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Transformation religiöser Motive in der Modernen Kunst in Hanna Wilkes "Intra-Venus"

Title: Transformation religiöser Motive in der Modernen Kunst in Hanna Wilkes "Intra-Venus"

Term Paper , 2018 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anna Dierks (Author)

Art - Visual arts general, stylistics
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„Jesus und Maria sind in diesen tausend Jahren die häufigsten Bildmotive der Malerei“ heißt es von Erne und Schüz. In der Modernen Kunst spielen diese Motive tatsächlich noch immer eine große Rolle. Allerdings haben sich ihre neuen Deutungen häufig durch die Verarbeitung des Künstlers in einen neuen Kontext oder durch andere künstlerische Absichten weit von der ursprünglichen, traditionellen Bedeutung entfernt. Religiöse Motive werden nicht mehr nur aus reinem Interesse am Glauben genutzt, sondern dienen sogar als Provokation oder Parodie, oder um damit andere Vorsätze und Bildaussagen zu verwirklichen.
Die Künstlerin Hannah Wilke steht kurz vor ihrem Tod, als sie ihr letztes Werk „Intra-Venus“, eine Reihe von fotografischen Selbstporträts, in 1992 veröffentlicht. Sie stellt ihren vom Krebs gezeichneten Körper und den Alltag im Krankenhaus während ihrer Chemotherapie zur Schau. Für den Betrachter eröffnet sich eine Möglichkeit, an einer intimen Erfahrung teilzuhaben, die normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. So erzeugt Wilke Authentizität in ihren Bildern, mit denen sich Betroffene und Angehörige möglicherweise identifizieren und trösten können.
Zwei Selbstporträts aus dieser Serie beinhalten die Darstellung von Jesus Christus und der heiligen Maria, die Wilke durch bestimmte Gestiken mit ihren Händen und einer Krankenhausdecke als Kopftuch andeutet. Der kurz bevorstehende Tod sorgt zwar bei vielen Menschen dafür, einen Weg zu Gott zu finden, den sie vorher nie gegangen sind; für Wilkes Verhältnisse erscheint diese Motivwahl in Anbetracht ihrer vorangegangenen, provokanten und sehr stark feministischen Karriere jedoch irritierend. Sorgen die Erkrankung an Krebs und der bevorstehende Tod etwa für einen plötzlichen Sinneswandel bei der Künstlerin, die sich nun dem religiösen Lebensstil zuwendet und durch das Aufgreifen dieser christlichen Inhalte um Vergebung für ihre Sünden bittet? Meine These dazu lautet, dass religiöse Symbolik und Bildmotive längst aus ihrer traditionellen Deutung entankert wurden und in der modernen Kunst passend zu verschiedenen Zwecken und Bildaussagen geändert und neugedeutet werden, wie das Beispiel „Intra-Venus“ von Wilke zeigt: die Künstlerin modifiziert die Identifikation der heiligen Maria und Jesus Christus zu einer feministischen Bedeutung. Sie will damit die Rolle der Frau positiv bestärken und darstellen, dass eine Frau ebenso viel Leid ertragen kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hannah Wilkes „Intra-Venus“

2.1 Krankheitserfahrung und Darstellung von Leid in „Intra-Venus“

2.2 Religiöse Motive in „Intra-Venus“

2.3 „Intra-Venus“ als Feministisches Werk

3. Wilkes Verarbeitung der Traditionellen Deutung

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Transformation und Neudeutung religiöser Bildmotive im Spätwerk der Künstlerin Hannah Wilke, insbesondere in der fotografischen Serie „Intra-Venus“. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Künstlerin diese traditionell konnotierten Motive nutzt, um feministische Aussagen zu treffen und sich von einer rein christlichen Interpretation zu distanzieren.

  • Analyse der Darstellung von Krankheit und körperlichem Leid als künstlerisches Ausdrucksmittel.
  • Untersuchung der Transformation religiöser Ikonografie in der modernen Kunst.
  • Reflexion über die feministische Dimension des Werks und die Stärkung der weiblichen Identität.
  • Hinterfragung der Autonomie der Kunst gegenüber traditionellen religiösen Deutungsmustern.

Auszug aus dem Buch

2.1 Krankheitserfahrung und Darstellung von Leid in „Intra-Venus“

Bevor Hannah Wilke ihre persönlichen Erfahrungen mit einer Krebserkrankung macht, muss sie einige Jahre zuvor miterleben, wie ihre Mutter ebenfalls an Krebs erkrankt und daran stirbt. Wilke begegnet dem Krebs also zuerst als enge Verwandte und Außenstehende, ehe sie selbst erkrankt und eine direkte persönliche Perspektive erfährt. Diese zwei verschiedenen Krankheitserfahrungen fließen jeweils in ihre Arbeit ein. Die Serie „So Help Me Hannah“ von 1978 – 81 zeigt eine Gegenüberstellung des gesunden Körpers von Wilke und ihrer kranken Mutter, die durch die Chemotherapie deutlich mitgenommen ist. In „Intra-Venus“ sieht man Wilke selbst, die unter dem Krebs leidet. Gemäß Stricker sind die persönlichen, vielseitigen Erfahrungen von Hannah Wilke mit dem Krebs nicht nur ein biologischer Prozess, der im Körper stattfindet, sondern ein Konflikt und eine Auseinandersetzung mit der Zeit. Eine erkrankte Person erlebt und berichtet von der Krankheit mit persönlichen und emotionalen Eindrücken, sodass eine subjektive Geschichte entsteht. In „Intra-Venus“ zeigt Wilke einen Teil ihrer Geschichte.

Anders als den natürlichen Reflex jedes Menschen vor dem Leid zu fliehen zu befolgen, stellt Wilke ihr Leid und ihre körperliche Veränderung offen zur Schau. Einerseits zeigt sie damit, dass sie ihre Krebserkrankung akzeptiert hat, andererseits ihre Krankheitsgeschichte erzählt und dabei keine Details auslässt. Ihre Selbstporträts erhalten in der Kunst so die Funktion ein Miterleben zu ermöglichen und dem Betrachter eine für ihn neue (oder vertraute) Welterfahrung zu schaffen. Hein erklärt, dass mit jedem Kunsterlebnis gleichzeitig Seelenzustände aufgezeigt werden, die vom Betrachter teilweise sogar erwartet werden und dadurch „ein hohes Maß an authentischer Erfahrung“ erreicht wird. Wilke verarbeitet mit „Intra-Venus“ dementsprechend nicht nur ihr Leid für sich selbst, sondern bietet der Öffentlichkeit die Möglichkeit an, neue Erfahrungen zu sammeln, das Leid mitzuerleben und auf diese Weise sogar neues Wissen, Trost und Entlastung zu vermitteln. Hier entsteht eine Beziehung zwischen der Künstlerin und dem Betrachter, von der beide Seiten profitieren. Wilke findet einen Weg mit ihrer Situation umzugehen und Akzeptanz zu entwickeln, während der Betrachter Mitgefühl entwickeln kann, eine traumatische Erfahrung aus Distanz miterleben und mitverarbeiten kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Transformation religiöser Motive in der modernen Kunst ein und stellt die These auf, dass Wilke diese für eine feministische Neudeutung instrumentalisiert.

2. Hannah Wilkes „Intra-Venus“: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Lebenswerk der Künstlerin und analysiert die Hintergründe der Serie „Intra-Venus“ vor dem Kontext ihrer Krebserkrankung.

2.1 Krankheitserfahrung und Darstellung von Leid in „Intra-Venus“: Hier wird untersucht, wie Wilke ihr persönliches Leiden dokumentiert und das Miterleben des Betrachters ermöglicht.

2.2 Religiöse Motive in „Intra-Venus“: Der Abschnitt befasst sich mit der Ähnlichkeit der Bildmotive zu traditionellen Darstellungen von Jesus und Maria und hinterfragt deren Bedeutung.

2.3 „Intra-Venus“ als Feministisches Werk: Dieses Kapitel erläutert, wie das Werk durch die Verbindung von körperlichem Leid und feministischen Ansätzen eine neue Identität für Frauen entwirft.

3. Wilkes Verarbeitung der Traditionellen Deutung: Es wird erörtert, wie Kunst und Religion sich voneinander gelöst haben und wie Wilke traditionelle Symbole heute in einen neuen Kontext setzt.

4. Fazit: Das Fazit bestätigt die These, dass Wilke keine religiöse Bekehrung vollzieht, sondern ein konsequent feministisches Werk geschaffen hat.

Schlüsselwörter

Hannah Wilke, Intra-Venus, Feministische Kunst, Religiöse Motive, Selbstporträts, Krebserkrankung, Transformation, Christomorphie, Moderne Kunst, Bilddidaktik, Körperkunst, Ikonografie, Polyvalenz, Weiblichkeit, Leidensdarstellung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert, wie die Künstlerin Hannah Wilke in ihrem letzten Werk „Intra-Venus“ traditionelle religiöse Motive aufgreift, um diese in einem modernen, feministischen Kontext neu zu interpretieren.

Welches ist das zentrale Thema der Arbeit?

Das zentrale Thema ist die Transformation von religiöser Symbolik in der zeitgenössischen Kunst und deren Nutzung zur Auseinandersetzung mit Identität, Körperlichkeit und Krankheit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es zu belegen, dass die Verwendung christlicher Motive in „Intra-Venus“ nicht auf einer plötzlichen religiösen Bekehrung der Künstlerin beruht, sondern ein bewusster Akt der feministischen Bedeutungsverschiebung ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es wird eine kunsthistorische Analyse der Werke von Hannah Wilke durchgeführt, ergänzt durch die Einbettung in den theoretischen Rahmen der modernen Religions- und Kunstwissenschaft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der persönlichen Krankheitserfahrung, die Analyse der religiösen Ikonografie in den Selbstporträts und die Einordnung der Arbeit in Wilkes feministisches Gesamtwerk.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Hannah Wilke, Feminismus, Intra-Venus, Christomorphie, religiöse Motive und Körperinszenierung.

Warum wählt Wilke gerade religiöse Motive für ihre Darstellung des eigenen Leids?

Wilke nutzt diese Motive, um eine Verbindung zwischen ihrem körperlichen Schmerz und der historischen Bildtradition zu schaffen, wodurch sie ihre eigene Stärke und die Würde des weiblichen Körpers in einer Extremsituation unterstreicht.

Wie unterscheidet sich die Deutung von „Intra-Venus“ von einer traditionellen christlichen Betrachtung?

Während eine traditionelle Betrachtung in der Darstellung von Jesus und Maria eine Suche nach Vergebung oder religiösen Trost vermuten könnte, weist die Arbeit nach, dass Wilke diese Symbole säkularisiert und als feministisches Statement zur Identitätsstärkung umdeutet.

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Details

Title
Transformation religiöser Motive in der Modernen Kunst in Hanna Wilkes "Intra-Venus"
College
University of Paderborn  (Institut für Kunst / Musik / Textil)
Course
Bildtheologie und Bilddidaktik
Grade
1,3
Author
Anna Dierks (Author)
Publication Year
2018
Pages
16
Catalog Number
V442120
ISBN (eBook)
9783668803886
ISBN (Book)
9783668803893
Language
German
Tags
Feminismus Bildtheologie Bilddidaktik Kunst Moderne Kunst Hannah Wilke
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Dierks (Author), 2018, Transformation religiöser Motive in der Modernen Kunst in Hanna Wilkes "Intra-Venus", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442120
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