Der Versailler Garten unter Ludwig XIV. - Abbild der absolutistischen Macht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

22 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Residenz oder Hauptstadt? – Einleitende Fragestellungen

3 Historischer Hintergrund

4 Versailles als Herrschaftsdemonstration in Paris
4.1 Vorstellung der Gesamtkonstruktion
4.2 Blick auf die Gartenanlage
4.3 Die Menagerie
4.3.1 Entwicklung und Bedeutung der höfischen Aktivitäten
4.3.2 Konstruktion der Menagerie
4.3.3 Funktion des «Château de la Ménagerie»
4.4 Symbol des Absolutismus: Der Sonnenpalast von Versailles

5 Schlussbetrachtung - Der Hauptstadtgedanke bei Versailles

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Diese Arbeit schließt sich an das Hauptseminar des Wintersemesters 2004/05 „Hauptstadtfragen: Architektur und politische Kultur in Metropolen der Frühen Neuzeit“ an.

Der Glanz Ludwigs XIV – des Sonnenkönigs – beruht, neben seinen außenpolitischen Erfolgen, nicht zuletzt auf seiner Präsenz in allen Arten der Kunst. In königlichem Auftrag wurden Künstler aller Geistesrichtungen tätig: Molière schrieb, Lully komponierte, Le Vau und Le Nôtre bauten und Le Brun malte zur Mehrung des Ruhmes Seiner Majestät.

Ludwig XIV wird schon im Alter von fünf Jahren König von Frankreich. Zuerst übernimmt seine Mutter die Regentschaft bis er 1654 mit sechzehn Jahren offiziell zum König gekrönt wird. Später bringt Ludwig XIV den Absolutismus auf die Formel “Un roi, une foi, une loi”(Ein König, ein Glaube, ein Gesetz). Unter diesen Umständen bekommt der berühmte Satz von Ludwig XIV ”L’etat c’est moi” (Der Staat bin ich) eine weitere Bedeutung: Alles, was zu dieser Zeit Frankreich gehörte, gehörte automatisch dem König, seine Bürger eingeschlossen.

Hauptanliegen der nachstehenden Arbeit ist es, herauszustellen, wie Ludwig XIV durch Einsatz architektonischer Anlagen und Bauten in Versailles seine Macht und seinen Einfluss demonstrierte. Der Schwerpunkt wird dabei auf der Gesamtanlage des Gartens sowie auf der Umsetzung der Menagerie liegen. Man mag sich fragen, wieso eine Gartenanlage für ein Architekturseminar analysiert wird, doch 1910 hat André Lambert den Begriff «Gartenarchitektur» erstmals erwähnt: „Unter Gartenarchitektur versteht man die allgemeine Anlage eines Gartens, soweit sie auf architektonische Komposition Anspruch nehmen kann, und die baulichen Anlagen, die zur Begrenzung, Herstellung, Bewohnbarkeit, Nutzbarmachung und Dekoration des Gartens notwendig sind.“[1] Die Bearbeitung soll zeigen, dass beim Versailler Garten durchaus von einer Architektur zu sprechen ist.

2 Residenz oder Hauptstadt? – Einleitende Fragestellungen

Bestandteil der Seminardiskussion in jeder Sitzung war die Frage, was eine Hauptstadt und eine Residenz ausmacht. Um den Hintergrund dazu zu verstehen, sollen nun zuerst die beiden Begriffe „Hauptstadt“ und „Residenz“ näher erläutert werden.

Eine Hauptstadt zur definieren, erweist sich als schwierig, da sie dem geschichtlichen Wandel unterliegt und in einzelnen Ländern oft unterschiedlich verstanden wird. Heute ist eine Hauptstadt meist dadurch gekennzeichnet, dass in ihr die Regierung und das Parlament ihren Sitz haben.

Seit der Frühen Neuzeit bildeten sich Hauptstädte heraus. Sie waren ein Zeichen der ersten Ausbildung der Staatlichkeit und Territorialität, die nun mit festen Grenzen verbunden waren. Wichtigstes geographisches Merkmal war die stets zentrale Lage innerhalb des Herrschaftsgebietes, weshalb ihre Nähe zu den großen Handelsstraßen unabdingbar war. Darüber hinaus mussten sie immer eine sehr gute Möglichkeit zur Verteidigung haben. Eine Hauptstadt war auch früher schon geprägt von dem Sitz der Regierung. Das ließ die entsprechenden Städte zu Macht- und Herrschaftszentren heranwachsen.

Die Residenz bezeichnete in erster Linie den Wohnsitz eines Staatsoberhauptes, konnte jedoch auch gleichzeitig Sitz einer Hauptstadt sein. Sie war und ist auch heute noch ein architektonisches Zeichen für Territorialität. König Ludwig XIV besaß in den ersten Jahren seiner Herrschaft keine ständige Residenz, sondern bewohnte nach alter Tradition die verschiedenen Königsschlösser der Pariser Umgebung.

3 Historischer Hintergrund

Am 5. September 1638 wurde Ludwig XIV, der in die Geschichte als Sonnenkönig einging, in Saint-Germain-en-Laye geboren. Da sein Vorgänger, König Ludwig XIII 1643 starb, folgte er bereits mit fünf Jahren auf den Königsthron. Bis 1661 stand er unter der Regentherrschaft der Königinmutter Anna von Österreich.

Die Kardinäle Richelieu und Mazarin, Minister im Dienst der Krone, fädelten wichtige Erfolge in der Außenpolitik ein (Westfälischer Friede 1648, Pyrenäenfriede 1659), auf denen Ludwig ab 1661 seine Alleinherrschaft begründen konnte - im Europa des 17. Jahrhunderts war der Absolutismus die dominierende Form. Unterstützt von seinem ausgezeichneten Beraterstab (Colbert, Louvois u.a.), baute Ludwig sein Königreich militärisch, institutionell und materiell immer weiter aus. Durch seine aggressive Politik fiel Ludwig bei vielen Machthabern in ganz Europa in Ungnade. Seine Gegner bildeten die Große Allianz (1689 und 1701).

Die Vormachtstellung Frankreichs in Europa erreichte Ludwig durch drei Kriege: Devolutionskrieg (1667/68), Holländischer Krieg (1672-1679 und Pfälzischer Erbfolgekrieg (1688-97). Erst in Folge des Spanischen Erbfolgekriegs (1701-1714) geriet sein Imperium ins Wanken. „Diese grundsätzliche Kriegsbereitschaft fand ihren unmittelbaren Niederschlag in der Realität: In den 54 Regierungsjahren Ludwigs XIV. befand sich Frankreich vier Jahrzehnte im Krieg mit den Anrainerstaaten.“[2]

Da der Monarch im eigenen Land stets die Unabhängigkeit der nationalen französischen Kirche vorantrieb, geriet er in Konflikt mit dem Heiligen Stuhl. Vergeblich versuchte Ludwig die Protestanten, die Sonderrechte genossen, mit der überwiegend katholischen Bevölkerung zu vereinen. Die Bestrebungen des Königs gipfelten in der Aufhebung des Edikts von Nantes: 1685 verbot Ludwig den Protestantismus, gefeiert als Vernichtung der Ketzerei. Doch die Verfolgung und Misshandlung der Hugenotten bescherte dem König ein negatives Image; es schadete ihm sowohl moralisch als auch wirtschaftlich. Mehr als 200.000 Protestanten wanderten aus. Der Staat war zu diesem Zeitpunkt hoch verschuldet. In Paris und seiner Umgebung kam es daher zu Unruhen.

Ludwigs Kriegslust, sein unersättliches Verlangen nach einer prunkvollen Selbstdarstellung und das Festhalten an einer ungerechten Gesellschaftsstruktur führten Frankreich am Ende seiner Regierungszeit in den Staatsbankrott – ein wesentlicher Auslöser der Französischen Revolution 1789.

Ludwig XIV vollendete die Bestrebungen der Kardinäle Richelieu und Mazarin und schuf einen zentralisierten, absolutistischen Nationalstaat. Er schwächte den Adel, indem er die Adeligen lieber zu Mitgliedern seines Hofes als zu regionalen Provinzherrschern machte. Der Bau des Schlosses als Mittelpunkt von Versailles war Teil von Ludwigs Strategie zur Zentralisierung der Macht. Er zog sich aus Paris zurück und ließ einen gewaltigen Palast vor den Toren von Paris bauen, den der Hof am 6. Mai 1682 bezog. „Die relativ große Entfernung von der Hauptstadt [,die damals einen Tagesreise verlangte,] verhinderte einen täglichen Kontakt mit der Bevölkerung von Paris und verminderte die Gefahren, die sich daraus ergeben konnten.“[3]

Versailles war zunächst nur eine Residenz von vielen; weitere Orte waren u.a. Fontainebleau, der Louvre in Paris, Saint-Germain oder Vincennes.

Am 1. September 1715 starb König Ludwig XIV in Versailles.

[...]


[1] Lambert, 1910, S.1.

[2] Erben, 2004, S.304.

[3] Gaehtgens, 1985, S.24.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Versailler Garten unter Ludwig XIV. - Abbild der absolutistischen Macht
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Kunstgeschichtliches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar: Hauptstadtfragen: Architektur und politische Kultur in Metropolen der Frühen Neuzeit
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V44188
ISBN (eBook)
9783638418355
Dateigröße
1593 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Versailler, Garten, Ludwig, Abbild, Macht, Hauptseminar, Hauptstadtfragen, Architektur, Kultur, Metropolen, Frühen, Neuzeit
Arbeit zitieren
B.A. Silke Gerlach (Autor), 2005, Der Versailler Garten unter Ludwig XIV. - Abbild der absolutistischen Macht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44188

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