Es wird in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit davon ausgegangen, dass dortige Angebote von Kindern und Jugendlichen freiwillig besucht werden ohne zu fragen: Was könnten die motivationalen Grundlagen sein, welche Bedürfnisse könnten dahinter stehen, dass Jugendliche diese Angebote besuchen?
In dieser Jahresarbeit versuche ich, anhand zweier ausgewählter Theorien aus der Psychologischen Motivationsforschung, die Motivation von Jugendlichen zu beschreiben. Dabei beziehe ich mich insbesondere auf die Jugendkulturarbeit, die ich im Rahmen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit behandel. Meine Fragestellung lautet: Wie lässt sich, anhand der Theorie des flow-Erlebens und der Theorie der Selbstverwirklichung, die Motivation von Kindern und Jugendlichen bei der Teilnahme an Angeboten der Jugendkulturarbeit erklären und welche Folgen beziehungsweise Implikationen lassen sich daraus für die Offene Kinder- und Jugendarbeit, insbesondere für die Jugendkulturarbeit, ableiten?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jugend
2.1 Jugend im Spiegel der Wissenschaften
2.2 Jugend als gesellschaftliches Muster
2.3 Bedarfe der Jugend: 16. Shell-Jugendstudie
3. Die offene Kinder- und Jugendarbeit sowie Jugendkulturarbeit
3.1 Jugendkulturarbeit als Teil der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
3.2 Jugendkulturarbeit im Kontext des SGB VIII
3.3 Bildung und Jugendkulturarbeit
4. Motivation und flow-Erleben
4.1 Motivation
4.2 Die intrinsische Motivation: Das flow-Erlebnis
4.2.1 Die autotelische Funktion
4.2.2 Die Struktur von flow-Aktivitäten: Objektive und subjektive Bedingungen
4.2.3 Komponenten des flow-Erlebens
5. Intrinsische Motivation und Selbstverwiklichung in der Jugendkulturarbeit
5.1 Die Motivations- und Selbstbildungsprozesse
5.2 Die Strukturbedingung der Freiwilligkeit
5.3 Strukturierung der Angebote in der Jugendkulturarbeit
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die motivationalen Grundlagen von Kindern und Jugendlichen in der Jugendkulturarbeit. Das primäre Ziel ist es, mithilfe der Theorie des flow-Erlebens und der Theorie der Selbstverwirklichung zu erklären, warum Jugendliche freiwillige kulturelle Angebote wahrnehmen, und welche Implikationen sich daraus für eine bildungsfördernde Gestaltung dieser Angebote ergeben.
- Psychologische Motivationsforschung und deren Anwendung in der Jugendhilfe.
- Die Bedeutung der Jugendkulturarbeit als offener Bildungsort.
- Strukturbedingungen wie Freiwilligkeit und lebensweltliche Orientierung.
- Methoden der Angebotsstrukturierung zur Förderung selbstgesteuerter Bildungsprozesse.
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Komponenten des flow-Erlebens
Das flow-Erleben zeichnet sich nach Csikszentmihalyi (1987) durch folgende Komponenten aus:
Konzentration
Das bedeutet, dass die Aufmerksamkeit auf ein beschränktes Stimulusfeld konzentriert wird (vgl. ebd.: S. 64). Diese Konzentration kann durch feste Regeln und Strukturen, zum Beispiel innerhalb eines Spiels, unterstützt werden (vgl. ebd.: S. 65 f.).
Ichlosigkeit, Selbstvergessenheit
Die Versuchsteilnehmer beschreiben jenes Phänomen als: „Verlust des Selbst“, „Selbstvergessenheit“, „Verlust des Bewußtseins seiner selbst“, Transzendieren der Individualität“ oder „Verschmelzen mit der Welt“ (vgl. ebd.: S. 66). Das „Selbst“ steht im Symbolischen Interaktionismus, oder als Ego in der klassischen freudschen Psychoanalyse , als Vermittlungsinstanz zwischen den Bedürfnissen des Organismus und den sozialen Erwartungen (vgl. ebd.: S. 66 f.)]
Das Handeln verschmilzt dabei mit dem Bewusstsein und wird als nicht mehr von diesem getrennt wahrgenommen (vgl. ebd.: S. 117). „Der Handelnde ist im Fluss seiner Bewegung eingetaucht (vgl. ebd.). Beim Verschmelzen von Handeln und Bewusstsein findet sich auch eine Veränderung des Zeitempfindens, ein „Auseinanderklaffen von chronologischer und psychologischer Zeit“ (vgl. ebd.: S. 118) statt. So berichten Kletterer in den Interviews, die Csikszentmihalyi (1987) als Teil seiner psychologischen Forschung durchführte, dass sie die Zeit oftmals schneller vergehend wahrnehmen (vgl. ebd.: S. 118). Oder sie berichten von einem Gefühl, im Zustand des Flows „[…] ganz aus dem Ablauf der Zeit herausgetreten, von jeglichen inneren und äußeren Uhren abgekoppelt […]“ (ebd.) zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der motivierenden Faktoren in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ein und formuliert die Forschungsfrage zur Bedeutung der Jugendkulturarbeit.
2. Jugend: Dieses Kapitel betrachtet Jugend als wissenschaftliches Diskursfeld und gesellschaftliches Strukturmuster, inklusive einer Analyse der Jugendbedarfe auf Basis der 16. Shell-Jugendstudie.
3. Die offene Kinder- und Jugendarbeit sowie Jugendkulturarbeit: Das Kapitel erläutert die historischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Jugendarbeit und definiert Jugendkulturarbeit als eigenständiges Handlungsfeld.
4. Motivation und flow-Erleben: Hier werden die Grundlagen der Motivationspsychologie und das flow-Konzept nach Csikszentmihalyi ausführlich dargelegt und strukturell analysiert.
5. Intrinsische Motivation und Selbstverwiklichung in der Jugendkulturarbeit: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Motivationsmodelle mit den praktischen Anforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten in der kulturellen Jugendarbeit.
6. Fazit: Das Fazit kritisiert eine zunehmende Ökonomisierung von Bildung und betont die Bedeutung authentischer, institutionell ungeplanter Erlebnisse für die Selbstverwirklichung.
Schlüsselwörter
Jugendkulturarbeit, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Intrinsische Motivation, Flow-Erleben, Selbstverwirklichung, Lebensweltorientierung, Freiwilligkeit, Selbstbildung, Soziokultur, SGB VIII, Partizipation, Bildungskonzept, Adoleszenz, Erziehungswissenschaft, Handlungsanforderungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den motivationalen Grundlagen von Jugendlichen, die freiwillig Angebote der Jugendkulturarbeit wahrnehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der pädagogischen Gestaltung von Bildungsangeboten, der Bedeutung von Freiwilligkeit und der Anwendung psychologischer Motivationsmodelle auf die Jugendarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, theoretisch zu begründen, wie Angebote der Jugendkulturarbeit gestaltet sein müssen, um bildungsfördernd und motivierend auf Jugendliche zu wirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Jahresarbeit, die relevante Fachliteratur, pädagogische Konzepte und psychologische Motivationsstudien analysiert und in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Jugendbegriffs, die Darstellung der Rahmenbedingungen der Jugendkulturarbeit und die theoretische Fundierung durch das flow-Erleben und die Selbstverwirklichungstheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Jugendkulturarbeit, intrinsische Motivation, Flow-Erleben, Selbstverwirklichung, Freiwilligkeit und Lebensweltorientierung.
Inwiefern beeinflusst das SGB VIII die Jugendkulturarbeit?
Das SGB VIII liefert den rechtlichen Rahmen und weist der kulturellen Bildung einen festen Platz im Aufgabenbereich der Jugendarbeit zu, betont jedoch auch die Offenheit und Partizipation.
Wie unterscheidet sich das hier beschriebene Bildungsverständnis von einem schulischen?
Die Arbeit kritisiert ein schulisch verengtes, leistungsorientiertes Verständnis und setzt dagegen ein lebensweltorientiertes Konzept, das Selbsttätigkeit, Freiwilligkeit und individuelle Entfaltung in den Mittelpunkt stellt.
- Arbeit zitieren
- Lukas Jäger (Autor:in), 2014, Die Motivation im Kontext der Jugendkulturarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442353