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Die Krankenakten der "Reichsauschusskinder" der "Kinderfachabteilung" Wiesengrund im Vergleich

Zwischen Entmenschlichung und Individualitätsraub

Title: Die Krankenakten der "Reichsauschusskinder" der "Kinderfachabteilung" Wiesengrund im Vergleich

Term Paper , 2018 , 25 Pages

Autor:in: Anonym (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Nachdem in den 1980er Jahren die NS-Vergangenheit der Berliner Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in der Festschrift zum 100-Jährigen Bestehen nahezu ausgeklammert wurde, erforschte eine Arbeitsgruppe im Kontext des wachsenden öffentlichen Interesses an den medizinischen Verbrechen der NS-Zeit, die Geschichte der Klinik. Am Ort des Geschehens entstand unter wissenschaftlicher Beratung von Götz Aly, 1988 die Ausstellung totgeschwiegen, 1933-1945. Zur Geschichte der Wittenauer Heilstätten. An die Wittenauer Heilstätten, erst nach dem Krieg im Jahre 1957 wurde sie in „Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik“ umbenannt, war bis Anfang der 1940er Jahre die „Städtische Nervenklinik für Kinder“ organisatorisch angebunden. Im Zuge der Verselbständigung der Klinik zog sie in die ehemaligen Gebäude der zu den Heilstätten gehörenden „Nervenklinik Wiesengrund für Männer“ am Eichborndamm, das seinen Namen aufgrund geologischer Bedingungen trug. Die Bezeichnung „Wiesengrund“ blieb über folgende Namensänderungen hinweg bestehen. Im Jahr 1942 wurde dort eine sogenannte „Kinderfachabteilung“ eingerichtet. In Gedenken an die medizinischen Verbrechen im Nationalsozialismus in der städtischen Nervenklinik für Kinder und um auf das Stillschweigen über sie aufmerksam zu machen, beteiligte sich der Bezirk Reinickendorf im Rahmen des Themenjahres 2013 „Zerstörte Vielfalt“ mit einem Gedenkort am Eichborndamm 238/240 und der Ausstellung Auf freundlichen Zuspruch lächelt das Kind – Die medizinischen Verbrechen der Städtischen Nervenklinik für Kinder 1941-1945. Ausgangspunkt der Ausstellung im Heimatmuseum waren die Kinder der Station 3, die vom „Reichsausschuß zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“ als „lebensunwert“ und somit zum Tode verurteilt wurden. Auf der Station, die den bereits eingeführten Decknamen „Kinderfachabteilung“ trug, wurde an diesen Kindern schmerzhafte Untersuchungen und Experimente durchgeführt. Anschließend wurden sie meist mit einer Überdosis Medikamenten getötet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Kinder-„Euthanasie“

Ideologische Grundlagen

Die Umsetzung der Kinder-„Euthanasie“

Die Wittenauer Heilstätten

Die Jahre 1933 bis 1945

Zu den Akteur_innen und der Organisation der „KiFA“ Wiesengrund

Die „Reichsausschusskinder“ Wiesengrund

DIE KRANKENAKTEN

DIE FÄLLE

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht anhand der Krankenakten von vier ausgewählten Kindern die Mechanismen der nationalsozialistischen „Kinder-Euthanasie“ in der „Kinderfachabteilung“ (KiFA) Wiesengrund. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine systematische Entmenschlichung, pseudowissenschaftliche Begründungen und die Aberkennung von Individualität der Weg zur Tötung legitimiert wurde.

  • Ideologische und historische Kontextualisierung der „Kinder-Euthanasie“.
  • Organisation und Akteure der „KiFA“ Wiesengrund während des Nationalsozialismus.
  • Exemplarische Analyse von vier Krankenakten hinsichtlich familiärer Hintergründe, Befunde und Behandlung.
  • Reflexion über die Krankenakte als ideologisch geprägte „Täterakte“.
  • Vergleich der Schicksale zur Offenlegung systematischer Tötungspraktiken.

Auszug aus dem Buch

Die „Reichsausschusskinder“ Wiesengrund

Im Folgenden werden die Krankenakten der Kinder hinsichtlich der Gesichtspunkte familiärer Hintergrund, Befund, allgemeine Pflegeberichte und Behandlung verglichen. Hierzu muss jedoch zunächst herausgearbeitet werden, was Krankenakten als Quellen leisten können und auf welche Punkte in der folgenden Arbeit mit ihnen Rücksicht genommen werden muss.

Die Krankenakten

Auf einer Tagung der Reihe „Die Wahrnehmung psychischen Krankseins in den Krankenakten der Berliner Charité, 1880-1900“ am Institut für Geschichte der Medizin an der Berliner Charité, stand die psychiatrische Krankenakte als wissenschaftliche Quelle im Zentrum. Den Teilnehmer_innen zu Folge, können Krankenakten Auskunft über die Arbeitsorganisation, Datenerhebung, Aufzeichnungspraxis sowie Theorieverarbeitung und -aneignung geben. Durch die Binnenerzählung der Kranken und der Rahmenerzählung der Ärzt_innen, entstehe eine doppelte Erzählstruktur. Die Sicht der Ärzt_innen auf den/die Patient_in sei stets stärker ausgeprägt, während die des/der Patien_in nur in seltenen Fällen deutlich wird. Auch Andrea Dörries weist darauf hin, dass die Perspektiven der Kranken meist fehlen und auch alltägliche, selbstverständliche Begebenheiten in den Akten selten aufgeführt sind.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die späte Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik und führt in die Problematik der medizinischen Verbrechen in der „Kinderfachabteilung“ Wiesengrund ein.

Die Kinder-„Euthanasie“: Dieses Kapitel erläutert die ideologischen Grundlagen der Rassenhygiene sowie die bürokratische Umsetzung der „Kinder-Euthanasie“ durch den „Reichsausschuss“.

Die Wittenauer Heilstätten: Es wird die historische Entwicklung der Anstalt unter besonderer Berücksichtigung der personellen und strukturellen Veränderungen zwischen 1933 und 1945 dargestellt.

Die „Reichsausschusskinder“ Wiesengrund: Im Hauptteil werden die Krankenakten der vier Kinder analysiert, mit dem Ziel, die Systematik der Behandlung und die gezielte Entmenschlichung der Opfer aufzuzeigen.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Kinder-Euthanasie, KiFA Wiesengrund, Krankenakten, Rassenhygiene, Patientenmorde, Reichsausschusskinder, Medizinverbrechen, Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, Täterakten, Eugenik, Liquordiagnostik, Geschichte der Psychiatrie, Biopolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die „Kinder-Euthanasie“ während des Nationalsozialismus am Beispiel der „Kinderfachabteilung“ Wiesengrund und untersucht kritisch die dort geführten Krankenakten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Verstrickung medizinischer Institutionen in die NS-Ideologie, die Rolle der Akteure und die methodische Dekonstruktion historischer Krankenakten als Täterzeugnisse.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, durch den Vergleich von vier individuellen Krankheitsgeschichten die systematische Entmenschlichung und Tötung behinderter Kinder im Wiesengrund nachzuweisen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse von Primärquellen (Krankenakten) sowie eine Einordnung in den historischen und ideologischen Kontext mittels Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit dem Aufbau und der Aussagekraft von Krankenakten sowie dem detaillierten Vergleich von vier Fallbeispielen unter Berücksichtigung von Hintergrund, Befund und Behandlung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere die „KiFA“, „Reichsausschusskinder“, Rassenhygiene, medizinische Forschung als Tötungsmotiv und die ideologische Durchtränkung psychiatrischer Dokumentation.

Wie wurde die „Kinderfachabteilung“ im Wiesengrund ideologisch legitimiert?

Die Abteilung nutzte den Deckmantel der modernen medizinischen Forschung und Therapie, um die Tötung der Kinder unter dem Vorwand der „lebensunwerten Existenz“ zu tarnen.

Welche Rolle spielten die Krankenakten bei der Vertuschung der Verbrechen?

Die Akten wurden gezielt so geführt, dass Todesfälle als natürliche Ursachen (z. B. Infektionen) erschienen und die Tötung als „Behandlung“ oder medizinisch notwendige Maßnahme legitimiert wurde.

Warum wird die „KiFA“ Wiesengrund als Sonderfall betrachtet?

Sie wird als „KiFA“ besonders hervorgehoben, da sie dem „Reichsausschuss“ unterstellt war und als spezifisches Labor für Tötungsmethoden und klinische Experimente fungierte.

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Details

Title
Die Krankenakten der "Reichsauschusskinder" der "Kinderfachabteilung" Wiesengrund im Vergleich
Subtitle
Zwischen Entmenschlichung und Individualitätsraub
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2018
Pages
25
Catalog Number
V442798
ISBN (eBook)
9783668810334
ISBN (Book)
9783668810341
Language
German
Tags
Nationalsozialismus Hitler Drittes Reich Reichsausschusskinder Kinderfachabteilung Wiesengrund Nazi Euthanasie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2018, Die Krankenakten der "Reichsauschusskinder" der "Kinderfachabteilung" Wiesengrund im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442798
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