Interkulturelles Management zwischen Deutschen und Tschechen


Seminararbeit, 2018
31 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Das Land Tschechien, seine Menschen, seine Geschichte und Kultur
2.1 Die Geschichte Tschechiens
2.2 Die Wirtschaft Tschechiens
2.3 Länderprofil Tschechien
2.4 Die Bewohner Tschechiens und ihre Kultur

3 Interkulturelle Szenarien zwischen Deutschen und Tschechen
3.1 Ausgangssituation
3.2 Terminvereinbarung am Telefon
3.2.1 Schilderung des Sachverhalts
3.2.2 Analyse des Sachverhalts
3.3 Erste Begegnung am Flughafen
3.3.1 Schilderung des Sachverhalts
3.3.2 Analyse des Sachverhalts
3.4 Das Meeting
3.4.1 Schilderung des Sachverhalts
3.4.2 Analyse des Sachverhalts
3.5 Das Geschäftsessen
3.5.1 Schilderung des Sachverhalts
3.5.2 Analyse des Sachverhalts

4 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kühlschrank der Svoboda Electronics s.r.o. 11

1 Problemstellung

Die zunehmende Globalisierung und Internationalisierung führen dazu, dass Mitarbeiter fast aller Unternehmensbereiche und -ebenen immer häufiger Kontakt zu anderen Kulturen haben. Sei es durch Besprechungen, Geschäftsreisen, Niederlassungen in anderen Ländern oder Kundenanfragen. Des Weiteren resultiert aus der Einwanderung nach Deutschland auch innerhalb eines nationalen Unternehmens durch die vielen verschiedenen Kulturen ein immer größer werdendes interkulturelles Konfliktpotenzial.[1]

Die Kultur beeinflusst hierbei durch ein spezifisches System von Werten, Normen, Regeln und Einstellungen das Handeln, Arbeiten, Denken und Fühlen von Menschen. Sie dient aber auch als Verhaltenskodex und Orientierungsmittel. Sie zeigt so die Grenzen des Verhaltens und Handelns von Menschen auf. Daher ist es insbesondere im Bereich der interkulturellen Zusammenarbeit elementar sich über Differenzen und Gemeinsamkeiten der Kulturen zu informieren, diese zu verstehen und zu beachten.[2]

Aufgrund der geografischen Nähe und der zunehmenden wirtschaftlichen Vernetzung kommt es oft zu interkulturellen Interaktionen zwischen Deutschen und Tschechen. Allzu häufig werden die kulturellen Unterschiede und deren Bedeutung für eine gute wirtschaftliche Beziehung unterschätzt, vor allem von deutscher Seite. Während Tschechen oft gut über ihre deutschen „Nachbarn“ informiert sind, wissen viele Deutsche relativ wenig über das Land Tschechien, dessen Menschen und ihre Kultur. Und dass, obwohl Deutschland und Tschechien eine lange gemeinsame Grenze und Geschichte sowohl verbindet als auch trennt. Diese oft einseitige Informationslücke kann bei wirtschaftlichen Aktionen zwischen Deutschen und Tschechen schnell zu interkulturellen Konflikten sowie Missverständnissen führen, welche den Aufbau und Erhalt einer soliden internationalen Geschäftsbeziehung verhindern kann.[3]

Aus diesen Gründen konzentriert sich die vorliegende Arbeit auf die interkulturelle Zusammenarbeit zwischen Geschäftspartnern aus Deutschland und Tschechien. Der erste Teil der Arbeit geht zunächst auf das Land Tschechien ein. Im zweiten Teil werden verschiedene Szenarien vorgestellt, welche die interkulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Tschechen typisiert darstellen sollen. Anschließend werden die Szenarien auf interkulturelle Fehler untersucht und auf Verbesserungsmöglichkeiten hin analysiert. Abschließend werden die wichtigsten Punkte in einer Zusammenfassung festgehalten.

2 Das Land Tschechien, seine Menschen, seine Geschichte und Kultur

Tschechien ist erst seit relativ kurzer Zeit ein eigenständiges Land, dessen Menschen selbst über ihre Politik und damit auch über ihr tägliches Leben und zukünftige Ausrichtung entscheiden dürfen. In den Zeiten vor der Unabhängigkeit gab es fast ausschließlich eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Fremdherrschaft verbunden mit einer Unterdrückung der tschechischen Kultur. Vor allem die Beziehung zu Deutschland ist durch viele Konflikte geprägt und hat sich erst vor etwa 20 Jahren deutlich verbessert. Jedoch wirken noch heute negative Assoziationen auf Deutschland aufgrund der Konflikte nach.[4] So sagte Vladimir Handl aus dem Institut für Internationale Beziehungen in Prag, dass ein „weitverbreitetes Selbstverständnis der tschechischen Geschichte als eines kontinuierlichen Kampfes mit dem deutschen Element“ existiere.[5]

Aber auch das ehemalige tschechische Staatsoberhaupt Klaus äußerte sich 2017 zum zwanzigsten Jahrestag der Deutsch-Tschechischen Erklärung kritisch: „Deutschland ist ein dominantes Land. Es hat nun die Rolle, die es in den beiden Weltkriegen vergeblich erreichen wollte. Ein kleines Land in seiner Nachbarschaft muss vorsichtig sein in seinem Verhältnis zum Riesen nebenan.“[6]

Um das Land, die Kultur und die Menschen Tschechiens besser zu verstehen, muss man daher erst die Vergangenheit dieses Landes betrachten.

2.1 Die Geschichte Tschechiens

Seinen Ursprung hat das tschechische Volk in einem slawischen Stamm, der zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert in das Gebiet Böhmen und Mähren (die heutige Tschechische Republik) kam. Das erste Mal als Volk wurden die Tschechen im 9. Jahrhundert bezeichnet, als sie zunehmend an Bedeutung gewonnen und 1085 der erste böhmische König gekrönt wurde. Bereits 1306 endete die Regierung wieder und nach seinem Vater bestieg 1346 Karl IV den böhmischen Thron. Karl IV ist maßgeblich mit der Geschichte Tschechiens verbunden und noch heute eine der wichtigsten Personen für die Tschechen. Er baute Prag zur „Goldenen Stadt“ aus, ließ die nach ihm benannte Karlsbrücke bauen und gründete die Karlsuniversität. Außerdem war er (wohl unbewusst) ein Förderer des Nationalzusammenhalts zwischen den Tschechen.[7]

Ab 1526 war das Land geprägt durch religiöse Konflikte zwischen der katholischen Kirche und einigen protestantischen Reformbewegungen. Es folgten vorübergehende Machtgewinne beider Seiten, bis 1609 auch die Religionsausübung der Protestanten vom damaligen Herrscher Rudolf II verkündet wurde. Doch die Schließung einer protestantischen Kirche führte zum offenen Krieg zwischen den Religionen, welche die katholischen Mächte 1620 gewannen. Daraufhin wurde die Religionsfreiheit abgeschafft und viele Protestanten mussten das Land verlassen.[8]

Die zwei Jahrhunderte nach dem Sieg der Katholiken werden in der tschechischen Geschichte als „ dunkle Zeit “ bezeichnet (tschechisch: „temno“). Die Rebellion war niedergeschlagen und die Tschechen hatten ihr Nationalgefühl verloren oder trauten sich nicht, ihm nachzugehen. Das änderte sich im 19. Jahrhundert. Vermehrt forderten die Tschechen ihre Eigenständigkeit, was auch zu Gewaltaktionen gegen Deutsche in Böhmen führte. Die Bestrebungen führten dazu, dass Tschechisch in den Schulen als zweite Landessprache eingeführt wurde. Davor wurde ausschließlich in Deutsch unterrichtet. Wenig später folgte die Gleichstellung der Sprachen in Behörden und Gerichten. Damit wurde die Unterdrückung der tschechischen Sprache durchbrochen und Personen, welche des Deutschen nicht mächtig waren, hatten nun die Möglichkeit auf Bildung und faire Prozesse. Verstärkt wurden die Eigenständigkeitsbemühungen durch die Entscheidung der Regierung von Österreich-Ungarn 1867 Österreicher und Ungarn gleichzustellen. Die Tschechen hingegen wurden nicht einbezogen, obwohl sie die drittgrößte Volksgruppe im Königreich waren und blieben „minderwertige“ Bürger.[9]

Während des Ersten Weltkriegs sahen die Tschechen ihre Zeit für einen Staat gekommen. Jedoch nicht als eigenes Land, sondern im Verbund mit dem Nachbarland Slowakei. 1916 gründeten die beiden Länder einen gemeinsamen Nationalrat. Sie beteiligten sich auch am Kriegsgeschehen des Ersten Weltkriegs mit eigenen Truppen, wodurch die Tschechoslowakei als kriegsführende Nation anerkannt wurde. Die eigentliche Staatsgründung erfolge jedoch erst am 28.10.1918 als Tschechoslowakische Republik. Die drei Millionen im landlebenden Deutschen sollten eingegliedert werden. Diese wollten jedoch lieber zu Deutschland gehören und strebten eine Vereinigung damit an. Dieses Vorhaben wurde aber mit der Friedenskonferenz der Alliierten von St. Germain abgelehnt, um Deutschland nach dem Krieg möglichst weitgehend zu schwächen. Es folgten Aufstände der Deutschen in böhmischen Städten, welche vom tschechischen Militär brutal niederschlagen wurden. Auch sonst wurden jegliche Autonomiebestrebungen der Deutschen abgelehnt.[10]

Durch den relativen hohen Anteil an Deutschen, vor allem im westlichen Sudetenland (die sogenannten Sudetendeutschen), war das Land ein Ziel der nationalsozialistischen Regierung unter Adolf Hitler. Auch die unterdrückten Deutschen wünschten sich die Zugehörigkeit zum Dritten Reich. Mit dem Münchner Abkommen von 1938 wurde das Sudetenland an das Dritte Reich angegliedert. Im Jahr 1939 folgte der Rest der Tschechoslowakei durch den Einmarsch der Wehrmacht. Es wurde als Protektorat Böhmen und Mähren noch vor dem Zweiten Weltkrieg annektiert. Die deutschen Besatzer verfolgten die Politik der „politischen Neutralisierung“, sie wollten vor allem gegen Intellektuelle sowie etablierte Politiker vorgehen. Diese und andere „rassisch unbrauchbare Tschechen“ sollten zwangsumgesiedelt, getötet, unfruchtbar gemacht oder inhaftiert werden. Der Rest („gutrassig und gutgesinnt“) sollte durch „Umvolkung“ an das Deutsche Reich angepasst werden, was eine Auslöschung der tschechischen Kultur und Sprache bedeutet hätte.[11]

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten die Tschechen erneut mit den Slowaken den unabhängigen Staat der Tschechoslowakei. Die wirkliche Unabhängigkeit hatte dieses Land jedoch nur bis 1948. Anschließend wurde durch die Machtübernahme der Kommunisten das Land ein Satellitenstaat der Sowjetunion. Die Politik war geprägt durch Unterdrückung gegenüber Andersdenkenden und Deutschen, was oft in Schauprozessen mündete. Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle Sudetendeutschen enteignet, vertrieben und kamen als Flüchtlinge nach Deutschland.[12]

Ende der 60er Jahre gab es Bemühungen einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu etablieren, der aber von der Sowjetunion 1968 in Prag durch starke Gewaltanwendung und Militärpräsenz niedergeschlagen wurde (sogenannter Prager Frühling). Doch der Reformwille der Tschechen war nicht gebrochen und 1989 war die (vonseiten der Protestanten) gewaltfreie samtene Revolution auch durch Russland nicht mehr aufzuhalten. In der Folge fanden 1990 die ersten freien Wahlen statt.[13]

Durch die Trennung von Slowakei und Tschechien bekamen am 01.01.1993 die Tschechen erstmals ihren eigenen Staat, die Tschechische Republik (tschechisch: Česká republika). Erster Präsident wurde Václav Havel, ein berühmter Schriftsteller und Akteur der samtenen Revolution.[14]

In den Jahren 1996/1997 unterzeichneten der damalige Premier Tschechiens Václav Klaus und der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl die Deutsch-Tschechische Erklärung. Darin entschuldigten sich beide Seiten für das Leid, die begangenen Verbrechen und Exzesse der Vergangenheit. Außerdem einigte man sich darauf, dass beide Seiten ihre Beziehungen nicht mehr mit den aus der Vergangenheit herrührenden politischen und rechtlichen Fragen belasten würden. Damit wurde der Fokus weg vom Vergangenem hin in die Zukunft der deutsch-tschechischen Beziehung gerichtet, was als Grundstein, der seit her guten Beziehungen angesehen werden kann.[15]

In den folgenden Jahren orientierten sich Tschechien stark Richtung Westen. 1993 trat es dem Europarat bei, 1999 der NATO und am 01.05.2004 wurde es Teil der Europäischen Union.[16]

2.2 Die Wirtschaft Tschechiens

Die tschechische Wirtschaft befindet sich in einem konjunkturellen Boom, vor allem die Aufträge bei kleinen und mittelständischen Unternehmen nehmen weiter zu. Einer der wichtigsten Handelspartner ist hierbei Deutschland, mit dem etwa ein Drittel des Außenhandels abgewickelt wird. Die verarbeitende Industrie ist in Tschechien so wichtig, wie in keinem anderen Mitgliedsland der Europäischen Union. Hierzu zählen insbesondere die Fahrzeugindustrie, der Maschinenbau und die Elektroindustrie. Auch die Investitionen in Forschung und Entwicklung stiegen die letzten Jahre jährlich an. Besonders wichtig sind hierbei Gesellschaften wie Bosch, Honeywell und ON Semiconductor. Um die tschechische Wettbewerbsfähigkeit in der Industrie zu erhalten, wurde nach deutschem Vorbild eine Initiative zur Umsetzung der vierten industriellen Revolution im Jahr 2015 gestartet.[17]

Eine herausragende Rolle nimmt die Automobilindustrie in Tschechien ein. Sie erwirtschaftete 2015 fast 6 % der Bruttowertschöpfung und hatte etwa 175.000 Arbeitnehmer. Dabei geht es sowohl um die Produktion von Pkw, Bussen und Lkw als auch um die Komponentenproduktion. Interessant für viele Unternehmen ist hierbei die hohe Konzentration von Zulieferern, relativ niedrige Produktionskosten und sehr gute Logistik sowie Infrastruktur. Als größter Vertreter ist hier Škoda anzuführen, der von Volkswagen 1991 übernommen wurde. Diese Übernahme wurde von den Tschechen erst kritisch hinterfragt, mittlerweile hat sich die Verbindung aber als nutzbringend für beide Seiten herausgestellt. So ist Škoda heute der größte Arbeitgeber in Tschechien. Aber auch andere Automobilhersteller wie Toyota, Peugeot und Citroën produzieren mittlerweile in Tschechien, wodurch die Anzahl der Importe von Autoteilen, wie Motoren oder elektrischer Ausrüstung, angestiegen ist. Für einige Wirtschaftsexperten ist diese starke Konzentration aber auch ein Risiko, da die Wirtschaft Tschechiens (wie auch die Deutschlands) wesentlich vom Wachstum der Automobilindustrie abhängt.[18]

Der größte Erbringer der Bruttowertschöpfung ist mit fast 60 % der gesamten Wertschöpfung allerdings der Dienstleistungsbereich (besonders wichtig: Tourismus). Auch die Lebensmittelproduktion sowie die Landwirtschaft sind wichtige Wirtschaftsfaktoren. Künftig könnten Bereiche wie Nanotechnologie, Life Sciences und Energiewirtschaft einen größeren Anteil in der Wirtschaft erreichen, wie zahlreiche Forschungsprojekte und Start-ups der letzten Jahre verdeutlichen.[19] Die derzeit umsatzstärksten Unternehmen Tschechiens sind ŠKODA AUTO (Automobilindustrie), ČEZ (Energieversorgung), Agrofert (Chemie, Handel, Nahrungsmittel und Medien), Energetický a průmyslový holding (Energieversorgung und Kohleabbau) sowie Foxconn CZ (Elektronik).[20]

Wirtschaftliches Zentrum Tschechiens ist die Hauptstadt Prag, welche etwa ein Viertel der Wirtschaftskraft Tschechiens erbringt. Daneben sind Gebiete im Nordosten (Mährisch-Schlesien) und Südosten (Südmähren) als Wirtschaftszentren besonders dominant. Es wird erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2016 bis 2022 jährlich um ca. 3 % steigen wird. 2016 betrug es 254,2 Milliarden US-Dollar.[21]

2.3 Länderprofil Tschechien

Tschechien hat ca. 10,67 Millionen Einwohner, etwa 4,2 % davon sind Ausländer (vor allem Ukrainer, Slowaken und Vietnamesen). Die Fläche ist verglichen mit anderen Staaten mit etwa 78.872 km² relativ klein. Die Amtssprache ist Tschechisch, in vielen öffentlichen Bereichen wird jedoch Slowakisch ausdrücklich gleichgestellt. Was einerseits mit der tiefen historischen Verbindung der beiden Länder zusammenhängt, andererseits leben nach wie vor immer noch viele Slowaken in Tschechien. Die Mehrwertsteuer beträgt 21 % und ist damit etwas höher als in Deutschland. Tschechien ist außerdem eines der wenigen Länder der Europäischen Union, dessen Währung nicht der Euro ist. Es wird vermutet, dass dies politisch bewusst vermieden wird und man lieber seine eigene Währung beibehalten will, trotz wirtschaftlicher Nachteile. Die nationale Währung ist seit dem 8 Februar 1993 die Tschechische Krone (CZK). Der Wechselkurs liegt bei etwa 1 € ~ 25 CZK.[22]

Die größte Stadt ist Prag mit 1,3 Millionen Einwohnern. Sie ist zugleich das Wirtschaftszentrum und die Hauptstadt Tschechiens. Die meisten Tschechen gehören keiner Konfession an (etwa 87,5 %), die größten Glaubensgemeinschaften sind Katholiken (10,1 %) und Protestanten (1,1 %). Durch die anhaltende gute Konjunktur reduzierte sich die Arbeitslosenquote in den letzten Jahren und betrug 2016 etwa 4 %. Am meisten Geld geben die Tschechen für ihre Wohnung (Mietkosten, Renovierungen und Ähnliches) sowie für Alltagsgegenstände aus.[23]

2.4 Die Bewohner Tschechiens und ihre Kultur

Zunächst sollte man Tschechien in die Kulturgruppe anderer mittelosteuropäischer Staaten, wie Ungarn oder Polen einteilen. Diese Länder verbindet eine Vergangenheit mit vielen verschiedenen Besatzermächten, außerdem existierten sie größtenteils unter Fremdherrschaft. Für Westeuropäer ist es oft schwer zu verstehen, dass die Vergangenheit dieser Länder die Kultur noch heute maßgeblich bestimmt. Die mittelosteuropäischen Länder legen oft einen besonders hohen Stellenwert auf ihre eigene nationale Identität, Kultur, Werte sowie Sprache und sind sehr freiheitsliebend. Neuerungen, vor allem aus dem Westen, werden zunächst kritisch betrachtet oder gar als Bedrohung wahrgenommen. Generell werden Tschechen aber oft als sehr gastfreundlich, nett, aufmerksam und einfühlsam beschrieben.[24]

Bevor im Kapitel 4 die Szenarien vorgestellt und analysiert werden, soll hier eine kurze Einführung in die tschechische Kultur erfolgen. Die Besonderheiten der tschechischen Kultur lassen sich dabei auf sechs große Kernthemen eingrenzen:[25]

1) Starker Wert persönlicher Beziehungen bzw. Personenorientierung

Tschechen sind persönliche Beziehungen sehr wichtig. Daher versucht man zunächst eine persönliche Beziehung aufzubauen, bevor man sich im späteren Verlauf des Gesprächs dem eigentlichen Inhalt widmet. Tschechen legen tendenziell zunähst mehr Wert auf das Auftreten und Verhalten einer Person (Beziehungsaspekt) als auf den Inhalt (Sachaspekt). Jedoch sollte der Inhalt letztendlich genauso überzeugen wie die Person. Das stellt einen klaren Unterschied zur deutschen Sachorientierung dar, welche besonders im Berufsleben dominiert. Tschechen im Gegensatz dazu suchen bei Geschäftskontakten häufig nach persönlichen Ansatzpunkten, um eine möglichst angenehme zwischenmenschliche Atmosphäre zu ermöglichen. Außerdem bemühen sich Tschechen stark, bestehende Beziehungen zu erhalten und zu pflegen.

2) Abneigung gegenüber starren Strukturen

Im Gegensatz zu Deutschen sehen Tschechen alle Arten von Strukturen eher als hinderlich an. Sie beschränken die Kreativität und werden eher umgangen oder abgelehnt. So sehen sich die Tschechen selbst eher als kreativ, flexibel und erfindungsreich. Lieber improvisieren sie, als starre Reglungen zu befolgen. Die Abneigung basiert auch auf die vergangenen Besatzermächte, die oft willkürliche und nicht zu rechtfertigende Regelungen erließen. Tschechen verbinden daher zu viel Regeln als unnötige Bürokratie, eine Beleidigung oder Belästigung und jene, die sie unbedingt durchsetzen wollen als pedantisch und unhöflich, vor allem wenn es Deutsche sind.

Hier liegen deutliche Konfliktpotenziale: Ein Deutscher Manager kann den Tschechen nur schwer die „deutschen Ordnung“ aufzwingen, da dies die Arbeit des Tschechen eher beschränken würde. Vielmehr sollte er die Regeln weitestmöglich den Tschechen selbst überlassen, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Notwendige Strukturen sollten möglichst sinnvoll begründet und die Wichtigkeit der Einhaltung unterstrichen werden.

3) Skepsis gegenüber Neuerungen

Neuem begegnen Tschechen eher zurückhaltend oder misstrauisch. Diese Eigenschaft ist historisch bedingt, da der Tscheche fast immer eine schlechtere Rolle hatte als andere Verhandlungsteilnehmer. Er war stets darum bemüht, sein Vorgehen genau zu prüfen und abzustimmen, um in Zukunft keine Schwierigkeiten mit anderen Parteien zu bekommen. Bei Tschechen können Deutsche überzeugen, wenn sie ihnen die Möglichkeit geben, Alternativen zu testen und gegebenenfalls auch zurückzunehmen und neu anzufangen zu können.

4) Starker Kontext

Unter dem Begriff „Kontext“ wird die Direktheit, mit der die Kommunikation erfolgt, verstanden. Die deutsche Kommunikation ist im Vergleich zu vielen anderen Kulturen sehr direkt, hat also schwachen Kontext. Ein Beispiel wäre hier „Deine Präsentation ist nicht gut genug, die kannst du gleich noch mal machen“.

Die tschechische Kultur ist durch stärkeren Kontext geprägt, das heißt, sie erfolgt indirekter. Für deutsche Teilnehmer können tschechische Geschäftspartner daher als sensibel, empfindlich oder kommunikationsfreudig gelten. Eine Aussage wie oben aufgeführt, würde als Beleidigung aufgefasst werden. Besser wäre: „Super, dass alles so gut funktioniert hat. Vielleicht können wir trotzdem noch mal bei einem gemeinsamen Bier die Präsentation etwas anpassen“. Damit wird auf den im Punkt 1 erwähnten Beziehungsaspekt eingegangen und ein zu starker Kontext vermieden.

5) Diffusion von Lebensbereichen

Kulturen werden in „spezifisch“ und „diffus“ eingeteilt. Eine spezifische Kultur trennt stark zwischen verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel zwischen Arbeit und Privatem. Tschechien hingegen hat eine diffuse Kultur, die einen starken Wert auf eine Beziehung zu Arbeitskollegen auch im Privatem legt. So vermischen sich Themen der Arbeits- mit der des Privatlebens, man geht nach der Arbeit noch gemeinsam in die Sauna, Essen, Trinken oder Sport treiben. Der Arbeitskollege oder der Geschäftspartner wird dabei nicht nur in seiner Funktion (zum Beispiel als Marketingleiter), sondern viel mehr ganzheitlich als die Summe aller seiner Eigenschaften betrachtet.

Die Entwicklung dieses Kulturstandards beruht erneut auf der starken geschichtlichen Prägung durch absolutistische und kommunistische Herrschaften. Als Reaktion auf den Zwang der Konformität mit den Systemen in der Öffentlichkeit entwickelte sich oft eine besondere Wichtigkeit des Privatlebens, welche als unverfängliche und ungefährliche Themen dienen konnten.

6) Simultanität

Im Gegensatz zur typisch deutschen Arbeitsweise, welche Wert auf eine sukzessive Abschließung von Vorgängen legt, sind Tschechen eher dazu geneigt, mehrere Vorgänge zeitgleich zu bearbeiten und dabei ihre Kreativität einzusetzen. Diese Simultanität bezieht sich nicht nur auf Aktivitäten, sondern auch Sach- und Beziehungsebene. Angenehme Tätigkeiten, wie ein Kneipenbesuch, werden gern mit Fortschritten auf der Sachebene, das heißt mit der Arbeit, verbunden.

Für Deutsche kann dieses Vorgehen eher an eine unkoordinierte Vorgehensweise erinnern, jedoch handelt es sich nur um eine andere Art der Problembewältigung.

3 Interkulturelle Szenarien zwischen Deutschen und Tschechen

In dem folgenden Teil der Arbeit werden verschiedene fiktive Szenarien beschrieben. Zuerst wird jeweils eine Situation zwischen deutschen und tschechischen Geschäftspartnern beschrieben. Dabei wird davon ausgegangen, dass „der Deutsche“ unvorbereitet mit tschechischem Verhalten konfrontiert wird und umgekehrt. So greift der deutsche Partner auf ihm vertraute deutsche Kulturstandards zurück, um die Situation zu erklären. Genauso verfährt auch der tschechische Teilnehmer. Dadurch werden gezielt Unterschiede zwischen deutscher und tschechischer Kultur aufgezeigt. Anschließend werden auf die spezifischen Unterschiede eingegangen und Verhaltensmuster erklärt. Ziel ist es, eine Sensibilisierung für Kulturunterschiede zu erreichen, um in Zukunft flexibel und souverän auf kulturelle Differenzen eingehen zu können.

3.1 Ausgangssituation

Im folgenden Abschnitt soll zunächst die Ausgangssituation für die späteren Szenarien dargestellt werden.

Das deutsche mittelständische Unternehmen „MagnaCulina“ bietet Kunden Komplettlösungen für Küchen aller Art an. Das Unternehmen wurde 2014 in Rosenheim gegründet, wo sich auch die Firmenzentrale befindet. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte das Unternehmen einen Umsatz von 18 Mio. Euro erzielen. Hauptzielgruppe des Unternehmens sind designorientierte und zahlungskräftige Privatpersonen. Allerdings werden auch zunehmen Start-ups durch die innovativen Küchen angesprochen und ausgestattet. Die Geschäftsentwicklung ist sehr positiv und man konnte die Mitarbeiteranzahl Anfang März 2018 auf insgesamt 117 Personen erhöhen. Dazu gehören sowohl Vertriebsmitarbeiter, als auch Handwerker für die Montage sowie Mitarbeiter in der Einkaufsabteilung und Verwaltung. Eine wesentliche Aufgabe der Leiterin des Einkaufs ist es, den Markt permanent auf neuen Einrichtungsideen und -trends hin zu analysieren. Dabei ist ihr die steigende Nachfrage nach Kühlschränken im Retrodesign aufgefallen.

Auf der Suche nach Anbietern ist sie auf den tschechischen Elektrohersteller „Svoboda Electronics s.r.o.“ aufmerksam geworden. Der Preis und die Bilder des Anbieters (siehe Abbildung 1) wirken vielversprechend auf die Einkaufsleiterin und sie beschließt den Anbieter mit Sitz in Prag (Tschechien) zu kontaktieren, um einen Termin für eine Besichtigung der Produktion und Begutachtung der Kühlschränke vor Ort zu vereinbaren. Bei einem anschließenden Meeting soll schließlich, sofern keine Probleme auftreten, über die möglichen Konditionen verhandelt werden. Sollte ein Vertrag abgeschlossen werden, würde die Leiterin des Einkaufs bei einem gemeinsamen Geschäftsessen mit dem Vertriebsleiter des künftigen Zulieferers Svoboda den Vertragsabschluss besiegeln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kühlschrank der Svoboda Electronics s.r.o.

Quelle: Eigene Darstellung.

3.2 Terminvereinbarung am Telefon

3.2.1 Schilderung des Sachverhalts

Die Einkaufsleiterin entscheidet sich für ein Telefonat und ruft bei der angegebenen Nummer des Vertriebsleiters der Svoboda Electronics an. „Dobrý den, tady je Novák Svoboda Electronics“, antwortet der Vertriebsmitarbeiter auf Tschechisch. „Hallo, hier spricht Frau Müller von MagnaCulina, ich würde gerne mit Ihnen über die von Ihnen angebotenen Kühlschränke sprechen.“ Nach kurzem Zögern antwortet Herr Novák: „Hallo Frau Müller, gut, dass ich zufällig Deutsch kann. Mein Name ist Novák. Wie geht es Ihnen?“ Frau Müller ist daraufhin etwas verwirrt, da Sie keine Antwort auf ihre Frage hält. Etwas irritiert antwortet sie „Danke, gut Herr Dvorák. Aber bitte kommen wir doch auf die Kühlschränke zurück. Wir sind sehr interessiert an Ihren Kühlschränken und überlegen, diese zu bestellen. Sie müssen wissen, wir sind ein Küchenausstatter.“ Herr Novák schweigt. „Könnten wir einen Termin für nächsten Monat vereinbaren? Ich würde natürlich zu Ihnen nach Tschechien kommen.“ Herr Novák antwortet: „Gerne Frau Müller. Geben Sie mir Bescheid, wann und wo sie ankommen werden. Ich hole Sie dann ab. Alles Weitere können wir dann besprechen. Bei Rückfragen, fragen Sie bitte nach Herrn Novák, das bin ich.“ „Wiederhören Herr Dovrák“, sagt Frau Müller kurzangebunden, während Sie sich schon wieder dem nächsten Termin widmet.

[...]


[1] Vgl. Blom/ Meier (2004), S. 1; Schroll-Machl/ Nový (2005), S. 3, 11.

[2] Vgl. Schroll-Machl/ Nový (2009), S. 9, Schroll-Machl/ Nový (2005), S. 13f.

[3] Vgl. Schmidt (2016), S. 13-18

[4] Vgl. Schroll-Machl/ Nový (2003), S. 42.

[5] Vgl. Link (2003), S. 34.

[6] Vgl. https://tinyurl.com/yc85awt3 (09.05.2018).

[7] Vgl. Bahlcke (2014), S. 13-17, 26-28, 33-35, 70.

[8] Vgl. Koschmal/ Nekula/ Rogall (2003), S. 179-186.

[9] Vgl. Koschmal/ Nekula/ Rogall (2003), S. 57-65.

[10] Vgl. Schmidt (2016), S. 47-50.

[11] Vgl. Koschmal/ Nekula/ Rogall (2003), S. 111f.

[12] Vgl. Link (2003), S. 33; https://tinyurl.com/ydegg4jh (09.05.2018).

[13] Vgl. Koschmal/ Nekula/ Rogall (2003), S. 359f., 420f.

[14] Vgl. https://tinyurl.com/ydegg4jh (09.05.2018).

[15] Vgl. Link (2003), S. 37.

[16] Vgl. Link (2003), S. 34.

[17] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2016), S. 5f., 8f.

[18] Vgl. Schmidt (2016), S. 118f.; Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2016), S. 5-16.

[19] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2016), S. 11f.

[20] Vgl. https://tinyurl.com/y9w6h8ed (09.05.2018).

[21] Vgl. Mälkki/ Striapunina/ Staffa (2017), S. 11.

[22] Vgl. Mälkki/ Striapunina/ Staffa (2017), S. 5; Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2016), S. 7f.

[23] Vgl. Mälkki/ Striapunina/ Staffa (2017), S. 6-9, 27.

[24] Vgl. Eidam (2004), S. 4.; Schroll-Machl/ Nový (2009), S. 27.

[25] Vgl. Eidam (2004), S. 4-7; Schroll-Machl/ Nový (2009), S. 26-29, 33f., 57, 93f.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Interkulturelles Management zwischen Deutschen und Tschechen
Hochschule
Fachhochschule Rosenheim
Veranstaltung
Intercultural Management
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
31
Katalognummer
V442098
ISBN (eBook)
9783668804524
ISBN (Buch)
9783668804531
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Professorin hat insbeondere die aufgeführten Szenarien / Rollenspiele sehr gut gefallen, welche alle Kontakte zwischen Deutschen und Tschechen darstellen und später analysieren. Man kann die Arbeit sehr gut als Vorlage für eine gelungene Präsentation verwenden.
Schlagworte
Tschechien, Tschechen, Osteuropa, Prag, Kultur, Interkulturell, Intercultural, Cz, Czech republic, Deutschland, Deutsche, Deutsch-tschechische Erklärung, Interkultuelles Management, Europa, Tschechei, Tschechoslowakei, interkultuelle szenarien, Rosenheim, Metze, Rollenspiele, Cultural, Kulturelle Konflikte, Meeting, Geschäftsessen, Terminvereinbarung, kulturell, Kulturelle Rollenspiele, Master, Internationalisierung, Globalisierung, Zusammenarbeit, Geschäftsbeziehungen
Arbeit zitieren
Dominik Bachmeier (Autor), 2018, Interkulturelles Management zwischen Deutschen und Tschechen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442098

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