Aspekte des Relativismus in den Contes von Voltaire


Examensarbeit, 2003

110 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse des Begriffs Relativismus
2.1 Zur Begriffsgeschichte
2.2 Relativismus im standardisierten Sprachgebrauch
2.2.1 Die Analyse von dt. ‘Relativismus’
2.2.2 Die Analyse von frz. ‘relativisme’
2.2.3 Die Analyse von engl. ‘relativism’
2.2.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
2.3 Das Konzept Relativismus in der Philosophie
2.3.1 Die Debatte um das Problem des Relativismus
2.3.2 Der Relativismus als pluralistisches Konzept
2.3.2.1 Probleme einer Definition
2.3.2.2 Probleme einer Typologie
2.3.3 Charakterisierung und Gliederung
2.3.3.1 Charakterisierung des Relativismus
2.3.3.2 Typologie des Relativismus

3. Charakteristika des Denkens von Voltaire
3.1 Einordnung der Philosophie Voltaires
3.2 Voltaires Erkenntnistheorie
3.3 Voltaires Moraltheorie

4. Aspekte des Relativismus in Micromégas 50
4.1 Einordnung von Micromégas
4.2 Relativistische Strukturen in Micromégas
4.2.1 Der Name des Protagonisten: Petit – grand
4.2.2 Die Erzählperspektive in Micromégas
4.2.3 Vergleiche und Messungen in Micromégas
4.2.4 Wege zur Erkenntnis in Micromégas

5. Aspekte des Relativismus in L’Ingénu
5.1 Einordnung von L’Ingénu
5.2. Relativistische Strukturen in L’Ingénu
5.2.1 Die Namen des Protagonisten in L’Ingénu
5.2.2 Die Ambivalenz der Charaktere in L’Ingénu
5.2.3 Der sauvage in Frankreich

6. Schlußfolgerungen

7. Bibliographie
7.1 Nachschlagewerke
7.2 Konsultierte Internetadressen
7.3 Primärtexte
7.4 Sekundärliteratur

1. Einleitung

„Na schön“, sagte Deep Thought. „Die Antwort auf die Große Frage ...“

„Ja ...!“

„ ... nach dem Leben, dem Universum und allem ...“, sagte Deep Thought.

„Ja ...!“

„ ... lautet ...“, sagte Deep Thought und machte eine Pause.

„Ja ...!“

„ ... lautet ...“

„Ja ...!!! ...???“

„Zweiundvierzig“, sagte Deep Thought mit unsagbarer Erhabenheit und Ruhe.

...

„Ich hab’s sehr gründlich nachgeprüft“, sagte der Computer, „und das ist ganz

bestimmt die Antwort. Das Problem ist, glaub ich, wenn ich mal ganz ehrlich zu

euch sein darf, daß ihr selber wohl nie richtig gewußt habt, wie die Frage lautet.“[1]

Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit Aspekten des Relativismus in den Contes von Voltaire. Mir ist keine Arbeit bekannt, die explizit dieses Thema untersucht. Gemeinhin wird in der Literaturwissenschaft erst die Romantik mit dem Konzept Relativismus in Verbindung gebracht.[2] Dieses wird in der Regel, auch außerhalb der Literaturwissenschaft als eine Reaktion auf den Uni-versalismus der Aufklärung verstanden.[3] Vor diesem Hintergrund macht die Anwendung des Konzepts des Relativismus auf die Werke eines der bedeu-tendsten Autoren der französischen Aufklärung den Reiz des Themas dieser Arbeit aus. Die These dieser Arbeit ist, daß Aspekte des Relativismus auch bereits in den Werken Voltaires nachzuweisen sind.

Die Gattung des Conte ist für eine solche Analyse besonders geeignet. Zenkine resümiert den kulturellen Relativismus folgendermaßen: «Cette idée [le rela-tivisme culturel] est intimement liée à une transformation du sacré. L’unité substantielle du sacré s’affaiblit en cédant la place à la pluralité des formes».[4] Diese Definition läßt sich auch auf die Literatur des Rokoko anwenden, in der die absolute Geltung der doctrine classique zum ersten Mal in Frage gestellt wurde. Insbesondere die Geltung des in Boileaus Art poétique normierten Gattungskanons wurde durch den Conte aufgebrochen, der sich durch «open-ness, hybridity and extraordinary freedom» auszeichnet. «By genre as well as by content it [the conte] relativises truth. Through play and parody [...] it cele-brates the joyous relativity of all things».[5]

Einleitend stellen sich zunächst einige Fragen bezüglich der Vorgehensweise. Der Titel der Arbeit verbindet zwei Themenbereiche miteinander: den Relati-vismus und die Contes Voltaires. Im Rahmen dieser Arbeit wird es jedoch nicht möglich sein, beide Bereiche in extenso zu erörtern. Aus diesem Grund muß gleich zu Beginn ein Arbeitsbereich abgesteckt werden.

Die Analyse des Relativismus wird streng den Bedürfnissen dieser Arbeit folgen. Das bedeutet insbesondere, daß das philosophische Problem, ob und inwieweit relativistische oder universalistische beziehungsweise absolutistische Positionen überhaupt legitim sind, hier nicht im Vordergrund stehen kann. Dieses Problem ist bis heute auch in der Philosophie nicht eindeutig gelöst. Die Diskussion innerhalb dieses Faches kann in dieser Arbeit nicht vollständig nachgezeichnet werden. Es geht hier auch nicht darum, in dieser Frage Position zu beziehen. Vielmehr soll eine Charakterisierung und eine Typologie des Relativismus entwickelt werden, die ein praktikables Modell mit einem an-wendbaren Kriterienkatalog liefert. Ein solches wird benötigt, um die Contes von Voltaire strukturell und inhaltlich analysieren zu können.

Bezüglich der Contes Voltaires stellt sich nun das Problem des zugrunde geleg-ten Textkorpus. Es bieten sich zunächst zwei Arbeitsverfahren an: Einerseits kann das Textkorpus alle Contes umfassen. Dann würde jedes einzelne Werk aber nur sporadisch analysiert werden. Die gewonnenen Erkenntnisse wären aufgrund der breiten Textbasis allerdings in hohem Maße repräsentativ. Der Nachteil dieses Verfahrens liegt vor allem in der Oberflächlichkeit der Ana-lyse. Diesem Verfahren steht ein zweiter Arbeitsansatz gegenüber: Auf der Grundlage eines sehr eingeschränkten Textkorpus wird versucht, Aspekte des Relativismus in Voltaires Contes nachzuweisen. Bei einer solchen Vorgehens-weise kann die Analyse der Werke gründlicher erfolgen, ist aber zugleich nur bedingt repräsentativ. Es muß also eine Entscheidung zwischen einem vor-rangig quantitativen und einem primär qualitativen Arbeitsansatz getroffen werden.

Da es sich hier um eine neue Fragestellung handelt, erscheint es mir sinnvoll, die zuletzt genannte Möglichkeit zu wählen. Zunächst stellt sich vor allem die Frage, ob Aspekte des Relativismus in den Contes von Voltaire zu finden sind, und weniger, in welchem Maße dies der Fall ist. Hierzu ist eine detaillierte Analyse einzelner, ausgewählter Contes vorzuziehen. Erst wenn in diesen Aspekte des philosophischen Relativismus nachgewiesen werden können, bietet sich als nächster Schritt eine in die Breite gehende Analyse an. Eine umgekehrte Vorgehensweise ist m. E. methodisch weniger sinnvoll.

Aus diesem Grund wird hier ein sehr beschränktes Textkorpus untersucht. Die Auswahl der Contes richtet sich nicht nach den verschiedenen Schaffens-perioden o. ä.; vielmehr werden gezielt solche Texte ausgewählt, in denen auf-grund inhaltlicher Überlegungen Aspekte des Relativismus zu erwarten sind. Entscheidendes Kriterium ist hierbei eine in der Szenerie angelegte Erfahrung von Fremdheit. Nakamura bemerkt dazu: «Fremdheit ist offenbar eine Rela-tion, etwas ist fremd für uns, in Bezug auf das, was uns bekannt und vertraut ist».[6] Die enge Beziehung zwischen dem Begriff Relation und dem Konzept Relativismus wird im Rahmen dieser Arbeit belegt werden. Aspekte des Relativismus werden also vor allem in Contes erwartet, deren Szenario auf einer solchen Fremdheitsrelation basiert.

Zum Nachweis dieser Aspekte wurde die folgende Vorgehensweise gewählt.

Es stellt sich zuerst die Frage nach der Bedeutung des Begriffs Relativismus, der sehr abstrakt und unscharf erscheint. Allgemeinplätze wie „Alles ist re-lativ“ sind zwar weit verbreitet und anerkannt, für diese Arbeit jedoch nicht von großem Nutzen. Der Terminus Relativismus muß also zunächst geklärt werden (Kapitel 2). In einem ersten Schritt wird die Begriffsgeschichte kurz angerissen. In der Folge werden Wörterbücher herangezogen, um den standar-disierten Gebrauch dieses Terminus in der Gegenwartssprache zu erfassen. Eine Analyse auf der Basis philosophischer Wörterbücher und Fachliteratur baut in einem zweiten Schritt auf dieser ersten Einordnung auf. Zunächst wird in diesem Teil die Diskussion um das Konzept Relativismus nachgezeichnet. Der Begriff wird schließlich charakterisiert und gegliedert, um ihn auf die Texte von Voltaire anwenden zu können.

In einem Zwischenschritt werden anschließend einige philosophische Grund-positionen Voltaires beleuchtet (Kapitel 3). Dieser Teil dient vor allem der Übersichtlichkeit: Es soll vermieden werden, daß die darauf folgende Analyse der einzelnen Contes zu stark durch Erörterungen zu fundamentalen Positionen im Denken Voltaires unterbrochen werden muß. Durch diese Vorgehensweise wird der Raum, den die Analyse der Contes einnimmt, zwar verkürzt, die Ana-lyse wird dadurch aber stringenter und übersichtlicher.

Das Textkorpus dieser Arbeit bilden Micromégas (Kapitel 4) und L’Ingénu (Kapitel 5). Im Hinblick auf den Titel dieser Arbeit sei angemerkt, daß L’Ingénu sowohl als Roman, als auch als Conte klassifiziert wird,[7] da es für das 18. Jahrhundert eine klare Grenze zwischen diesen Gattungen nicht gibt.[8]

Für die Untersuchung dieser Texte bietet sich zunächst eine Gliederung nach den Kriterien an, die sich aus der Analyse des Relativismus ergeben. Da da-durch aber die Einheit der Werke aufgegeben werden müßte, werden diese ge-trennt voneinander behandelt. Zu diesem Zweck soll zunächst jeweils eine Ein-ordnung in das Gesamtwerk Voltaires und in den Schaffenskontext erfolgen. Anschließend werden Aspekte des Relativismus in spezifischen einzelnen Strukturen oder Phänomenen dieser Werke nachgewiesen und analysiert.

Die Ergebnisse der beschriebenen Untersuchung werden abschließend zu-sammengetragen (Kapitel 6).

In der Bibliographie (Kapitel 7) werden die hier benutzten Werke mit ihrem Langtitel aufgeführt. In den Fußnoten wird dieser allerdings der Übersicht hal-ber nur beim erstmaligen Zitieren genutzt. In der Folge werden die Primär-quellen dann ohne Nennung des Herausgebers in folgender Form zitiert: «Voltaire: Micromégas ». Der Titel eines Werkes der Sekundärliteratur wird dann, unabhängig von der Publikationsform, ausschließlich in Kurzform zitiert: «Besterman 1969: Kurztitel ».

Die Textarbeit basiert auf folgender Edition:

Voltaire 1966: «Micromégas. Histoire Philosophique», in: R. Pomeau (ed.), Romans et Contes de Voltaire, Paris:131-147 [11752].

Voltaire 1966: «L’Ingénu. Histoire Véritable», in: R. Pomeau (ed.), Romans et Contes de Voltaire, Paris:323-381 [11767].

Abschließend sei noch eine Bemerkung in eigener Sache erlaubt: Das Konzept, mit dem ich mich dem gegebenen Thema annähere, ist auch im Kontext der jüngeren Diskussionen zur Theoriebildung in den Geisteswissenschaften zu sehen, in deren Rahmen unter anderem ein höheres Maß an interdisziplinärer Arbeit, insbesondere auch ein Austausch von Methoden und Konzepten, ge-fordert wird.[9] Diesem Ansatz fühlt sich auch die vorliegende Arbeit verbunden, indem sie das philosophische Konzept des Relativismus innerhalb der Litera-turwissenschaft anwendet. Das Risiko (aber auch die Chance) einer solchen Vorgehensweise besteht naturgemäß in der Tatsache, daß man in einer fremden Disziplin und mit deren Fachterminologie zu arbeiten hat, in der man sich un-sicherer bewegt als in der eigenen. Diesbezüglich bitte ich gegebenenfalls um Nachsicht.

Die vorliegende Arbeit folgt der alten Rechtschreibung.

2. Analyse des Konzepts Relativismus

In diesem Teil der Arbeit geht es um eine Klärung des Konzepts Relativismus. Eine erste Annäherung erfolgt über die Begriffsgeschichte und die Bedeutung des Terminus im standardisierten Sprachgebrauch. Da diese Arbeit sich in deutscher Sprache mit einem französischen Autor und mit einem philoso-phischen Thema, zu dem überwiegend englischsprachige Sekundärliteratur vorliegt, befaßt, ist es zunächst notwendig, dt. ‘Relativismus’, frz. ‘relativisme’ und engl. ‘relativism’ gegeneinander abzugleichen. Zu diesem Zweck werden die Standardwörterbücher der genannten Sprachen konsultiert. Darauf auf-bauend erfolgt dann eine Annäherung an den Begriff über die philosophische Fachliteratur, wobei einleitend die Diskussion um das Konzept Relativismus umrissen wird. In der Folge wird auf das Problem der Definition und der Untergliederung des Begriffs in der Philosophie eingegangen. Vor diesem Hintergrund soll schließlich eine Charakterisierung und eine Gliederung für eine Anwendung auf die Contes von Voltaire entwickelt werden.

2.1 Zur Begriffsgeschichte

Zunächst ist festzuhalten, daß frz. ‘relativisme’ erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auftaucht. Der Grand Robert[10] nennt 1898, der Trésor de la langue française[11] sogar 1875 als Zeitpunkt der ersten Nennung im Fran-zösischen. Der TLF verweist außerdem auf die Herkunft des Wortes aus dem Englischen. Ein Blick in den Supplementband des Oxford English Dictionary[12] belegt auch die im TLF angegebene erste Nennung von engl. ‘relativism’ im Jahre 1865. Folgt man dem OED, so ist das englische Substantiv ‘relativist’ sogar schon 1863 belegt;[13] zuerst wurden also Personen so bezeichnet, dann erst deren Theorien. Der „etymologische Kreis“ schließt sich dann mit engl. ‘relativity’, das seinerseits wieder aus dem Französischen entlehnt wurde und 1834 erstmals belegt ist. Interessant ist dieser Eintrag vor allem, weil engl. ‘relativity’ 1868 zum ersten Mal in einem für diese Arbeit relevanten philo-sophischen Kontext auftaucht, und zwar als relativity of knowledge. Das philo-sophische Konzept Relativismus scheint also erstmals im englischen Sprach-raum in den 1860er Jahren benannt worden zu sein. Möglicherweise wurde die Bezeichnung in der Auseinandersetzung mit John Stuart Mill geprägt.[14] Da auch Charles Sanders Peirce immer wieder im Zusammenhang mit relati-vistischen Positionen genannt wird,[15] wäre auch eine Verbindung zu seinen Theorien möglich. In der Literaturwissenschaft sieht man die Entstehung des Relativismus wiederum im Kontext der Entdeckung der geographischen, histo-rischen und sozialen Relativität, die sich in der romantischen und post-romantischen Literatur manifestieren.[16]

Fest steht, daß der Begriff um 1875 beziehungsweise 1898 aus dem Englischen in den französischen Sprachraum wanderte. Im Deutschen ist er fast zeitgleich zum ersten Mal belegt: «Meyer [...] führt ihn 1889 noch nicht (sondern erst 1896), auch noch nicht Pierer [...] 1892.» Parallel zu Einsteins Relativitäts-theorie in den Naturwissenschaften wurde der Relativismus rasch zu einem neuen Paradigma der Philosophie, «so daß nun nahezu die ganze Philosophie-geschichte anhand von ‹R.› [Relativismus] als Leitbegriff geschrieben werden konnte.»[17]

Eine post-festum-Zuschreibung ist in der Begriffsgeschichte des Relativismus also von Beginn an eine übliche Praxis, und so überrascht es nicht, daß auch einige Zeitgenossen Voltaires als Vertreter relativistischer Positionen verstan-den werden. Zu nennen sind hier insbesondere Montesquieu, Condillac, Kant, Goethe, Hume, Berkeley und Locke.[18] Der neue Terminus wurde auch auf die Philosophie der Antike übertragen und so wird heute gemeinhin in dem So-phisten Protagoras (circa 480 – 410 v. Chr.) der erste Vertreter einer relativi-stischen Position gesehen, die später von Platon und dann auch Aristoteles kri-tisiert wurde.[19] Von Protagoras stammt auch der Homo-mensura-Satz, der heute als das erste Manifest des Relativismus verstanden wird: «Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der seienden, daß sie sind, der nicht seienden, daß sie nicht sind.»[20] Die Tatsache, daß die Philosophie des Protagoras nur in Frag-menten überliefert ist, macht ihre Interpretation und Einordnung schwierig. So verwundert es nicht, daß sie auf äußerst unterschiedliche Weise interpretiert wurde: Delannoi führt allein elf verschiedene Interpretationen auf.[21] Doch nicht nur abendländische Denker werden nachträglich einer relativistischen Position zugeordnet.[22] So kann auch der Daoist Zhuang Zi (4. Jh. v.Chr.) als Vertreter eines erkenntnistheoretischen Relativismus verstanden werden. Von ihm stammt der Schmetterlingstraum, in dem ein Mensch, der sich im Traum als Schmetterling sah, sich fragt, ob er nun ein Mensch sei, der geträumt hat ein Schmetterling zu sein, oder aber ein Schmetterling, der gerade träumt, ein Mensch zu sein.[23]

Diese nachträglichen Zuschreibungen erklären, warum «eine Begriffs-geschichte besonders dieses Begriffs so schwierig»[24] ist. Sie rechtfertigen aber auch den Ansatz dieser Arbeit gegen einen möglichen (historistischen) Ein-wand, denn die Anwendung des Relativismus auf Werke Voltaires birgt grund-sätzlich die Gefahr, ein modernes Konzept mit all seinen Konnotationen in eine Zeit zu transportieren, in der dieses zumindest begrifflich noch gar nicht existierte. Doch gerade durch die zahlreichen post-festum-Zuweisungen scheint der Begriff Relativismus vom Gedankengut verschiedener Epochen durch-drungen, und somit in gewissem Maße zu einem epochenübergreifenden Konzept geworden zu sein. So finden sich in modernen Beschreibungen des Relativismus Protagoras, George Berkeley und Willard v. O. Quine problemlos vereint als Vertreter einer besonderen relativistischen Position.[25] Einer An-wendung auf Voltaires Contes steht also prinzipiell nichts im Wege. Allerdings muß der vorgebrachte Einwand beim weiteren Vorgehen bedacht werden.

Aus dieser Beobachtung resultiert dann zunächst, daß der Terminus relativisme in den Schriften Voltaires nicht zu erwarten ist. Sie läßt weiterhin vermuten, daß auch das moderne Konzept Relativismus als Einheit noch nicht bekannt ist. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dieses im Rahmen einer genauen Ana-lyse in seine Komponenten zu zerlegen. Diese können dann wiederum bei der Untersuchung der Contes Voltaires herangezogen werden. Wie bereits ge-schildert, soll dies zunächst auf der Basis von Wörterbüchern und dann vor dem Hintergrund philosophischer Fachliteratur geschehen.

2.2 Relativismus im standardisierten Sprachgebrauch

2.2.1 Die Analyse von dt. ‘Relativismus’

Nach diesen Vorüberlegungen werden nun die Einträge aus den Wörterbüchern der drei genannten Sprache analysiert. Dies geschieht zunächst getrennt: Ein Vergleich wird erst zum Schluß vorgenommen.

Für das Deutsche findet sich im großen Duden zu dem Lemma Relativismus folgender Eintrag:

Re ½la ½ti ½vis ½mus, der; - (Philos.):

1. erkenntnistheoretische Lehre, nach der nur die Beziehungen der Dinge zueinander, nicht aber diese selbst erkennbar sind.
2. Anschauung, nach der jede Erkenntnis nur relativ (bedingt durch den Standpunkt des Erkennenden) richtig, jedoch nie allgemein gültig wahr ist.[26]

Der Eintrag im Fremdwörterbuch des Dudenverlags ist mit obigem identisch.[27] Das Wort ist zunächst als ein philosophischer Terminus markiert. Des weiteren unterscheiden sich die beiden hier aufgeführten Definitionen in zweierlei Hin-sicht. Zunächst wird Relativismus in (1) als eine Lehre, in (2) jedoch als eine Anschauung definiert. Es gibt aber auch einen gravierenden inhaltlichen Unterschied. Laut (1) ist nur Erkenntnis über die Beziehung zwischen den Dingen möglich, nicht aber über die Dinge selbst. Nach (2) hingegen ist jede Erkenntnis nur relativ zu dem Erkennenden wahr. Der Wahrheitsgehalt der Er-kenntnis ist hier also generell beschränkt auf eine Aussage wie «ist wahr für ...» oder «ist wahr von ... aus gesehen». In (1) wird zwar explizit nichts über den Wahrheitsgehalt der gewonnen Erkenntnis über die Beziehungen gesagt, man kann aber wohl durch die Abgrenzung zu (2) davon ausgehen, daß hier die Wahrheit einer solchen Erkenntnis impliziert wird. Anders ausgedrückt: Laut (1) ist eine objektive Erkenntnis möglich, wenn auch nicht über die Dinge selbst, sondern lediglich über die Beziehungen zwischen den Dingen, laut (2) hingegen ist keine objektive Erkenntnis möglich. Vielleicht liegt hierin auch der Grund dafür, daß (2) höchstens eine Anschauung, nicht aber eine Lehre sein kann. Definition (1) entspricht aber auf jeden Fall der gegen Ende der 1920er Jahre von Karl Mannheim entwickelten Position des Relationismus.[28]

2.2.2 Die Analyse von frz. ‘relativisme’

Für die französische Sprache wird zunächst der Grand Robert de la Langue Française konsultiert:

RELATIVISME [...] n. m.- 1898; de relatif. Philosophie.

1. Doctrine qui admet la relativité* de la connaissance humaine.

Ù Agnosticisme, positivisme. Le relativisme de Kant (criticisme), de Hamilton.

2. Doctrine d’après laquelle les valeurs (morales, esthétiques...) sont relatives aux circonstances (sociales, etc.) et variables. – Croyance à la relativité (des circonstances, des événements...). Relativisme historique.[29]

Zunächst wird auch hier der Begriff als ein Terminus der Philosophie markiert. In (1) manifestiert sich dieser Bezug noch einmal durch den Verweis auf Kant und Hamilton. Definition (2) wird durch einen Spiegelstrich in zwei Teile ge-spalten, die in der Folge als (2a) und (2b) bezeichnet werden. Während nun (1) die Relativität der connaissance humaine konstatiert, werden in (2a) die (allerdings sehr weit gefaßten) valeurs relativiert. Ein weiterer interessanter Unterschied besteht darin, daß (2a) im Gegensatz zu (1) auch auf das relativierende Element hinweist: die circonstances, die allerdings ebenfalls sehr weit gefaßt, wenn nicht sogar beliebig zu sein scheinen. Zuletzt weist (2a) noch auf ein Ergebnis, beziehungsweise auf eine Begleiterscheinung dieses re-lativierenden Prozesses hin, nämlich darauf, daß die Werte variables seien. Durch einen Spiegelstrich von (2a) getrennt, unterscheidet (2b) sich letztlich nur dadurch von (1) und (2a), daß es sich hier um eine croyance und nicht um eine doctrine handelt. Ohne diesen Unterschied wäre (1) in (2b) bereits enthalten, da (2b) durch das Einsetzen von connaissance humaine problemlos in (1) überführt werden könnte.

Ein vergleichender Blick in den Trésor de la langue française ist bei der semantischen Analyse eines französischen Wortes oft zu empfehlen, und so lassen sich auch hier einige Unterschiede zu der Definition des GR finden:

RELATIVISME, subst. masc.

A. PHILOS. Doctrine qui admet la relativité de toute connaissance humaine. Relativisme criticiste, objectif, subjectif. [...]

B. Doctrine d’après laquelle l’idée du bien et du mal, les valeurs morales, varient selon les époques et les sociétés. Partisans du relativisme historique [...]

C. Aspect relatif de concepts, de valeurs. Synon. relativité. [...] Étymol. et Hist. 1875 [...] l’angl. relativisme [sic] est att. dès 1865.[30]

Zunächst fällt auf, daß der Eintrag im TLF anders strukturiert ist: Es werden drei Definitionen angeboten, von denen aber nur (A) ausdrücklich auf die Philosophie verweist. In (A) und (B) findet sich die bereits aus dem GR bekannte Unterscheidung zwischen einer Relativität der connaissance humaine und der valeurs wieder. (A) ist fast identisch mit der entsprechenden Definition des GR. (B) hingegen ist im TLF wesentlich enger gefaßt als Definition (2a) des GR. Die Werte (valeurs morales und idée du bien et du ma l) sind ebenso wie die relativierenden Elemente (époques und sociétés) klar benannt. Aller-dings verzichtet (B) auf eine Verbindung zur Wortfamilie von relatif. Sowohl GR als auch TLF betonen aber beide als wichtiges semantisches Element die Veränderlichkeit der Werte (variables, varient). Schließlich wird relativisme in (C) als Synonym von relativité definiert, und zwar für die Bedeutungen relativité de concepts und relativité de valeurs.

Zusammenfassend kann also zu der standardisierten Nutzung des Begriffs relativisme im Französischen gesagt werden, daß es eine deutliche Trennung zwischen der Relativität des menschlichen Wissens beziehungsweise der menschlichen Erkenntnis einerseits, und der Relativität von Werten ander-erseits gibt. Insbesondere die Relativität der Werte steht in engem Zusam-menhang mit bedingenden Faktoren, woraus folgt, daß diese Werte verän-derlich sind. Allerdings werden Werte und Faktoren in den beiden Wörter-büchern unterschiedlich deutlich spezifiziert. Während der GR darauf bedacht ist, die Definition möglichst offen zu halten, legt der TLF sich fest und spricht von moralischen Werten, insbesondere von der Idee von Gut und Böse, die durch gesellschaftliche und historische Faktoren bedingt werden. Ein weiterer Unterschied besteht darin, daß der GR mit dem Glauben an die Relativität einen recht undeutlichen Unterbegriff zu dem Werterelativismus einführt. Interessant ist schließlich die dritte Bedeutung, die nur der TLF für relativisme angibt. Danach hat sich der Begriff für die Bereiche, auf die er sich nach den beiden anderen Definitionen vor allem bezieht (also concepts und valeurs) als Synonym für relativité etabliert. Dieser Gebrauch ist, ebenso wie die Nutzung im Sinne eines Werterelativismus, im TLF übrigens nicht als Fachvokabular der Philosophie markiert.

2.2.3 Die Analyse von engl. ‘relativism’

Das bedeutendste Nachschlagewerk für die englische Sprache ist das zwischen 1897 und 1928 zusammengestellte, 1933 erschienene Oxford English Dic-tionary, welches durch Supplementbände jüngeren Datums ergänzt wurde. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden diese zusammen mit den ursprünglichen Bänden neu aufgelegt. Da in diesem Rahmen auch die Begriffs-geschichte von Interesse ist, wird in der Folge die ursprüngliche Ausgabe ver-wendet. Die hier zitierten Artikel können aber auch in der neuen Edition nach-vollzogen werden.

Im OED findet sich unter dem Lemma relativism der folgende Eintrag:

Re·lativism. Philos. [f. as prec. + -ism]

The doctrine that knowledge is only of relations.

1885 Seth Scot. Philos 183 Hegel alone of all metaphysicians lifts us completely clear of Relativism. 1892 Athenaeum 20 Aug. 247/1 Many will be pleased with the attack on thoroughgoing relativism.[31]

Auch in diesem Eintrag wird der gesuchte Begriff der Philosophie zugeordnet. Die knappe Definition bezieht sich ausschließlich auf knowledge und be-schreibt die bereits erwähnte Position des Relationismus, das heißt, daß Wissen nur über Beziehungen zwischen Dingen, nicht aber über die Dinge selbst möglich ist. Auffallend an diesem Eintrag ist aber auch die zweite belegte Nennung des Begriffs von 1892, aus der hervorgeht, daß eine emotionalisierte Debatte um den Begriff relativism geführt wurde. Dies wird im folgenden noch von Bedeutung sein. Der Supplementband des OED ergänzt zunächst:

Relativism. Add:

a. (Earlier example.) Also, a name given to theories or doctrines that truth, morality, etc. are relative to situations and are not absolute.

1865 J. Grote Exploratio Philosophica i. xi. 229 The notion of the mask over the face of nature is exactly that which I have called ‘relativism’. If ‘the face of nature’ is reality, then the mask over it, which is what theory gives us, is so much deception, and that is what relativism really comes to.[32]

Hier wird die oben zitierte Definition des Originalbandes um eine alternative Definition ergänzt. Diese bezeichnet relativism als doctrines oder theories, nach denen etwas abhängig von situations und demnach not absolute sei, so zum Beispiel Wahrheit und Moral. Der Bereich, für den eine solche Ab-hängigkeit gilt, wird hier also offen gelassen. Zweitens liefert der Supple-mentband eine Korrektur bezüglich der Erstnennung des Begriffs. Es handelt sich um ein Zitat von J. Grote, der übrigens für sich in Anspruch nahm, den Begriff in der Auseinandersetzung mit Mill geprägt zu haben.[33] Dieser Nach-trag weist noch einmal darauf hin, daß der Begriff zu Beginn des 20. Jahrhun-derts neu und sein Ursprung noch nicht klar war.

Außerdem ergänzt der Supplementband:

b. Special collocations: (a) historical relativism, the view that there can be no objective standard of historical truth, as the interpretation of data will be affected by subjective factors characteristic either of the historian or of the period in which he lives; (b) ethical relativism, the view that there are no universal or objective ethical standards; that each culture develops the ethical standards that it finds acceptable and that these cannot be judged by the ethical standards of another culture; (c) cultural relativism, the theory that there are no objective standards by which to evaluate a culture; that a culture cannot be understood except from the point of view of its own values or customs; the practice of studying a culture from such a standpoint.[34]

In dieser Ergänzung werden drei Typen des relativism aufgeführt und kurz definiert. Während der (a) historical relativism die Möglichkeit einer objek-tiven historischen Wahrheit bestreitet, verneint der (b) ethical relativism die Existenz objektiver oder universaler ethischer Standards. Beide Begriffe wer-den als view bezeichnet, während der (c) cultural relativism für eine theory steht. Die zweite Definition von (b) weist deutlich darauf hin, daß (b) und (c) eng miteinander verwoben sind. Aus dieser Aussage, nämlich «each culture develops the ethical standards that it finds acceptable and that these cannot be judged by the ethical standards of another culture», leitet sich letztlich (c) ab. Diese Form verneint zwar wiederum die Existenz objektiver Kriterien zur Bewertung einer Kultur, kann aber auch für die positive Aussage stehen, daß Kulturen verstanden werden können, wenn sie von innen betrachtet werden. Vor allem aber bezeichnet (c) auch zugleich die Methode, eine Kultur von einem solchen Standpunkt aus zu studieren. Vielleicht ist dies der Grund für die angesprochene Unterscheidung zwischen view und theory. Gemeinsam sind diesen Positionen zwei eng miteinander verbundene Eigenschaften: Zunächst verneinen sie in ihrem jeweiligen Geltungsbereich (Geschichte, Ethik und Kultur) die Existenz objektiver Standards. Des weiteren sehen sie solche Stan-dards immer nur in Abhängigkeit von anderen Sachverhalten, wie von der Per-son des Historikers und seiner Zeit für (a), von der Kultur für (b) und von den Werten und Gebräuchen für (c).

Betrachtet man die zitierten Einträge des OED und seines Supplementbandes noch einmal in ihrer Abfolge, so wird deutlich, daß der Begriff relativism, der ursprünglich explizit auf knowledge verwies, sich im Supplementband auch auf truth, morality, etc. bezieht. Des weiteren werden drei Typen von Relativismus beschrieben, die eng miteinander verwandt sind. Der bereits festgestellte Zu-sammenhang zwischen ethischem und kulturellem Relativismus läßt sich auch in der philosophischen Fachliteratur wiederfinden.[35] Der hier beschriebene Historismus wird wiederum oft dem kulturellen Relativismus zugeordnet, wo-bei Kulturen dann prinzipiell als historische Phänomene verstanden werden.[36] Der Supplementband verschiebt also den standardisierten Sprachgebrauch von einem (zwar nicht explizit genannten) relativism of knowledge zu einem ethical / cultural relativism. Dies ist insbesondere von Interesse, weil diese Tendenz sich auch in den englischsprachigen Nachschlagewerken nachweisen läßt. Die Encyclopedia of Philosophy führt Relativism nur als Relativism in Ethics und verweist auf den ausführlichen Artikel Ethical Relativism .[37] Das Dictionary of the History of Ideas kennt ebenfalls nur den Begriff Relativism in Ethics, der in einem umfangreichen Eintrag behandelt wird.[38]

2.2.4 Zusammenfassung der Ergebnisse

Die Analyse des standardisierten Gebrauchs von dt. ‘Relativismus’, frz. ‘relativisme’ und engl. ‘relativism’ hat gezeigt, daß es teilweise erhebliche Bedeutungsunterschiede in den drei Sprachen gibt.

So taucht der Begriff Wert in keiner der beiden Definitionen von dt. ‘Relativismus’ auf. Vielmehr geht es im Deutschen um die Relativität der Er-kenntnis. Ein Werterelativismus ist also nur insofern in der Definition ent-halten, als daß der Begriff Erkenntnis so weit gefaßt werden kann, daß auch die Erkenntnis über das Richtige mit eingeschlossen ist (so auch in Definition (2) des Duden). Der englische Begriff relativism bezog sich ursprünglich ebenfalls auf das Wissen beziehungsweise die Erkenntnis. Dies scheint übrigens auch im Französischen der Fall gewesen zu sein, wie ein französisches Wörterbuch der Philosophie von 1906 belegt:

RELATIVISME. – Opinion de ceux qui admettent la relativité de la connaissance. Il y a d’ailleurs bien des manières d’entendre cette relativité. De là des divergences notables parmi les relativistes.[39]

Die Definitionen sind also wohl ursprünglich in allen drei Sprachen ähnlich, wenn auch sehr kurz und ungenau gewesen. Heute bleibt dt. ‘Relativismus’ dieser Definition inhaltlich am nächsten, engl. ‘relativism’ impliziert mittler-weile eher einen ethischen oder kulturellen Relativismus, und frz. ‘relativisme’ liegt mit einer deutlichen Trennung zwischen einem Werterelativismus einerseits und einem Relativismus der menschlichen Erkenntnis andererseits dazwischen.

Der standardisierte französische Sprachgebrauch folgt somit als einziger eindeutig der traditionellen Einteilung des Relativismus in der Philosophie.[40] Er beinhaltet aber im Gegensatz zum deutschen und englischen Sprach-gebrauch nicht die Position des Relationismus, die in Definition (1) des Duden und in der ursprünglichen (und nicht revidierten) Definition des OED be-schrieben wird, widerspricht ihr aber auch nicht. In der philosophischen Fachliteratur wird eine solche Position manchmal auch als objektiver Relati-vismus bezeichnet.[41] Eine Besonderheit von frz. ‘relativisme’ ist die Syn-onymie zu frz. ‘relativité de concepts’ und zu frz. ‘relativité de valeurs’; allerdings findet sich diese Bedeutung nur im TLF. Daß cultural relativism nicht nur eine theoretische Position, sondern zugleich auch die innerhalb dieser Theorie angewandte Methode bezeichnet, ist dagegen ein Sprachgebrauch, der nur im Englischen zu finden ist. In dieser Bedeutung ist er dem in der Fach-literatur beschriebenen methodologischen Relativismus sehr ähnlich. Dieser wird allerdings in der Regel nicht als selbständige Methode, sondern als eine Komponente der ethnographischen Methode verstanden.[42] Vor dem Hinter-grund dieser Bedeutungsunterschiede ist nun deutlich geworden, daß dt. ‘Re-lativismus’, frz. ‘relativisme’ und engl. ‘relativism’ nicht deckungsgleich sind. Wenn dies nicht berücksichtigt wird, sind Mißverständnisse vorprogrammiert.

Aber durch die Analyse lassen sich nun auch Gemeinsamkeiten finden: Der Relativismus impliziert in allen Sprachen eine Relativität der Erkenntnis beziehungsweise des Wissens. Ebenso impliziert er eine Relativität der Moral beziehungsweise der Werte (im Deutschen allerdings nur indirekt, s. o.). Des weiteren stimmt der Sprachgebrauch aller drei Sprachen insofern überein, daß gewisse Kontextfaktoren des Erkennens (also Standpunkt des Erkennenden / situations / circonstances / époques / sociétés etc.) die Bezugspunkte dieser Relativität darstellen. Zwei Sprachen beziehen den Relationismus mit ein. Schließlich zeigt sich in allen drei Sprachen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, eine gewisse Unsicherheit, ob der Relativismus nun eher eine Anschauung / croyance / view, oder doch eine Lehre / doctrine / theory darstellt.

2.3 Das Konzept Relativismus in der Philosophie

2.3.1 Die Debatte um das Problem des Relativismus

Bevor nun der philosophische Relativismus auf der Grundlage der Ergebnisse von 2.2 erörtert wird, müssen einige grundsätzliche Bemerkungen zu der Diskussion um diesen Begriff in der philosophischen Fachliteratur gemacht werden. Es sei noch einmal auf den Beleg für engl. ‘relativism’ aus dem Jahre 1892 verwiesen,[43] der vermuten läßt, daß zu dieser Zeit eine stark emotionali-sierte Debatte um den Relativismus geführt wurde.

Betrachtet man Beiträge zu dem Thema Relativismus in der philosophischen Fachliteratur der letzten Jahrzehnte, so hat es nicht selten den Anschein, als habe sich daran nur wenig geändert. Innerhalb dieser Debatte sind zwei sich teilweise überschneidende Phänomene auszumachen. Einerseits ist ein zu- weilen recht drastischer, teilweise auch polemischer Tonfall zwischen An-hängern und Gegnern einer relativistischen Position festzustellen. Diese Art der

weilen recht drastischer, teilweise auch polemischer Tonfall zwischen An-hängern und Gegnern einer relativistischen Position festzustellen. Diese Art der Auseinandersetzung wird wiederum von anderen Philosophen parodiert. An-dererseits kommt es innerhalb des relativistischen Lagers zu dem, was man umgangssprachlich als „Grabenkämpfe“ bezeichnet, und teilweise ebenfalls zu heftiger Polemik. In der Folge soll der Charakter dieser Debatte in der Philo-sophie beispielhaft veranschaulicht.

Zunächst bedienen sich beide Seiten eines martialischen Vokabulars: Es wird von den «armed forces necessary to attack the demarcation problem [i.e. that you do not have a difference between the structure of scientific concepts and the vast majority of human concepts]»[1] gesprochen, oder aber von einem «rational bridgehead»[2] gegen die relativistische Position. Umgekehrt wird der Relativismus dargestellt «comme un principe combattant, suscitant les attaques de toutes sortes d’adversaires et se frayant la voie à travers cette lutte vers le triomphe des valeurs relativistes».[3] Aber auch andersgeartete Polemik ist zu finden. So bewertet Krausz die Position Feyerabends knapp: «[...] we are left with a Dadaist exercise rather than a serious argument».[4]

Des weiteren wird der Relativismus nicht selten mit einem (vagen) Be-drohungsszenario verbunden. So finden sich allgemeine Warnungen vor den «dangers du relativisme extrémiste», wie bei Cornea. Von ihm erfährt man auch am Rande, daß Derrida sich in einem Interview gegen den Vorwurf «qu’il aurait cautionner [sic] le relativisme et l’anarchie»[5] wehren mußte.

Dagegen sieht Schnädelbach in dem Relativismus als Lebensform «die ernsthaftere Bedrohung für unsere wissenschaftliche und moralische Kultur» (folgt man Schnädelbachs Definition, so meint er damit wohl, daß Wahrheit und Moral von einer Person/einer Gruppe in der Form wahr für mich/uns, gut für mich/uns interpretiert werden). Dieser führe zur «argumentationslosen Barbarei».[6] Diese Position scheint gemäßigt, weil sie immerhin den Relati-vismus als philosophische Position duldet, ist aber einseitig, weil nicht auf das entsprechende Problem des Universalismus hingewiesen wird. Dieses wird von Todorov folgendermaßen formuliert: «Doch liegt nicht schon Gewalt in der Überzeugung, man selbst besitze die Wahrheit, während das für andere nicht zutrifft, denen man sie überdies noch aufzwingen muß?»[7] Die Frage, welche der beiden Lebensformen nun „barbarischere“ Formen annehmen kann, steht hier nicht zur Entscheidung. Es bleibt nur festzustellen, daß hier der Begriff Relativismus einseitig mit einem Bedrohungsszenario verbunden wird.

Barnes und Bloor tragen ihre relativistische Position vor und äußern sich auch zu dem Ton in der wissenschaftlichen Diskussion um den Relativismus.

In the academic world relativism is everywhere abominated. Critics feel free to describe it by words such as ‘pernicious’ [...] or portray it as a ‘threatening tide’ [...]. On the political Right relativism is held to destroy the defences against Marxism and Totalitarianism. [...] On the Left, relativism is held to sap commitment, and strength needed to overthrow the defences of the established order.[8]

Die hier angesprochenen Vorwürfe werden wiederum von anderen Philosophen parodiert. Ein Beispiel findet sich bei Gellner, der hier in dem einleitenden Satz ganz offensichtlich auf das Manifest der Kommunistischen Partei anspielt, und dann den Kampf gegen den Relativismus karikiert:

A spectre haunts human thought: relativism. [...] Happily, there is a remedy: human universals. They are the holy water with which the spectre can be exorcized. But, of course, before we can use human universals to dispel the threat of cognitive anarchy, which would otherwise engulf us, we must first find them. And so, the new hunt for the Holy Grail is on.[9]

Eine besondere Bedrohung wird aber vor allem in der Position des ethischen beziehungsweise des moralischen Relativismus gesehen. So stellt Rippe fest:

Es gibt kaum eine philosophische Position, die so zwiespältige Empfindungen auslöst wie gerade der ethische Relativismus. Diese Theorie gilt manchem als Wurzel alles Bösen. In den Vereinigten Staaten erreichte ein Buch (Bloom 1988) eine Bestsellerauflage, das gerade den ethischen Relativismus für den Niedergang des amerikanischen Geistes verantwortlich macht.[10]

Viele Philosophen stehen dem Relativismus also sehr voreingenommen gegenüber. Brandt beschreibt diese Haltung folgendermaßen:

Nevertheless, I – and I suspect most other philosophers – have an antirelativist predilection, at least when we come to moral issues which are important. [...] What a philosopher with antirelativist predilections will hope for most is a showing of a logical fault somewhere in relativism, either in the proposed construals of moral language or elsewhere; or, if there is no logical incoherence one would like to find some conclusive philosophical objection.[11]

Das Ergebnis seiner Betrachtungen ist übrigens, daß er selbst keine logischen Einwände gegen den ethischen Relativismus finden kann.

Wie angedeutet wurde, verläuft aber auch die Diskussion zwischen Anhängern relativistischer Positionen nicht immer sachlich, wie zum Beispiel die Kontro-verse zwischen Rorty und Putnam zeigt.

Rorty bezeichnet sich selbst als Pragmatist und bekennt sich zum Kon-textualismus,[12] und damit zu einer philosophischen Position, die für gewöhn-lich dem Relativismus zugeordnet wird.[13] Rorty wird nun von Putnam, der ebenfalls dem relativistischen Lager zugerechnet wird,[14] angegriffen. In dem Essay Hilary Putnam und die relativistische Bedrohung verteidigt sich Rorty: Er sieht sich als Putnams Sündenbock[15] und fühlt sich mehrfach gründlich falsch interpretiert: «Was diesen ersten Punkt betrifft, ist Putnam meines Erachtens schlicht im Irrtum über das, was ich sage», oder «Ich kann mir keinen Reim darauf machen, worin nach Putnam der Unterschied [...] liegen soll, der angeblich zwischen meinen Äußerungen, [...] und Putnams eigenen Grundsätzen [...] besteht.»[16]

Schließlich sieht Rorty auch keinen fundamentalen Widerspruch zwischen sich und Putnam:

Nach meinem Eindruck wie nach Auffassung von Philosophen, die sowohl Putnams als auch meine Anschauungen für absurd halten, sind wir in derselben Branche tätig. Aber aus der Sicht Putnams treiben wir ganz verschiedene Dinge, und ich habe keine Ahnung, warum er das glaubt.[17]

Diese Einschätzung wird insofern bestätigt, als daß zum Beispiel Mannison Rorty und Putnam tatsächlich „in derselben Branche“ sieht.[18]

Der „bekennende“ Relativist McCullagh unterstellt wiederum, daß Rorty seine eigene Position nicht ganz verstehe, denn «Rorty is inclined to deny that his is a relativist theory of truth» aber «On Rorty’s theory, truth is relative to a culture at a time, whether he likes it or not.»[19] Selbst unter Anhängern von Theorien, die gemeinhin dem Relativismus zugerechnet werden (oder diesem sehr nahe stehen) ist also strittig, was überhaupt eine relativistische Position ist. Diese Kontroverse wird von Okrent zusammengefaßt:

Debates concerning relativism, however, tend to have an odd air of unreality. It is odd that while most everyone wants to refute relativism, just about no one wants to be identified as a relativist. There is even tendency to use ‘relativist’ as an epithet of abuse. But, if relativism is universally acknowledged to be refuted, even self-refuting, then why is there so much discussion of it, and why is there such a temptation to accuse opponents of this sin?[20]

Und auch Brandt stellte schon 1967 fest: «Contemporary philosophers gener-ally apply the term to some position they disagree with or consider absurd.»[21] Vor dem Hintergrund, daß die Bezeichnung relativist in der philosophischen Diskussion oft auf Gegner angewandt wurde und wird, erklärt sich dann mög-licherweise auch, warum engl. ‘relativist’ noch vor engl. ‘relativism’ belegt ist.[22] Doch dieser Frage kann hier natürlich nicht weiter nachgegangen werden.

[...]


[1] Gregersen, F./Køppe, S. 1988: «Against Epistemological Relativism», Studies in History

and Philosophy of Science 19:448.

[2] Zitiert nach Barnes, B./Bloor, D. 1982: «Relativism, Rationalism and the Sociology of

Knowledge», in: M. Hollis/S. Lukes (Hrsg.), Rationality and Relativism, Cambridge:36.

[3] Zenkine 2001a: Introduction:4.

[4] Krausz, M. 1984: «Relativism and Foundationalism: some Distinctions and Strategies»,

The Monist 67:403 N5.

[5] Cornea, P. 1997: «Le Défi Relativiste et la Compréhension de l’Autre», in: M. Lee/M. Hua

(Hrsg.), Cultural Dialogue and Misreading, Honolulu:14f.

[6] Schnädelbach 1980b: Relativismus:560.

[7] Todorov, T. 1982: Die Eroberung Amerikas: Das Problem des Anderen,

Frankfurt a. M.:202.

[8] Barnes/Bloor 1982: Relativism, Rationalism and the Sociology of Knowledge:21.

[9] Gellner, E. 1982: «Relativism and Universals», in: M. Hollis/S. Lukes (Hrsg.),

Rationality and Relativism, Oxford:181.

[10] Rippe 1993: Ethischer Relativismus:19.

[11] Brandt, R.B. 1984: «Relativism refuted?», The Monist 67:300ff.

[12] Vgl. Rorty, R. 2003: Wahrheit und Fortschritt, Frankfurt a. M.:61, 404ff.

[13] Vgl. Prechtl, P./Burkard, F.-P. (Hrsg.) 1999: Metzler Philosophie Lexikon. Begriffe und

Definitionen, 2Stuttgart/Weimar:505.

[14] Vgl. z. B. Okrent, M.B. 1984: «Relativism, context, and truth», The Monist 62:341.

[15] Vgl. Rorty 2003: Wahrheit und Fortschritt:82.

[16] Ebenda, Seiten 65, 85.

[17] Rorty 2003: Wahrheit und Fortschritt:86.

[18] Vgl. Mannison, D. 1986: «Another failure for Cognitive Relativism»», Australasian

Journal of Philosophy 64:508.

[19] McCullagh, C.B. 1984: «The Intelligibility of Cognitive Relativism», The Monist 67:337.

[20] Okrent 1984: Relativism, context, and truth:341.

[21] Brandt 1967: Ethical Relativism:75.

[22] Vgl. Seite 6 dieser Arbeit.

[...]


[10] Vgl. Rey, A. (Hrsg.) 2001: Le Grand Robert de la langue française. Dictionnaire

alphabétique et analogique de la langue française de Paul Robert, Bd. 5, 2Paris:1845.

[11] Vgl. Quemada, B. (Hrsg.) 1990: Trésor de la langue française. Dictionnaire de la langue

du xixe et du xxe siècle (1789-1960), Bd. 14, Paris:715f.

[12] Vgl. Burchfield, R.W. (Hrsg.) 1982: A Supplement to the Oxford English Dictionary,

Bd. 3: O-Scz, Oxford:1172.

[13] Vgl. Murray, J.A.H. u. a. (Hrsg.) 1975: The Oxford English Dictionary, Bd. 8: Poy-Ry,

Oxford:399.

[14] Vgl. Ritter, J./Gründer, K. (Hrsg.) 1992: Historisches Wörterbuch der Philosophie.

Völlig neubearbeitete Ausgabe des ‹Wörterbuchs der Philosophischen Begriffe› von Rudolf

Eisler, Bd. 8, Darmstadt:615.

[15] Vgl. z. B. McCullagh, C.B. 1988: «The Virtue of Cognitive Relativism», Australasian

Journal of Philosophy 66:101-04; Rorty, R. 1991: Objectivity, relativism and truth.

Philosophical Papers, Bd. 1, Cambridge u. a.; Bayley, J.E. 1992a: «Introduction», in:

J.E.B. (Hrsg.), Aspects of Relativism. Moral, Cognitive and Literary, Lanham/New York/

London:1-22.

[16] Vgl. Zenkine 2001a: Introduction:3f.

[17] Ritter/Gründer 1992: Historisches Wörterbuch der Philosophie:614ff.

[18] Vgl. Wiener, P.P. (Hrsg.) 1973: Dictionary of the History of Ideas. Studies of Selected

Pivotal Ideas, Bd. 4, New York:70ff.; Schnädelbach, H. 1980b: «Relativismus», in: J.

Speck (Hrsg.), Handbuch wissenschaftstheoretischer Begriffe, Göttingen:557;

Ritter/Gründer 1992: Historisches Wörterbuch der Philosophie:615f.

[19] Vgl. Gould, J.B. 1992: «Aristotle on Protagorean Relativism», in: J.E. Bayley (Hrsg.),

Aspects of Relativism. Moral, Cognitive and Literary, Lanham/New York/London:125-32.

[20] Zitiert nach Hirschberger, J. 1980 : Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und

Mittelalter, 12Freiburg i. Br.:54.

[21] Vgl. Delannoi, G. 1999: «Mesure et Relativité: l’Interprétation de la Formule de Protagoras

et les Notions de Vérité et de Validité dans les Sciences Contemporaines», Les Études

Philosophiques 54:333.

[22] Vgl. Feyerabend, P. 1989: Irrwege der Vernunft, Frankfurt a. M.:35.

[23] Vgl. Kunzmann, P./Burkhard, F.-P./Wiedmann, F. (Hrsg.) 1999: dtv-Atlas Philosophie,

8München:24f.

[24] Ritter/Gründer 1992: Historisches Wörterbuch der Philosophie:616.

[25] Vgl. Schnädelbach 1980b: Relativismus:557.

[26] Scholze-Stubenrecht, W. u. a. (Hrsg.) 1999: Duden. Das große Wörterbuch der

deutschen Sprache, Bd. 7, 3Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich:3165.

[27] Vgl. Drosdowski, G. u. a. (Hrsg.) 1990: Das Fremdwörterbuch,5Mannheim/Wien/

Zürich:673.

[28] Vgl. Ritter/Gründer 1992: Historisches Wörterbuch der Philosophie:612.

[29] Rey 2001: Le Grand Robert, Bd. 5:1845.

[30] Quemada, B. (Hrsg.) 1990: Trésor de la Langue Française, Bd. 14:715f.

[31] Murray 1975: Oxford English Dictionary, Bd. 8:399.

[32] Burchfield 1982: Supplement to the Oxford English Dictionary:1172.

[33] Vgl. Ritter/Gründer 1992: Historisches Wörterbuch der Philosophie:615.

[34] Burchfield 1982: Supplement to the Oxford English Dictionary:1172.

[35] Vgl. z. B. Mittelstraß, J. (Hrsg.) 1995: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschafts-

theorie, Bd. 3: P-So, Stuttgart/Weimar:565; Rippe, K.P. 1993: Ethischer Relativismus. Seine

Grenzen – Seine Geltung, Paderborn u. a.:18, 38ff; Brandt, R.B. 1967: «Ethical

Relativism», in: P. Edwards, The Encyclopedia of Philosophy, Bd. 3, New

York/London:75.

[36] Vgl. z. B. Mittelstraß 1995: Enzyklopädie Philosophie, Bd.3:565; McCullagh 1988:

Virtue of Cognitive Relativism:101; Schnädelbach, H. 1980a: «Historismus», in: J. Speck

(Hrsg.), Handbuch wissenschaftstheoretischer Begriffe, Göttingen:281f .

[37] Vgl. Edwards 1967: Encyclopedia of Philosophy, Bd. 7:133.

[38] Vgl. Wiener 1973: Dictionary of the History of Ideas, Bd. 4:70.

[39] Blanc, E. 1972: Dictionnaire de Philosophie Ancienne, Moderne et Contemporaine, New

York [Reprint der Ausgabe Paris 1906]:1023.

[40] Vgl. Lalande, A. (Hrsg.) 1972: Vocabulaire Technique et Critique de la Philosophie,

Paris:914; Mandelbaum, M. 1979: «Subjective, objective, and conceptual relativisms»,

The Monist 62:401; Schnädelbach 1980b: Relativismus:556.

[41] Vgl. Mandelbaum 1979: Subjective, objective, and conceptual relativisms:404;

Ritter/Gründer 1992: Historisches Wörterbuch der Philosophie:614.

[42] Vgl. Knorr-Cetina, K. 1984: Die Fabrikation von Erkenntnis. Zur Anthropologie der

Naturwissenschaften, Frankfurt a. M.:44f.

[43] Vgl. Seite 13 dieser Arbeit.

[...]


[1] Adams, D. 2002: Per Anhalter durch die Galaxis, 18Hamburg [11981]:172f.

[2] Vgl. Zenkine, S. 2001a: «Introduction», Romantisme 114:3f.

[3] Vgl. Szegedy-Maszák, M. 1996: «Universalism and Cultural Relativism», in: H. Hendrix

u. a. (Hrsg.), The Search for a new Alphabet: Literary Studies in a Changing World. In

Honor of Douwe Fokkema:241; Hollis, M./Lukes, S. 1982: «Introduction», in:

M.H./S.L. (Hrsg.), Rationality and Relativism, Cambridge:3; Dev, A. 1997: «Cultural

Relativism and literary value», in: M. Lee/M. Hua (Hrsg.), Cultural Dialogue and

Misreading, Honolulu:21.

[4] Zenkine, S. 2001b: «Le relativisme culturel: archéologie d’une idée», Romantisme 114:40.

[5] Howells, R. 1993: Disabled Powers. A Reading of Voltaire’s Contes, Amsterdam/

Atlanta:4, 8.

[6] Nakamura, Y. 2000: Xenosophie. Bausteine für eine Theorie der Fremdheit, Darmstadt:13.

[7] Vgl. Pomeau, R. 1966a: «Note sur L’Ingénu», in: Voltaire, Romans et Contes de Voltaire,

hrsg. von R. Pomeau, Paris:319; Trousson, R./Vercruysse, J./Lemaire, J. (Hrsg.) 1994:

Dictionnaire Voltaire, Bruxelles:112f.

[8] Zur Gattungsproblematik, vgl. Cambou, P. 2000: Le traitement voltairien du conte,

Paris:23ff.; Faudemay, A. 1987: Voltaire Allégoriste. Essai sur les rapports entre conte et

philosophie chez Voltaire, Fribourg (Suisse):15ff.; Howells 1993: Disabled Powers:4ff.

[9] Vgl. z. B. Bal, M./Boer, I.E. (Hrsg.) 1994: The Point of Theory: Practices of Cultural

Analysis, Amsterdam; Kushner, E. 1996: «Theory, Theories, Theorizing and Cultural

Relativism», in: H. Hendrix u. a. (Hrsg.), The Search for a new Alphabet: Literary Studies

in a Changing World. In Honor of Douwe Fokkema:124-28.

Ende der Leseprobe aus 110 Seiten

Details

Titel
Aspekte des Relativismus in den Contes von Voltaire
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Romanisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
110
Katalognummer
V44219
ISBN (eBook)
9783638418652
Dateigröße
824 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beschäftigt sich zunächst mit der Diskussion des philosophischen Problems des Relativismus. Es wird zunächst ein kohärentes Modell für die verschiedenen Varianten des Relativismus entwickelt. Nach einer kurzen Analyse philosophischer Grundhaltungen Voltaires wird dieses Modell auf die Contes "Micromégas" und "L'Ingénu" angewandt. Diese werden dann im Hauptteil der Arbeit ausführlich analysiert. Diese Arbeit ist durch ihre Anlage auch für Philosophen von Interesse.
Schlagworte
Aspekte, Relativismus, Contes, Voltaire
Arbeit zitieren
Ulrich Jacobs (Autor), 2003, Aspekte des Relativismus in den Contes von Voltaire, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44219

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