Work-Life-Balance: ein ausgewogenes Verhältnis von Beruf und Privatleben. Oder könnte es für Arbeitnehmerinnen viel mehr sein – die Möglichkeit auf Karriere und Kinder?
Frauen sind zwar inzwischen fest auf dem Arbeitsmarkt integriert und können sich auch zunehmend zu Führungs- oder Fachkräften hocharbeiten. Doch das Geschlechterverhältnis hat sich in vielen Faktoren kaum verändert. Nach wie vor stellt sich vor allem für Frauen die Frage: Wie können Beruf, Familie und Haushalt vereinbart werden?
Maria Korosteljow untersucht, ob Work-Life-Balance-Maßnahmen den bestehenden beruflichen Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen durch eine bessere Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie entgegenwirken können. Sie skizziert potenzielle Maßnahmen zur Lösung dieses gesellschaftlich brisanten Themas.
Aus dem Inhalt:
- Gleichberechtigung;
- Diskriminierung;
- Frauenrechte;
- Gender;
- Homeoffice
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Wandel der Geschlechterverhältnisse
2.1 Die Entgrenzung der Geschlechter
2.2 Ungleichheiten der Geschlechter im Berufsleben
3 Der Wandel des Verhältnisses von Arbeit und Leben
3.1 Die Entgrenzung von Arbeit
3.2 Die Flexibilisierung von Arbeit
3.3 Die Subjektivierung von Arbeit
3.4 Die Entgrenzung von Arbeit und Privatleben
4 Das Konzept der Work-Life-Balance
4.1 Definition
4.2 Entwicklung
4.3 Maßnahmen
5 Kritische Untersuchung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob betriebliche Work-Life-Balance-Maßnahmen wirksam dazu beitragen können, bestehende berufliche Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen abzubauen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.
- Soziologische Analyse der Entgrenzung von Arbeit und Geschlechterverhältnissen
- Herausforderungen der Doppelbelastung für erwerbstätige Frauen
- Kritische Bewertung familienfreundlicher Unternehmenskulturen und -angebote
- Untersuchung der Rolle von Vätern in der Elternzeit als Indikator für Wandel
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen betrieblicher Effizienz und privater Lebensführung
Auszug aus dem Buch
3.3 Die Subjektivierung von Arbeit
Bevor ich auf den Kontext zwischen der Entgrenzung von Arbeit und dem Nebenphänomen der Subjektivierung eingehe, beginne ich mit einer kurzen Definition zum Begriff der Subjektivität. Nach Kleemann und Voß beschreibt diese eine Gruppe an individuellen Dispositionen, Eigenschaften und Ressourcen eines Menschen, welche ihn als sozial eingebundenes Wesen innerhalb der Gesellschaft ausmachen (vgl. Kleemann/Voß 2010: 416).
„Subjektivität ist somit ein (wandelbares) Produkt der Verbindung zwischen Person und Gesellschaft, dass die Person in ihrer sozialen Umwelt positioniert.“ (vgl. Kleemann/ Matuschek/ Voß 2002: 57)
Subjektivität wirkt also im Individuum handlungsbefähigend und leitend, da man sie als eine Art individueller mentaler Ausstattung eines Menschen betrachten kann. Der Begriff der Subjektivität kann dabei durchaus unterschiedliche Fokusse einnehmen, entweder auf das Individuum bezogen oder auf die Bestimmung durch die Gesellschaft (vgl. ebd.). Nun folgt die Betrachtung der Wirkungs- und Verwendungsweisen der Subjektivität innerhalb der Erwerbsarbeit.
Die Subjektivierung markiert eine historische Entwicklung von subjektiven Leistungen oder Handlungen, die im Rahmen von Modernisierungstendenzen immer funktionaler werden. Im Kontext der Modernisierung tritt damit die Subjektivierung als Reaktion auf diese zunehmend kontingenten Umweltsituationen auf (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Entwicklung der Frauenbewegung und das anhaltende Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein, welches das zentrale Forschungsanliegen begründet.
2 Der Wandel der Geschlechterverhältnisse: Dieses Kapitel analysiert die strukturellen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und die historisch gewachsene Rolle der Frau in der Reproduktionsarbeit.
3 Der Wandel des Verhältnisses von Arbeit und Leben: Hier werden die soziologischen Phänomene der Entgrenzung, Flexibilisierung und Subjektivierung von Arbeit detailliert erörtert, da sie das moderne Arbeitsumfeld prägen.
4 Das Konzept der Work-Life-Balance: Es erfolgt eine theoretische Einordnung und historische Herleitung des Konzepts sowie eine Vorstellung gängiger betrieblicher Maßnahmen zur Unterstützung der Vereinbarkeit.
5 Kritische Untersuchung: Dieser Teil prüft anhand von Kennzahlen, ob die bestehenden Maßnahmen tatsächlich zu einer beruflichen Angleichung der Geschlechter führen oder lediglich die Effizienz steigern.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ambivalenz von Work-Life-Balance-Maßnahmen zusammen und betont die Notwendigkeit eines tiefgreifenden Wandels der Unternehmenskultur für echte Gleichberechtigung.
Schlüsselwörter
Work-Life-Balance, Geschlechterverhältnisse, Entgrenzung von Arbeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Erwerbsarbeit, Subjektivierung, Flexibilisierung, Familienfreundlichkeit, Gender-Pay-Gap, Teilzeitarbeit, Väter in Elternzeit, Care-Work, Arbeitskraftunternehmer, Unternehmenskultur, Gleichberechtigung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Work-Life-Balance und fragt, ob entsprechende betriebliche Maßnahmen dazu beitragen können, die bestehende berufliche Chancenungleichheit zwischen Männern und Frauen zu verringern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den soziologischen Wandel von Arbeitsstrukturen, die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die Entwicklung betrieblicher Familienpolitik und die Auswirkungen von Entgrenzungsprozessen auf das Privatleben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob familienfreundliche Work-Life-Balance-Maßnahmen in Unternehmen tatsächlich die Gleichberechtigung der Frau auf dem Arbeitsmarkt fördern oder lediglich der Steigerung der betrieblichen Effizienz dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus einer theoretischen Aufarbeitung der arbeits- und geschlechtssoziologischen Literatur sowie eine eigene kleine empirische Untersuchung, die unter anderem Kommentare aus den sozialen Medien (YouTube) auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Geschlechterverhältnisse, die soziologische Erläuterung der Entgrenzung und Subjektivierung von Arbeit sowie die detaillierte Darstellung und kritische Untersuchung von Work-Life-Balance-Angeboten wie Elternzeitprogrammen und Arbeitszeitflexibilisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch die Begriffe Work-Life-Balance, Entgrenzung von Arbeit, berufliche Chancenungleichheit, Care-Work und geschlechtergerechte Arbeitsteilung charakterisieren.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen dem Fordismus und dem Post-Fordismus eine so wichtige Rolle?
Diese Unterscheidung verdeutlicht, wie sich die ehemals klare, durch Raum und Zeit begrenzte Arbeitsteilung aufgelöst hat und warum die heutige "Entgrenzung" eine individuelle Anpassungsleistung erfordert, die Frauen oft stärker belastet.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur für den Erfolg von Maßnahmen?
Die Autorin argumentiert, dass Maßnahmen nur dann effektiv sind, wenn sie fest in der Unternehmenskultur verankert sind und durch ein familienfreundliches Klima, das auch Männer zur Inanspruchnahme ermutigt, unterstützt werden.
Was ist das Fazit der Autorin bezüglich der Rolle von Männern?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Männer Vorbilder, insbesondere Führungskräfte in Elternzeit, benötigen, um die "weiblich dominierte Domäne" der Familienarbeit zu betreten und so das Ziel der Gleichberechtigung zu unterstützen.
- Arbeit zitieren
- Maria Korosteljow (Autor:in), 2018, Work-Life-Balance. Ein möglicher Weg zur beruflichen Chancengleichheit der Geschlechter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441894