Digitale Medien. Chance oder Hemmung. Auswirkungen auf das schulische Lernen


Essay, 2017
7 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Aus unserem Alltag sind digitale Medien nicht mehr wegzudenken - und erst recht nicht aus dem Alltag unserer Schülerinnen, der sogenannten Digital Native - Generati­on. Viele Dinge haben sich in den letzten gut 20 Jahren, also seit dem Entstehen des Internets, scheinbar vereinfacht. Für fast alle Lebenssituationen Stehen per Smartphone, PC oder Tablet Apps oder Suchmaschinen zu Verfügung, alle sind (theoretisch) jeder­zeit erreichbar, es entstanden neue soziale Strukturen, Informationen sind jederzeit und überall verfügbar. So gesehen bieten sie eine große Palette an Möglichkeiten für Korn- munikation, Information und Partizipation.

Dementgegen Stehen die Risiken wie Z.B. Internet-, Smartphone- und Computerspiel­sucht oder Cybermobbing. Weiterhin kann sich aufgrund der ungleichen Zugangsmög­lichkeiten und Nutzungsweisen die gesellschaftliche Ungleichheit weiter verändern bzw. vergrößern. So ist die Nutzungsweise stark abhängig vom kulturellen und sozialen Hintergrund. Weiterhin dient das Smartphone schon bei Kindern, aber vor allem bei und Jugendlichen als Statussymbol, somit wird schon frühzeitig Neid und Missgunst genährt.

Obwohl für die Digital Natives' Mediennutzung als selbstverständlich gilt, da sie damit aufgewachsen sind, hat diese Generation meiner Ansicht nach im Bereich Medienkom­petenz einiges an Nachholbedarf. Vollkommen unreflektiert wird alles Mögliche geteilt, gelikt und gepostet, ohne sich über mögliche Konsequenzen im Klaren zu sein bzw. diese bewusst zu ignorieren. Ein entscheidender Punkt, auf den Lehrkräfte in Zukunft ein sehr großes Augenmerk legen müssen, also Hilfestellung dabei zu geben die Chan­cen digitaler Medien zu nutzen, anderseits den Risiken digitaler Medien adäquat begeg­nen zu können.

Ein weiterer Aspekt in der Betrachtung wird die Auswirkung der Nutzung digitaler Me­dien auf die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung, sowie die Lernleistung sein. Durch die indirekte Kommunikation kann es zum Verlust von Emphatiefähigkeit kommen, weil Mimik und Gestik nicht mehr wahrgenommen wird.

Als problematisch sehe ich weiterhin die steigende Sensationslust an. Dadurch, dass alles per Kamera aufgenommen wird, im Netz landet und für alle ersichtlich ist, steigt bei vielen das Verlangen immer härtere und gewalttätigere Videos oder Inhalte zu be­trachten, denn der reale Aspekt wird aufgrund der fehlenden direkten Konfrontation ausgeblendet, unbewusst aber auf reale Situationen übertragen. So entsteht ein Werte- und Normenverlust.

Grundsätzlich müssen sich Lehrkräfte zumindest ansatzweise der veränderten Gegeben­heiten anpassen, man muss der Alltagsrealität der Schülerinnen entgegenkommen und die Möglichkeiten erkennen, die Fokussierung auf digitale Medien für sich zu nutzen. Allerdings kommt es hier, wie in so vielen anderen Bereichen, auf die Dosis an. Dafür stehen Lehrkräften heutzutage bestimmt einige interessante Möglichkeiten zur Verfü­gung, allerdings müssen hier bezüglich der Ausstattung an den Schulen und der Fortbil­dung der Lehrkräfte erstmal die Voraussetzungen geschaffen werden. Man darf dies allerdings nicht als Allheilmittel ansehen, elementares Lernen sollte für mich noch im­mer handlungsorientiert stattfinden. Es sollte immer die Grundlage geschaffen werden, wie ich auch ohne Hilfsmittel Aufgaben zu bewältigen habe, denn man lernt aus der praktischen Erfahrung und nicht aus theoretischen Gegebenheiten.

Somit stellt sich die Frage, inwiefern digitalen Medien im schulischen und außerschuli- sehen Bereich für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen eine Chance darstel­len oder diese eher behindern.

Die Kommunikation verschiebt sich immer weiter in die digitale Welt. Laptop, Smart­phone, Intemetzugang usw. gehören mittlerweile zu der Grundausstattung eines Haus­haltes, über 95% aller Kinder und Jugendlichen haben Zugang zu diesen Dingen und knapp 90% nutzen sie auch täglich (JIM-Studie, 2016).

Aber auch spiegelt sich die gesellschaftliche Spaltung darin wieder. Denn sowohl die Ausstattung, sowie die Nutzung ist stark abhängig vom kulturellen und sozialen Hinter­grund und dem Bildungsniveau. So hat ein gutes Smartphone mittlerweile andere Dinge als Statussymbol abgelöst. Wie immer geht es nicht darum, einen praktischen Nutzen daraus zu ziehen, sondern sich (gleichaltrigen gegenüber) zu positionieren und hervor­zuheben. Wie oft habe ich die Frage über die Anzahl der zu Hause vorhandenen Geräte vernommen, so wird definitiv zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen. Auch die Aus­stattung unterscheidet sich, so besitzen Z.B. Gymnasiasten eher einen eigenen PC, wäh­rend Hauptschüler eher eine Spielkonsole ihr Eigen nennen.

Aber ein noch entscheidender Aspekt ist das unterschiedliche Nutzungsverhalten zwi- sehen verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. Undifferenziert lässt sich erstmal sagen: je höher das Bildungsniveau, desto höher die Medienkompetenz bzw. bewusster das Nutzungsverhalten.

So ist erwiesen, dass sich Jugendliche mit einem geringeren sozialen und formalen Bil­dungshintergrund eher unterhaltungsbezogenen Nutzungen von Computer und Internet zuwenden, informationsbezogene Nutzungen dagegen eher bei formal höher gebildeten Jugendlichen vorkommt (Schaumburg, 2015, S.19).

Dies basiert meines Erachtens nach darauf, dass Eltern mit einem formal höheren Bil­dungsstand eher über ein Wissen bezüglich Medien und Internet verfügen und es somit auch frühzeitig an ihre Kinder weitergeben, denn der Zugang zu Informationen und die Nutzung von Medien mit einem gewissen Maß an Kompetenz gelingt nur dann, wenn auch Wissen vorhanden ist.

Vermutlich ist davon auszugehen, dass sich die weniger intensive und kritische Nutzung von Informationsangeboten digitaler Medien in einer Art Kreislauf langfristig negativ auf die Bildung-, Zukunfts- und Teilhabechance auswirkt.

Grundsätzlich ist die 'Medienkompetenz' bei vielen Kindern und Jugendlichen nicht wirklich ausgeprägt. Sehr unreflektiert und unkritisch werden persönliche Dinge gepos- tet, veröffentlicht und geteilt, ohne sich über mögliche Konsequenzen groß nachzuden­ken. Ich vermute, dass bei vielen das Wissen durchaus ansatzweise vorhanden ist, im Alltag aber eher die Bequemlichkeit siegt, denn reflektiertes Handeln kostet Zeit, wel­che im schnelllebigen Netzwerk öfter nicht vorhanden ist.

Ein großes Problemfeld in Bezug auf die Nutzung digitaler Medien stellen meines Er­achtens physische und psychische Auswirkungen dar, zumindest beim übermäßigen Konsum. Hier ist die Suchtgefahr zu nennen, die sich vor allem auf Gamer' bezieht, also Jugendliche, die stundenlang vorm PC sitzen und am Spielen sind. Aber auch das Surfen, Anschauen von Videos, Chatten und die Nutzung von sozialen Plattformen birgt Suchtpotential. Damit einhergehend kann es an körperlichen Symptomen zu überge­wicht (Bewegungsmangel), Schlafmangel, Bluthochdruck und Sehstörungen kommen, als psychische Erscheinungen seien hier Ängste, Depressionen, Stress, Aufmerksam­keitsstörungen und Stress genannt, weiterhin verbunden mit gesteigerter Aggressivität (vgl. Spitzer, 2016, S.8).

Weiterhin wird angenommen, dass digitale Medien mit ihren kurzen Aufmerksam­keitsspanne die Ausbildung von Exekutivfunktionen bei Kindern und Jugendlichen hemmen (Braus, 2014, S.4).

Ich vermute, dass die Verlagerung der Kommunikation von ״face to face“ hin in soziale Netzwerke langfristig gravierende Folgen für unser soziales Miteinander haben wird. Immer wieder ist es zu beobachten, dass sich Jugendliche, obwohl sie nebeneinander sitzen, per Kurznachrichten unterhalten. Aber schriftlich hat man niemals die Möglich­keit, weitere wichtige Aspekte der Kommunikation wahrzunehmen und zu beurteilen: die Mimik und die Gestik. Diese zwei Merkmale spielen eine wichtige Rolle in der Be­urteilung sozialer Interaktion. So zeigten Versuche mit Kindern, dass diese, die eine Woche keinerlei Kontakt zu digitalen Medien hatten und sich hauptsächlich in der Natur aufhielten, eine signifikant bessere Beurteilungsgabe bezügliche mimischen Stirn- mungsdarstellungen hatten, sie sich also besser in ihr Gegenüber hineinversetzen konn­ten (vgl. WIWO, 27.8.2014). Damit die Annahme, dass digitale Medien die Empathie­fähigkeit eines Menschen herabsetzen kann, gefestigt.

Inwiefern digitale Medien das Lernen beeinflussen und eher eine fördernde anstatt hemmende Rolle spielen ist von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig.

Erstmal müssten die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen werden. Es mangelt an PCs, Laptop und manchmal auch an einer vernünftigen LAN Anbindung. Zusätzlich sind viele Lehrerinnen den herrschenden Ansprüchen nicht gewachsen, hier wäre eine Welle an Fortbildungen nötig, um viele Lehrerinnen überhaupt erstmal in die Lage zu versetzen, den Schülerinnen in den grundlegenden Umgangsweisen auf Augenhöhe oder darüber hinaus begegnen zu können, von den notwendigen Fortbildungen bezogen auf spezielle E - Leamingprogramme usw. ganz zu schweigen. Da es Unmengen an Geld kosten würde, diese Ansprüche umzusetzen, muss erstmal der Nachweis positiver Wirkungen digitaler Medien erbracht werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Digitale Medien. Chance oder Hemmung. Auswirkungen auf das schulische Lernen
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
7
Katalognummer
V442720
ISBN (eBook)
9783668807457
Sprache
Deutsch
Schlagworte
digitale, medien, chance, hemmung, auswirkungen, lernen
Arbeit zitieren
Lutz Bernardy (Autor), 2017, Digitale Medien. Chance oder Hemmung. Auswirkungen auf das schulische Lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442720

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