Fremdsprachliche Einflüsse auf die deutsche Sprache. Sprachverfall oder Sprachwandel?


Hausarbeit, 2018

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Fremdsprachliche Einflüsse auf das Deutsche
2.1 Lateinischer, französischer und englischer Einfluss in der deutschen Sprachgeschichte
2.2 Entwicklungstendenzen des Gegenwartsdeutschen

3 Sprachverfall oder Sprachwandel?
3.1 Verfall der deutschen Sprache und ihre Retter
3.2 Sprachwandel als fortwährender Prozess

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Sprache ist das wichtigste Kommunikationsmittel des Menschen, weshalb sie seit jeher einen sehr beliebten Forschungsgegenstand darstellt. Besonders großes Interesse, sogar in der breiteren Öffentlichkeit, genießt die Tatsache, dass sie angeblich verfallen soll. Um diesen Umstand begreiflich zu machen, versucht man Ende des 19. Jahrhunderts, diesen metaphorisch zu erklären. So setzt man Sprache mit einem Organismus gleich, um ihre sowohl Lebendig- als auch Sterblichkeit aufzuzeigen – außer Acht gelassen wird hierbei jedoch die Tatsache, dass Sprachbenutzer aufgrund ihrer Handlungen unbewusst Einfluss auf die Sprache haben und deshalb nicht von einem in sich geschlossenen Organismus gesprochen werden kann (vgl. Bechmann 2016: S. 39 f).

Die Kritik an Sprache und ihrem vermeintlichen Verfall ist vermutlich so alt wie das Nachdenken über Sprache, doch einen regelrechten Aufschwung erlebt sie vor allem etwa im 17. Jahrhundert, als immer mehr Sprachgesellschaften das Ziel verfolgen, die von fremdsprachlichen Einflüssen verunreinigte deutsche Sprache zu säubern und zu schützen. Vor allem Sprachpuristen befürchten den bald nahenden Niedergang der deutschen Sprache – eine katastrophale Szenerie, die sowohl Kultur als auch Identität zu bedrohen scheint.

Bis heute hat sich dahingehend nicht sehr viel verändert, auch Sprachpfleger unserer Zeit befürchten dasselbige. Die heutige Schnelllebigkeit und der spürbar stete Wandel in Kultur, Wirtschaft und Technik verändert auch unsere Sprache. In einer globalisierten Welt und internationaler Kommunikation finden zum Beispiel Anglizismen, vor allem jedoch in der Fach- und Jugendsprache, immer mehr Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch.

Dem Topos Sprachverfall steht, besonders aus linguistischer Perspektive, der Begriff des Sprachwandels gegenüber. Der sogenannte Sprachwandel geschieht fortwährend und ist meist nur retrospektiv wahrnehmbar – was letztendlich sichtbar wird, ist, wie die Sprache früher war und wie sie heute ist. Lange vor den Anglizismen beeinflussen etwa das Lateinische oder das Französische sichtbar die deutsche Sprache. Sprachhistorisch betrachtet unterliegt das Deutsche, noch lange vor der Moderne, fremdsprachlichen Einflüssen. Auch hier sind die Gründe zumeist wirtschaftliche, politische oder kulturelle.

Dahingehend beschäftigt sich die vorliegende Hausarbeit mit dem Einfluss fremdsprachlicher Wörter in der deutschen Sprachgeschichte und der Wertung ihres Sprachgebrauchs durch vor allem außersprachwissenschaftlich tätigen Kritikern. Um sich einen groben Überblick über die Sprachgeschichte zu verschaffen, sollen die für das Deutsche am einflussreichsten geltenden drei Sprachenkontakte – Latein, Französisch und Englisch – erläutert werden. Darauf folgt eine Gegenüberstellung der aktuelleren Situation fremdsprachlicher Einwirkungen im Gegenwartsdeutschen. Letztlich soll der Frage nachgegangen werden, ob solch fremdsprachliche Einflussnahme tatsächlich zum, zumeist von Laienlinguisten propagierten, Verfall der deutschen Sprache führt oder nur ein Prozess des Sprachwandels vonstattengeht.

2 Fremdsprachliche Einflüsse auf das Deutsche

Der Einfluss fremder Sprachen und die Kritik an ihm ist keine Neuheit. Im Zuge von Sprachkontakten gebietet das Deutsche über Jahrhunderte verschiedenen Sprachen Einhalt. Doch wie findet dieser Sprachkontakt statt und weshalb? Welche Sprachen haben aus historischer Sicht den größten Einfluss? Um diesen Fragen nachzugehen, folgt ein sprachgeschichtlicher Abriss, in dem die einflussreichsten Sprachen (Latein, Französisch, Englisch), die sich auf den deutschen Wortschatz ausgewirkt haben, dargelegt werden sollen. Zwar können alle Teilsysteme der Sprache von fremdem Spracheinfluss betroffen sein, dennoch wird sich, um nicht über den Rahmen dieser Arbeit hinauszugehen, nur auf die Lexik beschränkt. Dieser ist ohnehin der am ehesten betroffene Teilbereich und gerade deshalb besonders auffällig. Gemäß historischem Ablauf erfolgt eingangs eine Darstellung des lateinisch-deutschen, später des französisch- und englisch-deutschen Sprachkontakts. Anschließend werden aktuellere fremdsprachliche Einwirkungen und Tendenzen des Gegenwartsdeutschen thematisiert, zur Veranschaulichung werden hierzu Beispiele aus der Jugendsprache herangezogen.

2.1 Lateinischer, französischer und englischer Einfluss in der deutschen Sprachgeschichte

Wie oben angedeutet stellt das Lateinische den längsten, aber auch nachhaltigsten, Sprachkontakt in der deutschen Sprachgeschichte dar, weshalb dieser zur Veranschaulichung in drei Phasen (römisches Imperium, Christianisierung, Humanismus) unterteilt werden kann (vgl. Besch/Wolf: S. 87 f). In der ersten Phase (etwa 50 v. Chr. bis 500 n. Chr.) treten Römer, romanisierte Gallier und Germanen in Kontakt. „Die engen Berührungen zwischen Römern und Germanen, durch Handel, Gefangenschaft, Hilfsdienst oder Ansiedlung, vor allem im römischen Besatzungsgebiet Germaniens, mussten zum gegenseitigen sprachlichen Austausch führen“ (Polenz 2009: S. 14). Heute gehören die meisten Übernahmen zu unserem schriftdeutschen Wortschatz, sind kaum noch als Fremdwörter zu enttarnen, weshalb sie als integrierte bzw. assimilierte Lehnwörter zu bezeichnen sind.

Nachfolgend einige wenige Beispiele aus dem Alltag: lat. cellarium à Keller, lat. ceresia à Kirsche, lat. moneta à Münze.

Die zweite Phase setzt etwa um 500 an (vgl. Stedje 2007: S. 30). Mit der Christianisierung Europas geht die Gründung von Bischofssitzen und Klöstern einher, wodurch Latein als Sprache der schriftbasierten und missionierenden Religion zur Verkehrssprache der Gebildeten wird. Zu jener Zeit obliegt die Vermittlung des Lateins den Kloster-, Dom- und Kathedralschulen. Um 800 sind dann schließlich Anfänge der deutschen Schriftlichkeit zu verzeichnen, erste deutsche Texte mit lateinischen Buchstaben sind natürlich im Sinne der Christianisierung z.B. Übersetzungen des Paternosters (Vaterunser), des Credos (Glaubensbekenntnis) und von Beichtformeln. Trotz vieler Übertragungen ins Deutsche bleibt das Lateinische vor allem in den Bereichen des Rechts, der Verwaltung, der Theologie, der Medizin und Bildung dominant (vgl. Besch/Wolf 2009: S. 44).

Die Epoche des Humanismus (14.-17. Jahrhundert) wiederum bringt den lateinisch-deutschen Sprachkontakt in die dritte Phase. Humanisten liegt es vor allem daran, die klassisch-antike Form des Lateins und des Griechischen zurück zu erlangen, da sich im Mittelalter eine bei Humanisten nicht gern gesehene simple Form (auch Mittel-, Vulgär- oder Küchenlatein genannt) herausbildet. Diese puristischen Bestrebungen verkomplizieren jedoch die Nutzung des Lateinischen im alltäglichen Kontext, weshalb sie vielmehr von Gelehrten genutzt wird und allmählich für die Allgemeinheit, zumindest in gesprochener Sprache, aussterben soll.

Hinzu kommt das steigende Bewusstsein für die eigene Sprache, weshalb das Lateinische schon bald nicht mehr den höchsten Stellenwert besitzt. Dies geht einher mit zahlreichen Übersetzungen der Bibel im 15./16. Jahrhundert in umliegenden Ländern, wie auch Luthers Übersetzung ins Deutsche in den Jahren 1522 und 1534 (vgl. Grzega 2012: S. 87). Schließlich beginnen Universitäten ab dem 17./18. Jahrhundert nicht mehr in Latein, sondern in Landessprache zu unterrichten (vgl. ebd.: S. 88). Der Lehnworteinfluss bleibt jedoch bis heute bestehen. „So sind in der Humanistenzeit – und ebenso früher und später – aus dem Latein der Gelehrten, der Schulen, Gerichte und Behörden zahllose lateinische Wörter ins Deutsche entlehnt worden: Universität, Professor, [...], Akte, legal, usw.“ (Polenz 2009: S. 88).

Doch der nächste große Spracheinfluss lässt nicht lange auf sich warten. Die bereits im 13. Jahrhundert entlehnten Wörter sind zumeist Resultat der Nachahmung des höfischen Lebens und der Ritterkultur in Frankreich, zu jener Zeit sind es an die 700 Entlehnungen (vgl. Grzega 2012: S. 100). Beispiele hierfür sind:

altfrz. lance → mhd. Lanze → nhd. Lanze

altfrz. aventure → mhd. âventiure → nhd. Abenteuer

Das Französische, welches schon im Spätmittelalter als Mode- und Prestigesprache gilt, erreicht jedoch im grand siècle, im 17. Jahrhundert also , den Status einer lingua franca europaea universalis, die sich über das literarische, wissenschaftliche und höfische Leben erstreckt (vgl. ebd.: S. 95 f.). Neben Latein wird Französisch die Zweitsprache ganz Europas und löst gegen Ende des 18. Jahrhunderts sogar das Lateinische ab. Frankreich nimmt eine politische Vorbildfunktion ein, die obere Gesellschaftsschicht wächst bilingual auf, während die niedere Schicht weiterhin Deutsch spricht (vgl. ebd.: S. 100). Welch immense Macht das Französische im deutschen Raum hat, zeigt vor allem ein Brief Voltaires, der sich in Potsdam befindet und schreibt, dass er sich eigentlich in Frankreich befände und man nur seine Sprache spreche, „das Deutsche brauche man nur für Soldaten, Pferde und die Gasse“ (Polenz 2013: S. 53). Die Verschmähung der deutschen Sprache kommt jedoch nicht nur von außen, sogar der Preußenkönig Friedrich der Große bevorzugt das Französische, schreibt ausschließlich auf Französisch und empfindet nichts als Verachtung gegenüber der deutschen Sprache (vgl. Besch/Wolf 2009: S. 74).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Fremdsprachliche Einflüsse auf die deutsche Sprache. Sprachverfall oder Sprachwandel?
Hochschule
Universität Paderborn  (Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Sprachkritik
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V441893
ISBN (eBook)
9783668801455
ISBN (Buch)
9783668801462
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachkritik, Spracheinfluss, Latinismen, Arabismen, Anglizismen, Französismen, Sprachwandel, Sprachverfall
Arbeit zitieren
Esra Sahin (Autor), 2018, Fremdsprachliche Einflüsse auf die deutsche Sprache. Sprachverfall oder Sprachwandel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441893

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