Ausgewählte Techniken der Prozessmodellierung


Hausarbeit, 2018

25 Seiten, Note: 1,0

Tricy Unger (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlegende Definition
2.1 Prozess und Geschäftsprozess
2.2 Prozessmodellierung

3. Techniken der Prozessmodellierung
3.1 Wertstromdesign
3.2 IDEF - Integrated Computer-aided Manufacturing Definition Language
3.3 Ereignisgesteuerte Prozessketten
3.4 Unified Modeling Language
3.5 Business Process Model and Notation
3.6 Gemeinsamkeiten und Unterschiede

4. Kritische Würdigung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Beispiel Wertstromdesign

Abbildung 2 Symbolik innerhalb des Wertstromdesigns

Abbildung 3 Elemente eines IDEF0-Diagrammes

Abbildung 4 Hierarchische Abstufung im IDEF0

Abbildung 5 Grundprozess eines EPK

Abbildung 6 Varianten der Konnektoren

Abbildung 7 Notation einer eEPK

Abbildung 8 UML Diagrammtypen

Abbildung 9 Elemente der BPMN im Zusammenhang

Abbildung 10 Gateways in der BPMN

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry sagte einst: „Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann!“ (Zitate.de, 2018, S.2). Dieser Ansatz sollte nicht auf literarische Werke reduziert werden. Eine Erweiterung auf die prozessuale Gestaltung eines Unternehmens ist ebenfalls möglich. In Zeiten einer steigenden Globalisierung und einer zunehmenden Wettbewerbssituation auf den Märkten ist es für ein Unternehmen nicht nur von Vorteil die eigenen Prozesse zu kennen, transparent darzustellen und kommunizieren zu können. Es ist essentiell, um die eigene Existenz zu sichern. Um dies zu ermöglichen, bedarf es einer Visualisierung der Prozesse. In diesem Zusammenhang kommen unterschiedliche Modellierungstechniken zum Einsatz.

Das Primärziel dieses Assignments ist die Beantwortung der Forschungsfrage: „Welche Charakteristika weisen die Prozessmodellierungstechniken Wertstromdesign, IDEF, EPK, UML und BPMN auf?“ Ein Teilziel dessen ist das Verständnis für den Prozessbegriff und was unter Prozessmodellierung verstanden wird. Darauf basierend ist ein weiteres Unterziel die Darstellung der genannten Techniken und die Identifikation von Ähnlichkeiten und Differenzen.

Bei der Erarbeitung handelt es sich um eine literaturbasierte Analyse. Die Hausarbeit ist in zwei wesentliche Teile untergliedert. Zu Beginn werden grundlegende Begriffe definiert. Im Rahmen dessen erfolgt die Erläuterung, was ein Prozess bzw. ein Geschäftsprozess ist. Außerdem findet eine Erklärung der Prozessmodellierung statt.

Darauf aufbauend beschäftigt sich der zweite Teil mit ausgewählten Techniken der Prozessmodellierung. Dabei wird das Wertstromdesign, IDEF, Ereignisgesteuerte Prozessketten, Unified Modeling Language sowie Business Process Modeling Notation vorgestellt. Im Anschluss erfolgt die Erarbeitung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Techniken. Innerhalb der sich anschließenden kritischen Würdigung werden sowohl die methodischen als auch inhaltlichen Aspekte diskutiert. Dabei wird aufgezeigt, in welchen Bereichen eine Vertiefung empfehlenswert erscheint. Den Abschluss bildet ein Fazit, in dem die Forschungsfrage zusammenfassend beantwortet und die erzielten Ergebnisse resümiert werden.

2. Grundlegende Definition

Innerhalb des zweiten Kapitels wird die Basis der Arbeit geschaffen. Damit eine Diskussion der einzelnen Techniken möglich ist, bedarf es zuerst einer Erläuterung, was unter der Begrifflichkeit Prozess bzw. Geschäftsprozess verstanden wird. Zudem wird die Prozessmodellierung an sich näher bestimmt.

2.1 Prozess und Geschäftsprozess

„Ein Prozess ist die inhaltlich abgeschlossene, zeitliche und sachlogische Folge von Aktivitäten, die zur Bearbeitung eines betriebswirtschaftlich relevanten Objektes notwendig sind.“ (Berger/Kahn, 2012, S. 6) Durch diese Aktivitäten können „Materialien, Energien oder auch Informationen zu neuen Formen transformiert, gespeichert oder aber allererst transportiert [werden].“ (Gabler Wirtschaftslexikon, 2018, Allgemein). Ein wichtiges charakteristisches Merkmal eines Prozesses ist seine prinzipielle Wiederholbarkeit (vgl. Freund/Götzer, 2008, S.7). Prozesse werden anhand der Merkmale Objekt, Häufigkeit, Dimension und Auslöser untergliedert (vgl. Füermann, 2014, S. 5).

Geschäftsprozesse stellen eine Detailierung des Prozessbegriffes dar. Allerdings existiert keine einheitliche Definition. Wissenschaftler wie Österle, Berkau oder Scheer und Jost haben jeweils eigene Beschreibungen entwickelt, welche sich in ihrem Schwerpunkt differenzieren. Einigkeit herrscht darüber, dass Geschäftsprozesse eine Reihe von zielgerichteten Aktivitäten sind, welche sich auf den Kunden fokussieren und aus der Unternehmensstrategie abgeleitet werden (vgl. Gadatsch, 2010, S. 40-41). Der Wertschöpfungsprozess steht dabei im Vordergrund. Basierend auf der Ansicht von Schmelzer weisen Geschäftsprozesse acht wesentliche Merkmale auf. Start und Ziel des Prozesses stellt immer der Kunde dar. Folglich sind Beginn und Ende klar definiert. Sie werden durch ein internes oder externes Ereignis ausgelöst. Geschäftsprozesse laufen über die Grenzen von Abteilungen und Funktionsbereichen ab. Es besteht ein klar formuliertes internes Kunden-Lieferanten-Prinzip. Sie werden durch einen Prozessverantwortlichen gesteuert. Der Aufbau erfolgt hierarchisch in Prozessen, Aktivitäten und Teilaktivitäten (vgl. Liebetruth, 2016, S. 3-5). Geschäftsprozesse zählen innerhalb eines Geschäftsprozessmodells zur Kategorie der Kernprozesse und dienen der Erfüllung von Kundenbedürfnissen. Sie werden dabei von Supportprozessen unterstützt. Die Vision und Strategie werden hingegen in den Führungsprozessen definiert (vgl. Grabner, 2017, S. 98).

2.2 Prozessmodellierung

Gemäß der Definition von Schmelzer handelt es sich bei Prozessmodellierungen um Beschreibungen von Geschäftsprozessen, welche sowohl vollständig und präzise als auch formal und konsistent sein sollen. Die Modellierung wird durch eine Modellierungssprache ausgeführt. Bei der Erstellung werden drei verschiedene Sichtweisen unterschieden. Die erste ist das obere Management. Dabei steht eine ganzheitliche Betrachtung des Unternehmens im Vordergrund. Der Detailierungsgrad ist aufgrund der Vielzahl an Prozessen niedrig. Darauf basierend wird später die Unternehmensstrategie abgestimmt. Eine andere Sicht ist die Perspektive der Prozessverantwortlichen. Da sie für die Prozessleistung zuständig sind, wird der Prozess in einer End-to-End Darstellung abgebildet. Die Einzelheiten werden verstärkt abgebildet, wodurch einzelne Arbeitsschritte modelliert werden. Die meisten Informationen, wie z.B. Datenflüsse oder Verantwortlichkeiten, sind in Prozessmodellen aus dem Blickwinkel des mittleren Managements und der Ausführenden enthalten, weil sie die Umsetzung beaufsichtigten bzw. selbst durchführen (vgl. Liebetruth, 2016, S. 27-29).

Mithilfe der Prozessmodellierung können verschiedene Ziele erreicht werden. Zum einen ermöglicht es eine erleichterte Kommunikation im Unternehmen zwischen Abteilungen oder Bereichen. Die Basis dafür ist eine detaillierte Dokumentation der Sachverhalte. Zum anderen können durch die Analyse von Modellen schneller Fehler oder Probleme identifiziert und Hypothesen zu Gestaltungsvarianten getroffen werden. Ferner vereinfacht die Abbildung eine Erläuterung von komplexen Abläufen und legt den Grundstein für eine automatisierte Abarbeitung (vgl. Leimeister, 2015, S. 119). Allerdings müssen im Rahmen dessen bestimmte Richtlinien eingehalten werden. Vor Beginn ist eine konsequent einzuhaltende Modellierungssprache und Notation zu wählen. Außerdem muss sowohl das Layout als auch die Ablagestruktur für das Modell geregelt sein. Zudem sind Richtlinien für die Namensgebung festzulegen, sodass eine eindeutige Zuordnung erreicht wird (vgl. Bouché et. al., 2013, S. 87-89). Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einhaltung der Grundsätze ordnungsgemäßer Modellierung. Dafür gibt es sechs Regeln, welche in notwendige und ergänzende Vorschriften unterteilt werden können. Zwingend eingehalten werden müssen die Grundsätze der Richtigkeit, der Relevanz und der Wirtschaftlichkeit. Optional sind die Grundsätze der Klarheit, der Vergleichbarkeit und des systematischen Aufbaus zu beachten (vgl. Schwarz et. al., 2018, S.48-50).

3. Techniken der Prozessmodellierung

Im dritten Kapitel, dem Hauptteil des Assignments, werden die Techniken Wertstromdesign, IDEF, EPK, UML und BPMN vorgestellt. Danach erfolgt eine Analyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Innerhalb der Modellierungstechnik ist im Laufe der Jahre eine Vielzahl an Varianten entstanden. Die diversen Verfahren können in skriptbasierte und grafische Methoden differenziert werden. Die Beschreibung mithilfe einer Skriptsprache basiert auf einer formalen Notation, welche stark an eine Programmiersprache angelehnt ist, wodurch eine hohe Modellspezifikation erreicht wird. Dafür werden jedoch ausgeprägte Kenntnisse benötigt. Die grafischen Methoden, auch Diagrammsprache genannt, richten sich auf die Daten, den Kontrollfluss oder die betrachteten Objekte aus. In der Praxis werden diese Techniken häufiger angewandt (vgl. Gadatsch, 2017, S. 81-82). Trotz des Aufwandes, welcher mit der Erstellung einer Prozessmodellierung verbunden ist, gibt es Vorteile. Einerseits entwickelt sich im Unternehmen eine einheitliche Prozesssprache und die Dokumentation kann als Basis für Prozessoptimierungen genutzt werden. Andererseits können Verantwortlichkeiten klar definiert und die Abstimmung in Prozessen verbessert werden. Ferner sind die Abläufe dadurch besser nachvollziehbar (vgl. Grabner, 2017, S. 101-102).

3.1 Wertstromdesign

Das Wertstromdesign wurde erstmal in den 90er Jahren durch Rother und Shook in ihrem Buch „Learning to See“ vorgestellt. Im Mittelpunkt stand dabei eine ganzheitliche Betrachtung von Produktionsabläufen, um Verschwendungen zu reduzieren. Das Wertstromdesign wird als sechste und letzte Phase der Wertstromanalyse gesehen und beschreibt den zukünftigen Idealzustand (vgl. Grabner, 2017, S. 118-120). Dabei wird der gesamte Wertstrom und die damit verbundenen Flüsse an Material und Informationen aus Kundensicht verbessert. In dieser zukünftigen Struktur sollen alle nicht-wertschöpfenden Handlungen unterbunden werden. Damit dieses Ideal erreicht werden kann, muss vorab ein Maßnahmenplan entwickelt werden, um den vorab aufgezeichneten Ist-Zustand in den Ziel-Zustand zu überführen. Die Aktivitäten werden dabei nacheinander und aufeinander aufbauend umgesetzt. Das Ziel des Wertstromdesigns liegt darin, dass Prozesse im Wertstrom flussgerecht miteinander verknüpft werden. Zudem sollen mithilfe dessen die Durchlaufzeit verkürzt und die existierenden Bestände minimiert werden. Die Ausrichtung erfolgt auf Basis des Kundenbedarfes. Zudem wird durch diese Technik nicht ein einzelner Prozess betrachtet und optimiert, sondern der gesamte Fluss an Wertströmen wird effizienter und kundenorientierter gestaltet. Auf dieser Grundlage kann zum einen die Liefertreue gesteigert werden, zum anderen wird dadurch auch die Qualität verbessert, was durch eine sofortige Identifikation von Fehlern erzielt werden kann (vgl. Koch, 2015, S. 154).

Charakteristisch für ein Wertstromdesign sind dabei fünf wesentliche Merkmale. Wie bereits erwähnt erfolgt eine ganzheitliche Betrachtung des Wertstromes. Es werden sowohl Material- als auch Informationsflüsse visualisiert. Ferner ist die Zusammenarbeit auch über die Grenzen von Bereichen hinweg in einem Wertstromdesign abzubilden. Ein weiteres Merkmal ist eine stark zielorientierte Vorgehensweise. Überdies hinaus wird die Abbildung auf eine besonders anschauliche und verständliche Art ermöglicht (vgl. Geldmann, 2011, S. 93-94). In der nachfolgenden Abbildung eins ist beispielsweise ein Wertstromdesign dargestellt. Die Bedeutung der einzelnen Symbole, welche in der Grafik verwendet werden, kann der sich anschließenden Abbildung zwei entnommen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Beispiel Wertstromdesign

Quelle: Hirsch/Dickmann, 2015, S. 392

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Symbolik innerhalb des Wertstromdesigns

Quelle: Hirsch/Dickmann, 2015, S. 392

Bei der Erstellung eines Wertstromdesigns gilt es die Gestaltungsprinzipien zu beachten. Die Autoren Rother und Shook geben in ihrem Werk „Learning to see“ sieben Leitlinien vor, damit die oben genannten Ziele bestmöglich erreicht werden. Das erste Prinzip ist die Identifikation und Ausrichtung nach dem Kundentakt. Die zweite Leitlinie stellt die Implementierung eines Flusses in der Fließfertigung dar, welche auch als One-Piece-Flow bezeichnet wird. Drittens gilt es das Supermarktprinzip einzuführen, welches als definierter Bestandspuffer in der Fertigung fungiert. Ein weiterer Aspekt ist die Produktionsplanung, welche nur an bestimmten Stellen innerhalb des Wertstromes platziert werden soll. Die fünfte Regel beinhaltet die Einhaltung eines ausgeglichenen Produktionsmixes. Ferner wird in der sechstens Leitlinie ein ausgewogenes Produktionsvolumen thematisiert. Den Abschluss bildet die Vorgabe, dass ein Unternehmen in der Lage sein sollte, jedes Teil jeden Tag herstellen zu können (vgl. Pfeffer, 2014, S. 33-37).

3.2 IDEF - Integrated Computer-aided Manufacturing Definition Language

Eine weitere Möglichkeit für die Geschäftsmodellierung stellt die, in den 70er Jahren von der US Air Force entwickelte, Methodik der Integrated Computer-aided Manufacturing Definition Language (IDEF) dar. Die Version IDEF0 baut auf der strukturierten Programmierung auf (vgl. Gadatsch, 2010, S. 73). Die IDEF besteht aus einer Sammlung von verschiedenen Techniken zur Prozessmodellierung. Es existieren 15 verschiedenen Methoden. Die Varianten IDEF0, welche sich mit der Funktionsmodellierung beschäftigt, und IDEF1, die zur Modellierung von Daten und Informationen genutzt wird, sind die bekanntesten (vgl. Berning, o.A., S. 88-89).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Elemente eines IDEF0-Diagrammes

Quelle: Gadatsch, 2010, S. 74

Im IDEF0 gibt es nur zwei verschiedene Elementtypen, welche in Abbildung drei dargestellt sind. Zum einen existieren Tätigkeitsboxen. Diese stellen Vorgänge, Prozesse oder Aktivitäten dar. Zum anderen gibt es Pfeile, welche Geschäftsobjekte oder Informationen symbolisieren. Sowohl die Richtung als auch die Anordnung der Pfeile in Kombination mit den Tätigkeitsboxen können variieren. Beispielsweise stellt ein, aus einer Tätigkeitsbox, abgehender Pfeil eine mögliche Verfeinerung des Prozesses dar. Die Weiterentwicklung der IDEF0 Methodik ist die IDEF3, durch die auch Workflows dargestellt werden können. In dieser Variante können zudem zeitlich logische Abhängigkeiten der Tätigkeiten untereinander dargestellt werden. Zudem werden eigene Symbole verwendet, welche jedoch auf der Symbolik der IDEF0 basieren (vgl. Gadatsch, 2010, S. 73-75). Eine weitere Besonderheit der IDEF-Methodik ist der hierarchische Aufbau von Diagrammen. Zum besseren Verständnis ist dieses Prozess Mapping beispielhaft in Abbildung vier dargestellt. Im Startdiagramm (A-0) wird der Prozess als Ganzes abgebildet. Dabei werden alle Schnittstellen zur Umgebung als Pfeile dargestellt. Darunter fallen z.B. das Eingabeobjekt als Input oder das Ausgabeobjekt als Output. Diese Ansicht wird auch als Metamodell bezeichnet. Danach wird der Prozess Schritt für Schritt verfeinert wie zuerst in A0 und anschließend in A1 bis A3 zu sehen ist. Die Kästchen stellen dabei einzelne Prozessaktivitäten dar. Aus den Elternmodulen entstehen durch eine Detaillierung weitere Module, welche Kinder genannt werden (vgl. Schwab, 2014, S. 404-405).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Hierarchische Abstufung im IDEF0

Quelle: Schwab, 2014, S. 404

3.3 Ereignisgesteuerte Prozessketten

Gemäß dem Gabler Wirtschaftslexikon ist die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) ein „Entwurfsmodell zur Abbildung von Abläufen und Vorgängen.“ (Gabler Wirtschaftslexikon, 2018, EPK). Jan Marco Leimeister geht in seiner Definition noch weiter und bezeichnet eine EPK als „einen gerichteten Graphen, der aus Sequenzen von Funktionen, Ereignissen […] und Verknüpfungsoperatoren (Konnektoren) besteht.“ (Leimeister, 2015, S.120). Die EPK stellt einen zentralen Baustein der Architektur Integrierter Informationssysteme (ARIS), welcher der Beschreibung und Entwicklung von Informationssystemen dient, dar. Sie enthält spezifische Modellierungs- und Implementierungsmethoden für verschiedene Ebenen und Sichtweisen (vgl. Gadatsch, 2017, S. 92-93). Die Basisnotation der EPK besteht aus nur vier Elementen. Das erste Element stellt das Ereignis dar und wird durch ein Sechseck abgebildet. Diese sind passive Objekttypen. Jeder Prozess hat als Ausgangspunkt ein erzeugendes Ereignis, wodurch dieses ausgelöst wird. Innerhalb des Prozesses beschreiben Ereignisse einen Zustand, welcher ausgelöst wurde und gleichzeitig eine neue Aktivität erzeugt. Die Bezeichnung ist eine Kombination aus einem Substantiv und einem Verb im Perfekt. Zum besseren Verständnis dient Abbildung fünf. Darin enthalten ist ebenfalls die Funktion, welche das zweite Grundelement darstellt (vgl. ebd., S.96-97). Funktionen beschreiben die Veränderungen von Objekten, damit das Prozessziel erreicht werden kann. Sie sind Aufgaben oder Aktivitäten. Eine Funktion kann aufgrund ihrer Komplexität in Teilfunktionen zerlegt werden. Die niedrigste Stufe bildet die Elementarfunktion, welche nicht weiter geteilt werden kann und an einem Arbeitsplatz stattfindet. Innerhalb eines EPK´s werden Funktionen durch Rechtecke mit abgerundeten Ecken dargestellt und durch ein Substantiv mit einem Verb beschrieben. Da Funktionen durch Menschen oder Systeme ausgeführt werden, handelt es sich um einen aktiven Objekttyp. Das dritte Element stellen Kanten dar, welche durch einen Pfeil wiedergegeben werden. Sie verbinden Ereignisse mit Funktionen. Außerdem besteht ein EPK aus dem Element der Konnektoren. Sie werden benötigt, sobald eine Funktion durch mehrere Ereignisse ausgelöst wird oder diese auslöst (vgl. ebd., S.98-99).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Grundprozess eines EPK

Quelle: Gadatsch, 2017, S. 98

Zudem kann ein Ereignis ebenso zu mehreren Funktionen führen. Konnektoren werden durch einen Kreis symbolisiert. Aufgrund der Vielfalt gibt es drei verschiedene Typen von Konnektoren: die Konjunktion, die Adjunktion und die Disjunktion. Die genaue Darstellung ist in Abbildung sechs zu sehen (vgl. ebd., S.98-99).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Varianten der Konnektoren

Quelle: Gadatsch, 2017, S. 99

Für die Erstellung von einem EPK gibt es definierte Regeln. Beispielhaft ist zu nennen, dass eine Kante immer zwei verschiedene Objekte miteinander verknüpfen muss. Ebenso müssen sich Ereignisse und Funktionen im Ablauf abwechseln (vgl. Grabner, 2017, S. 108). Damit vollumfängliche und aussagekräftige Modelle erstellt werden können, reicht die EPK nicht aus. Aus diesem Grund wurde die erweiterte Ereignisgesteuerte Prozesskette (eEPK) entwickelt. Zusätzlich sind darin sowohl Datenobjekte, organisatorische Einheiten und Anwendungssysteme als auch Informations- und Materialflüsse enthalten. Die komplette Symbolvielfalt dessen ist in Abbildung sieben dargestellt (vgl. Leimeister, 2015, S.124).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 Notation einer eEPK

Quelle: Funk et al., 2010, S.32

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Ausgewählte Techniken der Prozessmodellierung
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Veranstaltung
Prozessmanagement und Nachhaltigkeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
25
Katalognummer
V442880
ISBN (eBook)
9783668807877
ISBN (Buch)
9783668807884
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prozesse, prozessmodellierung, wertstromdesign, bpmn, epk, uml, idef, geschäftsprozesse
Arbeit zitieren
Tricy Unger (Autor), 2018, Ausgewählte Techniken der Prozessmodellierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442880

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