Erläuterung des Selbstbestimmungsrechts der Völker am Beispiel der Sami


Hausarbeit, 2015
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1.0 Indigene Völker
1.1 Definition
1.2 Verbreitung

2.0 Die Sami
2.1 Lebensräume
2.2 Politische Aktivität
2.3 Religion und Kultur

3.0 Das Selbstbestimmungsrecht der Völker
3.1 Allgemein
3.2 Indigene Völker und das Selbstbestimmungsrecht
3.3 Selbstbestimmungsrecht und die Sami

4.0 Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Indigene Völker treffen wir auf der ganzen Welt an. Doch ist uns auch bewusst, welche Stellung sie völkerrechtlich innehaben? Das indigene Volk Nordeuropas, die Sami, leben in Skandinavien. Sie sind politisch gut organisiert um ihre eigenen Interessen zu vertreten und ihre Kultur zu schützen.

In folgender Arbeit soll die Frage nach der Anwendbarkeit des Selbstbestimmungsrechts der Völker auf indigene Völker beantwortet werden. Um dies zu verdeutlichen wird beispielhaft die aktuelle politische Situation der Sami herangezogen.

Für einen allgemeinen Einstieg wird hier zunächst eine Definition eines indigenen Volkes festgelegt. Außerdem wird die Aktualität der Thematik durch die Erläuterung der Verbreitung indigener Völker weltweit aufzeigt.

Nachfolgend werden die Sami als Volk vorgestellt, deren Religion und Kultur sowie deren politischen Organe beschrieben. Folgend wird das Selbstbestimmungsrecht der Völker definiert um dann die Anwendbarkeit dessen auf indigene Völker zu prüfen. Danach werden die konkreten Auswirkungen dessen auf das Samische Volk beleuchtet um dann abschließend ein Fazit ziehen zu können.

1.0 Indigene Völker

Um einen Einstieg in die Thematik zu ermöglichen, wird in folgendem Kapitel zunächst eine mögliche Definition von indigenen Völkern gegeben. Anschließend wird die Verbreitung verschiedener indigener Völker angesprochen um die Aktualität zu verdeutlichen.

1.1 Definition

Mitglieder indigener Völker wurden lange Zeit als „Eingeborene“, „Ureinwohner“ oder „Naturvölker“ bezeichnet. Doch diese Begriffe spiegeln nicht, oder nicht gänzlich, die Lebensweise dieser Völker wider. Außerdem wird durch diese Begriffe oft eine primitive Lebensweise impliziert, weshalb sie weitestgehend abzulehnen sind. Eine bessere Alternative ist der Begriff der „indigenen Völker“, welcher sich in den 1980er Jahren herausgebildet hat. Heute ist dieser Begriff international anerkannt (indigenous peoples). Zu übersetzen ist „indigen“ mit „in ein Land geboren“.[1]

Eine umfassende Definition indigener Völker stellte Frauke Kraas im Jahr 2002 auf. Demnach sind indigene Völker:

- Nachfahren der Erstbesiedler einer Region,
- im geschichtlichen Verlauf von anderen Völkern kolonisiert und aus ihrem angestammten Siedlungsgebiet vertrieben worden,
- politisch, wirtschaftlich und sozial marginalisiert (Existenz am Rande der nationalen Gesellschaft),
- von der nationalen Gesellschaft bezüglich ihrer Selbstidentifikation sowie ihrer sprachlichen, ethnischen, kulturelle, sozialen und wirtschaftlichen Andersartigkeit zu unterscheiden.[2]

1.2 Verbreitung

Indigene Völker leben auf jedem Kontinent dieser Erde und ihre Anzahl wird oft unterschätzt. Zu den bekanntesten Völkern gehören die Aborigines in Australien, die nordamerikanischen Indianer (namentlich beispielsweise die Cheyenne, die Cree oder die Shoshonen) und die Inuit, welche in Kanada, Grönland und Alaska leben. Allerdings gibt es weit mehr indigene Völker als diese. Konkret werden zurzeit etwa 5.000 unterschiedliche Völker genannt. In Zahlen bedeutet dies geschätzt 450 Millionen Menschen die einem indigenen Volk zugehörig sind. [3]

2.0 Die Sami

In folgendem Kapitel sollen die Sami als indigenes Volk vorgestellt werden. Zunächst wird geklärt, welchen Lebensraum die Sami beanspruchen. Folgend werden die politischen Organe und Institutionen vorgestellt und zuletzt ein Einblick in die Religion und Kultur der Sami gegeben.

2.1 Lebensräume

Der Lebensraum der Sami wird durch das Gebiet der Kola-Halbinsel in Russland, Finnland und Schweden (Lappland) sowie Norwegen begrenzt. Über eine genaue Volksgröße gibt es nur Schätzungen, die teilweise stark abweichen. Die Volksmenge wird beispielsweise vom schwedischen Ministerium auf circa 70.000 Menschen geschätzt, welche ungefähr 158 000 Quadratkilometer Fläche bewohnen. Davon leben ungefähr 20.000 Sami in Schweden.[4] Andere Schätzungen, wie die der Deutschen Gesellschaft Vereinter Nationen, gehen von 120.000 Sami aus.[5] Problematisch bei der Zählung ist die Frage, wer als Sami gilt oder sich dazu bekennt und somit gezählt wird.

Die Samen sind ursprünglich nicht mit den Skandinaviern verwandt. Doch die Wissenschaft hat noch keine abschließende Erkenntnis über die genaue Herkunft.

Eine Hypothese ist, dass sie aus Sibirien kommen. Mögliche Vorfahren könnte die Bewohner der Samojeden sein. Beide Völker haben kulturell viel gemeinsam. Sicher ist, nach dem neuesten Stand der Forschung, dass die Vorfahren der Sami, der proto-Sami, zwischen dem Weißen Meer und Südwesten Ladogasee lebte.[6] Es wird angenommen, dass sie Opfer ethnischer Verfolgung wurden und deshalb das Gebiet verlassen haben. Die Umsiedelung beziehungsweise Wanderung fand wahrscheinlich in Etappen statt. [7]

2.2 Politische Aktivität

In Schweden, Norwegen und Finnland, konnten die Sami durch Selbstorganisation Institutionen durchsetzen, in denen sie ihre Interessen vertreten können. Diese Parlamente sind zwar Interessensvertretungen, können allerdings keine Beschlüsse mit gesetzgebereischer Kraft verabschieden.[8]

Vorreiter für eine politische Institution für die Samen war Finnland. 1973 entstand dort das erste Sami-Parlament. Zudem müssen seit 1991 die Sami bei allen Entscheidungen welche sie betreffen, vorab konsultiert werden. Norwegen folgte 1989 mit einem Sami-Parlament, welches sogar Initiativen ergreifen kann. Schweden hat seit 1993 ebenfalls ein Sami-Parlament in beratender Funktion. In Russland gibt es zwar Schutzgesetze für die Sami, allerdings sind diese weitestgehend nur auf dem Papier gültig. Ein bestehendes Parlament gibt es nicht. Ergänzend zu den Parlamenten bestehen in Schweden beispielsweise ministerielle Arbeitsgruppen oder Ausschüsse zur Förderung der Sami-Kultur.[9]

Eines der wichtigsten politischen Organisationen ist jedoch das Sami-Council. Hier- bei handelt es sich um eine Nichtregierungsorganisation mit Mitgliedsorganisationen in Finnland, Russland, Norwegen und Schweden. Gegründet wurde es 1956 und kümmert sich seitdem aktiv um politische Belange, welche die Sami betreffen. Primär versucht das Council die Rechte und Interessen in allen vier Ländern zu fördern. Dieses Ziel soll durch Vereinbarungen zwischen den Staaten und den Parlamenten erreicht werden.[10]

2.3 Religion und Kultur

Traditionell handelt es sich bei den Sami um ein Naturvolk welches den Animismus und Schamanismus ausübte und der Bärenkult eine wichtige Rolle spielte. Der Schamane (Noaidi) war sowohl der Vermittler zwischen den verschiedenen Welten (irdische und Geisterwelt) als auch Heiler und Seelsorger. Dazu nutzte er oft eine spezielle Trommel, welche ihm half, in Trance zu fallen. Zudem war die Trommel ein Weg die Zukunft zu deuten. Besondere Naturformationen, wie beispielsweise große Felsen, wurden als heiliger Ort und Opferplatz betrachtet. Vor allem Rentiere wurden hier als Tieropfer dargebracht. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde mit der zwanghaften Christianisierung der Sami begonnen. Lange wurde in den verschiedenen Staaten die Ausübung der Naturreligion verboten.[11]

Kulturell und wirtschaftlich wichtig für die Sami sind die Rentiere und deren Züchtung. Heute leben ungefähr 10 Prozent der Sami von der Rentierhaltung. Dabei ist in Norwegen und Schweden allein den Sami die Züchtung und Haltung erlaubt. In Finnland kann jeder finnische Bürger Rentierzucht betreiben (allerdings auch dort nur unter vorheriger Registrierung). Zudem hat jedes finnische Ren einen Besitzer, somit gibt es keine freien Rentiere. Ursprünglich jedoch lebten die Sami vor allem von Fisch, gesammelten Beeren und erlegten Tieren. Die Pelze wurden mit skandi- navischen Nachbarn getauscht und nur wenige Tiere wurden als Lastentiere benutzt. Dies änderte sich erst im 17. Jahrhundert mit dem Zusammenbruch des Pelzhandels durch die Einfuhr billiger Pelze aus Nordamerika. Das Rentier drohte stark dezimiert zu werden, da aufgrund der niedrigeren Preise für Pelze immer mehr Tiere für den Pelzhandel benötigt wurden. Dann erst begannen die Sami mit der Bildung von Herden und der wirtschaftlichen Rentierhaltung. Sie passten ihren Jahreszyklus der Wanderung des Rentiers an und lebten als Nomaden. Da das Rentier sich hauptsächlich von Flechten ernährt, welche nur sehr langsam wachsen, wandert es in Herden von Weideplatz zu Weideplatz.

[...]


[1] Vgl. Kraas 2002, S. 8 ff.

[2] Kraas 2002, S. 8 ff.

[3] Vgl. Kraas 2002, S. 8 ff.

[4] Vgl. Kvarfordt et al. 2007, S. 5

[5] Vgl. Deutsche Gesellschaft Vereinter Nationen e.V. o. J.

[6] Vgl. Stüssi 1990

[7] Vgl. Steplavage o. J.

[8] Vgl. Kuhlmann und Rathgeber 2006

[9] Ebd.

[10] Vgl. Saami Council o. J.

[11] Vgl. Kvarfordt et al. 2007, S. 59

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Erläuterung des Selbstbestimmungsrechts der Völker am Beispiel der Sami
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Internationaler und Europäischer Menschenrechtsschutz
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V442317
ISBN (eBook)
9783668805385
ISBN (Buch)
9783668805392
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sami, Arktis, Indigene Völker, Lappland, Finnland, Samen
Arbeit zitieren
Sonja Grenzhäuser (Autor), 2015, Erläuterung des Selbstbestimmungsrechts der Völker am Beispiel der Sami, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442317

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