Zu Thomas Manns Erzählung "Tonio Kröger". Werkaufbau, Leitmotivik, sprachliche Gestaltung


Facharbeit (Schule), 2017

8 Seiten, Note: 14,2


Leseprobe

Inhalt

1. Biographische Daten

2. Inhalt und Charakterisierung

3. Biographische Daten zum Autor und Bezüge zum Werk

4. Werkaufbau und Leitmotivik

5. Sprachliche Gestaltung

6. Künstler- und Bürgertum- Spannungsverhältnis bei Tonio

7. Epochenspezifische Merkmale

8. Literaturverzeichnis

1. Biographische Daten

Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck als Sohn eines Kaufmanns geboren. Der baldige Tod seines Vaters führte anschließend zur Auflösung der väterlichen Firma im Jahr 1891. Das Schicksal wirkte sich auf Thomas Mann selbst aus und er verließ 1894 das Gymnasium ohne Abitur. Kurz darauf zog er zu seiner Mutter und seinen Geschwistern nach München. Dort arbeitete er 1898 als Lektor und Korrektor bei der satirischen Zeitschrift „Simplicissimus“. Seinen sensationellen Erfolg durfte er erstmals mit dem Werk „Buddenbrocks. Verfall einer Familie“ feiern. Trotz seines großen Erfolgs ließ in das Gefühl der Eifersucht gegenüber seinem Bruder Heinrich nie los, da er sich nicht mit dessen Werken anfreunden konnte. Thomas Mann nutzte seine Werke auch um seine unterdrückte Homosexualität zu verarbeiten. 1905 heiratete er Katharina Pfingsheim, mit der er sechs gemeinsame Kinder hatte. Die Ehe brachte ihm selbst ein Stück bürgerliche Normalität zurück. Sein außerordentlicher Erfolg mit den „Buddenbrocks“ wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Zur selben Zeit nahm er kritische Stellung gegen die NSDAP und schrieb einen Brief gegen das System für die Züricher Zeitung. Als Konsequenz daraus wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Thomas Mann lebte von 1938 bis 1952 im Exil in den USA und erhielt 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Doch schon 1933 emigrierte er in die Schweiz. Ein weiterer Schicksalsschlag traf Mann als sich einer seiner Söhne 1949 das Leben nahm. Im Jahr 1952 siedelte Thomas Mann wieder zurück in die Schweiz und starb letztendlich am 12. August 1955 im Züricher Kantonsspital. Zu seinen bekanntesten Werken zählen des weiteren „Tonio Kröger“ (1903), „Der Tod in Venedig“ (1912), „Mario und der Zauberer“ (1930) oder auch „Doktor Faustus“ (1947).

2. Inhalt und Charakterisierung

In der Erzählung, die 1903 erschienen ist und im Zeitraum von 1900 bis 1902 entstanden ist, werden verschiedene Lebensstationen Tonio Krögers, dem Protagonisten dargestellt. Im Allgemeinen wird die Entwicklung chronologisch über einen Zeitraum von 16 Jahren aufgezeigt. Der 14-jährige Tonio, Sohn des Konsul Krögers, wartet an einem Winternachmittag in Lübeck vor der Schule auf seinen Freund Hans Hansen. Ebenso wie Tonios Vater war auch Hans seiner ein großer Kaufmann. Während eines Spaziergangs werden die beiden Jungen von einem Mitschüler namens Erwin Jimmerthal gestört, worauf hin Tonio eifersüchtig wird. Das einleitende Kapitel hat die Funktion, die Rolle der Titelfiguren zu definieren. Tonio Kröger, der ein „brünettes, ganz südlich scharf geschnittenes Gesicht“ besitzt mit „dunkle(n) und zart umschatteten Augen“(S. 8) hebt sich durch seine sprachliche Gewandtheit von den anderen Mitschülern ab, besonders durch seine künstlerischen Neigungen. Denn er zieht es vor Gedichte zu schreiben und Geige zu spielen. Dies disqualifiziert ihn allerdings bei seinen Kameraden und Lehrern. Tonios Mutter wird mit den Adjektiven „schön“ und „schwarzhaarig“ (S. 10) assoziiert. Sie wird des weiteren als „sinnlich, naiv und leidenschaftlich“ (S. 11) beschrieben, die den Flügel und die Mandoline spielt und damit die Liebe zu Musik und Kunst verkörpert. Sein Vater allerdings, der blond und blauäugig ist, „nordisches Temperament“ besitzt, legt als ordentlicher Großbürger wert auf Tonios schulische Leistungen. Hans Hansen wird von Tonio „geliebt“, er „warb um seine Liebe auf seine Art, eine langsame und innige, hingebungsvolle, leidende und wehmütige Art“ (S. 12). Hans, der in einem Marine Anzug, bastblonden und stahlblauen Augen auftritt, zeigt damit eine Ambivalenz zu Tonio, sowohl im Aussehen als auch bei schulischen und außerschulischen Aktivitäten. Schon damals war Tonio bestrebt seiner poetischen Ader freien Lauf zu lassen und hegt andere Interessen als seine Gleichaltrigen und besonders Hans. Mit sechzehn Jahren verliebt er sich in Inge Holm. Ebenso wie Hans ist sie blauäugig und blond. Tonio lernte das Mädchen in den Tanzstunden des affektierten Ballettmeisters Francois Knaak kennen. Aufgrund einer einseitigen Liebe, die von Tonio ausging, verfiel er in eine sehnsuchtsvolle Zerstreutheit, da sie gegen diese Art von Künstlern eine gewisse Abneigung ausübt. In geraffter Form wird Tonio erwachsen und es erfolgt die Wandlung zum Künstler. Seine Großmutter und sein Vater sterben, das Familienunternehmen geht zu Grunde und seine Mutter heiratet erneut. Die familiären Umstände erlauben ihm seine Vaterstadt zu verlassen und in den Süden, nach München zu reisen. Dort empfindet er allerdings Ekel, Sehnsucht und Abscheu. Inzwischen ist Tonio 30 Jahre alt und trifft die Malerin Lisaweta Iwanowna in ihrem Atelier. Dort entwickelt er seine Anschauungen zu Kunst und Künstlertum. Sie nennt ihn einen „Bürger auf Irrwegen“ (S. 41). Ein halbes Jahr später kündigt Tonio an, eine Reise in das ihm noch unbekannte Dänemark zu unternehmen und verspricht Lisaweta einen Brief zukommen zu lassen. Die Reise soll ihn dabei auch wieder an Ort seiner Jugendjahre zurück führen. Dies endet in einer melancholischen und anekdotischen Wiederbegegnung mit seiner Heimatstadt nach dreizehn Jahren. Während seines Aufenthalts betritt er sein Elternhaus, das verkauft wurde und nun teils der Volksbibliothek ist. Er selbst wird dort als ein flüchtiger Bürger festgenommen und kann sich nur mittels Manuskripten ausweisen. Als weiterer Programmpunkt seiner Reise findet die Schiffüberfahrt nach Kopenhagen statt, dort erholt er sich von den irritierenden Ereignissen und genießt sein künstlerisch inspiratives Erlebnis. Nach einem drei tägigen Aufenthalt in Kopenhagen kehrt er zum Seebad Aalsgrad ein. Bei einem geladenen Ball im Strandhotel trifft Tonio als stiller Beobachter auf die unerwarteten Gäste Inge und Hans. Der Ball erweckt alte Gefühle und Erinnerungen in ihm. Als Resümee des Abends lässt sich festhalten, dass „sein Herz lebte“ (S. 71). Dabei sehnt er sich nach Lebensteilhabe und leidet an der Ausgeschlossenheit. Das letzte Kapitel nimmt den Brief an Lisaweta ein, wobei er explizit Stellung zur Aussage er sei ein „Bürger auf Irrwegen“ nimmt. Er sieht sich selbst weder eindeutig in der Welt des Bürgers noch in der Welt des Künstlers zugehörig: zu sehr drängt es ihn hin zur Normalität. Die „Bürgerliebe zum Menschlichen“ ist die Quintessenz wahren Dichtertums. Letztendlich soll ein vollkommen neuer Abschnitt seines literarischen Schaffens beginnen.

3. Biographische Daten zum Autor und Bezüge zum Werk

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Werkaufbau und Leitmotivik

Thomas Mann hat für „Tonio Kröger“ und die anderen fünf Erzählungen der Sammlung „Tristan“ die Bezeichnung Novelle ausgewählt. Allerdings kann man dieses Werk kaum als solch eines betiteln, da die Struktur zu stark von der klassischen Novellenform abweicht. Es gibt weder eine unerhörte Begebenheit, keine dramatisch zugespitzte Handlung oder das Falkenmotiv aus Heyses Novellentheorie. Anstelle einer unerhörten Begebenheit finden sich die Lebensstationen eines jungen Künstlers vor. Die dramatisch zugespitzte Handlung wird von lyrisch beschriebenen Gemütszuständen abgelöst und als Falkenmotiv fungieren Gespräche und Reflexionen. Grundsätzlich wird überwiegend eine Handlungsarmut und ein Verzicht auf spektakuläre Äußerlichkeiten aufgewiesen. Das Werk enthält ein Minimum an Aktionen. Der Schwerpunkt liegt auf der Reflexion, der Beschreibung von Personen, von Orten, Stimmungen und Kunsttheoretischen Erörterungen. Die Handlung offenbart sich in der Darstellung einer inneren Entwicklung vom Literaten zum Dichter. Auffallend ist, dass Wiederholungen in den einzelnen Kapiteln beziehungsweise einige Verbindungen hergestellt werden können. So wird im zweiten Kapitel das Thema des ersten erneut aufgegriffen: Tonio als Außenseiter der bürgerlichen Welt. Das dritte Kapitel ist durch die Zeitraffung am knappsten und schlichtesten gehalten. Dieses durchmisst einen Inhaltsangaben ähnlichen Entwicklungsprozess von 16 Jahren. Kontrastierend wirkt dagegen das vierte Kapitel in dominierenden essayistischen Stil. Es stellt den Mittelpunkt und die zentrale Frage des Werks dar, nämlich Tonios Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Leben.

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Details

Titel
Zu Thomas Manns Erzählung "Tonio Kröger". Werkaufbau, Leitmotivik, sprachliche Gestaltung
Note
14,2
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V442200
ISBN (eBook)
9783668806085
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neudeutsche Literatur Germanistik Referat, Thomas Mann Tonio Kröger Leitmotivik Werkaufbau Künstlerproblematik Epoche Jahrhundertwende Dekadenz Fin de Siècle Charakteristik Inhaltsangabe Biographie
Arbeit zitieren
Lucinda Henkel (Autor), 2017, Zu Thomas Manns Erzählung "Tonio Kröger". Werkaufbau, Leitmotivik, sprachliche Gestaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442200

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