Finanzierbarkeit eines Grundeinkommens und Umverteilungswirkungen innerhalb der Gesellschaft


Bachelorarbeit, 2018
41 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1. Das Grundeinkommen - ein finanzierbares System?3
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Arbeit

2. Grundlegendes..4
2.1 Definition Grundeinkommen
2.2 Empirische Daten

3. Modelle zur Finanzierung eines Grundeinkommens.8
3.1 Modell nach Werner
3.1.1 Die Finanzierung durch die Umsatzsteuer bei bestehenden
Steuern
3.1.2 Die Finanzierung durch die Umsatzsteuer als einzige Steuer
3.2 Weiterentwickeltes Modell nach Althaus und Binkert
3.3 Modell der KAB

4. Umverteilungswirkungen innerhalb der Gesellschaft.23
4.1 Nach dem Modell von Werner
4.1.1 Bei bestehenden Steuern
4.1.2 Bei Ersatz aller Steuern durch die Umsatzsteuer
4.2 Nach dem Modell von Althaus und Binkert
4.3 Nach dem Modell der KAB

5. Zusammenfassung und Fazit35

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Lorenzkurve der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland (2005/ 2007)

Abbildung 2: Wirtschaftsstruktur in Deutschland

Abbildung 3: Netto-Grundeinkommen und Mehrkosten durch die Umsatzsteuer

Abbildung 4: Monatl. Brutto/ Netto-Einkommen bei 25%/ 50% Steuer und 500€ GE

Tabelle 1: Ermittlung des gesamten jährlichen Grundeinkommens

Tabelle 2: Steuerlastverteilung zur Grundeinkommensfinanzierung

Tabelle 3: Finanzbedarf durch das Grundeinkommen

1. Das Grundeinkommen - ein finanzierbares System?

1.1 Problemstellung

In unserer heutigen Gesellschaft ist der Abstand zwischen Arm und Reich immer weiter am Wachsen. Reiche werden reicher, während Arme arm bleiben. Seit Jahren werden immer wieder Steuersysteme umgestaltet, um für eine gerechtere Verteilung der finanziellen Mittel zu sorgen. Bisher ist es dadurch allerdings noch nicht gelungen, eine ausreichend faire Umverteilung zu bewirken. Eine Revolution hierfür wäre daher die Einführung eines Grundeinkommens. Konzepte zum vom Staat monatlich gezahlten Einkommen ohne jeden Zwang zur Arbeit sind schon lange wiederholend vorkommende politische Debatten. Das Grundeinkommen steht dabei für soziale Gerechtigkeit und wird seither von verschiedenen Parteien und Anhängern diskutiert. Diesbezüglich scheiden sich auch die Meinungen: während die Befürworter überzeugt sind, ein Grundeinkommen in Deutschland ließe sich finanzieren, bleiben die Gegner skeptisch. Dass Einkommen zwangsläufig mit Arbeit gekoppelt ist, ist ein Irrglaube. Durch den Wachstum der Wirtschaft und die damit verbundenen Effizienzsteigerungen durch Maschinen und Roboter könnte ein Grundeinkommen längst finanziert werden. Es ist lediglich das Bewusstsein dazu nötig, dieses Vorhaben umzusetzen. Mit dieser Arbeit soll die Finanzierbarkeit und Umsetzbarkeit eines solchen Konzepts rechnerisch verdeutlicht werden. Des Weiteren werden Szenarien betrachtet, welche die Wirkungen des Grundeinkommens in verschiedenen Höhen untersuchen. Diese wissenschaftliche Arbeit richtet sich somit an alle Interessenten, ob Skeptiker oder überzeugter Befürworter des Grundeinkommens, welche sich gerne einen Gesamtüberblick über die verschiedenen Ansätze und Auswirkungen verschaffen wollen und evtl. das Vorhaben besitzen, selbst - anhand eingebrachter Überlegungen und Formeln - ein Konzept auszuarbeiten.

1.2 Gang der Arbeit

Die folgende wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Finanzierbarkeit eines Grundeinkommens in Deutschland und gibt daraufhin Einblicke in dadurch entstehende Umverteilungswirkungen innerhalb der Gesellschaft. Es werden dabei drei verschiedene Finanzierungsansätze betrachtet, um die unterschiedlichen Maßnahmen sowie deren Auswirkungen aufzuzeigen und somit einen Vergleich zu schaffen, um mögliche Kritikpunkte hervorzuheben. Im 2. Kapitel sollen dem Leser wichtige Begrifflichkeiten sowie statistische Daten zugänglich gemacht werden. Daraufhin wird mit dem Hauptteil begonnen, welcher sich zunächst mit der Finanzierbarkeit des Grundeinkommens beschäftigt. Als Erstes wird dabei das Modell von Werner betrachtet, welches sich auf die Finanzierung des Grundeinkommens durch eine Erhöhung der Umsatzsteuer stützt. Es werden drei verschiedene Höhen des Grundeinkommens angesetzt und daraufhin die Finanzierbarkeit überprüft, indem die dafür notwendigen erhöhten Konsumsteuersätze ermittelt werden. Diese werden einmal unter der Annahme, dass die Konsumsteuer nicht alle übrigen Steuern ersetzt, und zum anderen unter der Annahme, dass sie die einzige Steuer ist, errechnet. Hierzu werden Gedanken mit eingebracht, welche die dadurch entstehenden Veränderungen nahebringen sollen. Des Weiteren wird das Modell von Althaus und Binkert betrachtet, welches auf der Finanzierung durch eine Einkommenssteueranpassung basiert. Auch hier soll der Finanzbedarf durch unterschiedliche Höhen des Grundeinkommens bestimmt werden, um die zur Finanzierung notwendige Anpassung der Einkommenssteuer zu ermitteln. Dabei werden alle notwendigen Formeln aufgestellt, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, seine eigenen Annahmen über die Höhe des Grundeinkommens und die daraus resultierenden Einkommenssteuersätze ermitteln zu können. Außerdem soll dadurch ein Grundverständnis der rechnerischen Überlegungen geschaffen werden. Mit dem letzten Modell wird auf die gemischten Steuerneugestaltungen der KAB eingegangen. Bei diesem werden aufgrund hoher Komplexität und deren Grundeinkommensausgangswert, welcher die Armutsrisikoschwelle ist, keine weiteren Grundeinkommenshöhen angenommen. Es wird lediglich die rechnerische Vorgehensweise geschildert sowie das Ergebnis interpretiert. Im nachfolgenden Kapitel wird auf die Umverteilungswirkungen innerhalb der Gesellschaft eingegangen. Hier werden die Ergebnisse zu den errechneten Steuersätzen der jeweiligen Modelle situationsbedingt in Beispielen eingebracht und bezüglich der daraus resultierenden Veränderung die Nettoeinkommen bzw. Ausgaben bestimmt. Anschließend werden die entstehenden Mehrausgaben/ -einnahmen interpretiert. Schlussendlich werden im Fazit die Vor- und Nachteile zusammengefasst und miteinander verglichen, um eine Aussage bezüglich der Rentabilität der Modelle zur Einführung eines Grundeinkommens zu treffen.

2. Grundlegendes

2.1 Definition Grundeinkommen

Ein Grundeinkommen, auch als bedingungsloses Grundeinkommen betitelt, ist eine Geldleistung des Staats, welche jeder Mensch innerhalb einer politischen Gemeinschaft ohne jegliche Gegenleistung erhält. Da sich das Grundeinkommen auf alle Menschen bezieht sowie bedingungslos ist, unterliegt es weder einer Bedürftigkeitsprüfung noch dem Zwang zur Arbeit. Es stellt einen individuellen Rechtsanspruch dar. Die Idee des Grundeinkommens besteht darin, die Existenz zu sichern und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.[1] In Verbindung mit dem Grundeinkommensbegriff wird häufig von einer sogenannten Negativen Einkommens-steuer gesprochen. Dieser Begriff resultiert aus der Verrechnung der individuellen Einkommenssteuerschuld ohne Grundeinkommen mit dem ausgezahlten Grund-einkommensbetrag. Zunächst unterliegt das Grundeinkommen einer steuerrechtlichen Überprüfung des Einkommens. Wie hoch das jeweilige zusätzliche Einkommen einer Person ist, hat dabei keine Auswirkungen auf den Erhalt des Grundeinkommens - lediglich die Einkommenssteuerschuld wird erhöht.[2] Anbei ein Beispiel zur Veranschaulichung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Beispiel handelt es sich um eine Negative Einkommenssteuer von 200€, da der Grundeinkommensbetrag die Steuerschuld um diesen übersteigt. Es wird somit ein (Rest-)Grundeinkommen von 200€ in Anspruch genommen. Entspricht die Ein-kommensteuerschuld dem Grundeinkommen, wird weder ein Grundeinkommen ausgezahlt noch muss eine Steuerschuld enttrichtet werden. Hier spricht man von der sogenannten Transfergrenze.[3] Wodurch die Höhe des Grundeinkommens sowie die Finanzierungsmittel bestimmt werden und welche Leistungen das Grundeinkommen ersetzt, ist von Modell zu Modell unterschiedlich und wird daher in späteren Kapiteln des jeweiligen Finanzierungsmodells aufgezeigt.

2.2 Empirische Daten

Zunächst werden für das weitere Vorgehen dieser Arbeit Einblicke in die derzeitige Lage bezüglich der jeweiligen Einkommen in Deutschland gegeben. Um die Finanzierungsmodelle und deren Umverteilungswirkungen besser analysieren und verstehen zu können, ist es wichtig sich mit betroffenen Daten und gegebenenfalls der zeitlichen Entwicklung derjenigen kurz auseinander gesetzt zu haben. Laut Statistischem Bundesamt beläuft sich der Haushaltsbruttoeinkommensanteil aus öffentlichen Transferzahlungen auf 23% und der Anteil aus Erwerbstätigkeit auf 62%. Die Finanzierungsansätze eines Grundeinkommens, die in den nächsten Kapiteln behandelt werden, erfolgen weitestgehend durch eine Sozialabgabe/ einen erhöhten Einkommenssteuersatz bzw. Konsumsteuersatz mit dem Ziel, die finanziellen Mittel gerechter zu verteilen sowie finanzielle Sicherheit zu bieten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Datenbasis: SOEP (2011)

Abbildung 1: Lorenzkurve der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland (2005/ 2007)

Die obere Grafik zeigt die Abweichungen von Einkommen und Vermögen zur Gleichverteilung. Sie gibt den prozentualen Teil des Einkommens an, wenn jede einzelne Person in Deutschland das Durchschnittseinkommen, gebildet aus allen Einkommen Deutschlands, erhalten würde. Die Spanne zwischen Arm und Reich ist anhand dieser deutlich sichtbar. So besitzen 50% der Bevölkerung zusammen nur knapp 20% des Gesamteinkommens, während es, verglichen mit dem Vermögen, nochmals deutlich weniger Prozent sind. Die Frage ist somit, inwiefern ein Grundeinkommen sich durch verschiedene Ansätze auf die Einkommensverteilung auswirkt. Laut einer weiteren Statistik des Statistischen Bundesamts beträgt der Anteil der Einkommenssteuerpflichtigen aller Einkünfte von 0-2500€ im Jahr 2013 12,5%, wobei der Modus bei 13,1% liegt und sich auf die Personengruppe mit einem Jahreseinkommen von 30.000€-40.000€ bezieht. Des Weiteren betrug in Deutschland im Jahr 2016 der Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Bevölkerung 19,7%.[4] Mit einem finanzierbaren Grundeinkommen sollen diese Missstände möglichst reduziert, die Spanne zwischen Niedrig- und Spitzenverdienern durch eine Umverteilung der Einkommen geringer gemacht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt 1 (2017), S.11.

Abbildung 2: Wirtschaftsstruktur in Deutschland

Ebenfalls erwähnenswert ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland. Es gibt das Produktionsmaß einer Volkswirtschaft an, indem die Produktion von Waren und Dienstleistungen summiert und Vorleistungen abgezogen werden. Es dient als Indikator für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit[5] und wird u.a. in Finanzierungs-modellen zum Grundeinkommen als Höhenbemessungsgrundlage verwendet. Wie die Grafik zeigt, ist das BIP in Deutschland über die Jahre stark gewachsen. Mit einem Wachstum der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit geht der Gedanke zur Einführung eines Grundeinkommens mehr und mehr einher. Denn wenn es einer Wirtschaft gut geht, kann auch ein größerer Teil an jene umverteilt werden, die es benötigen.

3. Modelle zur Finanzierung eines Grundeinkommens

Die folgende Betrachtung der ausgewählten Finanzierungsmodelle dient der Beurteilung inwiefern ein Grundeinkommen in Deutschland finanzierbar ist. Dazu werden anhand eigener Beispiele in Bezug auf vorliegende Modelle verschiedene Werte angenommen.

3.1. Modell nach Werner

Das folgende Modell richtet sich nach Götz Werner, welches in seiner Initiative „Unternimm-die-Zukunft‟ vertreten wird. Es werden zunächst die Idee und die notwendigen Daten vorgestellt. Anschließend werden anhand Rechnungen Fragen zur Finanzierbarkeit beantwortet. Auf Umverteilungswirkungen wird im nächsten Kapitel eingegangen. G. Werner vertritt das Menschenbild, dass Arbeit einen Teil der Selbstverwirklichung des Einzelnen darstelle. Ziel seines Konzepts ist das Trennen von Erwerbsarbeit und Einkommen. Die Einführung eines Grundeinkommens bedeutet für ihn im Primären bessere freie Gestaltungsmöglichkeiten im Leben, statt weniger Arbeitsanreize.[6] Seine Idee wird in vielen politischen Spektren mit Variationen zur Ausgestaltung, Begründung und Zielen der jeweiligen Parteien vertreten. Sein Vorschlag ist eine schrittweise Einführung eines Grundeinkommens. Er setzt den Betrag zwischen 200 bis 400 Euro pro Person pro Monat an. Dieser soll im Zeitraum von 15 bis 20 Jahren auf 1300 bis 1500 Euro ansteigen. Es wird außerdem in mehreren Artikeln eine Staffelung vorgeschlagen, welche Beträge in Abhängigkeit vom Alter vorsieht. Somit erhalten Kinder und Rentner einen geringeren Grundeinkommensbetrag als Menschen im Erwerbsalter. Mit der Einführung eines Grundeinkommens soll außerdem der Arbeitsmarkt weitgehend von regulatorischen Vorschriften befreit werden. Das Grundeinkommenskonzept stellt somit eine Vereinfachung des Sozialsystems dar, denn das Grundeinkommen soll nach Werner alle bisherigen Sozialtransferleistungen langfristig ersetzen. Dies hat zur Folge, dass Geldmittel zur Finanzierung des Grundeinkommens freigesetzt werden. Diese bestehen somit aus den Steuern, Abgaben und Beiträgen, die bislang für Renten, Arbeitslosengeld I und II, Kindergeld, Pflegegeld, Wohngeld und weitere staatliche Leistungen eingesetzt werden. Werners Ziel ist es, bis auf die Umsatzsteuer alle Steuern abzuschaffen. Da der Umsatzsteuer die soziale Komponente eines Steuerfreibetrages fehlt, fungiert hier das Grundeinkommen als solcher.[7]

Im Grunde gilt es somit den Finanzbedarf, also denjenigen Bedarf, der durch Maß-nahmen aufgebracht werden muss, um ein Grundeinkommen finanzieren zu können, zu berechnen. Dieser soll über die Erhöhung der Umsatzsteuer finanziert werden. Es wird nun unter verschiedenen Annahmen hinsichtlich der Höhe des Grund-einkommens ermittelt, inwiefern dieses finanzierbar ist. Als erstes wird der gesamte Finanzbedarf, verursacht durch die Einführung des Grundeinkommens, errechnet.

Ermittlung des gesamten jährlichen Grundeinkommens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung unter Verwendung von Daten aus: Statista 1 (2017) und Countrymeters (2017).

Tabelle 1: Ermittlung des gesamten jährlichen Grundeinkommens

3.1.1 Die Finanzierung durch die Umsatzsteuer bei bestehenden Steuern

Für alle drei Fälle werden nun folgende Annahmen getroffen:

- Die entfallenden staatlichen Kosten betragen 29,3% [8] des Bruttoinlandsprodukts von 2016 abzüglich Ausgaben für Krankenversicherung von 210,36 Mrd. € [9]
- Ferner wird davon ausgegangen, dass die Erhöhung der Konsumsteuer nicht zu geringerem Konsum führt
- Das Preisniveau bleibt durch Einführung eines Grundeinkommens unverändert

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Betrachtet man nun Fall 2, fällt auf, dass der Finanzbedarf negativ ist, und somit die zur Verfügung stehenden Mittel bereits ein Grundeinkommen von 700€ pro Erwachsenem und 350€ pro Kind nicht nur decken, sondern sogar übersteigen. Es wäre unter diesen Annahmen also ein Grundeinkommen im Durchschnitt von 707,873 Mrd. €/ 82,667 Mio. Einwohner (entspricht 713,57€ im Monat pro Person) finanzierbar. Unterstellt man ein 2:1 Verhältnis zwischen Grundeinkommen pro Erwachsenem und Grundeinkommen pro Kind lässt sich folgende Gleichung aufstellen:

Grundeinkommen/ Monat = GE

Auf den ersten Blick erscheint dieses Konzept ziemlich rentabel, da kein Mehraufwand zur Deckung der Kosten benötigt wird. Jedoch ist zu beachten, dass die Sozialleistungen durch das Grundeinkommen ersetzt werden. In diesem Modell beziehen die wegfallenden Staatsausgaben auch Rentenzuschüsse mit ein. Somit würden sich nur diejenigen darüber freuen, welche weniger Sozialleistungen beziehen als die Höhe des Grundeinkommens. Um nun ein höheres Grundeinkommen bezahl-bar zu machen, muss berechnet werden wie hoch der neue Konsumsteuersatz sein muss um den restlichen Finanzbedarf zu decken. (In den nachfolgenden Rechnungen wird der Einfachheit halber ein Umsatzsteuersatz der gesamten Steuereinnahmen aus Umsatzsteuern von 19% unterstellt). Nach den 2016 ermittelten Steuereinnahmen betrug die Konsumsteuer 217,1 Mrd. € inklusive Einfuhrumsatzsteuer[10].

Nun lassen sich für Fall 1 und Fall 2 folgende Umsatzsteuersätze ermitteln:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Fall 1 steigt die Umsatzsteuer um 94,09% an, wenn ein Grundeinkommen von 1000€/ Erwachsener bzw. 500€/ Kind finanziert werden muss. Es ergibt sich somit eine Umsatzsteuer von 37%. Im Fall drei steigt die Umsatzsteuer durch eine 172,34%ige Erhöhung auf 52% an; bei einem zu finanzierenden Grundeinkommen von je 1300€/ Erwachsener bzw. 650€/ Kind.

3.1.2 Die Finanzierung durch die Umsatzsteuer als einzige Steuer

Soll die Umsatzsteuer nun alle Steuern ersetzen, muss der Umsatzsteuersatz weitaus stärker ansteigen, um die Staatsquote von derzeit 44,3% vom BIP abzüglich wegfallender Leistungen durch die Umsatzsteuer decken zu können.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Berechnung des Finanzbedarfs der verschiedenen Grundeinkommenshöhen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Damit lässt sich für die drei Fälle die erhöhte Umsatzsteuer errechnen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn nun alle anderen Steuern und Einkommensquellen des Staates bis auf die gesetzlichen Krankenversicherungen entfallen, läge der Konsumsteuersatz zwischen dem 6- bis 8-fachen des Aktuellen (ausgehend von 19%). Die Problematik an einer reinen Konsumbesteuerung ist, dass die Steuerlast nur auf die Konsumenten verteilt wird. Entlastet würden diejenigen, die sparen. Das hätte zur Folge, dass Geringverdiener höher besteuert werden würden, da diese im Gegensatz zu Gutverdienern gezwungen sind, einen größeren Teil ihres Einkommens auszugeben.[12] Auf Auswirkungen wird im nächsten Kapitel genauer eingegangen.

3.2. Weiterentwickeltes Modell nach Althaus und Binkert

Das folgende Modell richtet sich nach einem weiterentwickelten Konzept des 2006 vorgestellten Modells des ehemaligen Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU). Althaus und Binkert sehen das Konzept eines Grundeinkommens für eine gesicherte Zukunft als sehr relevant an, da die Anzahl der Rentner zunimmt und die Schere zwischen Arm und Wohlhabend immer mehr auseinander geht. Dies wird durch eine Auswertung der Vermögensverteilung ersichtlich: Rund 60% des Vermögens gehören dem reichsten Zehntel der deutschen Bevölkerung. Die restlichen 90% besitzen hingegen nur 40% des Vermögens. Aufgrund dessen soll der Versuch geschaffen werden durch ein Grundeinkommen - im Modell nach Althaus als Solidarisches Bürgergeld bezeichnet - die Kluft der gesellschaftlichen Schichten näher zusammenzubringen. Im folgenden Modell werden nach Althaus 500,00€ im Monat für jeden Bürger als Solidarisches Bürgergeld angesehen. Dieser Betrag soll das soziokulturelle Existenzminimum sichern. Außerdem sollen Leistungen für die Kosten von Unterkunft und sonstige Bedarfsaufwendungen wie etwa bei Pflegebedürftigkeit oder für Alleinerziehende bestehen bleiben.[13] An dieser Stelle ist allerdings fragwürdig, ob es sich tatsächlich um ein Grundeinkommen handelt. Denn ein Grundeinkommen soll alle lebensnotwendigen Kosten inklusive der sozialen Teilhabe sichern. Dies ist hier nicht der Fall, da die zusätzlichen Leistungen, die dafür notwendig sind, erst durch eine Bedürftigkeitsprüfung in Anspruch genommen werden können und somit nicht jedem Bürger gleichermaßen zustehen. Die Finanzierung des Bürgergelds erfolgt im Althauser Modell über die Besteuerung der Einkommen. Einkommen bis 250.000€ im Jahr werden mit einer Flat Tax von 25% besteuert, während das diese Grenze übersteigende Einkommen mit 50% besteuert wird. Im Gegensatz zu dem Modell von Werner, welches sich auf die Umsatzsteuer als Finanzierungsmaßnahme bezieht, wird in diesem Modell die Steuerlast auf den einkommensbeziehenden Teil der Gesellschaft verteilt. Somit wird das erhaltene Bür-gergeld mit der Einkommenssteuer verrechnet. Die Transfergrenze entsteht hier bei einem Markteinkommen von 2.000€ (= 500€/ 0,25). Bei diesem Einkommensbetrag erhält man weder Bürgergeld noch muss eine Steuerschuld gezahlt werden. Bevor Einkommenswirkungen untersucht werden können, stellt sich die Frage, auf welche Höhe sich der Gesamtfinanzbedarf belaufen würde, wenn ein Grundeinkommen von 500€ jedem Bürger ausgezahlt wird und welche Mittel zur Deckung dieses Betrags beitragen. Zuerst ist auszurechnen, welcher Gesamtbetrag finanziert werden muss.

Dieser errechnet sich aus Grundeinkommen* Monate* Anzahl Einwohner [14] :

In 2016 betrug das Volkseinkommen 2,338 Billionen €.[15] Die Steigung des Volkseinkommens betrug in den letzten Jahren durchschnittlich 0,08 Billionen €, weswegen in weiteren Rechnungen für 2017 ein Wert von 2,418 Billionen € angenommen wird. Aufgrund fehlender aktueller Daten wird zunächst der Stand von 2013 der Einkommensbezieher von über 250.000€ im Jahr herangezogen.[16] Laut Statistik sind dies zusammengerechnet 0,54%. Das heißt 439.268 Einwohner (81.346.000 Einwohner multipliziert mit 0,0054) zahlen auf ihr 250.000€ übersteigendes Jahreseinkommen 50% Steuern. Laut Daten von Althaus und Binkert belief sich die Einkommenssteuerlast, welche 250.000€ im Jahr überstieg auf 292,3 Mrd. € Brutto. Da das der bereits nach Abzug der 50%igen Steuerlast errechnete Betrag ist, beläuft sich der gesamte zu versteuernde Betrag, welcher 250.000€ Jahreseinkommen überstieg, auf 584,6 Mrd. €. Die Differenz aus dem Volks-einkommen und den 250.000€ übersteigenden Gesamteinkommen ergibt demnach das Gesamteinkommen, welches mit 25% versteuert wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Gesamtsteuerlast der Einnahmen bis 250.000€ beträgt somit 438,35 Mrd. €. Diesen ist ungefähr ein 99,46% Anteil (100 - 0,54) der deutschen Bevölkerung zuzu-rechnen. Folgend soll eine Darstellung die gewonnenen Erkenntnisse veran-schaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung unter Verwendung von Daten aus vorherigen Berechnungen.

Tabelle 2: Steuerlastverteilung zur Grundeinkommensfinanzierung

[...]


[1] Vgl. Blaschke (2012), S.13.

[2] Vgl. Blaschke (2012), S.14.

[3] Vgl. Pelzer (2007), S.3.

[4] Vgl. Statistisches Bundesamt 2 (2017)

[5] Vgl. Springer Gabler Verlag (2017)

[6] Vgl. Werner (2008), S.63ff.

[7] Vgl. Schmidt (2017)

[8] Vgl. Zeit Online (2017)

[9] Vgl. GKV-Spitzenverband (2017)

[10] Vgl. BMF (2017)

[11] Vgl. Deutscher Bundestag (2006), S.7.

[12] Vgl. Kumpmann (2005), S.11.

[13] Vgl. Althaus & Binkert (2017) S.1.

[14] Vgl. The World Bank Group (2017)

[15] Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln (2017)

[16] Vgl. Statista 2 (2017)

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Finanzierbarkeit eines Grundeinkommens und Umverteilungswirkungen innerhalb der Gesellschaft
Hochschule
Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
41
Katalognummer
V441737
ISBN (eBook)
9783668800816
ISBN (Buch)
9783668800823
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundeinkommen, Finanzierbarkeit Grundeinkommen, VWL, Grundeinkommen Umverteilungswirkungen, Grundeinkommen Deutschland, Rechnungsmodelle Grundeinkommen, Finanzierungsmodelle
Arbeit zitieren
Anja Meyer (Autor), 2018, Finanzierbarkeit eines Grundeinkommens und Umverteilungswirkungen innerhalb der Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441737

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