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Erzählstrategie in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" und ihr Beitrag zur Unauflösbarkeit des Werks

Titel: Erzählstrategie in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" und ihr Beitrag zur Unauflösbarkeit des Werks

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2018 , 22 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Hannah Mohl (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der vorliegenden Arbeit soll die Multiperspektivität und Hoffmanns Erzählstrategie im Sandmann untersucht und aufgezeigt werden, dass diese für die Verständnisschwierigkeiten, die Der Sandmann zuweilen bereitet, zu großen Teilen verantwortlich ist. Es ist eben genau dieser Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven und Erzählern, der es dem Leser unmöglich macht, die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu bestimmen und die Erzählung und deren kontroverse Fragen eindeutig zu erfassen und zu beantworten. Die Erzählstrategie bedingt daher die Nichtauflösbarkeit des Sandmanns. E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann ist zum einen die wohl meistinterpretierteste, zum anderen auch die am gegensätzlichsten interpretierte Erzählung Hoffmanns. Bereits zu Zeiten der Entstehung des Textes wurde auf die Probleme, die dieser dem Leser bereitet, hingewiesen und teilweise sogar gänzlich von der Lektüre des Werkes abgeraten.

Auch Goethe fällte kein positives Urteil über den Text beziehungsweise Hoffmanns gesamtes Werk und bezeichnet den Dichter selbst als krank. Auch heute spaltet der Text noch die Massen und hat eine Unzahl an unterschiedlichen, ja sogar gegensätzlichen Interpretationen hervorgebracht. Uneinigkeit herrscht schon darüber, was das zentrale Thema des Textes sei. Zahlreiche Interpretationen schreiben dem Text eine Destruktion der Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit, andere eine Kritik an der Vernunft und der Aufklärung zu, einige untersuchen das Verhältnis von Phantastik und Wahnsinn und betrachten den Text als Beispiel für die Behandlung der Wahnsinnsthematik in der Literatur der Romantik. Was die meisten Interpretationen jedoch gemein haben ist, dass sie versuchen, eindeutige Antworten auf kontroverse Fragen, die der Text aufwirft, zu finden. So wird stets versucht, entweder zu beweisen, dass Nathanael tatsächlich wahnsinnig ist oder nicht, dass Coppola und Coppelius dieselbe Person sind oder zwei Personen und ob der Sandmann wirklich existiert oder lediglich eine Figur Nathanaels Phantasie ist. Es verwundert hierbei nicht, dass die verschiedenen Interpretationen auch unterschiedliche Antworten auf diese Fragen liefern. Ein häufiges Problem der Literatur zum Sandmann ist vor allem, dass viele Interpretationen versuchen, ihre aufgestellte Theorie am Text zu beweisen, anstatt anhand des Textes eine Theorie zu entwickeln.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Phantastische Literatur

3. Erzählinstanzen im Sandmann

3.1. Nathanael als Erzähler

3.2. Clara als Erzählerin

3.3. Der Erzähler

3.3.1. Der Erzählerexkurs

3.3.2. Multiperspektivität des Erzählers

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählstrategie und die Multiperspektivität in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann". Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Zusammenspiel verschiedener Erzählinstanzen dazu führt, dass eine eindeutige Grenzziehung zwischen Fiktion und Realität für den Leser unmöglich gemacht wird, wodurch eine gewollte Nichtauflösbarkeit der Erzählung entsteht.

  • Analyse der phantastischen Literatur als Grundlage der Erzählwelt.
  • Untersuchung der Erzählperspektiven von Nathanael, Clara und dem Erzähler.
  • Dekonstruktion der Vermischung von Innen- und Außenperspektiven.
  • Erörterung der narrativen Funktion der Unentscheidbarkeit und der Paradoxien.

Auszug aus dem Buch

Nathanael als Erzähler

Der erste Erzähler, den der Leser kennenlernt und aus dessen Sicht er zunächst das Geschehen betrachtet, ist Nathanael, der sich in einem Brief an seinen Schwager Lothar zu wenden gedenkt, den Brief jedoch versehentlich an seine Verlobte Clara adressiert. Er beginnt diesen sehr bildlich und dramatisierend: „ Dunkle Ahnungen eines gräßlichen mir drohenden Schicksals breiten sich wie schwarze Wolkenschatten über mich aus, undurchdringlich jedem freundlichen Sonnenstrahls“12 und bezieht sich dabei auf sein Zusammentreffen mit dem Wetterglashändler Coppola, das in ihm eine Erinnerung an seine Kindheit hervorruft, die „tief in sein Leben eingreifend" (S.7) gewesen sei.

Dass es sich dabei um ein phantastisches Ereignis handelt, wird bereits angedeutet, indem Nathanael Lothars mögliche Reaktion auf die Geschichte, ihn „gewiß für einen aberwitzigen Geisterseher“ (S.7) zu halten, aufgreift. Er verleiht damit nicht nur dem Ereignis, das er zu erzählen gedenkt, den Status des Phantastischen, sondern unterminiert gleichzeitig seine eigene Glaubwürdigkeit, dadurch dass er bereits vor Beginn seiner Erzählung und damit bevor sich Lothar eine eigene Meinung darüber bilden könnte, den Bezug zur Wirklichkeit in Frage stellt. Auch räumt Nathanael ein, dass es wie toll aus ihm heraus lache (S.7), wenn er nur an die Begebenheit denke und beschreibt sich selbst als „wahnsinnig[..]“ (S.8), wodurch sowohl bei dem Adressaten des Briefes als auch dem Leser Zweifel an seiner geistigen Verfassung aufkommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die kontroversen Interpretationsansätze zu Hoffmanns Werk und führt in die zentrale Fragestellung der Multiperspektivität als Ursache für die Nichtauflösbarkeit der Erzählung ein.

2. Die Phantastische Literatur: Dieses Kapitel definiert das Genre der phantastischen Literatur und beleuchtet das Einbrechen wunderbarer Elemente in eine als real empfundene Welt.

3. Erzählinstanzen im Sandmann: Das Hauptkapitel untersucht die verschiedenen Erzählinstanzen (Nathanael, Clara, der Erzähler) und ihre spezifischen Beiträge zur Verunsicherung des Lesers hinsichtlich der Grenze zwischen Fiktion und Realität.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Nichtauflösbarkeit des Textes eine gezielte Erzählstrategie ist, die den Leser dazu zwingt, sich mit der Ambivalenz der Ereignisse auseinanderzusetzen.

Schlüsselwörter

E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann, Phantastik, Erzählstrategie, Multiperspektivität, Fiktion, Wirklichkeit, Nathanael, Coppelius, Erzählinstanzen, Wahnsinn, Nichtauflösbarkeit, Literaturwissenschaft, Interpretation, Romantik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Erzählstruktur in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" und zeigt auf, wie der Autor durch einen komplexen Wechsel der Erzählperspektiven die Eindeutigkeit des Textes gezielt untergräbt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Phantastik als literarisches Motiv, die Erzählinstanzen Nathanael, Clara und der Erzähler sowie das Verhältnis von Wirklichkeit und Wahn.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu belegen, dass die Verständnisschwierigkeiten und die "Nichtauflösbarkeit" der Erzählung keine Mängel sind, sondern ein bewusster Effekt der gewählten Erzählstrategie.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Textanalyse und die Heranziehung literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Interpretation der Erzählhaltung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Phantastik und die detaillierte Untersuchung der drei Erzählinstanzen, inklusive der Analyse von Nathanaels Briefen, Claras rationalistischer Gegenposition und dem Erzählerexkurs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Multiperspektivität, Erzählstrategie, Fiktion, Realität, Wahnsinn, Phantastische Literatur und Ambivalenz.

Warum kann der Leser die Identität von Coppelius und Coppola nicht zweifelsfrei klären?

Da der Erzähler keine objektive Instanz darstellt und die Perspektiven ständig zwischen den Charakteren wechseln, ohne dass eine davon als "wahr" gekennzeichnet wird, bleibt die Klärung dieser Frage dem Leser selbst überlassen.

Welche Rolle spielt Claras Brief für die Interpretation des Lesers?

Claras Brief dient als rationalistisches Korrektiv zu Nathanaels Schilderungen und erzeugt beim Leser Zweifel an Nathanaels Glaubwürdigkeit, was die Unentscheidbarkeit des Textes verstärkt.

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Details

Titel
Erzählstrategie in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" und ihr Beitrag zur Unauflösbarkeit des Werks
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,0
Autor
Hannah Mohl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
22
Katalognummer
V442667
ISBN (eBook)
9783668806559
ISBN (Buch)
9783668806566
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Der Sandmann Hoffman Literatur Klassiker Dichter Wahn Wirklichkeit Realität Puppe Olympia Coppelius
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hannah Mohl (Autor:in), 2018, Erzählstrategie in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" und ihr Beitrag zur Unauflösbarkeit des Werks, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442667
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Leseprobe aus  22  Seiten
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