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Rittertugenden im Mittelalter. Eine Literaturauswahl

Titel: Rittertugenden im Mittelalter. Eine Literaturauswahl

Hausarbeit , 2018 , 15 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Rittertum und höfische Umgangsformen sind bis heute allgegenwärtig: Neben der Nutzung von positiv konnotierten Wörtern, die im Mittelalter ihren Ursprung haben, unter anderem das Wort „höflich“ (mhd.: hovelich, also dem Hof angemessen), wird auch das ritterliche Benehmen gegenwärtig als Beispiel eines Ideals dargestellt. Noch heute sagt man von jemandem mit vorbildlichem Benehmen, er verhalte sich "ritterlich".

Doch welche Tugenden galten wirklich als einem Ritter entsprechend? Der Dichter Petrus von Blois nannte Ende des 12. Jahrhunderts seine Wertvorstellung eines Ritters: "Früher verpflichteten sich die Ritter durch das Band des Eides dazu, daß sie für die öffentliche Ordnung eintreten würden, daß sie in der Schlacht nicht fliehen würden und daß sie ihr Leben für das allgemeine Wohl hingeben würden. [...] Aber diese Sache hat sich ins Gegenteil verkehrt. [...] Sie plündern und berauben die unbemittelten Diener Christi und, was noch schlimmer ist, sie unterdrücken erbarmungslos die Armen [...]."

In diesem kurzen Abschnitt wird deutlich, wie der damalige Dichter von Blois die Ritter und ihre Tugenden definieren würde: Er müsse die öffentlichen Ordnung schützen, großen Mut in der Schlacht besitzen und sich für das allgemeine Wohl einsetzen. Die letzten beiden Sätze machen deutlich, dass es eine Diskrepanz zwischen den Vorstellungen von ritterlichen Tugenden und der tatsächlichen Umsetzung gab. In dieser Arbeit soll es weniger um die Überprüfung der Ausführung dieser Ideale gehen, sondern viel mehr Klischees und Forschungsüberzeugungen anhand mittelalterlicher Literatur überprüft werden. Diese sind die wenigen Zeugnisse, die das Ritterideal näher beäugen. Dass die mittelalterliche Literatur eine durchaus ernstzunehmende Quelle ist, wird auch daran deutlich, dass selbst die adeligen Zeitgenossen diese als Idealform des Lebens angesehen und ihre Kinder nach den Romanhelden benannt haben – die höfischen Erzählungen hatten also Vorbild- und Bildungscharakter.

Welche Tugenden schreiben die modernen Historiker den Rittern zu? Wie kann man diese unterteilen? Inwiefern sind diese Vorstellungen adäquat mit denen der Zeitgenossen? Welches Idealbild hatten die zeitgenössischen Personen von einem Ritter? Welche höfischen und religiösen Ideale werden in Bezug auf die Ritter in der mittelalterlichen Literatur überliefert?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. DER RITTER UND SEINE TUGENDEN IN DER MITTELALTERLICHEN LITERATUR

2. DIE TUGENDEN

2.1. HÖFISCHE TUGENDEN

2.2. KIRCHLICHE TUGENDEN

3. DER RITTER UND SEINE TUGENDEN IN EINER AUSWAHL VON MITTELALTERLICHEN LITERATUR

3.1. DIE HALBE BIRNE VON KONRAD VON WÜRZBURG

3.2. DER WELT LOHN VON KONRAD VON WÜRZBURG

4. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das ritterliche Idealbild des Mittelalters, indem sie moderne historiographische Tugenddefinitionen mit der literarischen Darstellung in den Werken von Konrad von Würzburg vergleicht, um Diskrepanzen und Ergänzungen zwischen theoretischem Anspruch und literarischer Umsetzung aufzuzeigen.

  • Analyse des ritterlichen Tugendsystems (höfisch vs. kirchlich)
  • Untersuchung der "Curialitas" und ihrer Komponenten wie "zuht" und "maze"
  • Interpretation von Konrad von Würzburgs Maeren als pädagogische Lehrmittel
  • Gegenüberstellung von modernen Forschungsansätzen und mittelalterlichen Quellen
  • Reflexion über das ritterliche Selbstbild und dessen moralische Widersprüche

Auszug aus dem Buch

3.1. Die halbe Birne von Konrad von Würzburg

Die Forschung, die sich mit dem circa in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verfassten Maere Die halbe Birne befasste, wird oft von der eklatanten Sexualität im Text erschreckt: So bezeichnet Rüdiger Krohn diese als „schwankhaft-deftige[.] Unterhaltung“ und eine Erzählung mit „drastischen Elementen“. Gemeint ist hierbei der detailreiche sexuelle Akt zwischen dem Ritter Arnolt und der Tochter des Königs. Bedeutender für die Auseinandersetzung mit dem Tugendsystem des Ritters ist jedoch die Vorgeschichte. In dieser wird die Tochter des Königs als unerreichbar definiert. Durch ein Turnier solle der beste und geeignetste Ritter um ihre Hand anhalten dürfen. Der Ritter Arnolt, welcher ein hohes Ansehen hat und mit herrlicher Rüstung erscheint, wodurch die bereits genannte ästhetische Forderung erfüllt wird, gewinnt das Turnier und darf mit der Prinzessin essen. Nachdem der Nachtisch in Form von Birnen serviert wurde, passiert ihm ein Fauxpas:

„Hört jetzt, wie da die frische Birne
auf bäurische Weise geteilt wurde,
die man vor den Ritter legte
und vor das schöne Fräulein.
Die nahm der unaufmerksame Haudegen
Und schnitt sie, ohne sie zu schälen,
mit seinem Messer auseinander.
Damit zog er sich den Zorn
der vornehmen Königstochter zu.
Er konnte es nicht erwarten,
bis er sie elegant zerlegt hatte.
Er benahm sich wie ein gieriger Fresser
und warf die ganze Hälfte in den Mund.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. DER RITTER UND SEINE TUGENDEN IN DER MITTELALTERLICHEN LITERATUR: Einleitung in das Thema, die die Diskrepanz zwischen historischen Idealen und der sozialen Wirklichkeit des Rittertums anhand zeitgenössischer Quellen beleuchtet.

2. DIE TUGENDEN: Erläuterung der sozio-historischen Aufwertung des Ritters vom einfachen Kämpfer zum Standesterminus sowie Einführung in die ästhetischen und inneren Erwartungen.

2.1. HÖFISCHE TUGENDEN: Detaillierte Darstellung des Tugendsystems der "Curialitas", einschließlich Begriffen wie "zuht", "maze" und "triuwe".

2.2. KIRCHLICHE TUGENDEN: Untersuchung des religiösen Einflusses auf das Rittertum, insbesondere die Bedeutung von Gottesfurcht, Demut und der Rolle des "miles Christianus".

3. DER RITTER UND SEINE TUGENDEN IN EINER AUSWAHL VON MITTELALTERLICHEN LITERATUR: Methodische Begründung der Auswahl von Konrad von Würzburgs Werken für die Untersuchung ritterlicher Ideale.

3.1. DIE HALBE BIRNE VON KONRAD VON WÜRZBURG: Analyse dieses Maeres hinsichtlich der Bedeutung von Tischsitten und der kritischen Reflexion über ritterliches Fehlverhalten.

3.2. DER WELT LOHN VON KONRAD VON WÜRZBURG: Interpretation der symbolischen Darstellung der "Welt" und der religiösen Pflichten des Ritters zur Rettung seiner Seele.

4. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Korrespondenz zwischen modernen Forschungsergebnissen und literarischen Zeugnissen des Mittelalters.

Schlüsselwörter

Rittertum, Mittelalter, Konrad von Würzburg, höfische Tugenden, Curialitas, Die halbe Birne, Der Welt Lohn, Tugendideal, miles Christianus, Literaturanalyse, Mittelalterliche Literatur, Ritterethos, MAERE, Tischsitten, Sozialgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das ritterliche Tugendideal des Mittelalters und stellt die Definitionen moderner Historiker den literarischen Darstellungen in Maeren gegenüber.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Der Fokus liegt auf den höfischen Tugendsystemen ("Curialitas") sowie dem Einfluss christlicher Wertvorstellungen auf das Leben und Handeln des Ritters.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, welche höfischen und religiösen Ideale im Bezug auf Ritter in der mittelalterlichen Literatur überliefert werden und wie diese mit modernen Forschungsansätzen harmonieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten (Konrad von Würzburg) durchgeführt, ergänzt durch einen Vergleich mit zentraler Sekundärliteratur der Geschichtswissenschaft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung von Tugendbegriffen und die konkrete Fallanalyse der Werke "Die halbe Birne" und "Der Welt Lohn".

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Curialitas", "zuht", "maze", "triuwe", "miles Christianus" und die kritische Auseinandersetzung mit ritterlichen Ehrvorstellungen.

Wie unterscheidet sich "Die halbe Birne" in ihrer Aussage zu ritterlichen Idealen?

Das Werk dient als Fallbeispiel für die Verletzung von Tischsitten ("zuht" und "maze"), wobei der Ritter durch sein Verhalten als unmanierlich entlarvt wird.

Welche Rolle spielt die "Welt" im Werk "Der Welt Lohn"?

Die "Welt" wird als täuschende, verführerische Gestalt dargestellt, die den Ritter symbolisch vor die Wahl zwischen irdischem Verfall und göttlichem Heil stellt.

Warum wird Konrad von Würzburg als Quelle gewählt?

Er gilt als Meister der höfischen Unterhaltung und als souveräner Vermittler von Lehren, dessen Lebenszeit und Fokus perfekt mit dem untersuchten Epochenbild übereinstimmen.

Welches Fazit zieht der Autor bezüglich der Rachehandlung in "Die halbe Birne"?

Der Autor stellt fest, dass die Rache des Ritters zwar einerseits der Wiederherstellung der Ehre dient, jedoch im Widerspruch zur höfischen Forderung steht, Hass und Spott zu ertragen.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Rittertugenden im Mittelalter. Eine Literaturauswahl
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V442629
ISBN (eBook)
9783668806306
ISBN (Buch)
9783668806313
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rittertugenden mittelalter eine literaturauswahl
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2018, Rittertugenden im Mittelalter. Eine Literaturauswahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442629
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Leseprobe aus  15  Seiten
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