Thomas Hobbes und sein Menschenbild


Hausarbeit, 2001

15 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Philosophischer Überblick
2.1. Wissenschaftsbild
2.2 Menschenbild

3. Der Mensch im Naturzustand

4. Leviathan und der Gesellschaftsvertrag

5. Abschlußbemerkung

Literaturliste

1.Einleitung

Thomas Hobbes, englischer Philosoph, lebte von 1588 bis 1679 größtenteils in England bis auf die Zeit des Bürgerkrieges, während dessen er sich im Pariser Exil aufhielt. Seine wichtigsten Bücher und Schriften sind „De cive“, „De Corpore“ und „De homine“. In seinem Hauptwerk „Leviathan“ legitimiert Thomas Hobbes als erster Philosoph den Staat auf Basis eines theoretischen Vertragsschlußes zwischen Individuen als Gesellschaftsvertrag. Dieses Werk bildete zudem die Grundlage für wissenschaftliche Auseinandersetzungen und Weiterentwicklungen bis hinein in unsere heutige Zeit.[1] Ich möchte in dieser Hausarbeit die Argumentationsstruktur der Hobbeschen Philosophie ausgehend vom Wissenschafts- und Menschenbild über den Naturzustand bis hin zum Gesellschaftsvertrag aufzeigen, damit die Leserin/ der Leser anhand der Ausführungen eigene Kritik entwickeln kann, wobei ich auch am Schluß eigene kritische Anmerkungen als Denkanstöße geben möchte

2. Philosophischer Überblick

Wenn man sich der Hobbeschen Philosophie und seinem Verständnis von Mensch, Staat und Gesellschaftsvertrag nähern möchte, dann muß man sich zuerst mit seinen grundlegenden Prämissen beschäftigen. Im folgenden möchte ich zuerst sein Wissenschaftsbild verdeutlichen, um dann zu seinen prinzipiellen Ansichten der menschlichen Wahrnehmung zu kommen.

2.1 Wissenschaftsbild

Hobbes hat grundsätzlich ein materialistisches Menschen- und Wissenschaftsbild. Er ist dabei beeindruckt von den aufkommenden exakten Naturwissenschaften und möchte die mechanistischen Erklärungsmuster auf die Philosophie übertragen, „die nicht nur eine Methode entwickeln soll, deren Grundsätze sich als

Verallgemeinerung der Prinzipien der wissenschaftlichen Methode darstellen“, sondern auch „universalgültige Voraussetzungen jeder Realwissenschaft formulieren soll.“[2]

Von Galilei übernimmt Hobbes die analytische Methode, die er der Synthese voranstellt, wobei diese allerdings eindeutig das Schwergewicht seiner Überlegungen und Argumentationen ist, d.h. eine deduktiv-axiomatische Wissenschaft ist erstrebenswert, sollte allerdings durch analytische Vorarbeit gestützt werden.[3] Nur die Geometrie ist in der Lage, resolutive und kompositive[4] Arbeit zu leisten. Sie wird im 17. Jahrhundert von allen Wissenschaftlern als die am weitesten entwickelte Wissenschaft angesehen, da sie die Exakteste ist. Die geometrische Methode erlaubt es, komplexe Begriffe auf einfache Definitionen zurückzuführen und desweiteren aus diesen Definitionen neue komplexe Vorstellungen zu schaffen.

So führt Hobbes diese Methode bei der Betrachtung der menschlichen Sprache und des logischen Denkens ein: die more geometrico ist das Rechnen mit Begriffen (computatio). Zurückgehend auf die resolutiv-kompositive Methode werden dabei Ideen zerlegt und zurückgeführt auf grundlegende Elemente. Bekanntestes Beispiel ist das, der Idee Mensch: durch Subtraktion erhält man weitere Begriffe wie z.B. Vernünftigkeit, Belebtheit, Körperlichkeit.[5] Addiert man diese Begriffe wieder, so erhält man die Idee Mensch. Die Begriffe gehen auf Vorstellungen zurück, die Menschen durch einen an späterer Stelle noch erklärten Prozeß gewinnen.

Vorstellungen werden Zeichen zugeordnet, die zwei verschiedene Funktionen haben: erstens als Merkzeichen für das menschliche Bewußtsein, zweitens aber auch als Mitteilungszeichen im Hinblick auf die zwischenmenschliche Kommunikation.[6] Für ihn gibt es keine absoluten Wahrheiten, alle Definitionen sind menschenabhängig und veränderlich.

Wichtigster Punkt für Hobbes ist daher auch die stete Sprachkritik, da seiner Meinung nach Streit, Unwissenheit und Unwissenschaftlichkeit durch die verschiedene Benutzung von Begriffen entstehen.

2.2 Menschenbild

Hobbes definiert alles, was sich mechanisch beschreiben läßt, als Körper, egal ob sich dabei um organische, anorganisch oder sogar soziale Gebilde handelt. Auf niedrigster Ebene, der Ebene der Wahrnehmung, beginnt er im „Leviathan“ seine Abhandlung über den Staat, bei der Individualität des Menschen, bei seiner Subjektivität. Alle Körper „drücken“ auf die Sinne: „Die Ursache der Empfindung ist der äußere Körper oder das Objekt, das einen Druck auf das jedem Sinn zugehörige Organ ausübt;...“[7]

Dieser Reiz wird zum Gehirn weitergeleitet und führt in jedem Fall zu einem Widerstand oder Gegendruck, wobei die sinnliche Qualität des Gegenstandes für den Menschen erst durch die verschiedenen Bewegungen der Materie wahrnehmbar werden.[8] Dies nennt Hobbes Empfindung. Weil jede Empfindung durch Bewegung äußerer Objekte entsteht, kann nichts á priori im Gehirn sein, d.h. nichts kann im Verstand sein, „was nicht vorher in den Sinnen war.“[9] Mit dieser Vorstellung einer „tabula rasa“[10] im menschlichen Gehirn bei der Geburt bereitet Hobbes den Weg für die englischen Empiristen (Locke, Hume, Berkley).

Erinnerung ist dann das Schwächerwerden von Empfindungen[11], d.h. nach einer Empfindung bleibt im Menschen eine Einbildung (eine Bewegung von Materie). Diese Erinnerungen verblassen unter dem Eindruck neuer Empfindungen und im Verlaufe der Zeit. Einbildung und Erinnerung sind keine „Leistungen des denkenden Verstandes“[12], sondern es sind verschieden stark ausgeprägte bzw. intensive Empfindungen. Hobbes grenzt Erinnerung sehr stark von Träumen und Visionen ab, die „das Gegenteil unser wachen Vorstellungen sind“[13], um eine ausschließlich immanente Argumentationsstruktur zu schaffen, die dem Aberglauben, der Hexerei und der Unwissenschaftlichkeit einerseits begegnen und andererseits den Boden für eine vernunftbetonte, dem Souverän unterwürfige Haltung bereiten soll.[14]

Wie allerdings entstehen jetzt aus losen Empfindungen gedankliche Zusammenhänge? Hobbes unterscheidet dabei in zwei Ketten: ungelenkte und geordnete Gedanken. Erstere sind charakteristisch für gedankliches Umherschweifen, wobei Hobbes auch hier Abhängigkeiten zu entdecken vermag. Für geordnete Gedankenketten führt Hobbes einen neuen Gesichtspunkt ein: Absicht und Verlangen. Zum ersten Mal wird das Subjekt „aktiv“, denn vorher war es ja abhängig von den Dingen, welche auf seine Sinne drücken.

[...]


[1] Vgl. Höffe, Otfried: Art. „Gesellschaftsvertrag“, in: Otfried Höffe (Hrsg.), Lexikon der Ethik, 5. erw. Auflage, München 1997

[2] Siehe Wolfgang Röd: Thomas Hobbes, in: Klassiker der Philosophie, hrsg. von O. Höffe, 1981.

[3] Vgl. Wolfgang Röd: a.a.O.

[4] oder auch: analytische und synthetische.

[5] Vgl. Wolfgang Röd: a.a.O.

[6] Vgl. ebda.

[7] Siehe Hobbes, Thomas: Leviathan, aus dem Engl. übertr. von Jutta Schlösser, Hamburg 1996, S. 9.

[8] Vgl. Paeschke, Renate: Die Deduktion des Staates bei Thomas Hobbes, Frankfurt a.M. 1989, S. 14.

[9] Siehe ebda., S. 15.

[10] Wobei dieser Begriff von Locke geprägt worden ist.

[11] Vgl. ebda., S. 16.

[12] Siehe ebda., S. 16.

[13] Siehe Thomas Hobbes, a.a.O., S. 13.

[14] Vgl. Paeschke, Renate, a.a.O., S. 17.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Thomas Hobbes und sein Menschenbild
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1.3
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V44223
ISBN (eBook)
9783638418690
ISBN (Buch)
9783640844777
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas, Hobbes
Arbeit zitieren
Jan Oswald (Autor), 2001, Thomas Hobbes und sein Menschenbild, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44223

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