Altersvorsorge und demographischer Wandel. Was bringen die aktuellen Alterssysteme?


Essay, 2018
5 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Mithilfe ständig neuer Rentengesetze und Reformen versucht die Regierung den Bürgern eine Absicherung im Alter zu ermöglichen. Nach einer kurzen Skizze der Situation nach der Wiedervereinigung, widme ich mich in diesem Essay aktuellen Rentensystemen und versuche sie auf ihren Nutzen hin zu analysieren. Hauptfokus wird hier die betriebliche Altersvorsorge und die Riesterrente sein. Wer profitiert hier eigentlich wirklich von diesen neuen Systemen und wo liegen potenzielle Nachteile? In diesem Essay möchte ich genau dieser Frage nachgehen und erläutere dabei die Grundmerkmale der betrieblichen Altersvorsorge und Riesterrente und analysiere diese dann nach ihren Vor- und Nachteilen.

In einem kurzen Fazit reflektiere ich dann nochmal alle Erkenntnisse in Hinblick auf die Fragestellung.

Eines steht fest: ausschließlich auf die gesetzliche Rentenversicherung kann sich eine Vielzahl der deutschen Bürger nicht mehr verlassen. Um zusätzlich vorzusorgen und auch noch Zuschüsse von Staat zu bekommen, haben ab 2002 alle Erwerbstätigen einen gesetzlichen Anspruch auf die Betriebsrente, solange sie als Arbeitnehmer in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Diese Maßnahme ist von Seiten der Arbeitgeber freiwillig und wurde geschaffen ״um die Arbeitnehmerinnen an die Betriebe zu binden" (Kerschbaumer, in Faz: 2015). Die Entgeltumwandlung schafft zusätzliche Flexibilität und ermöglicht es dem Arbeitnehmer einen Teil seines Gehaltes oder der Sonderzahlungen, wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, in die Rente zu investieren. Somit kann ein Teil des Bruttolohns oder der Sonderzahlungen in eine Rentenversicherung investiert werden, dies anstelle einer privaten Rentenversicherung. Die Beiträge werden zwar intern angelegt, können aber auch in einen Pensionsfond umgewandelt werden. Die großen Vorteile dieser Handhabung sind Einsparungen von Sozialabgaben und erhebliche Steuervorteile und das im Endeffekt der Staat die Rente nicht unerheblich mitfinanziert. Bei 100 Euro wären das ganze 40 Euro vom Staat und die Arbeitgeber sparen in vielen Fällen auch noch die Lohnnebenkosten. Dies hat aber auch eine negative Wechselwirkung. Da insgesamt weniger Sozialabgaben an den Staat geleistet werden, senkt die Entgeltumwandlung automatisch auch die Ansprüche der gesetzlichen Rente. Dies bedeutet im Endeffekt: eine Steuerersparnis im Erwerbsleben, aber eine Steuerpflicht für statere Rentenauszahlungen. Zusätzlich müssen volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auf die Betriebsrente gezahlt werden (vgl. Faz: 2015). Alles in allem muss also jeder einzelne genau durchrechnen, ob sich für ihn dieses System auch lohnt.

Durch eine Finanzierung mithilfe eines Umlageverfahrens sind Rentensysteme besonders anfällig für demographische Veränderungen, wie beispielsweise die sinkende Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung. Die Ausgaben steigen drastisch an, während die Einnahmen der Rentenkassen sinken. Das lässt sich dadurch erklären, dass immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen müssen. Gerade die gestiegene Belastung der Rentenbezugsdauer, die seit 1960 von 10 Jahren auf über 18 Jahre bei Frauen und 14 bei Männern liegt, schwächen das System zunehmend. Dabei reichen die Einnahmen durch Beitragszahler lange nicht mehr aus, um die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung zu decken. Gerhard Schröder verkündete im Mai 2001 den Aufbau einer weiteren Säule des Rentensystems. ״Gewinner sind die Rentnerinnen und Rentner" so Schröder und er versprach, dass ״die Rente für die jungen Leute bezahlbar bleibt" (Schröder in Blank/Krauß: 2012). Zusätzlich sollte diese Rentenversicherung auch noch steuerlich unterstützt werden. Dies wurde schnell umgesetzt, bereits 2005 kamen 80 Milliarden Euro an Steuergeldern in die gesetzliche Rentenkasse. Diese finanziellen Lücken mussten gefüllt werde. Mit der Riesterrente stellte Bundesarbeitsminister Walter Riester innerhalb der Rentenreform 2001 ein System vor, dass die staatliche Förderung, als kapitaldeckende Säule zur Ergänzung der Altersvorsorge sein sollte (vgl. Lüders 2010: s. 7). Bei diesem Verfahren der Kapitaldeckung, werden die Gelder der Beitragszahler auf einem externen individuellen Konto angelegt und verwaltet, diese Beiträge erhalten dann die Versicherten später in Form von Rentenzahlungen. Bezuschusst werden Eigenleistungen im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge in Form von Direktversicherungen, Pensionskassen oder Pensionsfonds sowie durch Einzahlungen in Altersvorsorgeverträgen von Versicherungsunternehmen, diese werden vom Bundeszentralamt für Steuern geprüft. Die staatliche Zulange wird direkt auf den begünstigten Vertrag eingezahlt und berechnet sich aus dem entsprechenden Familienstand und der Anzahl der Kinder. Zusätzlich kann der Aufwand der Altersvorsorge als Sonderausgabe bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Voraussetzung für die maximal staatliche Zulage ist eine Aufwendung für die private Eigenvorsorge, die im Vorjahr mindestens 4% des Bruttoeinkommens betragen hat. Die Zulage von 154 Euro im Jahr wird den Eheleuten jeweils gesondert zugestanden und die Zulage für jedes ab 2008 geborene Kind beträgt 300 Euro. Hier fällt auf, dass sich die Riesterrente besonders für kinderreiche Familien lohnt. Doch wie sieht es mit Kinderlosen oder Geringverdienern aus?

Im Folgenden möchte Ich kurz analysieren für wen genau sich die betriebliche Altersvorsorge und die Riester Rente lohnt.

Über 15 Jahre nach Einführung der Riester-Rente Stehen Verbraucher und Versicherer dem Produkt eher kritisch gegenüber. Stimmen werden laut, dass sich die Rente weder In der Elnzahlungs- noch In der Auszahlungsphase lohne und so eigentlich keine Existenzberechtigung habe. Doch wenn nicht für die Verbraucher, für wen lohnt sich die Riester Rente? Betrachtet man das Konstrukt genauer, fallen Unmengen an Kosten zulasten der Verbraucher, aber zu Gunsten der über 1800 Anbieter auf. Zinsen bei Vertragsabschluss, Verwaltungsgebühren, Zulagen und möglich Ratenzahlungskosten sorgen dafür das Ipso facto nicht viel übrig bleibt von der lang ersehnten Rente. Kritisiert wird auch die fehlende Transparenz der Zulagen und Steuervorteile, nur Experten blickten da durch, während der überforderte Verbraucher auf der Strecke bleibt. Ein besonders makabres Merkmal der heutigen Riesterverträge: viele von Ihnen lohnen sich erst wenn der Rentner weit über 100 Jahre alt würde (vgl. Casjens/Roesner: 2016). wie sieht es nun bei der betrieblichen Altersvorsorge aus?

Nun die betriebliche Altersvorsorge steht vor allem erst einmal für eines: einen gesicherten Geldfluss aus geregelter und fester Erwerbstätigkeit. Die Stärkung der eigenen Altersversorgung, durch eine lebenslange garantierte Rente, scheint sehr verlockend und verspricht eine Absicherung der eigenen Familie. Die Auszahlungen Im Alter werden zwar besteuert, doch das Ist für den Verbraucher meist vorteilhafter als während der Erwerbszelt. Aber auch hier lässt sich eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen der Elnzahlungs- und Auszahlungsphase erkennen. Da die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge aus dem Bruttogehalt des Arbeitnehmers gezahlt werden, bleibt einerseits mehr vom Nettoeinkommen übrig, als wenn die Einzahlung erst nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge vorgenommen wird. Andererseits verringern sich diese Sozialversicherungsbeiträge durch den effektiv geringeren Bruttolohn. Hier sparen Arbeitnehmer also vorerst. Doch es gilt: geringe Rentenbeiträge führen zu geringen Zahlungen bei Rentenelntrltt - diese Differenz muss die Betriebsrente erst einmal ausglelchen (vgl. Faz: 2015).

Zusammenfassend lässt sich sagen: Rente Ist nicht gleich Rente. Und zu Recht gehören die Alterssicherungssysteme zu den brisantesten Punkten der heutigen Politikdebatte.

Vielschichtige und oftmals komplizierte Systeme sorgen für Unsicherheit in der Bevölkerung und einer stetigen Angst sein Geld unnütz zu investieren. Oftmals muss in mehrere Töpfe gleichzeitig eingezahlt werden, um wenigstens das Nötigste bei Renteneintritt davon bekommen zu können. Genaues analysieren ist hier gefragt, bevor man sich für das eine oder andere System entscheidet. Oftmals entpuppen sich jahrelange Zahlungen zur privaten Sicherung, als Zahlungen zu Gunsten der vielen Versicherungsmakler. Zweifellos ist das System nicht perfekt und es braucht transparente Prozesse, die den Bürgern die Sicherheit des Sparens und ihrer Zukunft zurückgibt.

Quellenverzeichnis

Faz. (2015, 09. April): Sparen mit dem Chef. Das bringt die betriebliche Altersvorsorge, http://www.faz. net/а ktuell/finanzen/meine-finanzen/vorsorgen-fuer- das-alter/vor-undnachteile-der-betrieblichen-a ltersvorsorge-13527867.html.

Blank, I., Krauß. D. (2012): Das Diester-Dilemma. Bilanz einer "Jahrhundert-Reform", ARD-Reportage (Redaktion), https://www.voutube.com/ watch?v=0zDUD9ZgPe0&t=604s.

Lüders, K. (2010): Ratgeber Altersvorsorge. Bank, Fondgesellschaft oder Versicherer: Mit der Riester-Rente gezielt Vorsorgen. Norderstedt: Book on Demand GmbH (Altersvorsorge).

Casjens, N. & Roesner, в. (25.10.2016): Abkehr von der Riester-Rente. Die Verbraucherzentrale Hamburg hält wenig von der Riester-Rente, NDR.

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Details

Titel
Altersvorsorge und demographischer Wandel. Was bringen die aktuellen Alterssysteme?
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
5
Katalognummer
V441897
ISBN (eBook)
9783668808591
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alter, System, Demographischer Wandel, Rente, Reform, Bürger
Arbeit zitieren
Maria Korosteljow (Autor), 2018, Altersvorsorge und demographischer Wandel. Was bringen die aktuellen Alterssysteme?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441897

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