Privatisierung begegnet uns zurzeit immer wieder im Zusammenhang mit Griechenland, die Troika hat es zur Auflage gemacht, dass Griechenland ein Großteil seiner Staatsbetriebe veräußert. Aber auch in Deutschland sind wir damit immer wieder konfrontiert, bewusst oder unbewusst. Auch wenn die Steuereinnahmen sprudeln und zu Zeit fast Vollbeschäftigung herrscht, der neoliberale Wirtschaftsgedanke schwebt über uns, getragen von der EU, der WHO und der Weltbank. Lange Zeit ging es bei Privatisierung hauptsächlich um Beteiligungen an Unternehmen oder Staatsunternehmen, die in der Industrie anzusiedeln waren. Mittlerweile aber dringt die Privatisierungsdiskussion in den Bereich unserer Grundversorgung ein. Nahezu alles soll dem freien Markt geopfert werden, selbst vor hoheitlichen Aufgaben wird nicht mehr zurückgeschreckt. Dies ist mittlerweile auch vermehrt im schulischen Bereich wiederzufinden. Neben der immer größer werdenden Zahl von Privatschulen steigen die Sponsoringmaßnahmen von Unternehmen, in Form von Unterrichtsmaterialien und an die Schulen gesendeten Experten. Diese Hausarbeit soll sich mit der Geschichte und den Formen der Privatisierung auseinander setzen, um dann das Ausmaß aufzuzeigen, auf welchen Wegen und in welchem Maße die Wirtschaft schon im hoheitlichen Bereich ´Schule´ verankert ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Privatisierung
3. Geschichte der Privatisierung
4. Formen der Privatisierung
4.1. materielle
4.2. funktionale
4.3. formelle
4.4. weitere Formen
5. Motive für Privatisierungen
6. Argumente Privatisierung
6.1. Vorteile
6.2. Nachteile
7. PPP/ÖPP
7.1. Pro
7.2. Contra
7.3. Fazit
8. Privatisierung des Bildungssystems
9. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die verschiedenen Erscheinungsformen der Privatisierung, um aufzuzeigen, in welchem Maße wirtschaftliche Interessen bereits in hoheitliche Bereiche, insbesondere in das Bildungssystem, eingedrungen sind und welche Auswirkungen dies auf die schulische Neutralität hat.
- Historische Herleitung und Begriffsdefinition der Privatisierung
- Differenzierung der verschiedenen Formen wie materielle, funktionale und formelle Privatisierung
- Analyse der pro- und contra-Argumente sowie der Motive für Privatisierungsvorhaben
- Kritische Betrachtung von Öffentlich-Privaten Partnerschaften (ÖPP)
- Untersuchung des Einflusses von Unternehmen auf das Bildungssystem und schulische Unterrichtsmaterialien
Auszug aus dem Buch
8. Privatisierung des Bildungssystems
Auch im schulischen Bereich erhält der neoliberale Gedanke in Form von Privatisierungen, Deregulierung und Sponsoring einen immer größeren Einfluss – Bildung wird zur Ware.
So eröffnete in Deutschland zeitweilig jede zweite Woche eine Privatschule, mittlerweile ist jede 10.te Schule eine Schule in „freier“ Trägerschaft (was allerdings nicht 10% der SuS entspricht). Neben den „klassischen“ Privatschulen, also Schulen mit alternativen pädagogischen Konzepten (Waldorf, Montessori etc), werden diese vermehrt von großen Unternehmen oder wirtschaftsnahen Organisationen betrieben, die aber größtenteils als gemeinnützig gelten, somit keine Gewinnabsichten verfolgen, sondern die „Förderung wirtschaftlicher, religiöser oder politischer Ziele“ verfolgen. Eines haben diese Schulen schon jetzt gemeinsam: sie konkurrieren um Schüler, Lehrer – und staatliche Fördermittel.
Allerdings gibt es mittlerweile auch schon Anbieter, die den Bildungsmarkt als Geschäftsmodell ansehen und Gewinnabzielungsabsichten betreiben. Bei den Trägern bzw. Hauptgeldgebern handelt es sich öfters um große Unternehmen, so z.B. das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, so herrscht die Sorge, daß nach einer geplanten Grundgesetzänderung der Bundesregierung die Möglichkeiten für ÖPPs´ vereinfacht werden und die Bildung somit vermehrt in den ökonomischen Griff von Unternehmen gerät.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Privatisierungsdiskussion, die von der Industrie bis in die Grundversorgung und zunehmend in den schulischen Bereich reicht.
2. Der Begriff Privatisierung: Dieses Kapitel erläutert die etymologische Herkunft und die Schwierigkeit einer präzisen juristischen Definition, da es sich eher um einen Sammelbegriff handelt.
3. Geschichte der Privatisierung: Es wird der geschichtliche Bogen vom Liberalismus Adam Smiths über das Wirtschaftswunder bis zum modernen Neoliberalismus und dessen Einfluss auf Staatsbetriebe gespannt.
4. Formen der Privatisierung: Hier werden die verschiedenen methodischen Ausprägungen der Privatisierung, von der materiellen über die funktionale bis zur formellen Ebene, systematisch dargestellt.
5. Motive für Privatisierungen: Das Kapitel analysiert die treibenden Beweggründe für Privatisierungsvorhaben, insbesondere unter dem Aspekt der Haushaltskonsolidierung und der Effizienzsteigerung.
6. Argumente Privatisierung: Diese Sektion bietet eine Gegenüberstellung der Vorteile, wie Effizienzvorteile, und der Nachteile, wie Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen und der Verlust politischer Gestaltungsmacht.
7. PPP/ÖPP: Der Abschnitt widmet sich den öffentlich-privaten Partnerschaften als Kooperationsmodell und hinterfragt kritisch deren wirtschaftlichen Nutzen an Fallbeispielen wie der Elbphilharmonie.
8. Privatisierung des Bildungssystems: Hier wird der Einfluss von Unternehmen auf Schulen, das Sponsoring von Unterrichtsmaterialien und die Konsequenzen für die Bildungsneutralität diskutiert.
9. Fazit: Das Fazit fasst die kritische Haltung des Autors zusammen, der die zunehmende Kommerzialisierung von Bildung und die Abhängigkeit von Wirtschaftsinteressen als Gefahr für die freie Entfaltung von Schülern sieht.
Schlüsselwörter
Privatisierung, Neoliberalismus, Bildungssystem, ÖPP, Öffentlich-Private Partnerschaft, Sponsoring, Schulwerbung, Deregulierung, Effizienz, Staatsaufgaben, Wirtschaftsinteressen, Bildungsneutralität, Schule, Wettbewerb, Marktmechanismen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich mit dem Phänomen der Privatisierung auseinander, beleuchtet deren Geschichte und Formen und untersucht kritisch den Vormarsch privater Interessen im hoheitlichen Bereich der Schule.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Geschichte der Privatisierung, die verschiedenen Organisationsformen (materielle, formelle, funktionale Privatisierung), das Modell der öffentlich-privaten Partnerschaften (ÖPP) sowie die Kommerzialisierung des Bildungswesens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, auf welchen Wegen und in welchem Maße die Wirtschaft bereits in das Bildungssystem verankert ist und welche Folgen dies für die neutrale Bildungsinstanz „Schule“ hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse bestehender Fallbeispiele sowie Studien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung der Privatisierungsarten, die Diskussion der Vor- und Nachteile im wirtschaftspolitischen Kontext sowie eine vertiefte Analyse der Auswirkungen auf den Bildungssektor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Privatisierung, Neoliberalismus, Bildung, ÖPP, Sponsoring und Bildungsneutralität definieren.
Wie steht der Autor zur Privatisierung von Bildungseinrichtungen?
Der Autor äußert sich kritisch zur Privatisierung im Bildungsbereich und warnt vor einer Reduktion von Bildung auf reine Verwertbarkeit und Konsumorientierung, welche im Widerspruch zum Beutelsbacher Konsens steht.
Welche Rolle spielen ökonomische Akteure in diesem Dokument?
Ökonomische Akteure werden als maßgebliche Treiber der Privatisierung dargestellt, die durch Sponsoring, Bereitstellung von Lehrmaterialien und Einflussnahme auf Lehrpläne versuchen, Bildung an ihre wirtschaftlichen Verwertungsinteressen anzupassen.
- Quote paper
- Lutz Bernardy (Author), 2018, Privatisierungen in der heutigen Zeit. Geschichte, Formen und die Auswirkungen auf das Schulsystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442709