Quellenanalyse Arrian, Anabasis 7, 14. Die Darstellung Alexanders des Großen durch Arrian


Hausarbeit, 2018

6 Seiten, Note: 1,7


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Inhalt

Hintergrund der Quelle

Wie wird Alexander dargestellt?

Welche Bedeutung hat die kultische Verehrung des Hephaistion?

Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis
Quellen
Literatur

Hintergrund der Quelle

Die Anabasis von L. Flavius Arrianus von Nikomedien behandelt in griechischer Sprache den Feldzug Alexanders des Großen. Arrian bezieht seine Informationen hierbei seiner eigenen Aussage zu Folge aus den Werken des Aristobulos – des Philosophen, der der offizielle Historiker des Feldzuges war – und des Ptolemaios, der später Ptolemaios I. von Ägypten wurde. Der Autor selbst gibt an, die Ausführungen von Aristobulos und Ptolemaios, wenn beide übereinstimmten, als Wahrheit anerkannt zu haben, während er die Erzählungen anderer Autoren als „tales about Alexander“[1] ebenfalls wiedergibt, sofern er sie als nennenswert und glaubhaft erachtet.

Arrian selbst wurde 85-90 n. Chr. in eine wohlhabende Familie hineingeboren, die Teil des römischen Ritterstandes war. Er bekleidete ein Priesteramt in Nikomedien und studierte unter Epiktetos. Später wurde er in den Senat erhoben und wurde Prokonsul von Baetica und legatus pro praetore von Kappadokien.

Die Textstelle aus der Anabasis 7, 14 beschäftigt sich mit dem Tod des Hephaistion. Arrian umreißt zunächst die Umstände dieses Todes und gibt danach verschiedene Erzählungen über Alexanders Trauer wieder.

Wie wird Alexander dargestellt?

Arrian nennt mehrere Varianten dessen, was Alexander in seiner Trauer getan haben soll. Er trifft auch Annahmen hinsichtlich der Sichtweisen der Historiker, die er zitiert. So sagt er, dass viele Historiker diese Taten entweder alle zugunsten Alexanders auslegen, oder ihm zur Last legen[2], womit er sich selbst von diesen distanziert.

Auf den ersten Blick wirken zwei der Erzählungen wie negative Aussagen über Alexander. Bei genauer Betrachtung lässt sich allerdings feststellen, dass Arrian beide teilweise oder vollständig entkräftet.

Die mutmaßliche Exekution des Doktors Glaucias[3] ist die erste tendenziell negative Erzählung. Hier nennt Arrian allerdings auch zwei mögliche Gründe, warum Alexander dies befohlen haben könnte, und beide setzen ein Fehlverhalten des Doktors voraus. Plutarch nennt die Exekution des Doktors ebenfalls, aber in seiner Beschreibung wirkt Hephaistion selbst verantwortlich für seinen Tod, indem er sich nicht an die Verordnungen des Doktors hält, während Glaucias kein Fehler zugeschrieben wird.[4] Durch Arrians Beschreibung hingegen wirkt die Exekution gerechtfertigt.

Die zweite der Tendenz nach negative Erzählung, ist die Behauptung, Alexander habe den Tempel des Asklepios in Ekbatana niederreißen lassen[5]. Diese Behauptung wird von Arrian stark zurückgewiesen; er beschreibt die Tat als " barbaric, and not at all characteristic of Alexander[6] “. Er führt aus, dass eine solche Tat eher Xerxes zugeschrieben werden könnte als Alexander. Direkt nach seinem Kommentar zur angeblichen Zerstörung des Asklepiostempels berichtet er von einer – für ihn sehr wahrscheinlichen – Erzählung, in der Alexander dem Asklepiosheiligtum in Epidaurus Opfergaben für den Gott zukommen lässt[7]. Es ist naheliegend, anzunehmen, dass Arrian diese Reihenfolge der Erzählungen nicht zufällig gewählt hat: Die Auswirkung dieses Aufbaus ist, dass nach seiner Verwerfung der Idee, Alexander könnte gegen die Götter gehandelt haben, direkt berichtet wird, Alexander sei in dieser Situation gottesfürchtig gewesen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Leser, die erste der beiden Geschichten verwerfen – wie auch Arrian es tut – und die zweite anzunehmen, was Alexander positiv darstellt.

Diese beiden Erzählungen sind die einzigen eher negativen in Arrians Bericht. Plutarch hingegen berichtet, dass Alexander als „Opfer für den Schatten des Hephaistion“[8] die Nation der Kossaier jagte und auslöschte8. Eine solche Tat ist allerdings in Arrians Beschreibung nicht zu finden.

Welche Bedeutung hat die kultische Verehrung des Hephaistion?

Arrian beschreibt, dass die meisten Behörden[9] einen Befehl Alexanders dokumentierten, der besagte, dass Hephaistion für alle Zeit ein Opfer dargebracht werden solle, das einem Heros[10] gebühre.[11] Über diese Anordnung berichtet auch Plutarch, wobei in seiner Schilderung das Orakel des Ammon Alexander die Idee unterbreitet.[12] Diodor hingegen erzählt, Alexander habe Hephaistion mit der Zustimmung des Orakels zu einem Mitgott erklärt[13]. Da Hephaistion hier zu einem Gott erklärt wird, anstatt eines Helden, steht diese Schilderung im Gegensatz zu den Erzählungen von Arrian und Plutarch.

Heroenverehrung war im hellenistischen Kulturkreis nicht ungewöhnlich. Dabei sind die ersten archäologischen Belege auf das 8. Jahrhundert vor Christus datierbar. Hierbei handelte es sich anscheinend aber vornehmlich um mythische Helden, wie sie in den homerischen Epen zu finden sind. Die Verehrung Verstorbener als Heroen ist ab dem 5. Jahrhundert vor Christus belegt.

Heroen wurden meist lokal an ihren Gräbern oder Gedenkstätten verehrt. Dies war zwar nicht immer der Fall, aber wenn ein panhellenistischer Kult bestand, wurde der Held dadurch oft den Göttern angenähert (wie beispielsweise Herakles). Die Griechen und Römer nahmen an, dass Heroen – als unter der Erde, auf den Inseln der Seligen, Lebende – Segen und Strafen senden konnten. Da sie ehemalige Sterbliche waren, wurden sie oft auch als näher für den Einzelnen betrachtet, als die Götter es waren. Eine Besonderheit des Heroenkultes war, dass neben den Opfern oft auch Totenrituale, wie Wehklagen und Weinen, ihren Einzug in den Kult fanden.

Oft waren Heroengräber und -kulte auch mit dem Heiligtum einer olympischen Gottheit verbunden.[14] Das könnte einer der Gründe sein, warum Diodor beschreibt, Alexander habe Hephaistion zu einem Mitgott ernannt[15] – im Gegensatz zum ansonsten beschriebenen Heroenkult. Eine andere Möglichkeit für diesen Unterschied zwischen den Erzählungen könnte sein, dass die Römer zwar den Brauch der Heldenverehrung übernahmen, aber keinen Unterschied zwischen Heros [16] und Theos [17] machten, sondern beide als dei [18] verehrten.

Der wahrscheinlich größte Unterschied, der auch zugleich am besten überprüfbar ist, zwischen der Verehrung als Gott oder Heros ist der der Heiligtümer. Götter wurden meist panhellenistisch – also in der gesamten hellenistischen Welt – angebetet. Selbst niedere oder lokale Gottheiten hatten oft mehrere Heiligtümer, während Heroen normalerweise nur an ihren Gräbern verehrt wurden. Um herauszufinden, ob Hephaistion zum Gott erklärt wurde, oder nur an seinem Grab die Opfergaben für einen Helden dargebracht wurden, wäre also zu prüfen, ob es Belege für Heiligtümer oder kultische Statuen neben seinem Grab in Babylon gibt. Ein Beleg für die Verehrung Hephaistions außerhalb Babylons wäre ein starkes Indiz dafür, dass es sich tatsächlich um einen Götterkult handelte, anstatt eines Heldenkultes, wie Arrian ihn beschreibt.

Eine Heldenverehrung des Hephaistion, hätte dies wahrscheinlich nur einen geringen Einfluss auf den Großteil des Makedonischen Reiches gehabt. Babylonier hätten ihm an seinem Grab die entsprechenden Opfer gebracht, und sich ihm möglicherweise in Zeiten der Not zugewandt, aber diese Bedeutung wäre vermutlich begrenzt gewesen auf die Region um Babylon.

Weitergehend könnte geforscht werden, inwiefern eine Verehrung Hephaistions durch die Dynastie der Ptolemäer aufgegriffen wurde, die Alexander selbst zum Gott erklärten.[19]

Fazit

Bezüglich der Darstellung Alexanders lässt sich – unter anderem auf Grund der Auswahl der Geschichten, des Aufbaus der Erzählung und der Kommentare im gewählten Textausschnitt, die einen positiven Eindruck von Alexander begünstigen – vermuten, dass Arrian Alexander wohl-gesonnen ist.

Leider ist es im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich, festzustellen, ob Hephaistion als Heros oder Gott verehrt wurde. Aufgrund der häufigen Erwähnung durch die wichtigen Historiker für den Feldzug Alexanders scheint es plausibel, dass eine kultische Verehrung des Hephaistion durch Alexander befohlen wurde. Beide Alternativen finden allerdings kaum Erwähnung in der untersuchten Literatur, des Weiteren finden sich keinerlei historische Quellen, die Hephaistion kultische Verehrung außerhalb des Feldzuges Alexanders erwähnen, somit ist anzunehmen, dass der Kult um Hephaistion keinen großen Einfluss auf die hellenistische Kultur und Geschichte hatte. Der Tod Alexanders ein halbes Jahr später und der folgende Zerfall seines Reiches könnten hierin eine Rolle gespielt haben.

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

Arrian: Arrian with an English transation, Bd. 1-2, E. Iliff Robson, Cambridge B.D., Massachusetts 1966

Plutarch: Plutarch's Lives. with an English Translation, Bernadotte Perrin. Cambridge, MA. Harvard University Press. London. William Heinemann Ltd. 1919. 7.

Diodor: Diodoros, Griechische Weltgeschichte Buch XVII, Peter Wirth (hsg.), Stuttgart 2009

Literatur

Arrian:

Badian, Ernst (Cambridge, MA) and Heucke, Clemens (München), “Arrianos”, in: Der Neue Pauly, Herausgegeben von: Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Antike), Manfred Landfester (Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte). Consulted online on 23 February 2018 <http://dx.doi.org.0070abr606d1.emedien3.sub.uni-hamburg.de/10.1163/1574-9347_dnp_e200670> First published online: 2006

Heroenkult:

Graf, Fritz (Princeton), “Heroenkult”, in: Der Neue Pauly, Herausgegeben von: Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Antike), Manfred Landfester (Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte). Consulted online on 27 February 2018 <http://dx.doi.org.0070abr605dc.emedien3.sub.uni-hamburg.de/10.1163/1574-9347_dnp_e511460> First published online: 2006

Alexanderkult:

Ameling, Walter (Jena), Mehl, Andreas (Halle/Saale), Zahrnt, Michael (Kiel), Günther, Linda-Marie (München), Schottky, Martin (Pretzfeld), Matthaios, Stephanos (Köln), Folkerts, Menso (München), Harmon, Roger (Basel), Hübner, Wolfgang (Münster), Holzhausen, Jens (Berlin) et al., “Ptolemaios”, in: Der Neue Pauly, Herausgegeben von: Hubert Cancik,, Helmuth Schneider (Antike), Manfred Landfester (Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte). Consulted online on 27 February 2018 <http://dx.doi.org.0070abs7105b.emedien3.sub.uni-hamburg.de/10.1163/1574-9347_dnp_e1012900>

First published online: 2006

[1] „Erzählungen über Alexander“ – eigene Übersetzung aus dem Englischen.

[2] Arr. an. 7, 14, 3.

[3] Arr. an. 7, 14, 4.

[4] Plut. Alex. 72, 1.

[5] Arr. an. 7, 14, 5.

[6] „Barbarisch, und absolut uncharakteristisch für Alexander“ – eigene Übersetzung aus dem Englischen.

[7] Arr. an. 7, 14, 6.

[8] „offering to the shade of hephaestion” – eigene Übersetzung aus dem Englischen, Plut. Alex. 72, 3.

[9] „authorities“, eigene Übersetzung aus dem Englischen

[10] Griechisch: Held; Im Folgenden werden die Begriffe „Held“ und „Heros“ synonym verwendet.

[11] Arr. an 7, 14, 7.

[12] Plut. Alex. 72, 2.

[13] Diod. 17, 115.

[14] DNP – Heroenkult.

[15] Ebd. Seine 3, Fußnote 13

[16] Ebd: Seite 3, Fußnote 10.

[17] Griechisch: Gott.

[18] Lateinisch: Gott.

[19] DNP – Ptolemaios I.

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Quellenanalyse Arrian, Anabasis 7, 14. Die Darstellung Alexanders des Großen durch Arrian
Hochschule
Universität Hamburg  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Einführung I AG: Alexander der Große
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
6
Katalognummer
V442791
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alexander, Alexander der Große, Arrian, Arrian 7
Arbeit zitieren
Gidon Hausmann (Autor), 2018, Quellenanalyse Arrian, Anabasis 7, 14. Die Darstellung Alexanders des Großen durch Arrian, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442791

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