Die retrograde Bewertung von unfertigen und fertigen Erzeugnissen


Seminararbeit, 2013

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Grundlagen der retrograden Bewertung
1.1 Erläuterung der Problematik
1.2 Gegenstand und Gang der Arbeit

2. Unfertige und fertige Erzeugnisse und deren Bewertung
2.1 Definitionen unfertiger und fertiger Erzeugnisse
2.2 Zu beachtende Bewertungsgrundsätze
2.3 Anschaffungs- und Herstellungskosten
2.4 Niederstwertprinzip

3. Retrograde Bewertung
3.1 Definition und Anwendungsbereich
3.2 Vorgehensweise
3.3 Bespiel

4. Schlussbetrachtung und kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

1. Grundlagen der retrograden Bewertung

1.1 Erläuterung der Problematik

Um die retrograde Bewertung verstehen zu können, ist es hilfreich die Hintergründe zu kennen die zu einer Bewertung führen.

In Produktionsunternehmen kommt es während dem Ablauf eines Geschäftsjahres zu einem ständigen Produktionsprozess. Dabei werden verschiedene Rohstoffe und Ausgangsmaterialien, sogenannte Produktionsfaktoren, zu gewünschten Gütern verarbeitet und kombiniert. Während dem Produktionsprozess kommt es dabei oftmals zur Lagerung von unfertigen und fertigen Erzeugnissen. Laut §242 des Handelsgesetzbuches besteht in Deutschland eine Jahresabschlusspflicht, aufgrund derer auch die gelagerten unfertigen und fertigen Erzeugnisse zum Ende eines jeden Geschäftsjahres gesetzeskonform bewertet und im Jahresabschluss berücksichtigt werden müssen. Das Handelsgesetzbuch gibt dafür einen Rahmen durch verschiedene Bewertungsvorschriften und Grundsätze vor. Eine Möglichkeit unfertige und fertige Erzeugnisse zu bewerten, bietet sich den Unternehmen in Form der retrograden Methode, auch Rückwärtskalkulation genannt, an.

1.2 Gegenstand und Gang der Arbeit

Der Gegenstand der Arbeit ist es, einen Überblick über die retrograde Bewertung von unfertigen und fertigen Erzeugnissen zu schaffen. Am Ende soll die Arbeit unter anderem durch ein Beispiel ein Verständnis beim Leser dafür erzeugen, in welchen Situationen Unternehmen auf die retrograde Bewertung zurückgreifen und welche Vorteile oder Nachteile diese Methode mit sich bringt.

Vorab werden die Begriffe unfertige und fertige Erzeugnisse erklärt, bevor im Gliederungspunkt 2.2 die Bewertungsgrundsätze des Handelsgesetzbuches aufgelistet werden. In Folge wird in 2.3 auf die Anschaffungs- und Herstellungskosten eingegangen. Im Anschluss daran wird das Niederstwertprinzip als Abrundung des zweiten Kapitels veranschaulicht. Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt jedoch auf Kapitel 3, in dem die retrograde Bewertung untersucht wird. Nachdem im einführenden Teil die Methode zunächst definiert und ihr Anwendungsbereich aufgezeigt wird, beschreibt der Punkt 3.2 die eigentliche Durchführung der Rückwärtskalkulation. Anschließend folgt ein Beispiel bevor eine Schlussbetrachtung mit einer kritischen Würdigung zuletzt die retrograde Bewertung nochmals kurz zusammengefasst.

Die gesamte Betrachtung basiert auf dem Handelsrecht des HGB und lässt die Standards der IFRS außer Acht.

2. Unfertige und fertige Erzeugnisse und deren Bewertung

2.1 Definitionen unfertiger und fertiger Erzeugnisse

Zunächst ist es von Bedeutung zu wissen, dass unfertige und fertige Erzeugnisse nach § 266 Abs.2 des Handelsgesetzbuches zum Umlaufvermögen gehören und dem Bilanzposten Vorräte untergliedert sind, wobei man unfertige Erzeugnisse als Vorstufe der fertigen Erzeugnisse betrachten könnte. Als fertige Erzeugnisse lassen sich Produkte bezeichnen, die durch das Unternehmen produziert wurden und bereits die Stufe der Versandfertigkeit erlangt haben.1 Im Gegensatz dazu werden die Vermögensgegenstände zu den unfertigen Erzeugnissen gezählt, die zum Abschlussstichtag in dem Unternehmen bereits bearbeitet oder verarbeitet wurden, sich jedoch noch nicht dazu eignen veräußert zu werden.1 Als Bewertungsmaßstab für die unfertigen und fertigen Erzeugnisse dienen die Anschaffungs- und Herstellungskosten auf die noch in Kapitel 2.3 eingegangen wird.

2.2 Zu beachtende Bewertungsgrundsätze

Um Unternehmen einen Rahmen zu ermöglichen, innerhalb dessen eine Bewertung durchzuführen ist, wurden erstmals durch das Bilanzrichtlinien-Gesetz folgende Bewertungsgrundsätze in den § 252 des Handelsgesetzbuches eingearbeitet,1 von denen nur in besonderen Situationen abgewichen werden kann.1

· Das Prinzip der Bilanzidentität bringt zum Ausdruck, dass die Abschlussbilanz des vergangenen Geschäftsjahres jeweils deckungsgleich mit der Eröffnungsbilanz des darauffolgenden Jahres zu seien hat.

· Um das Going-Concern-Prinzip zu erfüllen, muss von einer Weiterführung des Unternehmens ausgegangen werden können.

· Laut dem Grundsatz der Einzelbewertung sind Vermögensgegenstände und Schulden einzeln zu bewerten, wobei eine Saldierung oder Zusammenfassung verboten ist.1

· Das Vorsichtsprinzip gibt vor, dass alle vorhersehbaren Risiken und Verluste einzukalkulieren sind, Gewinne jedoch erst bei der Erfüllung ausgewiesen werden dürfen.

· Aus dem Prinzip der Periodenabgrenzung geht hervor, dass Aufwendungen und Erträge eines Geschäftsjahres unabhängig vom Datum der jeweiligen Zahlungen zu berücksichtigen sind.

· Dass der Gebrauch gleicher Bewertungsmethoden in aufeinanderfolgenden Jahresabschlüssen bewahrt werden muss, ist im Grundsatz der Bewertungsstätigkeit festgelegt.

2.3 Anschaffungs- und Herstellungskosten

Die um die Abschreibungen verminderten Anschaffungs- und Herstellungskosten bilden die Höchstgrenze für die Bewertung der ,,… durch das Unternehmen aufgrund eines Erwerbsvorgangs von einem Dritten fremdbezogenen…‘‘ 6, oder selbst erstellten Vermögensgegenstände, ,,… die am Bilanzstichtag noch im Unternehmen vorhanden sind‘‘.7

Dem §255 Abs.1 des Handelsgesetzbuches zufolge lassen sich die Anschaffungskosten als geleistete Aufwendungen für die Anschaffung und Erlangung des einsatzfähigen Stadiums von Vermögensgegenständen definieren.

Folglich lassen sich die Anschaffungskosten berechnen indem man den Anschaffungspreis, die Anschaffungsnebenkosten und die nachträglichen Anschaffungsnebenkosten summiert und von diesem Betrag dann die Anschaffungskostenminderungen subtrahiert.8

Im Vergleich dazu präzisiert der §255 Abs. 2 des Handelsgesetzbuches die Herstellungskosten wie folgt:

‘‘Herstellungskosten sind die Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstands, seiner Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen‘‘.

Der zweite Teil dieses Gesetzestextes wird durch das Schema auf der nächsten Seite ersichtlich dargestellt.

[...]


1 Vgl.Coenenberg, Haller Schulze (Jahresabschluss, 2012) S. 210.

2 Vgl. Baetge, Kirsch, Thiele (Bilanzen, 2011) S. 345.

3 Vgl. Bitz, Schneeloch, Wittstock (Der Jahresabschluß, 2000) S.180.

4 Vgl. §252 Abs. 2 Handelsgesetzbuch

5 Vgl. Schultz (Basiswissen, 2001) S.91.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die retrograde Bewertung von unfertigen und fertigen Erzeugnissen
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Neu-Ulm; früher Fachhochschule Neu-Ulm
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V441880
ISBN (eBook)
9783668805880
ISBN (Buch)
9783668805897
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bewertung, unfertige Erzeugnisse
Arbeit zitieren
Kirill Lochbaum (Autor:in), 2013, Die retrograde Bewertung von unfertigen und fertigen Erzeugnissen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441880

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