überlegung die Anwendung in der Werbung und nach etwas längerem Nachdenken auch in der Landwirtschaft vorstellen, was uns alle zugegebenermaßen etwas amüsierte. Verbindet man mit Wirtschaft also das Bewirtschaften von Feldern und womöglich auch Viehzucht ? Ich muss zugeben, dass ich mich an dem Punkt etwas versperrt habe. Mit so etwas wollte ich wirklich nicht als zukünftige Wirtschaftspsychologin in Verbindung gebracht werden. Aber auch ich habe vor Beginn des Studiums Wirtschaft und ihre Kontexte vor allem, (anstatt auf die Landwirtschaft) z.B. auf Marken(-Wahn) und Konsumverhalten bezogen. Die Reichweite wirtschaftlicher Kontexte war mir nicht bewusst. Die Wirtschaftspsychologie kann die ganze Wirklichkeit behandeln, vorausgesetzt eine wirtschaftspsychologische Fragestellung liegt zugrunde. So habe ich als Laie die Möglichkeit der wirtschaftspsychologischen Tätigkeit weitreichender als der Nicht-Wirtschaftspsychologe unseres Gespräches eingeschätzt und trotzdem nicht weit genug. Selbst für einen nicht morphologisch arbeitenden Wirtschaftspsychologen, sollte das vermeintlich simple Geschehen, einen Kaffee zu trinken, ein für ihn interessantes, zu untersuchendes Phänomen sein, folglich natürlich mit seinen eigenen Methoden. Die Vielfalt der behandelbaren Objekte in der Wirtschaftspsychologie begegnete mir zwar als etwas neues, war aber schnell sehr einleuchtend. Dadurch war es für mich dann einige Zeit später auch leicht zu begreifen, dass ein Wirtschaftspsychologe nicht nur in verschiedenen Arbeitsfeldern, sondern überall in wirtschaftlichen Kontexten (außer in der Psychotherapie) tätig sein kann. Es ist einerseits beruhigend, zu wissen, dass sich einem nach Abschluss des Studiums viele Möglichkeiten bieten. Aus eigenem Erkenntnisinteresse kann man so aus einer Vielzahl wählen, und weiter suchen, wenn ein Versuch aus unterschiedlichen Gründen gescheitert ist. Andererseits steht man, wie so oft heutzutage, vor einer zu großen Auswahl. Die Festlegung auf eine Methode ist in dieser Hinsicht sicher hilfreich. Da aber der Unterschied zwischen quantitativen und qualitativen Wirtschaftspsychologen als sehr gravierend einzustufen ist, ergibt sich so die Frage, ob wirklich jeder Bereich in naher oder ferner Zukunft mit qualitativ ausgerichteten Wirtschaftspsychologen arbeiten wird. Ich möchte mich nicht gezwungen sehen, quantitativ zu arbeiten, wenn ich mit Begeisterung qualitativ arbeite und mich dieser Auffassung auch verpflichtet fühle oder den Einlass zu bestimmten Bereichen, einzelnen Aufträgen verweht zu bekommen, weil die ‚andere’ Wirtschaftspsychologie gewünscht wird. Könnte man den Laien doch bloß in wenigen Minuten die Vorteile, die Wissenschaftlichkeit und den Nutzen der tiefenpsychologisch-morphologisch-kulturpsychologisch ausgerichteten Wirtschaftspsychologie deutlich machen. Die Entscheidung der Methode ist bei mir also bereits gefallen, unmerklich aber bestimmt, seitdem ich es mir eingestanden habe. Trotz großer Zweifel an den Chancen und der Akzeptanz am Arbeitsmarkt, wo dies doch vor Beginn des Studiums ein solch wichtiger Punkt war. Der weit verbreitet vielversprechende, gerade zu schillernde Begriff ‚Management‘ lässt sich schließlich nun (außer ich gelange durch noch zu klärende Gründe doch ins Personalwesen) aus meinem zukünftigen Arbeitsplatz streichen. Wo und was ich qualitativ machen möchte, wird sich mit fortschreitenden Semestern ergeben. Wie sich gezeigt hat, gibt es auch in der qualitativen Forschung verschiedenste Abzweigungen, mit sich zum Teil ausschließenden Verfahren. Im Moment steht fest, dass ich Absicht und Wirkung in Einklang bringen möchte, ob nun bei der Entwicklung eines Werbespots, einer Unternehmenskulturanalyse oder womöglich im Bereich des Coaching. Dass meine favorisierte Psychologie nun wirklich ,kulturpsychologisch-tiefenpsychologisch-morphologisch, ausgerichtet ist, welche Begriffe was genau ausschließen und was miteinbeziehen und wie sie sich ergänzen, wird sicher in den nächsten Semestern eindeutiger. Ich bin in diesem Punkt keinesfalls alleine und mache mir darum keine Sorgen. Auch meine Gesprächspartner waren sich nicht sicher in der Verwendung der jeweiligen Begrifflichkeiten, vor allem mit der „Morphologie“ tut man sich noch etwas schwer. Der Nicht-Wirtschaftspsychologe schaute sehr verdutzt, da er diesen Begriff von der Kunstlehrerin und auch aus dem Deutsch-Unterricht kannte und ihn sich in einem wirtschaftspsychologischen Kontext kaum vorstellen konnte.

Dass wir uns nicht beinahe im ‚zweiten Wagon‘, sondern am Beginn der (wirtschaftspsychologischen) Spirale befinden, beruhigt mich. Da ich sowieso noch nie eine große Affinität zur Mathematik hatte, war es für mich umso komplizierter, bei den Themen mitzukommen, die stetig aufeinander aufbauten und ich große Wissenslücken hatte. Ich denke, dass die Spirale des Lernens so etwas ausschließen kann. Wenn ich einen Text heute lese und nicht verstehe, ist das kein Grund für Verzweiflung, in einem Jahr lese ich ihn noch einmal und verstehe ihn dann womöglich schon viel besser. Diese Erfahrung habe ich bereits mit einem Artikel gemacht, welcher mich zu Beginn des Moduls ‚Qualitative Methoden‘ sehr verwirrte. Vor einigen Tagen war es bereits sehr viel angenehmer diesen zu lesen und ich verstand mehr als nur ‚Bahnhof‘. Während meine an der Diskussionsrunde beteiligten Gesprächspartner eher noch dabei sind, zu akzeptieren, dass wir vor allem die vielfältigen Methoden, statt vorgeformtes Wissen aus Büchern gelehrt bekommen, schätze ich diese Spirale aus bereits erwähntem Grunde, so wie auch aus purer Neugier. So sind die Kommilitonen erleichtert über ‚simple und klar strukturierte’ Klausuren wie für das Modul Betriebswirtschaftslehre. Auch wenn diese Wissenschaft tatsächlich zu den Geisteswissenschaften gezählt wird, erscheint sie mir so rational und einheitlich wie eine Naturwissenschaft. Natürlich gehört ein solches Modul zum Kursplan dazu. Doch das Auswendiglernen und danach wieder vergessen, ist für mich eher Müßiggang, wohlwissend dass es dazugehört. Natürlich weiß ich, dass ich nicht die einzige bin, welche so fasziniert von der morphologischen Psychologie ist, welche kein Problem damit hatte, sich auf eine Spirale des Lernens einzustellen und die Entscheidung für eine qualitative Psychologie bereits nach dem 1. Semester getroffen hat. In meinem eigenen Kurs stehe ich damit vielleicht auch nicht alleine da.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftspsychologie studieren? Eine persönliche Reflexion
Hochschule
International Business School Berlin  (Wirtschaftspsychologie)
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
29
Katalognummer
V441712
ISBN (eBook)
9783668803114
ISBN (Buch)
9783668803121
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Speziell für das Modul ‚Einführung in die Wirtschaftspsychologie‘ aber auch weitere Hausarbeiten gut geeignet.
Schlagworte
Vergleichende Darstellung des Themas ‚Werbepsychologie‘ in zwei Fachbüchern, Darstellung und Verständnis der 12 Umbildungspflöcke, Veränderung des Bildes von Wirtschaftspsychologie im Verlauf des 1. Semesters
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Anonym, 2018, Wirtschaftspsychologie studieren? Eine persönliche Reflexion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441712

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