Schutz und Nutzung der Arktis. Die Möglichkeit eines internationalen Abkommens nach Vorbild des Antarktisvertrages


Bachelorarbeit, 2015
52 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1.0 Arktische Akteure

2.0 Problematik in der Arktis
2.1 Energieressourcen und Rohstoffe
2.2 Fischerei
2.3 Seefahrtsrouten
2.4 Territorialansprüche

3.0 Optionen für einen Arktisvertrag
3.1 Antarktisvertrag
3.2 Bestehende Regelungen in der Arktis
3.3 Unterschiede zu einem möglichen Arktisvertrag
3.4 Argumente gegen einen Arktisvertrag
3.5 Argumente für einen Arktisvertrag
3.6 Alternativen

4.0 Stimmen von Akteuren zur Problematik
4.1 Arktispolitik der Europäischen Union
4.2 Forderungen von Umweltverbänden und NGOs

5.0 Ilulissat-Erklärung

6.0 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Der Mensch hegt eine natürliche Faszination für den Nordpol und seine kalte Region. Seit Jahrhunderten ist dieser Punkt der Erde abweisend durch Kälte und Eis, und doch lockt er den Menschen immer wieder zu sich und weckt neue Sehnsüchte und den Drang nach Erkundung. Doch auch abseits dieser romantischen Vorstellung von absoluter Natur und Naturgewalten, ist die Polarregion im Norden ein wichtiges Gebiet für die Menschheit. Ungeahntes Potential schläft unter kilometertiefen Eisdecken. Der Endlichkeit unserer natürli- chen Ressourcen bewusst, begeben wir Menschen uns auf die Suche nach neuen Quellen. In Zeiten wachsender Ökonomien und immer schneller werdendem Wa- renumsatz sind neue, kürzere und schnellere Verbindungswege eine äußerst reizvolle Option. Themen rund um die Arktis sind aktueller und wichtiger denn je.

Die Frage die daraufhin unweigerlich gestellt werden muss, lautet: Wie wird ein so einzigartiges Gebiet vor einer Ausbeutung von Ressourcen gesichert? Wie werden indigene Völker, die Umwelt sowie Flora und Fauna geschützt?

Ein Vorschlag zum Schutz der Arktis und Regelungen zur Nutzung des Gebietes ist der Entwurf eines Arktisvertrages am Vorbild des bereits bestehenden Antarktisvertrages. Intensiv hat sich Rothwell mit diesem Ansatz beschäftigt. Seine Vorschläge für einen Arktisvertrag werden in dieser Arbeit erläutert. In folgender Arbeit soll kritisch erarbeitet werden, ob dieser Lösungsansatz umsetzbar und zielführend ist. Um dieses Thema zu beleuchten, wird am Anfang definiert, wer genau die arktischen Akteure sind, und somit auch zwischen welchen Staaten eventuelle Differenzen durch gesteigertes Interesse am höchsten sind, und wie die Region „Arktis“ dahingehend geografisch einzuordnen ist. Um über einen möglichen internationalen Vertrag diskutieren zu können, ist es unabdingbar zu wissen, warum ein hohes Interesse an der Region besteht und warum sie besonders schutzwürdig ist. Um die Problematik deutlich zu machen, wird in diesem Papier auf die vorhandenen Ressourcen und Rohstoffe, die Fischerei, mögliche neue Seefahrtsrouten und Territorialansprüche verschiedener Staaten eingegangen.

Im darauf folgenden Kapitel wird der Antarktisvertrag genau vorgestellt. Eine detaillierte Ausführung ist hier nötig, um die Unterschiede zu einem möglichen Arktisvertrag zu erkennen und zu verstehen. Zudem werden andere wichtige bestehende internationale Verträge, Vereinbarungen und Gremien vorgestellt, um die Gesamtsituation internationaler Regelwerke und die Komplexität dieses Themas zu verdeutlichen. Dann sollen die konkreten Unterschiede zwischen dem bestehenden Antarktisvertrag und einem möglichen Arktisvertrag, beziehungsweise die grundsätzlichen Unterschiede beider Regionen und politischen Aus- gangssituationen, dargestellt werden. Im Folgenden werden Vor- und Nachteile eines Arktisvertrages erläutert und vertragliche Alternativen aufgezeigt.

Nachfolgend werden Stimmen und Meinungen von weiteren Akteuren, wie beispielsweise der Europäischen Union (EU) und Umweltverbänden beschrieben, um einen Perspektivwechsel auf das Thema zu ermöglichen. Teilweise ist es nötig eine Problematik von einer anderen, vielleicht auch radikalen, Perspektive zu beleuchten, um ein ausgewogenes Fazit ziehen zu können. Eine ebenfalls wichtige Stellungnahme ist die sogenannte Ilulissat-Erklärung wichtiger arktischer Akteure, auf die darauf folgend eingegangen wird. Abschließend wird ein Fazit gezogen und, mit Bezug auf die gewonnenen Erkenntnisse, deutlich gemacht werden, ob ein Arktisvertrag nach Vorbild des Antarktisvertrages möglich ist, und wenn nicht, welche Alternativen es gibt.

Methodisch handelt es sich bei der vorliegenden Arbeit um eine reine Literaturarbeit. Zu Beginn der Recherchen wurde der Kontakt zu Professoren und Dozenten der Universität Lappland in Rovaniemi (Finnland) gesucht, um ein mögliches Thema zu eruieren. Herr Adam Stepien, Dozent an der Universität Lappland und Forscher im Arktischen Zentrum in Rovaniemi, der mir durch besuchte Vorlesungen bekannt ist, stand beratend zur Seite und stellte Einstiegsquellen zum Thema zur Verfügung. Durch seine enge berufliche Zusammenarbeit mit Dr. Lassi Heininen, welcher bedeutende Beiträge zu geopolitischen Themen verfasst hat und ebenfalls Dozent an der Universität Lappland im Rahmen des Arctic Studies Programm ist, konnte er mehrere einschlägige und aktuelle Berichte und Artikel nennen. Nachfolgend wurde weiterhin nach englischsprachiger und deutschsprachiger Literatur gesucht, um einen tiefen Einblick über die Thematik zu ermöglichen.

Die Gliederung dieser Arbeit ist bewusst so gewählt worden, dass der Leser zunächst eine räumliche Definition der Zielregion bekommt und danach die politischen Akteure, welche ein hauptsächliches Interesse an der Region haben, kennenlernt. Zudem werden die Probleme, welche sich auf Grund überlappender Interessen von Akteuren sowie Entwicklungen wie der globalen Erwärmung erge- ben, genau erläutert, um zu verstehen, warum in dieser Region Absprachen, Regelungen oder Verträge nötig sind. Im Mittelteil dieser Arbeit wird genau auf die Kernthemen der Forschungsfrage eingegangen und es werden verschiedene Lösungsvorschlägen beleuchtet sowie Kritik an diesen dargestellt. Anschließend sollte dieses Für und Wider eines Arktisvertrages auch von anderer Seite betrachtet werden. Aus diesem Grunde sind hier Stimmen großer Institutionen und Akteure dargestellt worden und die, bis jetzt einzige, offizielle Stellungnahme mehrerer beteiligter Staaten: die Ilulissat-Erklärung. Abschließend wurden alle Ergebnisse zusammengefasst zu einem Fazit, welches die Forschungsfrage zu beantworten versucht.

1.0 Arktische Akteure

Wenn über die Arktis und die Akteure in dieser Region gesprochen wird, fallen zunächst Begriffe wie „Polarkreis“ oder „Arktische Staaten“. Eventuell wird die Region, gerade aus Sicht eines Mitteleuropäers, sogar nur auf Skandinavien beschränkt. Traditionell bezeichnet der Begriff „Arktis“ oder „Polarregion“ die nördlichste Region der Erde dessen südliche Grenze durch den Polarkreis (66,5° nördlicher Breite) gezogen wird. Am und oberhalb des Polarkreises geht die Sonne zur Sommersonnenwende nicht unter und am Tag der Wintersonnenwende nicht auf, es kommt also zum Polartag beziehungsweise zur Polarnacht.

Jedoch ist das Gebiet geographisch nicht eindeutig festgelegt. Eine weitere Abgren- zungsmöglichkeit bietet die planetarische Baumgrenze. Diese bezeichnet die maximale nördliche Ausbreitung des Baumbewuchses.[1] Eine weitere Theorie begrenzt die Polarregion mit Hilfe der Temperatur. Demnach umfasst die Arktis alle Regionen an denen die durchschnittliche Tagestemperatur im Sommer nicht über 10 Grad Celsius steigt.[2] Diese sogenannte + 10°C Isotherme deckt sich geographisch allerdings weitestgehend mit der polwärtigen Grenze des Baumbewuchses.[3] Die Region kann nicht nur durch starre Definitionen abgegrenzt werden. Ganz wichtig ist anzuerkennen, dass die Arktis ein Lebensraum ist, in dem unterschiedliche Völker unter denselben oder ähnlichen physischen und sozialen Bedingungen leben.[4]

Die geographischen Grenzen der Arktis zu kennen ist wichtig um zu verstehen, welche Staaten dahingehend als arktische Staaten einzuordnen sind. Als arktische Staaten werden auch oft die Mitglieder des Arctic Council (Arktischer Rat) angesehen. Mitglieder sind Kanada, Königreich Dänemark (inklusive Grönland und den Färöer Inseln), Finnland, Island, Königreich Norwegen, Russland, Schweden und die USA.[5]

Entsprechend der Heranziehung der unterschiedlichen Kriterien, gelten verschiedene Staaten als sogenannte Anrainerstaaten. Es wird von fünf Anrainerstaaten (auch „Arktische Fünf“ oder A5 genannt) gesprochen, wenn nur die Küstenstaaten des Nordpolarmeeres gezählt werden. Es handelt sich hierbei um das Königreich Dänemark, Königreich Norwegen, die Russische Föderation, Kanada und die USA. Wird hingegen von den „Arktischen Acht“ gesprochen, handelt es sich um Staaten die sich innerhalb des Polarkreises befinden. Hierbei kommen noch Island, Finnland und Schweden hinzu.[6]

Würde die Arktis streng durch den Polarkreis getrennt, wäre Island kein arktischer Staat. Politisch gesehen ist Island aber in Diskussionsforen als involvierter Staat trotzdem anwesend. Hierbei wird deutlich, wie schwierig eine eindeutige Trennung des Polargebietes und ihrer Anrainerstaaten ist. Doch ein Interesse an diesem Gebiet geht weit über die Grenzen des Polarkreises und des Polargebietes hinaus. Durch vielfältige Ressourcen und Möglichkeiten in der Region nehmen Staaten und Staatenverbünde weltweit aktiv an Diskussionen und Zusammenkünften zu diesem Thema teil.

2.0 Problematik in der Arktis

In folgendem Kapitel soll erörtert werden, welche Ziele in der Arktis verfolgt werden. Es soll die Frage beantworten, warum das Interesse an dieser Region überdurchschnittlich hoch ist und inwiefern die Polarregion weltpolitisch von Bedeutung ist. Hier einen Überblick zu schaffen ist notwendig um zu verstehen, warum die arktischen Akteure Wert darauf legen auch als solche behandelt zu werden. Mitspracherecht und Zugehörigkeit zur Region können weitreichende Folgen mit sich ziehen und großen Nutzen im weltweiten Markt generieren.

2.1 Energieressourcen und Rohstoffe

Über Öl- und Gasvorkommen in arktischen Gewässern, sowie die Vorkommen von Erzen und Basismetallen auf dem Festland, wird viel diskutiert und weitreichend geforscht. Durch die Endlichkeit unserer bestehenden Rohstoffreserven und, mangels massentauglicher Alternativen, der Abhängigkeit von ihnen, ist das Erschließen neuer Quellen essentiell.

Eine Reihe von Schätzungen haben versucht, das genaue Rohstoffvorkommen in der Arktis zu ermitteln. Die meistzitierte und umfangreichste Studie entstammt dem United States Geological Survey. Die Untersuchung schätzt, dass in 33 Gebieten der Arktis potentielle Öl- und Gasvorkommen vorhanden sind (visuelle Verdeutlichung siehe Abbildung 1). Die Summe der Schätzungen für jedes Gebiet in der Arktis sagt, dass insgesamt 90 Milliarden Barrel Öl und 1.669 Billionen Kubikfuß Gas sowie 44 Milliarden Barrel Flüssiggas gefunden werden können. 85 % der Öl- und Gasvorkommen befinden sich in sogenannten Offshore-Gebieten, also außerhalb der Küstengebiete.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vermutete Öl- und Gasvorkommen - Daten der USGS sowie die Eisausdehnung in der Arktis mit Hilfe der Daten des National Snow and Ice Data Center visualisiert durch den Bundesnachrichtendienst [8]

Ein Ergebnis der Studie ist, dass in der Arktis circa 412 Millionen Fass Öl- und Gasvorkommen zu finden sind. Dies würde ungefähr 22 % der weltweiten Vorräte bedeuten. Im Detail wird jedoch deutlich, dass diese 412 Millionen ungefähr 13 % der Weltölreserven ausmachen, jedoch 30 % der Weltgasreserven und 20 % der Weltgaskondensatreserven bedeuten. Gas jedoch ist wirtschaftlich nicht gleichermaßen interessant wie Öl. Der Transport von Gas oder Gaskondensaten ist Entfernungsbedingt (von der Arktis zum Verbraucher) sehr teuer. Die Kosten sind besonders hoch durch die entstehenden Transportkosten des Flüssiggases beziehungsweise der Verlegung und Instandhaltung von Pipelines.[9]

Weitere, pessimistischere Schätzungen sprechen allerdings nur von 10 % des welt- weiten Gesamtvorkommens von Öl und Gas. Allerdings sind bis heute noch nicht alle Lagerstätten bekannt. Als gesichert gelten die Gebiete der Barentssee-Region, das Seegebiet welches der Russischen Föderation vorgelagert ist und die Gewässer vor Ost-Grönland. Weiterhin gelten die Gebiete vor Kanada als besonders reich an Basismetallen wie Blei, Diamanten, Zink, Silber, Gold oder Kupfer.[10]

Der politische Umgang mit Ressourcen in der Arktis kann wechselhaft sein. Die amerikanische Regierung beispielsweise gab im März 2010 bekannt, dass sie weite Teile des arktischen Ozeans für die Ölförderung freigeben würden. Nur kurze Zeit später, im April 2010, änderte sich diese Entscheidung. Nach dem Unfall der BP Plattform Deepwater Horizon erklärte der US-Präsident diesen Bereich für fünf Jahre zur Tabuzone. Im selben Jahr wiederum sprach sich der Präsident für eine Entwicklung dieses Gebietes aus. Regierungsvertreter rechtfertigten diese mehrfachen Kehrtwenden als eine angemessene Reaktion auf veränderte Umstände. Der Druck der Bevölkerung, welche Angst vor erhöhten Treibstoffkosten hätte, sei Grund für diese politischen Kursänderungen.[11]

2.2 Fischerei

Eine ebenfalls wichtige Ressource bieten die Fischgründe im Polarmeer. Beispielsweise befinden sich im östlichen Polarmeer die weltweit größten Fischgründe für Kabeljau.[12] Weiterhin gibt es große Fischbestände an pazifischen Lachs und Seelachs. Die arktischen Meere beherbergen eine breite Vielfalt verschiedenster Arten, welche kommerziell genutzt werden, wie beispielsweise der Heilbutt, der Schellfisch oder die Königskrabbe.[13] Für die arktischen Anrainerstaaten stellt die Fischerei daher einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Daher gibt es heute grenzübergreifende Regelungen bezüglich Fangquoten und Lizenzverfahren. In Europa werden die Fangquoten von der EU im Rahmen des Fischereimanagements festgelegt. Basierend auf wissenschaftlichen Gutachten, formuliert die EU-Kommission zulässige Gesamtfangmengen und Fangbeschränkungen.[14] Bilateral hat die EU mehrere Einzelabkommen mit anderen Staaten zur Regelung der Fischerei geschlossen.[15] Multilaterale Vereinbarungen existieren vor allem im Zusammenhang mit dem Seerechtsübereinkommen (SRÜ), welche vertraglich festlegt, dass die Vertragsparteien nachhaltige Fischerei fördern sollen. Im Jahr 1995 wurde die praktische Umsetzung im „Übereinkommen über die gebietsübergreifenden und weit wandernden Fischbestände“ festgeschrieben. Weitere wichtige Abkommen der Vereinten Nationen sind die „Vereinbarung über die Einhaltung von Erhaltungs- und Bewirtschaftungsmaßnahmen“ von 1993 und der „Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischerei“ von 1995.[16]

Die Klimaerwärmung bedeutet auch im Bereich der Fischerei grundlegende Veränderungen. Durch die Erwärmung der Meere verschiebt sich beispielsweise der Lebensraum der Lachse immer weiter in den Norden. Russische und norwegische Fischer berichten schon jetzt über weit nördlicher gelegene Fanggründe.[17] Außerdem können die höheren Temperaturen der Meere und das schmelzende Eis eine Beeinträchtigung des Wachstums der Lachse bedeuten. Hinzu kommt die Problematik, dass die Lachsbestände beispielsweise an der Küste der USA und Kanada bereits heute stark überfischt sind.[18]

Auf die Problematik der Überfischung haben einschlägig tätige Wissenschaftler 2012 aufmerksam gemacht, indem sie einen offenen Brief verfasst haben. Mehr als 2.000 Wissenschaftler aus 67 Ländern haben sich daran beteiligt. Dieser Brief wurde durch die Organisation „The Pew Charitable Trusts“ am ersten Tag der Internationalen Polarjahres-Konferenz in Montreal veröffentlicht. Sie fordern in diesem Brief ein internationales Abkommen, um den Schutz der Fischbestände zu sichern. Sie fordern weiterhin ein absolutes Fangverbot, bis es ausreichend wissenschaftliche Forschungen und Erkenntnisse zu den ökologischen Auswirkungen der Hochsee-Fischerei gibt.[19]

Rechtlich ist zurzeit in diesem Fall nur das Seerechtsübereinkommen gültig. Laut Art. 116 SRÜ hat jeder Staat das Recht auf Fischerei in der Hohen See. Begrenzt werden kann dies nur durch vertragliche Verpflichtungen und weitere Bestimmun- gen des SRÜ. Somit sagt Art. 63 SRÜ, dass Fischerei in Gebieten die innerhalb von ausschließlichen Wirtschaftszonen (Erläuterung siehe Kapitel 2.4) mehrerer Staaten liegt, durch Bestimmungen und Maßnahmen zur Erhaltung der Bestände reguliert werden muss.

2.3 Seefahrtsrouten

Seit Beginn der Seefahrt, und vor allem seit der Nutzung der Meere für Großtrans- porte, sind möglichst kurze und einfach befahrbare Seerouten ein wichtiger Faktor für wirtschaftlichen Erfolg. Durch die Erderwärmung schmilzt das Eis im Nordpolar- meer und legt neue mögliche Seerouten frei. In Abbildung 2 wird dies besonders deutlich. Die momentan befahrene Panamakanalroute, welche New York mit Tokio verbindet, umfasst 18.200 km. Durch eine Durchquerung des Nordpolarmeeres auf der Nordwestpassage verkürzt sich der Seeweg um über 4.000 km. Noch anschaulicher wird dies im Vergleich zwischen der Suezkanal-Route, welche 21.000 km misst und Hamburg mit Tokio verbindet, und der Nordost-Passage, welche nur 13.000 km misst. Der Transportweg verkürzt sich hierbei sogar um 8.000 km. Auch bei näherer Betrachtung (Abbildung 3) werden die neuen Wege und Möglichkeiten durch das Schmelzen des Eises und die rasante Entwicklung dieses Vorganges deutlich. Diese kürzeren Wegezeiten bedeuten eine deutliche Reduzierung der Transportkosten (besonders in Bezug auf Schiffsdiesel). Zunächst sieht es so aus, als hätten die neuen Seerouten nur den großen Vorteil der kürzeren Strecke, allerdings gibt es auch einige Nachteile und Schwierigkeiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Abkürzung durch Abbildung 3: Schifffahrtsrouten in der Arktis[21] die Arktis[20]

Die Nordostpassage führt entlang der russischen Küste. Russland hat hier schon früh das wirtschaftliche Potenzial erkannt und neue Seehäfen entlang der Küste gebaut sowie neue Atom-Eisbrecher in Auftrag gegeben. Ziel ist es, die Stecke somit ganzjährig befahrbar zu machen. Für den Reeder bedeutet dies allerdings, dass er für die Durchfahrt in Begleitung russischer Eisbrecher hohe Gebühren bezahlen muss.[22] Zudem ergeben sich bei der Durchfahrt von russischen

Gewässern auf der Strecke eine Vielzahl von bürokratischen Hindernissen.[23]

Hierbei kann die Genehmigung eines Passierscheines mehrere Wochen dauern.[24] Eis stellt, trotz Unterstützung russischer Eisbrecher, immer ein großes Problem dar. Das Schiff muss nicht nur eine entsprechende Eisklasse vorweisen, sondern auch geschultes Personal. Weiterhin kann die Ladung oder auch das ganze Schiff gefrieren. Dieser Umstand stellt die Besatzung und die vorhandene Technik auf die Probe. Außerdem könnten Schiffe, insbesondere große Containerschiffe, Probleme mit der geringen Wassertiefe einiger Meeresabschnitte, wie beispielsweise an den Neusibirischen Inseln, haben.[25]

Die zweite mögliche Seeroute, die sich durch schmelzendes Eis ergibt, ist die Nord- westpassage. Im Unterschied zur Nordostpassage gibt es hier noch keinen regel- mäßigen Schiffsverkehr. Fraglich ist weiterhin, welcher Staat die Passage besitzt. Streitende Parteien sind hierbei die USA und Kanada. Kanada vertritt die Ansicht, dass die Nordwestpassage innerstaatlich verläuft. Die USA hingegen ist sicher, dass es sich um internationale Gewässer handeln muss. In diesem Fall wäre die Route ohne Voranmeldung und kostenlos nutzbar. Der Internationale Gerichtshof definiert im Rahmen des sogenannten Korfu-Kanal-Falls eine internationale Wasserstraße an Hand von zwei Kriterien die erfüllt werden müssen: es müssen zwei Bereiche der Hohen See verbunden werden und es muss sich um eine nützliche Route für den internationalen Schiffsverkehr handeln. Bis jetzt ist das zweite Kriterium für die Nordwestpassage allerdings noch nicht erfüllt.[26]

2.4 Territorialansprüche

In den vorangegangenen Kapiteln wurde deutlich gemacht, warum die Arktis ein Gebiet mit Potential und somit auch international von Bedeutung ist. Eine der größten Schwierigkeiten ergibt sich durch die ungeklärten Territorialansprüche der Arktis.

Bestimmte Meeresgebiete gewähren dem jeweiligen Küstenstaat gesonderte Nutzungsrechte. Dies wird auch Funktionshoheitsgebiet genannt.[27] In folgender Abbildung werden zunächst die verschiedenen maritimen Zonen visualisiert.

[...]


[1] Vgl. Pfennig und Kristian 2012

[2] Vgl. National Snow & Ice Data Center o. J.

[3] Vgl. Universität Halle 2009

[4] Vgl. Heininen 2010, 2010, S. 3

[5] Vgl. Arctic Council 2011a

[6] Vgl. Bundesnachrichtendienst o. J.a

[7] Vgl. U.S. Geological Survey o. J.

[8] Vgl. Bundesnachrichtendienst o. J.c

[9] Vgl. Morteani 2010, S.17

[10] Vgl. Winkelmann 2007, S.4

[11] Vgl. Broder 2011

[12] Vgl. Stokke 2010, S. 208

[13] Vgl. World Wildlife Fund 2008, S. 4 f.

[14] Vgl. Europäische Kommission 2014c

[15] Vgl. Europäische Kommission 2014a

[16] Vgl. Europäische Kommission 2014b

[17] Vgl. GlobalDefence.net 2009

[18] Vgl. World Wildlife Fund 2008, S. 4 f.

[19] Vgl. The PEW Charitable Trusts o. J.

[20] Spiegel Online 2013

[21] Diercke o. J.

[22] Vgl. Biehahn 2014

[23] Vgl. Braune 2011

[24] Vgl. El-Sharif 2009

[25] Vgl. Seidler 2009, S. 147 ff.

[26] Vgl. Seidler 2009, S. 15 ff.

[27] Vgl. Dorf 2011, S. 88

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Schutz und Nutzung der Arktis. Die Möglichkeit eines internationalen Abkommens nach Vorbild des Antarktisvertrages
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
52
Katalognummer
V442315
ISBN (eBook)
9783668807679
ISBN (Buch)
9783668807686
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arktis, Internationales Recht, Sozialökonomie, Arktisvertrag, Antarkis, Seerecht, Rechtswissenschaften, Skandinavien
Arbeit zitieren
Sonja Grenzhäuser (Autor), 2015, Schutz und Nutzung der Arktis. Die Möglichkeit eines internationalen Abkommens nach Vorbild des Antarktisvertrages, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442315

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