Im Kindergarten bereitet man sich auf das Sommerfest vor und auf dem Programm stehen die Angebote Ausmalen, Schneiden, Falten, Kleben, Knüpfen und das Aussuchen gemeinsamer Spiele. Nur Anton will bei keinem Angebot mitmachen und weigert sich. Erste Überlegungen für die Gründe für das Verhalten von Anton sind zum einen das mangelnde Selbstbewusstsein, die Fehlentwicklung in seinem Sozialverhalten und zum anderen die Überforderung mit der Situation und die fehlende Kompetenz auf die wir in den jeweiligen Themenbereichen näher eingehen werden. Unter Betracht der Bereiche "Motivation", "Bindung" und "Spiele" wird das Verhalten eines Kindergartenkindes analysiert. Daraus folgernd werden Erklärungsansätze und Lösungsvorschläge gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Themenbereich „Bindung“
2.2 Themenbereich „Motivation“
2.3 Themenbereich „Spiele“
3. Schluss
4. Leitfrageninterview
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das sozial auffällige Verhalten eines Kindergartenkindes namens Anton, das sich bei gemeinsamen Aktivitäten verweigert. Ziel ist es, durch die Anwendung entwicklungspsychologischer Theorien Ursachen für dieses Resignationsverhalten zu identifizieren und konkrete pädagogische Handlungsempfehlungen sowie Lösungsansätze für die Arbeit mit dem Kind und dessen Eltern abzuleiten.
- Analyse von Bindungsmustern und deren Einfluss auf das Sozialverhalten.
- Untersuchung von Motivationsstrukturen und dem Konzept des „Selbermachenwollens“.
- Bedeutung des Spiels für die kognitive und soziale Entwicklung.
- Einsatz des Leitfadeninterviews als qualitative Methode zur Datenerhebung im familiären Umfeld.
Auszug aus dem Buch
2.1 Themenbereich „Bindung“
Die Bindung beginnt zwischen Kind und Bezugsperson und wird durch deren Interaktion erworben. Das Vertrauen hängt davon ab, wie die Bedürfnisse des Kindes erfüllt werden (Koglin, Petermann, 2010, S.315). Laut John Bowlby gibt es vier Bindungsmodelle die je nach dem Grad der Fürsorge, Versorgung und Beziehungen zur Bindungsperson sich unterscheiden: sicheres Bindungsmodell, unsicher-vermeidendes Bindungsmodell, unsicher-ambivalentes Bindungsmodell und desorganisiertes Bindungsmodell. Das Verhalten von Anton lässt sich im unsicher-vermeidendes und unsicher-ambivalentes Bindungsmodell einordnen.
Zutreffend zu diesen Modellen vermeidet er den Kontakt zu den Bezugspersonen, indem er demonstrativ seine Arme verschränkt. Die Tatsache, dass Anton in der Ecke sitzt und jede Tätigkeit verweigert, zeigt das er sich seinem sozialen Umfeld entzieht und es ist auch ein Zeichen der Selbstabwertung. (Koglin et al., 2010). Aus dieser Hinsicht nehmen wir heraus, dass die Eltern die Bedürfnisse von Anton nicht ausreichend wahrnehmen und somit ist er sowohl ihnen als auch gegenüber seinen Erziehern/Erzieherinnen distanziert (Rehklau, 2016, S.103). Laut dem unsicher-ambivalenten Bindungsmodell braucht Anton für bestimmte Situationen eine gewisse Zeit, um sich an diese zu gewöhnen. Es könnte sein, dass seine Eltern ihm diese Eingewöhnungszeit nicht zur Verfügung stellen und somit verhält er sich passiv und trotzig (Koglin, Petermann, 2010, S.315). Ein weiterer Aspekt seines Verhaltens wäre, dass er die Aufmerksamkeit seiner Erziehungsperson erhalten möchte (Rehklau, 2016, S.103).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Fallproblematik um das Kindergartenkind Anton vor und beleuchtet erste theoretische Erklärungsansätze für dessen verweigerndes Verhalten unter Berücksichtigung von Familienstrukturen und Erziehungsstilen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Kernbereiche Bindung, Motivation und Spiel, um das Verhalten des Kindes tiefgreifend zu deuten und pädagogische Lösungsstrategien zu entwickeln.
3. Schluss: Dieses Kapitel fasst die Bedeutung von Spielaktivitäten für die Schulfähigkeit und die allgemeine Entwicklung des Kindes zusammen und betont die Vorbildfunktion der pädagogischen Fachkräfte.
4. Leitfrageninterview: Hier wird die methodische Herangehensweise zur Befragung von Antons Bezugspersonen erläutert, um ein fundiertes Bild von dessen Sozialverhalten in unterschiedlichen Lebensräumen zu erhalten.
Schlüsselwörter
Kindheitspädagogik, Bindungstheorie, Motivation, Spielverhalten, Entwicklungspsychologie, Sozialverhalten, Erziehungsstile, Leitfadeninterview, Selbstkonzept, Frühpädagogik, Schulfähigkeit, Trotzverhalten, Pädagogische Fachkraft, Bronfenbrenner, Erikson.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Verhalten eines fünfjährigen Jungen namens Anton, der sich im Kindergarten bei Gemeinschaftsangeboten verweigert, und sucht nach entwicklungspsychologischen Ursachen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bindungstheorie, der Motivationspsychologie und der Bedeutung des kindlichen Spiels für die Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Verhalten des Kindes zu verstehen und pädagogische Handlungsoptionen zu formulieren, die Anton bei seiner Entwicklung unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Fundierung durch Fachliteratur vorgenommen und ein Leitfadeninterview als qualitative Methode zur Datenerhebung vorgeschlagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Bindung, Motivation und Spiel, wobei jeweils theoretische Ansätze mit dem konkreten Verhalten von Anton verknüpft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bindungstheorie, Sozialverhalten, pädagogische Intervention und kindliche Entwicklung geprägt.
Warum spielt die Vaterrolle in dieser Analyse eine besondere Rolle?
Der Vater dient als männliche Bezugsperson zur Identifikation und unterstützt das Kind dabei, sich von der Mutter zu lösen und seine Eigenständigkeit zu fördern.
Welche Rolle spielt die „Theory of Mind“ in Antons Verhalten?
Die Arbeit nimmt an, dass Anton zwar die Überzeugungen anderer erkennen kann, diese aber aufgrund des Priorisierens eigener Bedürfnisse ignoriert, was sich in Trotzverhalten äußert.
Wie soll das Leitfadeninterview zur Problemlösung beitragen?
Durch die Befragung verschiedener Bezugspersonen sollen unterschiedliche Perspektiven auf Antons Verhalten gewonnen werden, um darauf basierend konkretere und individuellere Ratschläge für die Eltern zu formulieren.
- Arbeit zitieren
- Türkan Sahin (Autor:in), Sevval Demir (Autor:in), Ceren Duman (Autor:in), Merve-Sümeyye Yildiz (Autor:in), 2017, Verhaltensanalyse eines Kindergartenkindes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442126