Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Ethik Albert Schweitzers und Peter Singers in Bezug auf die Problematik des Schwangerschaftsabbruches?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
26 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Albert Schweitzer
2.1 Biografie
2.2 Theologische Position
2.3 Schweitzers Verständnis zur „Heiligkeit des Lebens“

3. Peter Singer
3.1 Biografie
3.2 Ethische Position
3.3 Singers Verständnis zur „Heiligkeit des Lebens“

4. Diskussion
4.1 Der Schwangerschaftsabbruch
4.2 Konsequenz beider Positionen in Bezug auf Schwangerschaftsabbruch
4.3 Konsequenzen aus der Ethik Albert Schweitzers
4.3.1 Konsequenzen aus der Ethik Peter Singers
4.4 Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich die Konsequenzen, die sich aus der Ethik Albert Schweitzers und Peter Singers in Bezug auf die Problematik des Schwangerschaftsabbruches ergeben untersu­chen. Nach einer Auseinandersetzung mit der Biografie von A. Schweitzer und P. Singer versuche ich anschließend die Grund­züge ihrer jeweiligen Theologie bzw. Ethik herauszuarbeiten. Da sich im Diskurs über die Problematik des Schwangerschaftsab­bruchs immer wieder die Frage nach der „Heiligkeit des Lebens“ stellt, werde ich dazu die jeweiligen Auffassungen untersuchen. Nach einer kurzen Darlegung der ethischen und rechtlichen Prob­lematik des Schwangerschaftsabbruchs, werde ich die Konsequen­zen beider Positionen in Bezug auf den Schwanger­schaftsabbruch erörtern. Hierbei ist anzumerken, dass sich Schweitzers Haltung bezüglich der Problematik des Schwanger­schaftsabbruchs nur ab­leiten lässt, da er sich meines Wissens nie in schriftlicher Form dazu geäußert hat. Dennoch werde ich versu­chen auf der Grund­lage der von Schweitzer dargelegten Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ zu Schlüssen zu kommen. Im Fazit stelle ich die unter­schiedlichen Herangehensweisen von Schweitzer und Singer zur ethischen Urteilsfindung gegenüber. Abschließend überprüfe ich für mich die Konsequenzen beider Ethiken hinsichtlich des Schwan­gerschaftsabbruchs auf ihre Plau­sibilität.

2. Albert Schweitzer

2.1 Biografie

Ludwig Philipp Albert Schweitzer wurde am 14. Januar 1875 in Kaysersberg (Oberelsass) geboren. Er wächst in einem liberalen protestantischen Pfarrershaus auf, sein Vater, Ludwig Schweitzer (1846-1925), zieht mit seiner Frau Adele geb. Schillinger (1841-1916) kurz nach Alberts Geburt nach Günsbach, wo er seine Kind­heit verlebt. Er wächst als das zweite von fünf Geschwistern auf. Schweitzer selbst beschreibt seine Kindheit als glücklich. Biografen hegen daran Zweifel und nennen Hinweise (z.B. spätere psy­chiatri­sche Behandlung), die auf eine durch Ängste tiefe innere Zerris­senheit deuten und das in Schweitzers Autobiografien ge­zeichnete Bild in Frage stellen.[1] Schweitzer schildert in seiner Auto­biografie viele Erfahrungen aus seiner Kindheit, die für seine spätere mysti­sche Weltsicht prägend gewesen sein könnten.

Unter anderem betont Schweitzer den für ihn wichtigen Bezug zur Natur. Dieses Erbe ist auch auf die hohe Wertschätzung seiner Mutter für die Natur zurückzuführen. Seine Mutter habe ihm immer den Ratschlag gegeben sich in trüben Zeiten in die Natur zu bege­ben, um dort Ruhe und Sammlung zu erfahren.[2]

Obwohl er aus einem protestantischen Pfarrhaus stammte, liebte er die sinnlich meditativen Momente, denen er bei der benachbarten katholischen Kirche begegnete. Auch die Architektur der katholi­schen Kirche mit den üppig geschmückten Altären und den heiligen Bildern schienen ihm für ein Gotteshaus eher angemessen. Für ihn war der Kirchgang in erster Linie Andacht und weniger das Hören protestantischer Predigten. So erging es Albert Schweitzer zumin­dest in den Kinder- und Jugendjahren.[3]

Schweitzer, der später im Studium erstaunlich kühn die Lehr­mei­nungen seiner Professoren in Frage stellte, wollte schon als Kind die Lehrmeinungen seines Konfirmations- Lehrers nicht ak­zeptie­ren. Dieser war nämlich der Auffassung, dass vor dem Glauben alles Nachdenken verstummen müsse, Albert Schweitzer hingegen war folgender Auffassung: „Das Denken, sagte ich mir, ist uns ge­geben, daß [sic] wir darin alle, auch die erhabensten Gedanken der Religion begreifen.“[4]

Ein großes Vorbild für Albert Schweitzer war der Halbbruder seiner Mutter. Dieser war ebenfalls Pfarrer gewesen und hatte seiner Ge­meinde in teilweise heldenhaft anmutender Weise immer wieder in Notzeiten geholfen. Bei einer Begebenheit ist dieser aber tragisch zu Tode gekommen und konnte sein gutes Lebenswerk nicht mehr vollenden. Schweitzer machte es sich danach zur Aufgabe dieses Werk fortzuführen und Gutes zu tun. Seine Mutter bestärkte ihn darin, indem sie viel von diesem Halbbruder erzählte und ihn immer wieder als Helden stilisierte.[5]

Dank der finanziellen Unterstützung eines Verwandten bekam Schweitzer die Möglichkeit das Gymnasium zu besuchen und mit dem Abitur abzuschließen.

Daraufhin schrieb sich Schweitzer 1893 an der Universität Straß­burg für die Fächer Theologie und Philosophie ein.

Schweitzer beginnt sein Theologiestudium zu einer Zeit, in der die deutsche Theologie gerade im Umbruch ist.

In Straßburg lehrten unter anderem Holtzmann und Harnack, zwei Theologen, die zu jener Zeit als Vorreiter der sog. liberalen Theolo­gie galten. Ziel dieser Theologie war es unter anderem, die theolo­gische Wissenschaft von überholten Lehrmeinungen der Kirche zu befreien und mit Hilfe historischer Methoden die Bibel auf ihren Wahrheitskern hin zu überprüfen. Alle Texte die einer kritisch histo­rischen Überprüfung standhielten, konnten als wahrhaftig an­er­kannt werden. Diese neue Form des theologischen Forschens führte zu viel Aufsehen und stieß seitens konservativer Kirchenvä­ter oftmals auf Ablehnung. Schweitzer, der später zu­nächst als Pri­vatdozent und später auch als Professor in der neu­testamentlichen Forschung tätig war, entsprach dieser neue Ansatz der Theologie sehr.

Die entmystifizierenden Züge, die diese Form der Theologie mit sich brachte, waren für Schweitzer kein Problem. Er war sich immer gewiss, dass sich Jesus denjenigen offenbaren wird, die seiner Lehre folgen.[6]

Schweitzer der unter anderem in Paris und Berlin Studienjahre ab­solvierte, beendete zunächst sein Philosophiestudium 1899 mit ei­ner Dissertation über „Die Religionsphilosophie Kants. Von der Kri­tik der reinen Vernunft bis zur Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“[7]. 1901 folgte die theologische Dissertation „Kriti­sche Darstellung unterschiedlicher neuerer historischer Abend­mahlsauffassungen“[8] Für die Theologie von Bedeutung wurde sein 1906 erschienenes Werk "Von Reimarus zu Wrede: Eine Ge­schichte der Leben-Jesu-Forschung“[9].

Das später in Afrika vollendete Werk „Kultur und Ethik“[10], ein Ver­such einer universellen Ethik, die sich auf den Grundgedanken „Ehrfurcht vor dem Leben“ stützt, sollte das für Ihn dringlichste Werk werden.[11]

Schweitzer fasste schon früh den Entschluss sich später einer wohltätigen Lebensaufgabe zu widmen. Er entschloss sich Medizin zu studieren, um dann später als Tropenarzt arbeiten zu können. Beim Betrachten einer Statue, auf der auch ein „Schwarzer“ zu se­hen ist, empfindet Schweitzer tiefes Mitleid mit denen durch die Kolonisation unterdrückten Afrikanern und beschließt dort im Rah­men des evangelischen Missionsdienstes als Tropenarzt zu helfen.

1913 erfolgte seine Promotion zum Doktor der Medizin und im sel­ben Jahr machte er sich frisch vermählt mit seiner Frau Helene (1879-1957) auf den Weg nach Lambaréné im afrikanischen Staat Gabun, um dort ein Tropenhospital zu eröffnen.

Nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges beschäftigte sich Schweitzer mit der Frage, wie eine neue Kultur von mehr ethischer Tiefe durchdrungen sein könnte. Die Schlüsselerkenntnis sollte Schweitzer 1915 auf einer Flussfahrt auf dem Ogowe haben. Wäh­rend der Fahrt entdeckte er auf einer Sandbank vier Nilpferde, die mit ihren Jungen in die dieselbe Richtung trotteten. Während Schweitzer die Tiere beobachtet widerfährt ihm ein nahezu mysti­sches Erlebnis. Ihm wird mit einem Mal klar, dass ihr Leben die­selbe Ehrfurcht verdient wie sein eigenes. In diesem Moment tat sich ihm der Begriff „Ehrfurcht vor dem Leben auf“. „Alsbald begriff ich, daß [sic] es die Lösung des Problems, mit dem ich mich ab­quälte, in sich trug.“[12]

2.2 Theologische Position

Als Theologe beschäftigte sich Schweitzer ausgiebig mit der eschatologischen Deutung der Lehre Jesus. Schweitzer war sich sicher, dass Jesus von einem unmittelbar anbrechenden Gottes­reich ausging und sich damit geirrt hatte. Daraus ergab sich das Problem wie nun diese Parusieverzögerung zu deuten sei.[13] Schweit­zer selbst kam letztlich zu einer Lösung dieser Problematik, als er sich dem Werk des Apostel Paulus zuwandte. Im Gegensatz zu den meisten Theologen, ging es ihm weniger um die ethischen Lehren Paulus, vielmehr erkannte er ihre mystische Dimension. Dass kein Gottesreich mit Jesus Kreuzigung anbrach, soll die Jün­ger in tiefe Verzweifelung gestürzt haben. Paulus war der Meinung, dass vor Anbruch des Gottesreiches zunächst die Lehre Jesu in alle Welt verbreitet werden müsste. Die Christen seien aber durch den Tod Jesu schon im „Diesseits“ Teil des Gottesreiches. Der Prozess der Liebe und der Gottesherrschaft hat schon begon­nen (präsente Eschatologie), sich aber noch nicht durchgesetzt (futuris­tische Eschatologie). Schweitzers exegetische Arbeit mit ihrer durchweg konsequent eschatologischen Deutung war zu seiner Zeit sehr umstritten und ist auch heute für viele Exegeten nicht haltbar.[14]

Schweitzer, der wie bereits erwähnt in der Blütezeit der liberalen Theologie studierte, nahm sich der historisch kritischen Methode zur Wahrheitsfindung an. Schweitzer ist zunächst überzeugt, dass der Fortschritt geschichtlicher Erkenntnisse über Jesus und die Bi­bel zugleich eine Vertiefung und eine Einigung im Glauben mit sich führen würde. Später kritisiert Schweitzer den Ansatz in seinem Werk „Von Reimarus zu Wrede“[15]. Er erkennt, dass die Deu­tung der historischen Erkenntnisse über Jesus zu sehr den Gegen­wartsinteressen des jeweiligen Exegeten angepasst ist. Daher kann sie nur zu vorläufigen Erkenntnissen führen. Außerdem scheint die Gestalt Jesus für die Menschen an religiöser Kraft zu verlieren.[16] Seine ausführliche Auseinandersetzung mit der „Leben-Jesu-Forschung“ führt ihn zu der Erkenntnis „[...], daß [sic] die his­torische Erkenntnis des Wesens und des Lebens Jesu der Welt nicht eine Förderung, sondern vielleicht ein Aergernis [sic] zur Reli­gion sein wird.“[17]

Für Schweitzer war das "Ewige" nicht in den zu oft wechselnden historischen Auslegungen Jesus zu finden, sondern vielmehr in der Tiefe der Persönlichkeit Jesu. Schweitzer ist der Auffassung, dass jeder in einer „Beziehung der Auseinandersetzung“[18] seinen eige­nen Standpunkt Jesus gegenüber finden muss. Möglich wird dies unter anderem dadurch, dass der gewaltige Geist Jesu über die Zeiten und über Unterschiede der Weltanschauung hinweg wirkt.[19] „Nicht der historisch erkannte, sondern nur der in den Men­schen geistig auferstandene Jesus kann unserer Zeit etwas sein und ihr helfen. Nicht der historische Jesus, sondern der Geist, der von ihm ausgeht und in Menschengeistern nach neuem Wirken und Herr­schen ringt, ist der Weltüberwinder.“[20]

Schweitzer entwickelt ein Modell der zeitlosen Persönlichkeit, die das zeitgebundene Material der Weltanschauungen durchformt. Gefunden werden kann dieses nur von jedem einzelnen „von innen heraus“.[21] Um seine Hermeneutik verständlicher zu gestalten spricht er nun von dem „Willen“ als das primäre und weiter nicht erklärbare Wesen einer Person, welche von Jesus Geist („Willen“) erfasst sein kann. „Wer in der Erkenntnis des gemeinsamen Wol­lens mit Jesus zusammenfindet, dessen eigener Wille wird ge­klärt, bereichert und belebt.“[22] Es kommt sozusagen zu einer Über­tra­gung von Wille zu Wille. Das dadurch entstehende Verhältnis zu Jesus beschreibt Schweitzer als „Jesusmystik“.

2.3 Schweitzers Verständnis zur „Heiligkeit des Lebens“

Schon seit frühsten Studientagen empfand Schweitzer einen Verfall der Kultur. Er sah eine einseitig von industriellem und wissen­schaftlichem Fortschritt begeisterte Menschheit, die aber den Fort­schritt in der Geistigkeit des Menschen vergaß.[23] Dieser Kulturver­fall gipfelte für ihn im Ausbruch des 1. Weltkrieges, was ihn wie­derum noch angestrengter an einer universellen Ethik arbeiten ließ, um damit eine Ethik zum Aufbau einer neuen Kultur zu schaffen. Wie bereits in der Biografie erwähnt, findet Schweitzer während einer Flussfahrt auf dem Ogawe den Schlüssel zu seiner univer­sellen Weltanschauung, die "Ehrfurcht vor dem Leben". Schweitzer entwickelte seinen früheren Ansatz, vom Wille Jesu, der auf den menschlichen Willen wirke weiter zu seiner Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“. Ab 1915 sieht er das Innerste dessen, was im Willen Jesu sein kann, als die Ehrfurcht vor dem Leben an.[24]

Nach Schweitzer wird seine Ethik erschließbar, wenn man sich fol­genden Tatsache ins Bewusstsein ruft: “Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“[25] Daraus ergibt sich für Schweitzer die Notwendigkeit, in dem gleichen Maße Ehrfurcht vor dem Willen zum Leben der anderen zu haben, wie vor dem eige­nen Willen zum Leben.[26]

Folgerichtig ergibt sich für Schweitzer dieser ethische Kodex:

„Wahrhaft ethisch ist der Mensch nur, wenn er der Nötigung ge­horcht, allem Leben, dem er beistehen kann, zu helfen, [sic] und sich scheut, irgendetwas Lebendigem Schaden zu tun. Er fragt nicht, inwiefern dieses oder jenes Leben als wertvoll Anteilnahme verdient, [sic] und auch nicht, ob und inwieweit es noch empfin­dungsfähig ist. Das Leben als solches ist ihm heilig.“[27]

Auf der anderen Seite erkennt Schweitzer an, dass es ethisch ver­tretbar oder gar unausweichlich ist Leben zu zerstören, nur darf dieses allein unter der Gewalt der Notwendigkeit geschehen. So ist ein Bauer gezwungen tausende von Blumen als Futter für seine Kühe zu mähen, auf dem Heimweg hingegen sollte er aber nicht leichtfertig eine einzelne Blume pflücken.

Die Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ hält keine gebrauchsferti­gen Ausgleiche zwischen ethischen Verhalten und Notwendigem bereit. Grundsätzlich gilt die Erhaltung und Förde­rung von Leben als gut, das Vernichten und Schädigen von Leben, unter welchen Umständen auch immer, als böse. Die Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ zwingt den Menschen immer wieder von neuem und in ori­ginaler Weise selber zu entscheiden, „[...] inwieweit er ethisch blei­ben kann und inwieweit er sich der Notwendigkeit von Vernichtung und Schädigung von Leben unterwerfen und damit Schuld auf sich nehmen muß [sic].“[28]

Der Mensch soll idealer Weise zunehmend von der „Stimme des Ethischen“ durchdrungen sein und somit Leben erhalten und för­dern und sogleich innerlich den Widerstand gegen eine durch Not­wendigkeit erzwungene Vernichtung und Schädigung von Leben erhöhen.[29] Daher kann der Mensch nur subjektive Entscheidungen in ethischen Konflikten treffen, niemand kann für ihn entscheiden, er muss sich nur von der „[...] aufs höchste gesteigerten Verant­wortung gegen das andere Leben leiten [...]“[30] lassen.

Mittelbar für den Menschen wird die „Ehrfurcht vor dem Leben", wenn er seinen eigenen Willen zum Leben „[...] nicht nur als etwas, das sich in glücklichen Ereignissen auslebt, sondern zugleich als etwas, das sich selber erlebt. Lasse ich mir dieses Selbsterleben nicht in Gedankenlosigkeit entschwinden, sondern verharre ich darin, es als wertvoll zu empfinden, so geht mir das Geheimnis der geistigen Selbstbehauptung auf. Ungeahnte Freiheit von den Schicksalen des Lebens wird mir zuteil.[31] “ Das von Schweitzer be­schriebene Freiwerden von den Ereignissen ist überhaupt Voraus­setzung, um sich in tiefer stetiger Weise anderem Leben hinzuge­ben. Schweitzer geht davon aus, dass die Wahrhaftigkeit gegen sich selbst unmerklich in eine Hingabe an andere übergeht.[32]

Damit sei die Gesinnung der Humanität, welche bisher lediglich als ein edles Gefühl galt, aus elementarem Denken kommend, allge­mein mittelbar als Weltanschauung begründet.[33] Damit erlange die Gesinnung der Humanität eine Überzeugungskraft, über welche sie zuvor nicht verfügte und ist damit fähig sich „[...] in energischer und konsequenter Weise mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen [sic] und in ihr zur Geltung zu kommen.“[34]

3. Peter Singer

3.1 Biografie

Peter Singer wurde 1946 in Melbourne Australien geboren. Seine Eltern waren Wiener Juden, die wegen des Nationalsozialismus, Österreich 1938 in Richtung Australien verlassen mussten. Er be­schreibt das durch den Nationalsozialismus und Krieg hervorgeru­fene Sterben und Leiden als den geistigen Hintergrund seiner Kindheit. Seine Großmutter hat den Krieg in einem Konzentrati­onslager verbracht und blieb die einzig Überlebende.

Angesichts solcher Grausamkeiten, war es für Singer schon als Kind erstaunlich, wenn Menschen trotz allem an dem Glauben fest­hielten, die Welt werde von einem liebenden, allmächtigen Gott gelenkt.[35]

Singers Eltern waren nicht religiös und hielten sich auch nicht an die jüdischen Traditionen. In Melbourne besuchte Singer eine Pri­vatschule, die seine Eltern für ihn aussuchten, um die bestmögliche Ausbildung zu garantieren. Diese Schule wiederum war von der Presbyterianischen Kirche gegründet worden und so war der Schulalltag von vielen religiösen Elementen begleitet.

Daher nahm er sechs Jahre lang morgens vor Unterrichtsbeginn an religiösen Veranstaltungen teil, mit Bibellesungen, Chorälen und Gebeten und darüber hinaus an regelmäßigen Gottesdiensten und Religionsstunden. Dort entfachte sich ein weiteres Mal seine Skep­sis gegenüber der Religion. Singer entdeckte Bibelstellen (Markus, Kap. 11 und Markus in Kap. 5), in denen das Verhalten Jesus im krassen Widerspruch zu der Vorstellung von einem großen Lehrer der Ethik bzw. dem Sohn Gottes stehen. Die Erklärungen der Reli­gionslehrer, die nur von dunklen Geheimnissen, die sich dem menschlichen Verständnis entzögen sprachen, befriedigten den jungen Singer nicht.[36]

[...]


[1] Vgl. Bentley, A. Schweitzer, 47.

[2] Vgl. A.a.O., 22.

[3] Vgl. Bentley, A. Schweitzer, 13.

[4] Zitiert nach: Bentley, A. Schweitzer, 45.

[5] Vgl. Bentley, A. Schweitzer, 21-22.

[6] Vgl. Bentley, A. Schweitzer, 87.

[7] Schweitzer, Die Religionsphilosophie Kants.

[8] Schweitzer, Abendmahlsauffassungen.

[9] Schweitzer, Von Reimarus zu Wrede.

[10] Schweitzer, Kultur und Ethik.

[11] Vgl. Bentley, A. Schweitzer, 148.

[12] Zitiert nach: Bentley, A. Schweitzer, 147.

[13] vgl. Weiß, Konstruktion wider die kritische Analyse, 39.

[14] Vgl. Pleitner, Weg zur >Ehrfurcht vor dem Leben<, 58.

[15] Schweitzer, Von Reimarus zu Wrede.

[16] Vgl. Pleitner, Weg zur >Ehrfurcht vor dem Leben<, 61.

[17] Schweitzer, Leben-Jesu-Forschung, 399.

[18] Vgl. Schweitzer, Leben-Jesu-Forschung, 200.

[19] Vgl. Pleitner, Weg zur >Ehrfurcht vor dem Leben<, 61.

[20] Schweitzer, Leben-Jesu-Forschung, 399

[21] Vgl. Pleitner, Weg zur >Ehrfurcht vor dem Leben<, 62.

[22] Pleitner, Weg zur >Ehrfurcht vor dem Leben<, 65.

[23] Vgl. Schweitzer, Die Ehrfurcht vor dem Leben, 55.

[24] Vgl. Pleitner, Weg zur >Ehrfurcht vor dem Leben<, 68.

[25] Schweitzer, Kultur und Ethik, 239.

[26] Vgl. Schweitzer, Die Ehrfurcht vor dem Leben, 42.

[27] Schweitzer, Kultur und Ethik, 240.

[28] Schweitzer, Kultur und Ethik, 248.

[29] Vgl. Schweitzer, Kultur und Ethik, 248.

[30] Schweitzer, Kultur und Ethik, 249.

[31] A.a.O., 244.

[32] Vgl. Schweitzer, Kultur und Ethik, 245.

[33] Vgl. A.a.O., XXI.

[34] Schweitzer, Kultur und Ethik, XXI.

[35] Vgl. Singer, Je mehr wir für…, 80.

[36] Vgl. Singer, Je mehr wir für…, 80.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Ethik Albert Schweitzers und Peter Singers in Bezug auf die Problematik des Schwangerschaftsabbruches?
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Sytematische Theologie)
Veranstaltung
„Du sollst nicht töten" Bioethische Konflikte um das Grundgebot des Lebensschutzes
Note
2.0
Autor
Jahr
2007
Seiten
26
Katalognummer
V442846
ISBN (eBook)
9783668807235
ISBN (Buch)
9783668807242
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Albert Schweitzer, Peter Singer, Schwangerschaftsabbruch, Ehrfurcht vor dem Leben, Ethik
Arbeit zitieren
Michael Wischnewski (Autor), 2007, Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Ethik Albert Schweitzers und Peter Singers in Bezug auf die Problematik des Schwangerschaftsabbruches?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442846

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