Wahrnehmung und Beobachtung im Umgang mit Dritten. Ein Reflexionstagebuch


Ausarbeitung, 2015
11 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kapitel
Einführung in das Thema

2. Kapitel
Täuschungen

3. Kapitel
Wahrnehmung im Umgang mit Dritten

4. Kapitel
Selbststudium

Fazit

Einleitung

„ Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz.“ [1]

In der vorliegenden Arbeit zu dem Seminar „Wahrnehmung und Beobachtung“ habe ich mich auf die Einführungsveranstaltung, sowie auch auf die Themen „Täuschungen“ und „Wahrnehmung im Umgang mit Dritten“ bezogen. Diese Arbeit beinhaltet außerdem eine Auswertung der Fragebögen zur Selbst- und Fremdeinschätzung meiner Person und eine Zusammenfassung gewonnener Erkenntnisse.

Um einige Lerninhalte aus meiner Sicht widerzuspiegeln, habe ich mich entschieden zu Beginn über den Einstieg des Seminars, zu schreiben. Ich stelle die Übung vor, in der wir den ersten Arbeitstag von Frau X aus verschiedenen Charakterrollen darstellten. Im nächsten Kapitel wird es um das Thema „Täuschungen“ gehen, dort beziehe ich mich auf die Übung „stille Post“. Im dritten Kapitel zur Thematik „Wahrnehmung im Umgang mit Dritten“, stelle ich die Übung „Mitternachtsbild“ vor.

Meine Wahl fiel auf die eben genannten Übungen, um meine regelmäßige Nacharbeit der Veranstaltungen zu rekapitulieren.

Darüber hinaus dienten mir die gewählten Übungen ein tieferes Verständnis der Lerninhalte zu erlangen.

Für die Bearbeitung des Fragebogens zur Fremdeinschätzung im Rahmen eines Selbststudiums wählte ich meinen Partner aus, da wir regelmäßig in engem Kontakt stehen und verschiedene Situationen durchleben.

1. Kapitel

Einführung in das Thema – 05.10.2015

Zum Einstieg der Veranstaltung „Wahrnehmung und Beobachtung“ hörten wir eine kurze Geschichte, in der es um den ersten Arbeitstag von Frau X ging. In der Geschichte schilderte sie ihre Empfindungen, beginnend mit ihrem morgendlichen Ablauf Zuhause und dem Weg zur Arbeit, bis hin zu ihrem Dienstende. Anschließend bildeten wir zweier Gruppen. Den einzelnen Gruppen wurde nun per Losverfahren jeweils eine spezifische Sichtweise bzw. Charakterrolle zugeteilt. Unsere Aufgabe war es die Geschichte aus der uns zugeteilten Rolle erneut wiederzugeben. Meine Partnerin und ich zogen das Los, „der hungrigen Frau X“. Anhand unserer umgeschriebenen Geschichte, gelang es den Mitstudenten sehr schnell unsere Charakterrolle korrekt zu benennen. Neben der hungrigen Frau X gab es unter anderem noch die Sichtweise einer neidischen Kollegin, einer sehr auf Gerechtigkeit fixierten Frau X aber auch die Rolle des Abteilungsleiters. Den Kommilitonen ist es gelungen die jeweils gespielten Charaktere rasch zu erkennen.

Durch diese Übung ist für mich besonders deutlich hervorgekommen, dass es umso einfacher wird einen Sachverhalt korrekt zu erkennen, je mehr Informationen preis gegeben werden. Die Tatsache, dass es mir und auch meinen Kommilitonen während der Übung schwieriger gefallen ist die Rolle des Eilboten zu identifizieren, da er nur wenig von sich preis gab, bestätigt mich in meiner Meinung. Des Weiteren zeigte die Übung sehr gut, dass zu ein und demselben Sachverhalt (den ersten Arbeitstag von Fr. X) unzählige Interpretationen möglich sind. Die Bewertung einer Situation hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine sehr große Rolle spielt dabei, wie sich ein Mensch im Augenblick fühlt, ob ihm etwas fehlt, ob sein Hunger so groß ist, dass er sich kaum auf andere Dinge konzentrieren kann oder ob er sich wohl fühlt. Wir Menschen nehmen die Aspekte am intensivsten wahr, die uns am meisten beschäftigen und uns wichtig erscheinen. Dies bringt folglich mit sich, dass wir anderen Aspekten weniger Aufmerksamkeit schenken. “Unsere bewusste Aufmerksamkeit ist selektiv.“ [2] Laut Myers und David G. bedeutet selektive Aufmerksamkeit, dass wir unser Bewusstsein stets auf limitierte Sachverhalte richten.[3] Ebenso bedeutend für die Bewertung einer Situation, ist die Aufgabe und Position bzw. Rolle einer Person. Alle stattfindenden Prozesse werden also von Mensch zu Mensch sehr subjektiv wahrgenommen.

Ich persönlich finde es sehr wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass nicht nur die eigene Wahrnehmung die Einzige ist, die zählt. Jeder Mensch hat einen anderen Blickwinkel, der es Wert ist respektiert oder akzeptiert zu werden. Im Privatleben lassen sich mit diesem Wissen oft Streitigkeiten vermeiden.

Auch in der Tätigkeit des Sozialarbeiters ist die Akzeptanz anderer Sichtweisen von großer Bedeutung. Meiner Meinung nach sogar Grundvoraussetzung, um eine professionelle Beziehung zum Klienten aufzubauen und sein Vertrauen zu gewinnen. Nur wenn sich der Klient angenommen fühlt, sind Erfolge möglich. Um in der Arbeit mit dem Klienten sachgerecht agieren zu können, muss sich ein Sozialarbeiter seiner Wahrnehmung bewusst sein. Erst dann ist es möglich seine Wahrnehmung nochmals zu hinterfragen. Es ist also unabdingbar darauf zu achten so objektiv wie möglich zu beobachten und sich dabei nicht übermäßig auf seine Erfahrungen zu fokussieren.

2. Kapitel

Täuschungen – 12.10.2015

In der zweiten Veranstaltung stand das Thema Täuschungen im Vordergrund. Wir befassten uns unter anderem mit verschiedenen optischen Täuschungen in Form von Bildern aber auch mit einigen Beispielen zu akustischen Täuschungen.

Bevor wir unseren Arbeitsauftrag erhielten, bildeten wir 3 Gruppen, a fünf bis acht Personen. Jeweils ein Student der Gruppe bekam ein Bild zu sehen, welches er sich so genau wie möglich einprägen sollte. Anschließend bestand die Aufgabe darin, das gesehene Bild per stille Post System an die Kommilitonen weiterzutragen. Der letzte Student der Gruppe musste nun das Bild, welches ihm durch die Beschreibungen im Kopf herum schwirrte, an die Tafel zeichnen. Bei dem eigentlichen Bild handelte es sich um eine optische Täuschung, da verschiedene Interpretationsmöglichkeiten bestanden. Genauer gesagt konnte man entweder eine Maus oder aber das Gesicht eines Mannes erkennen. Zwei Gruppen erkannten die Maus, nur eine Gruppe sah den Mann.

Zu den drei Zeichnungen lässt sich sagen, dass einige Details verloren gingen, andere Details wurden allerdings auch dazu gezeichnet obwohl diese nicht genannt wurden. Beispielsweise bekam die Maus Schnurrhaare obgleich sie auf dem Ausgangsbild keine hatte. Dies lässt sich durch den Top-Down Prozess erklären. Während dieses Prozesses wird ein Reiz vom Menschen wahrgenommen, an das Gehirn weitergeleitet und dort mit schon bekannten oder ähnlich wahrgenommenen Reizen verglichen. Es kommt also zu einer konzeptgesteuerten Verarbeitung, bei der mit Hilfe von Erfahrungen auf Reize reagiert wird.[4] In diesem speziellen Fall wissen wir also aus Erfahrung, dass zu einer Maus Schnurrhaare gehören, also zeichnen wir sie dazu auch wenn sie nicht erwähnt wurden. Der Bottom-Up Prozess erfolgt während der Wahrnehmung uns neuer, noch unbekannter Reize.[5] Hätte also der zeichnende Student explizit die Information bekommen, dass die Maus keine Schnurrhaare hat, so würde er möglicherweise diese für ihn neue Information im Hirn speichern und die Schnurrhaare in seiner Zeichnung weglassen.

Für mich persönlich war der Tatbestand, dass wir vorerst nur Eine von zwei Eventualitäten in Betracht zogen, erstaunlich. Erst nach dem wir hörten, dass zwei Interpretationen des Bildes möglich sind und wir dies auch überprüfen konnten, sahen wir die zweite Option. Verschiedene Möglichkeiten gleichzeitig, passen also nicht in unsere Logik. Dennoch gibt es unterschiedliche Wirklichkeiten. Wenn wir uns hin und wieder auf diesen Punkt besinnen, können wir Täuschungen eventuell umgehen.

In Bezug auf meine persönlichen Erfahrungen stelle ich fest, dass das Phänomen der Veränderungsblindheit sehr gegenwertig ist. Nicht nur einmal wurde ich von Bekannten gefragt, ob ich seit neustem Brillenträgerin sei. Jedoch war ich bereits über mehrere Jahre Brillenträgerin, lediglich mein Gestell änderte sich. Mein Gegenüber nimmt zwar eine Veränderung an mir wahr, es gelingt allerdings nicht diese zu konkretisieren.

Dieses Phänomen der visuellen Wahrnehmung lässt sich einfach erklären; durch die selektive Wahrnehmung nehmen wir Sachverhalte, die sich zur gleichen Zeit abspielen, nur eingeschränkt wahr, sodass wir auch auffallende Veränderungen nicht erkennen. Doch auch wenn unsere Aufmerksamkeit nicht auf einen bestimmten Aspekt fokussiert ist kann Veränderungsblindheit auftreten und zwar dann, wenn Veränderungen besonders langsam stattfinden.[6]

Als Sozialarbeiter sollte man also stets Sachverhalte und seine eigenen Empfindungen hinterfragen können, um Täuschungen zu umgehen. Unbedingt abzuraten ist es sich auf eigene zurechtgelegte logisch scheinende Erklärungen zu versteifen. Nicht selten sind Dinge anders als sie scheinen. Des Weiteren halte ich es für essentiell, Situationen aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen und unterschiedliche Lösungswege in Betracht zu ziehen. Grundsätzlich darf ein professioneller Sozialarbeiter seinen Klienten nicht nur nach dem theoretisch erlangten Wissen be- und verurteilen. So ist ein Sozialhilfeempfänger nicht zwingend auch arbeitsunwillig oder unqualifiziert. Ganz andere Gründe, beispielsweise ein Unfall, können verantwortlich für seine Arbeitslosigkeit sein.

3. Kapitel

Wahrnehmung im Umgang mit Dritten – 26.10.2015

In der vierten Veranstaltung gingen wir der Frage nach, wie wir unser Inneres nach außen tragen und somit anderen Personen verdeutlichen wer wir sind und wie wir uns fühlen. Außerdem untersuchten wir unsere Verhaltensweisen, wenn wir in Kontakt zu Personen stehen. Soziale Interaktion war also das zentrale Thema der Veranstaltung.

Unter sozialer Interaktion versteht man eine Wechselwirkung zwischen mindestens zwei Personen, die sich gegenseitig in ihren Handlungen beeinflussen. Dies geschieht nicht nur durch Kommunikation, sondern beispielsweise auch durch Mimik oder Gestik.[7]

Besonders interessant für mich war die Übung, in der wir zu zweit ein Bild zeichneten. Das besondere an dieser Übung war, dass wir den Stift mit geschlossenen Augen führten und dabei nicht miteinander sprechen durften. Wir erhielten den Auftrag ein Haus mit Fenstern zu zeichnen. Außerdem sollte das Bild einen Baum, eine Sonne, einen Vogel sowie einen Menschen mit angeleintem Hund beinhalten. Künstlerisch betrachtet waren die Ergebnisse eher unbrauchbar. Dies lag nicht zu Letzt an den unterschiedlichen Vorstellungen eines Vogels beispielsweise. Aber auch die Zeichentechniken sind von Mensch zu Mensch differenziert. Während des Zeichnens befanden sich meine Finger am unteren Teil des Stiftes, die meiner Partnerin am oberen Teil. Da man am unteren Teil den Stift leichter kontrollieren kann, nahm ich die Rolle der Stiftführenden ein.

[...]


[1] Seine Heiligkeit, der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso: „Zitat Wahrnehmung und Existenz“, unter: http://www.dalai-lama-tibet.de/kategorie/zitate/

[2] Myers, David G. (2008): Wahrnehmung: Organisation und Interpretation. Psychologie, Springer, Kapitel 6, S. 258

[3] Vgl. Myers, David G. (2008): Wahrnehmung: Organisation und Interpretation. Psychologie, Springer, Kapitel 6, S. 259

[4] Vgl. Mitschrift zur Veranstaltung (2015): „Täuschungen“ im Seminar Wahrnehmung und Beobachtung

[5] Vgl. Mitschrift zur Veranstaltung (2015): „Täuschungen“ im Seminar Wahrnehmung und Beobachtung

[6] Vgl. Dr. Kitz & Dr. Tusch (2011): PSYCHO?LOGISCH!, HEYNE, S. 233-234

[7] Vgl. Köck, P. & Ott, H. (1997): Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer. S. 333

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Wahrnehmung und Beobachtung im Umgang mit Dritten. Ein Reflexionstagebuch
Hochschule
Hochschule Coburg (FH)
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V442853
ISBN (eBook)
9783668810099
ISBN (Buch)
9783668810105
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wahrnehmung, beobachtung, umgang, dritten, reflexionstagebuch
Arbeit zitieren
Marina Österreich (Autor), 2015, Wahrnehmung und Beobachtung im Umgang mit Dritten. Ein Reflexionstagebuch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442853

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