Kritische und exemplarische Betrachtung des Verkaufs und der Produktion von Trinkwasser anhand eines Beispiels des Konzerns Nestlé


Studienarbeit, 2017
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wasser
2.1. Definition verschiedener Wässer
2.1.1. Trinkwasser und sicheres Trinkwasser
2.1.2. Mineralwasser
2.2. Wasser als Menschenrecht
2.3. Wasservorkommen und die größten Wasserverbraucher

3. Wasser und seine Privatisierung

4. Beispiel Firma Nestlé

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wasser - das Element des Lebens. Für uns in der westlichen Welt ist es allgegenwärtig und selbstverständlich. Dass es nicht überall auf der Welt genauso aussieht, sollte auch selbstverständlich sein. Für jeden Menschen, für jedes Lebewesen, für jede Pflanze ist Wasser essentiell - für jeden technologischen Prozess an irgendeinem Prozessschritt ebenfalls. Mittlerweile ist es sogar Gang und Gäbe, dass in großen deutschen Supermärkten nicht nur Wasser der weltgrößten Lebensmittelkonzerne verkauft wird, bei denen oft recht intransparent ist, wo eigentlich die Quelle dieses Wassers liegt. Es wird auch beispielsweise Wasser von den Fiji-Inseln verkauft, oder auch Leitungswasser aus Skandinavien als norwegisches Gletscherwasser in teuren Designer-Flaschen verkauft. Auch spezielles Babywasser (auch to-go!) wird angepriesen, welches damit wirbt natriumarm und bereits abgekocht zu sein. Davon kostet ein Liter auch nur so viel wie 100 Liter Leitungswasser (vgl. Tillich, 2017).

Der größte Produzent für abgefülltes Wasser ist der Schweizer Konzern Nestlé, der schon oft in die Kritik geraten ist. Sei es wegen verunreinigter Babynahrung, Genmanipulation, Unterstützung von Kinderarbeit oder wegen Tierversuchen. Der jüngste Vorwurf lautet, dass der Konzern Entwicklungsländern das Grundwasser abpumpt (ORF, 2015). Diese Vorwürfe sollen im Verlauf dieser Arbeit exemplarisch für die Firma Nestlé stellvertretend für die größten Wasserkonzerne beleuchtet werden.

Im zweiten Kapitel dieser Arbeit soll unter Verwendung offizieller Quellen wie den Vereinten Nationen, der WHO, des Umweltbundesamtes und Ähnlichen dargestellt werden, was Wasser chemisch betrachtet ist, wo es vorkommt, wie es rechtlich zu sehen ist und wer die größten Verbraucher sind. Im dritten und vierten Kapitel dieser Arbeit wird darauf eingegangen, wie und warum Wasserversorgungen privatisiert werden und schlussendlich soll die Privatisierung mit ihren Folgen exemplarisch mit Hilfe des Beispiels der Firma Nestlé dargestellt werden.

2. Wasser

Wasser ist eine klare und geruchlose Flüssigkeit und eine chemische Verbindung aus einem Sauerstoff- (O) und zweier Wasserstoffatomen (H). Daher lautet die chemische Bezeichnung des Wassers "H2O". Wasser gilt als einzige Substanz, die in der Natur in allen drei Aggregatzuständen flüssig, fest (Eis) und gasförmig (Dampf) vorkommt (vgl. Massholder, 2014). Für den menschlichen Körper ist Wasser absolut essentiell. Ca. 60 - 65 % des Körpers eines Erwachsenen bestehen aus Wasser und ein Mangel an Wasser kann nach wenigen Tagen zum Tode führen. Wasser kommt im Körper nicht nur als Baustoff in den Zellen, sondern auch als Lösungsmittel bei der Verdauung, als Transportmittel im Blut und anderen Körperflüssigkeiten und als Wärmeregulator vor. Die empfohlene tägliche Gesamtzufuhr für Erwachsene liegt bei 2,6 Litern im Schnitt (variiert je nach Alter, Größe, Gewicht). Eine Mindestzufuhr von 1 - 1,5 Litern sollte nicht unterschritten werden. Selbstredend ist Wasser auch von wesentlicher wirtschaftlicher Bedeutung, da es im Transportwesen beispielsweise die Schifffahrt ermöglicht, oder für die Landwirtschaft die Böden bewässert. Der durchschnittliche Wasserverbrauch liegt weltweit pro Mensch und Tag bei täglich 130 Litern. In der westlichen Welt liegt der Verbrauch weit höher (vgl. Massholder, 2014). Die privaten Haushalte verbrauchen 8 % des vorhandenen Wassers. Die Industrie 22 % und die Landwirtschaft 70 % (vgl. Massholder, 2014). Wie diese Zahlen über den Wasserverbrauch genauer aufgeschlüsselt sind, soll unter Abschnitt 2.3. näher betrachtet werden.

2.1. Definition verschiedener Wässer

In diesem Abschnitt sollen die gängigen Arten des für den Verzehr geeigneten Wassers aufgezeigt und definiert werden.

2.1.1. Trinkwasser und sicheres Trinkwasser

Trinkwasser in Deutschland wird als ein Naturprodukt zu 70 % aus Grund- und Quellwasser und zu 13 % aus See-, Talsperren-, oder Flusswasser gewonnen. Die restlichen 17 % werden vom Umweltbundesamt als durch Uferfiltration oder Bodenpassagen natürlich aufbereitetes Oberflächenwasser bezeichnet (vgl. Umweltbundesamt, 2017b). Nach dem in Deutschland gültigen Infektionsschutz-Gesetz (IfSG) ist Trinkwasser folgendermaßen definiert: "Wasser für den menschlichen Gebrauch muss so beschaffen sein, dass durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit, insbesondere durch Krankheitserreger, nicht zu besorgen ist." Ferner werden in der deutschen Trinkwasserverordnung die Beschaffenheit des Wassers, die Aufbereitung, die Pflichten der Versorger und die Überwachung des Wassers geregelt. Damit wird die EG-Richtlinie zur Qualität von Wasser für den Menschlichen Gebrauch (Richtlinie 98/83/EG) in nationalem Recht umgesetzt. Allerdings enthält die nationale Trinkwasserverordnung zum Teil strengere Regelungen, als es das EU-Recht vorsieht, um national bewährte Regelungen zu behalten (vgl. Umweltbundesamt, 2017a).

Die Welt-Gesundheits-Organisation (im Folgenden WHO genannt) unterscheidet zwischen Trinkwasser und sicherem Trinkwasser. Trinkwasser ist laut der WHO das Wasser des Hausgebrauchs, welches zum Kochen, Trinken und zur Körperhygiene genutzt wird. Sicheres Trinkwasser ist Wasser mit bestimmten mikrobiologischen, chemischen und physischen Eigenschaften, die den jeweiligen nationalen Bestimmungen entsprechen, in der BRD also denen des IfSG, und sonst den Richtlinien der WHO (vgl. World Health Organisation, 2011, S. 3–4).

Aus der Sicht der Vereinten Nationen kann der Zugang zum sicheren Trinkwasser über den Hausanschluss, öffentliche Wasserpumpen, Bohrlöcher, geschützt gegrabene Brunnen, oder geschützte Quellen oder auch über Regenwasser-Sammelanlagen gewährleistet sein. In die Definition fallen nicht: Flüsse oder Teiche, ungeschützte Quellen oder Brunnen, aber auch nicht Wasser aus dem Handel oder abgefülltes Wasser. Letztere fallen aus der Definition nicht aus qualitativen Gründen, sondern da die verfügbare Quantität potentiell limitiert ist (vgl. Narain, 2012, S. 11).

2.1.2. Mineralwasser

Wie sich im vorangegangenen Abschnitt herausgestellt hat, betrachtet die WHO in Flaschen im Handel erhältliches Wasser nicht als sicheres Trinkwasser. Dies ist, wie bereits gesagt, auf die verfügbare Quantität bezogen.

In der BRD werden die Eigenschaften des abgefüllten Mineralwassers in der Mineral- und Tafelwasserverordnung geregelt, welche auf der EG-Richtlinie über die Gewinnung von und den Handel mit natürlichen Mineralwässern basiert. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass mikrobiologische Grenzwerte strenger sind als beim Leitungswasser, allerdings gelten Sie beim Leitungswasser für den Ort der Entnahme und für das Mineralwasser für den Moment der Abfüllung. Mineralwasser hat einen unterirdischen Ursprung und in der Regel sind nur physikalische Verfahren zu Verarbeitung gestattet. Quellwasser hat weitestgehend die gleichen Bestimmungen wie Trink- und Mineralwasser, allerdings sind die Anforderungen an die Inhaltsstoffe nicht so hoch wie beim Mineralwasser. Tafelwasser ist gemischt aus Trink-, Mineralwasser, Solen und Salzen und daher als minderwertiger zu erachten (vgl. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz 2017). Mineralwässer werden im Handel mit dem vollen Satz von 19 % Mehrwertsteuer belastet, da sie nach dem Umsatzsteuergesetz (UStG) nicht zu den Grundnahrungsmitteln zählen. Dies fußt darauf, dass das Grundnahrungsmittel Wasser sicher durch den Hausanschluss bezogen werden kann.

Geregelt wird die Bezeichnung des einzelnen Wassers in der Lebensmittelkennzeichenverordnung (Abkürzung: LMKV).

2.2. Wasser als Menschenrecht

Die UN stellt Wasser folgendermaßen als ein Menschenrecht dar:

Wasser ist eine begrenzte natürliche Ressource und ein öffentliches Gut, welches fundamental für das Leben und die Gesundheit ist. Das Menschenrecht auf Wasser ist unverzichtbar, um ein Leben in menschlicher Würde zu führen. Es ist eine Voraussetzung für die Realisierung anderer Menschenrechte. [...] Über eine Milliarde Personen haben eingeschränkten Zugang zu einer Basis-Wasserversorgung, während mehrere Milliarden keinen Zugang zu einer adäquaten Kanalisation haben, was der Hauptgrund für Kontaminationen des Wassers und damit verbundenen Krankheiten ist (vgl. UN Economic and Social Council, 2003, S. 1).

Da in obigem Zitat die menschliche Würde nicht näher definiert ist, soll dargestellt werden, wie die WHO diese menschliche Würde in Bezug auf den Zugang zu sicherem Wasser darstellt: „Es ist würdelos, wenn man mehr als einen Kilometer gehen muss, um sicheres Trinkwasser zu bekommen. Ebenso gehört die Möglichkeit dazu, mindestens Zugang zu zwanzig Litern Wasser am Tag zu haben, um einen sicheren Lebensstandard mit der höchstmöglichen Gesundheit gewährleisten zu können.“ (vgl. Moayad, 2015, S. 29) In Asien und Afrika beispielsweise liegt die durchschnittliche Entfernung bei sechs Kilometern, die in den meisten Fällen von Frauen zu Fuß zurückgelegt werden, um an sicheres Wasser zu kommen. Auf dieser Strecke tragen Sie im Schnitt zwanzig Kilogramm Wasser bei sich. Für knapp über eine Milliarde Menschen sind diese Zustände Alltag (vgl. Loughborough University, 2005). Nach einer neueren Statistik von der UNESCO haben 748 Millionen Menschen immer noch keinen Zugang zu gutem Trinkwasser und 2,5 Milliarden immer noch kein Abwassersystem. Annähernd zwei Milliarden trinken täglich Wasser, welches mit Fäkalkeimen (E.Coli) kontaminiert ist (vgl. UN World Water Assessment Programme, 2015).

Zu den 1990 von den Vereinten Nationen gesteckten Zielen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Entwicklung, den Millennium Development Goals, die bis 2015 erreicht werden sollten, welche von Armut vermindern, Kindessterblichkeit verringern, AIDS bekämpfen etc. handelten, gehört auch das Goal 7: "Ensure enviromental sustainability" (zu deutsch: nachhaltige Umwelt gewährleisten). Dieses Goal 7 sah vor, bis 2015 den Anteil derer, die keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser haben, zu halbieren. Diesen Entwicklungszielen ist die oben genannte Situation zu verdanken, die ohne diese sicher weitaus schlimmer wäre (vgl. UNITED NATIONS, 2015).

2.3. Wasservorkommen und die größten Wasserverbraucher

Die Erdoberfläche ist zu 71 % mit Wasser bedeckt. Allerdings sind nur 3,5 % von diesem Wasser Süßwasser und davon die Hälfte liegt in gefrorener Form an den Polen, Gletscher oder als Permafrost vor (vgl. Massholder, 2014). In der nördlichen Hemisphäre ist der Zugang zu Süßwasser größtenteils durch die Natur gewährleistet. Auch der Großteil Südamerikas und die Inseln zwischen Asien und Australien haben ausreichenden Zugang. In Regionen wie Zentralafrika, Nordostindien und Südostasien herrscht mittlerer bis schwacher "Wasser-Stress", was bedeutet, dass Wasserknappheit nur durch institutionelle und wirtschaftliche Barrieren zustande kommt. In westlichen Bundesstaaten der USA, Mexiko, nordafrikanischen und arabischen Ländern, Zentralasien und Nordindien kann von Wasserknappheit gesprochen werden (vgl. UN World Water Assessment Programme, 2015, S. 25). "Wasser-Stress" ist von der EU folgendermaßen definiert: "Wasser-Stress tritt auf, wenn die Nachfrage die verfügbare Menge von Wasser während eines bestimmten Zeitraums übersteigt oder wenn schlechte Wasserqualität die Nutzbarkeit einschränkt." (vgl. European Environment Agency, n.d.) Übrigens betrachtet die UN die BRD als "verletzlich", also knapp davor, unter Wasser-Stress zu stehen, dies fußt sicherlich auf der hohen Einwohnerdichte, der Industrie und der massiv verbreiteten Landwirtschaft der BRD (vgl. UN World Water Assessment Programme, 2015, S. 12).

92 % der in Städten wohnenden Weltbevölkerung haben Zugang zu sauberem Trinkwasser, sei es im Zweifel über öffentliche Zapfstellen oder Brunnen (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2008). Über die Hälfte der Menschheit lebt in Stadtgebieten. Es ist davon auszugehen, dass die 8 %, die in Stadtgebieten leben und keinen Zugang zu sicherem Wasser haben, in Slums der zweiten und dritten Welt leben (vgl. Moayad, 2015, S. 23).

Während für die Produktion eines Kilogramm Rindfleischs insgesamt 15455 Liter Wasser, für Käse 5000 Liter, Eier 3300 Liter, Milch 1300 Liter, werden für Weizen 1300 Liter und die meisten Gemüse- und Obstsorten weit weniger als 1000 Liter Wasser benötigt. In Kubikmetern und Kalorien ausgedrückt braucht man für 1000 Kalorien aus Getreide einen halben Kubikmeter Wasser. Für 1000 Kalorien aus Fleisch vier Kubikmeter und für Milch sogar sechs Kubikmeter. Sollte der Wachstumstrend beim Fleischkonsum weltweit anhalten (In der BRD und der westlichen Welt sinkt er. In China und anderen BRICS-Ländern steigt er massiv mit der dort neu aufkommenden Mittelschicht.), so werden bis 2025 nicht wie derzeit ca. 2,5 Milliarden Menschen in Gebieten mit "Wasserstress" leben, sondern es wird weit mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung sein. Die Viehwirtschaft verbraucht nicht nur viel Wasser, sondern sorgt auch für signifikante Kontaminationen des Trinkwassers mit giftigen Nitraten und Phosphor. Bereits 36 % der bundesdeutschen Messstellen wiesen 2013 einen deutlich erhöhten Nitratwert im Wasser über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter auf (vgl. Heinrich-Böll-Stiftung, BUND, Le Monde diplomatique, 2013, S. 29).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Kritische und exemplarische Betrachtung des Verkaufs und der Produktion von Trinkwasser anhand eines Beispiels des Konzerns Nestlé
Hochschule
Universität Paderborn  (Fakultät für Naturwissenschaften)
Veranstaltung
Verbraucherschutz- und Beratung
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V441908
ISBN (eBook)
9783668801417
ISBN (Buch)
9783668801424
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wasser, trinkwasser, mineralwasser, nestle, grundrecht, wasserversorgung, privatisierung
Arbeit zitieren
Adrian Krüger (Autor), 2017, Kritische und exemplarische Betrachtung des Verkaufs und der Produktion von Trinkwasser anhand eines Beispiels des Konzerns Nestlé, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441908

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kritische und exemplarische Betrachtung des Verkaufs und der Produktion von Trinkwasser anhand eines Beispiels des Konzerns Nestlé


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden