Gegenüberstellung der Anforderungsprofile für die Beinarbeit im Tennis und im Handball


Diplomarbeit, 2001

157 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Inhaltsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Anforderungen im Sport
2.1 Die sportliche Leistung
2.2 Unterschiedliche Leistungskomponenten
2.2.1 Technik / Koordination
2.2.2 Taktik
2.2.3 Kondition
2.2.3.1 Ausdauer
2.2.3.2 Schnelligkeit
2.2.3.3 Kraft
2.2.3.4 Beweglichkeit
2.3 Zielgruppe/-n und Eingrenzungen

3 Beinarbeit im Tennis
3.1 Technik / Koordination
3.1.1 Abwehr / Verteidigung
3.1.1.1 Start in die Verteidigungs-Beinarbeit
3.1.1.2 Laufen zur Verteidigungs-Position
3.1.1.3 Einnehmen der Verteidigungs-Haltung
3.1.2 Angriff
3.1.2.1 Beginn der Angriffs-Beinarbeit
3.1.2.2 Laufen zum Treffpunkt
3.1.2.3 Schlagstellungen
3.2 Taktik
3.2.1 Abwehr / Verteidigung
3.2.1.1 Übergang in die Verteidigungsbeinarbeit
3.2.1.2 Laufen zur Verteidigungs-Position
3.2.1.3 Lage der Verteidigungs-Position
3.2.2 Angriff
3.2.2.1 Übergang in die Angriffsbeinarbeit
3.2.2.2 Laufen zum Treffpunkt
3.2.2.3 Einnehmen der Schlagstellungen
3.3 Kondition
3.3.1 Ausdauer
3.3.2 Schnelligkeit
3.3.3 Kraft
3.3.4 Beweglichkeit

4 Beinarbeit im Handball
4.1 Technik / Koordination
4.1.1 Abwehr
4.1.1.1 Stellungen
4.1.1.2 Elementare Lauf- und Bewegungstechniken
4.1.2 Angriff
4.1.2.1 Wurftechniken
4.1.2.2 Elementare Lauf- und Bewegungstechniken
4.2 Taktik
4.2.1 Abwehr
4.2.2 Angriff
4.3 Kondition
4.3.1 Ausdauer
4.3.2 Schnelligkeit
4.3.3 Kraft
4.3.4 Beweglichkeit
4.3.5 Konditionelle Anforderungen für den Gegenstoß

5 Gegenüberstellung der Anforderungsprofile für die Beinarbeit im Tennis und Handball
5.1 Technik / Koordination
5.1.1 Abwehr / Verteidigung
5.1.1.1 Start in die Verteidigungs-Beinarbeit und Laufen zur Verteidigungs-Position
5.1.1.2 Einnehmen der Verteidigungs-Haltung
5.1.2 Angriff
5.1.2.1 Start in die Angriffs-Beinarbeit und Laufen zum Treffpunkt
5.1.2.2 Einnehmen der Schlagstellung und Beinarbeit während der Schlagphase
5.2 Taktik
5.2.1 Abwehr
5.2.2 Angriff
5.3 Kondition
5.3.1 Ausdauer
5.3.2 Schnelligkeit und Antizipation
5.3.3 Kraft
5.4 Zusammenfassung

6 Schlußfolgerungen für die Praxis

7 Fazit und Schlußbemerkungen und Ausblick

8 Literaturverzeichnis

Anhang

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLEN- UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abb. 01: Die Komponenten sportlicher Leistungsfähigkeit

Tab. 01: Koordinative Fähigkeiten

Abb. 02: Analyseraster zur Einschätzung des koordinativen Anforderungsprofils der Wettkampftechnik des Sprungwurfs im Basketball

Abb. 03: Komponenten der Schnelligkeit

Abb. 04: Die unterschiedlichen Arbeitsweisen bei Kraftleistungen

Abb. 05: Die verschiedenen Kraftfähigkeiten

Abb. 06: Übersicht zu Faktoren der sportlichen Leistungsfähigkeit

Abb. 07.: Einflußfaktoren der Beinarbeit

Abb. 08: Allgemeine und spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten

Abb. 09: Grundlegendes Modell koordinativer Fähigkeiten im Tennis

Abb. 10: Side-Step und Kreuzschritt

Abb. 11: Winkelstellungen der Füße zueinander und zur beabsichtigten Schlagrichtung.

Abb. 12: Schlagstellungen

Abb. 13: Verteidigungs-Positionen

Abb. 14: Die drei taktischen Regionen

Abb. 15: Modell der konditionellen Faktoren im Tennis

Abb. 16: Ausgewählte Laufstrecken auf dem Tennisplatz

Abb. 17: Spielfähigkeit im Handballspiel

Abb. 18: Grundlegende Bewegungstechniken des Abwehrspielers

Abb. 19: Individuelle Technik des Angriffsspielers

Abb. 20: Lauftäuschung zur Wurfarmgegenseite mit Durchbruch zur Wurfarmseite

Abb. 21: Lauftäuschung zur Wurfarmseite mit Durchbruch zur Wurfarmgegenseite

Abb. 22: Übersicht über mögliche Folgehandlungen nach Wurf- und Paßtäuschungen

Abb. 23: Wurf-/Paßtäuschung zur Wurfarmgegenseite mit Durchbruch zur Wurfarmseite

Abb. 24: Wurf-/Paßtäuschung zur Wurfarmseite mit Durchbruch zur Wurfarmgegenseite

Abb. 25: Körpertäuschung zur Wurfarmgegenseite mit Durchbruch zur Wurfarmseite

Abb. 26: Körpertäuschung zur Wurfarmseite mit Durchbruch zur Wurfarmgegenseite

Abb. 27: Täuschung zur Wurfarmseite mit Durchbruch zur Wurfarmgegenseite ohne Tippen

Abb. 28: Konditionelle Anforderungsprofile

1 EINLEITUNG

Die Leistungsdichte im Spitzensport ist aufgrund zunehmender Professionalisierung auf allen Ebenen in den letzten Jahren und Jahrzehnten größer geworden. Die Leistungsunter- schiede haben immer mehr abgenommen, die Spitze ist immer weiter zusammengerückt und die sogenannten „Kleinen“ können immer öfter auch die „Großen“ besiegen. Für eine ideale Leistungsentwicklung wird heute in den meisten Lehrbüchern verschiedener Sport- arten empfohlen, auf eine allzu frühe Sportart-Spezialisierung zugunsten der Ausbildung möglichst breiter und allseitiger Bewegungsanlagen zu verzichten. Eine breite Bewe- gungsanlage verhindert nicht nur einseitige Belastungen und Monotonie von leistungsori- entiert trainierenden Jugendlichen, sondern bildet vor allem im Kindes- und Jugendalter eine gute koordinative Basis für das Erlernen neuer und vielfältiger Bewegungen. (s. u.a. STRAKERJAHN 1991, TROSSE 2001) Auf dieser Grundlage wird in der Trainingspraxis häufig das Betreiben einer zweiten Sportart empfohlen, die auf der einen Seite die Ausbil- dung einer breiten Bewegungsanlage unterstützen soll, und andererseits die erste Sportart - sofern es ähnliche Bewegungsmuster gibt - sinnvoll ergänzen kann. Ein Beispiel aus der Praxis soll dies bestärken: Magnus WISLANDER, schwedischer Nationalspieler und Leis- tungsträger beim Handball-Bundesligisten THW Kiel, erklärt und begründet den eigenen sport- lichen Weg gegenüber MEMMERT (1999, 12) dazu wie folgt: "Wichtig in meiner Jugendzeit ist gewesen, daß wir viel Spaß hatten, und es war nicht so wichtig, wie wir trainiert haben. Es war Spaß mit dem Ball. Nach Schulschluß sind wir sofort auf den Sportplatz gegangen, um zu spielen. In meiner Freizeit habe ich nur mit dem Ball gespielt; manchmal Fußball, manchmal Eishockey oder auch Handball..." Ähnliches lässt sich auch aus vielen anderen Bewegungsbio- graphien erfolgreicher Sportler feststellen. Beispielsweise hat Bernhard Kempa1, der als Hand- baller im nationalen und internationalen Bereich etliche Titel gewinnen konnte, erst im Alter von 47 Jahren mit dem Tennisspielen begonnen - und dabei als sogenannter Autodidakt sogar zwei Weltmeistertitel gewonnen (im Seniorenbereich). (EMDER ZEITUNG 2000, 15)2 Aber es gibt auch eine ganze "Reihe von Vorteilen, die für eine sportspielübergreifende Anfänger- ausbildung in den großen Sportspielen Handball, Fußball, Basketball und Volleyball, aber auch im Rugby, im Feld-/Eishockey oder sogar im Tennis sprechen." (MEMMERT 1999, 18) Dazu stellt MEMMERT (1999, 19) weiter fest, daß eine zum Teil bereits empirisch bestätigte "hohe Transferwirkung einzelner technischer und taktischer Basiskomponenten ... einen sportspielübergreifenden Zugang unproblematisch und wahrscheinlich sogar gewinnbrin- gend erscheinen" läßt.3 Welche Sportarten-Kombinationen sich aber aufgrund vergleichbarer Anforderungsprofile besser, und welche sich schlechter ergänzen, stützt sich in der Regel vor allem auf persönliche Einschätzungen und Vorlieben der jeweiligen Trainer, und weniger auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Spezifische und sportartübergreifende Gegenüberstellungen von Anforderungsprofilen bestimmter Sportarten sind - erst recht bezüglich des besonderen Aspektes der Beinarbeit - in der wissenschaftlichen Literatur nur sehr spärlich vorhanden.

In der Literatur gibt es zwar diverse Hinweise zur Trainingslehre (auch der einzelnen Sportar- ten). Die Grundlage dafür aber, nämlich die jeweiligen Anforderungsprofile, sind aber häufig nur unvollständig und am Rande erwähnt. Ein Hineinreichen in die Bereiche der Trainingslehre ist zwar nicht ganz zu umgehen - auch nicht innerhalb dieser Diplomarbeit -, dennoch aber ist es wichtig zu bemerken, daß eine "gesunde" Trainingsplanung letztlich nur auf der Basis von Analysen der jeweils entscheidenden sportartspezifischen Anforderungen auch erfolgreich umgesetzt werden kann. In vielen Texten jedoch wird die Kenntnis der Anforderungsprofile als selbstverständlich vorausgesetzt, ohne das auf genauere Analysen hingewiesen bzw. einge- gangen wird. Die bislang innerhalb der wissenschaftlichen Literatur berücksichtigten Angaben zu diesem Thema begrenzen und beziehen sich weiterhin nur auf vereinzelte Hinweise bezüg- lich der "zweiten" Sportart. Spezielle Ausführungen zum parallelen Betreiben der Sportarten Tennis und Handball bleiben in der Wissenschaft bislang nahezu unberücksichtigt. Sofern Vergleiche oder Gegenüberstellungen von Anforderungsprofilen stattfinden, beziehen sich diese am häufigsten auf den konditionellen Bereich und werden dabei eher oberflächlich und für eine ganze Reihe von Sportarten besprochen. Für den technisch-taktischen Bereich hinge- gen gibt es zwar einige Ansätze, jedoch beschränken sich diese entweder auf die Rückschlag- oder auf die Mannschaftsspiele. Innerhalb der Rückschlagspiele versucht insbesondere die Kommission Tennis der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) seit 1982, Kon- zepte für sportartübergreifende Zugänge bezüglich der Rückschlagspiele (Tennis, Badminton , Squash) zu entwickeln. Dabei werden unter der Prämisse des Vermittlungsaspektes und dem Anspruch um Zusammenführung (HOFFMANN / KOCH 1997, 7) die gemeinsamen Struktu- ren hinsichtlich der positiven "Verflechtung der ... Rückschlagspiele" (KOLLATH / MAIER 1997, 46) beschrieben. Um nun die Anforderungsprofile für die Beinarbeit im Tennis und im Handball einander gegenüberzustellen, müssen die einzelnen Komponenten, die für die Bein- arbeit ausschlaggebende Bedeutung besitzen, zunächst einmal genauer untersucht werden. Den Grundstein für die tennisspezifische Besprechung liefern dazu v.a. die aktuellen Lehrpläne des DEUTSCHEN TENNIS BUNDES (DTB 1995, 1996) und ein Werk von HESS (1992), der sich ausschließlich mit dem Aspekt der Beinarbeit auseinandersetzt. Für den Handballbereich wird ebenfalls auf die aktuellen Lehrpläne dieser Sportart zurückgegriffen (DEUTSCHER HANDBALL-BUND (DHB) 1994, 1997, 1999). Außerdem ist an dieser Stelle besonders TROSSE (1985, 1988, 1999, 2001) hervorzuheben, der sich in den letzten Jahren ebenfalls in einigen Werken u.a. mit den handballspezifischen Anforderungen auseinandergsetzt hat.

Persönliche Erfahrungen in verschiedenen Sportarten, darunter auch als Spielerin und Trainerin im Tennis und Handball, weckten das Interesse an einer Studie, die sich mit dem sportartübergreifenden Vergleich der Anforderungsprofile beider Sportarten beschäftigt. Aus der Praxis lassen sich dabei vor allem für die Beinarbeit, die einen bedeutenden Teil der Gesamtbewegung und damit einen wichtigen Aspekt sportlicher Leistung bildet, Über- einstimmungen in den Anforderungsprofilen vermuten. Dazu ist an dieser Stelle ebenfalls anzumerken, daß gerade die Beinarbeit sowohl im Handball (s. SPÄTE / WILKE 1989) als auch im Tennis (s. HESS 1992) in der wissenschaftlichen Literatur, aber auch in der Sportpraxis aufgrund immer athletischerer Spielweisen in den letzten 10-15 Jahren stärker berücksichtigt wird (und wurde). Das Ziel dieser Arbeit ist es nun - aufgrund einer Gegen- überstellung der Anforderungen an die Beinarbeit im Tennis und Handball - zu analysieren, inwieweit sich diese ergänzen und überschneiden, und ob sich dementsprechend (aufgrund der vorhandenen Gemeinsamkeiten) ein paralleles Betreiben beider Sportarten als förderlich für die jeweilige sportliche Leistung erwarten läßt. Für diesen Vergleich der Ansprüche an die Beinar- beit sind die Leistungskomponenten Technik / Koordination, Kondition und Taktik von allge- meiner Bedeutung. Eine besonderer Schwerpunkt dieser Arbeit wird dabei auf den Aspekt der Technik / Koordination gelegt. Um im folgenden auf die sportartspezifischen Merkmale einge- hen zu können, werden vorab die wichtigsten Aspekte der sportlichen Leistung im allgemeinen erklärt. (Kapitel 2) Daran anschließend wird dann zunächst auf die spezifischen Anforderungen an die Beinarbeit im Tennis (Kapitel 3) und im Handball (Kapitel 4) eingegangen, bevor im Kapitel 5 eine Gegenüberstellung dieser Anforderungsprofile erfolgt, und die Gemeinsamkei- ten, aber auch die Unterschiede aufgezeigt werden. Zum Abschluß werden einige Hinweise für die Relevanz und Konsequenzen bezüglich der Anwendung der vorgestellten Ergebnisse in der Sportartpraxis gegeben, bevor dann eine Zusammenfassung des Gesagten erfolgt. Um dabei eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, wird dazu im folgenden nur die männliche Anrede- form verwendet, wobei die weibliche jedoch mit eingeschlossen sein soll.

2 ANFORDERUNGEN IM SPORT

2.1 DIE SPORTLICHE LEISTUNG

Sportliche Leistungen basieren auf verschiedenen Leistungskomponenten. Alle Komponenten zusammen bilden das Anforderungsprofil, das in den verschiedenen Sportarten jedoch unter- schiedlich gegliedert sein kann, weil die einzelnen Komponenten eine jeweils andere und sportartspezifische Gewichtung erfahren. Um eine Gegenüberstellung der Anforderungsprofile an die Beinarbeit in den Sportarten Tennis und Handball vornehmen zu können, müssen die verschiedenen Komponenten, die Einfluß auf die sportliche Leistung im Sport haben, zunächst einmal grundsätzlich für den Sport im allgemeinen dargestellt werden. Im Anschluß werden dann in den Kapiteln drei und vier die jeweils spezifischen Anforderungsprofile untersucht. Die Kenntnis dieser speziellen Anforderungsprofile ist insofern von besonderer Bedeutung, als daß nur auf ihrer Grundlage eine gezielte Steuerung sportlicher Leistung erst möglich wird. (s. GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986) Man kann der sportlichen Leistung zwar ver- schiedene Komponenten zuordnen und sie anhand derer beschreiben, jedoch können diese ein- zelnen Faktoren der Leistungsfähigkeit nicht als voneinander unabhängig betrachtet werden. Vielmehr sind diese häufig nicht deutlich voneinander abzugrenzen, weil sie sich gegenseitig direkt oder indirekt beeinflussen und teilweise auch kompensieren können. (s. FUST 1997) Sportliche Leistungsfähigkeit resultiert aus dem Zusammenwirken aller Faktoren und ist als ein Komplex anzusehen, der durch die unterschiedlichen sportartspezifischen Anforderungen seine unterschiedlichen Strukturen erhält. (s. GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 01: Die Komponenten sportlicher Leistungsfähigkeit (in Anlehnung an GROSSER 1991, 11 und GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986, 15)

2.2 UNTERSCHIEDLICHE LEISTUNGSKOMPONENTEN

Die dargestellten Faktoren der Technik, Taktik, Kondition und Psyche können durch Training verbessert und die sportliche Leistungsfähigkeit dadurch gesteigert werden. Rahmenbedingun- gen und äußere Bedingungen hingegen sind durch sportliches Training nicht zu beeinflussen. Da beide - die Rahmen- sowie die äußeren Bedingungen - für die Beinarbeit im Sport zwar ei- ne Rolle spielen können (z.B. die Bodenbeschaffenheit oder das Schuhwerk), die anderen Komponenten aber eine deutlich höhere Bedeutung für die Beinarbeit haben und v.a., weil sie trainierbar sind, wird im weiteren auch nicht mehr ausführlich darauf eingegangen. Die psychi- schen Fähigkeiten spielen für die Beinarbeit im Sport zwar eine bedeutende Rolle: Mangelnde Motivation oder fehlender Einsatzwille können die Leistungsfähigkeit ebenso beeinträchtigen wie das individuelle Temperament des Sportlers; dennoch aber wird dieser Leistungsaspekt im Folgenden nicht speziell berücksichtigt, weil die für die Beinarbeit wichtigen psychischen Komponenten des Willens und der Motivation als grundlegend für beide hier im weiteren zu untersuchenden Sportarten (Tennis und Handball) vorausgesetzt werden. Abschließend ist noch auf die Unterscheidung von sportlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten hinzuweisen: Mit den Fertigkeiten beschreibt man die Anwendungsmöglichkeiten bestimmter Techniken, wäh- rend die Fähigkeiten eine wichtige Voraussetzung bilden, um die angestrebten Techniken bzw. Fertigkeiten überhaupt erlernen und entwickeln zu können. (s. HEINZEL / KOCH / STRA- KERJAHN 1997) Im Prinzip sind koordinative Fähigkeiten und technische Fertigkeiten in der Theorie sowie in der Praxis allerdings nicht ganz genau voneinander abzugrenzen, weil die Grenzen v.a. mit zunehmendem Leistungsniveau immer fließender verlaufen: "Bei der Bewe- gungsausführung beeinflussen sie sich gegenseitig und verbessern sich auch in Wechselwir- kung (ein Prozeß des gegenseitigen `Aufschaukelns´)." (s. NEUMAIER / MECHLING 1995)

2.2.1 TECHNIK / KOORDINATION

TECHNIK

Die Technik ist ein äußerlicher, und damit auch ein direkt wahrnehmbarer Faktor, der die sport- liche Leistung beeinflussen kann. Das unterscheidet die technischen Fertigkeiten auch von den konditionellen, koordinativen und taktischen Fähigkeiten, die nicht in dem Maße offensichtlich festzustellen sind. (s. HEINZEL et al. 1997) Im Sportwissenschaftlichen Lexikon (s. RÖTHIG 1992) wird die sportliche Technik als ein Komplex von Bewegungen und Teilbewegungen be- schrieben, der darauf abzielt, bestimmte situative Aufgaben im Sport zu lösen. WEINECK (1994, 248) liefert eine noch etwas genauere Definition zum Begriff der Technik: "Unter sport- licher Technik versteht man meist das in der Praxis entwickelte Verfahren, eine bestimmte Bewegungsaufgabe auf möglichst zweckmäßige und ökonomische Weise zu lösen. Die Tech- nik einer sportlichen Disziplin entspricht dabei einem sogenannten motorischen Idealtyp, der jedoch unter Einhaltung seiner charakteristischen Bewegungsmerkmale eine den individuellen Gegebenheiten entsprechende Modifizierung (persönlicher Stil) erfahren kann." Das bedeutet: Bewegungsaufgaben im Sport erfordern bestimmte Fertigkeiten, also mehr oder weniger fest- gelegte Lösungsverfahren - die sportlichen Techniken -, um diese Aufgaben erfolgreich lösen zu können. Sportliche Techniken erfüllen dann ihren Zweck, wenn durch sie Bewegungsauf- gaben bewältigt werden können. Für eine Bewegungsaufgabe kann es auch - neben dem "mo- torischen Idealtyp" (s.o.) - verschiedene Lösungswege geben. Oder anders formuliert: Be- stimmte Fertigkeiten können mit unterschiedlichen Techniken ausgeführt werden. (s. HEIN- ZEL et al. 1997) Die verschiedenen Technikvarianten sind jedoch meistens unterschiedlich gut dafür geeignet: Welche sportliche Technik die zweckmäßigste ist, hängt entscheidend vom Leistungsniveau des Sportlers sowie vom Schwierigkeitsgrad der Aufgabe oder der jeweiligen sportlichen Ausgangssituation ab. (s. LETZELTER 1987b) Für eine situationsadäquate Tech- nikanwendung werden dabei "allgemeine und aufgabenspezifische Fertigkeiten benötigt. All- gemeine Fähigkeiten sind hierfür Laufen, Hüpfen, Drehen, Werfen ...;" (HEINZEL et al. 1997, 9) die speziellen Fertigkeiten können zum Bsp. ein Sprungwurf im Handball, ein Vorhand- schlag im Tennis oder das Pritschen beim Volleyball sein. Demzufolge versteht man unter Fer- tigkeiten im Sport jene Verfahren, die zur Aufgabenlösung in bestimmten sportlichen Situatio- nen beitragen, und im Rahmen derer verschiedene Techniken unterschiedlich gut zu ihrer Be- wältigung geeignet sind.

Man unterscheidet sportliche Techniken bezüglich ihrer Zweckmäßigkeit: Sportliche Techni- ken, die um ihrer selbst willen ausgeübt und in ihrer Qualität beurteilt werden und demzufolge als Selbstzweck dienen, werden den Formbewegungen zugeordnet. Ihr Schwierigkeitsgrad sowie die Ausführungsgüte und Ästhetik der Bewegung entscheiden über sportlichen Erfolg oder Mißerfolg. Das ist zum Bsp. beim Turnen der Fall. Zweckbewegungen hingegen sind immer auf Ziele gerichtet, die außerhalb der sportlichen Technik bzw. außerhalb des speziellen Bewegungsablaufes selbst liegen. Unter diesem Anspruch können verschiedene Wege bzw. Techniken zum Erfolg führen, angestrebt wird v.a. im Leistungsbereich jedoch immer die ef- fektivste (s.o.). Die im Leistungssport ausgewählten und angewandten Techniken, deren Ein- satz am meisten Erfolg versprechen, orientieren sich an der aktuellen Technik der Besten in der jeweiligen Sportart und am momentanen Wissensstand der Biomechanik. Sie sind in der Regel an ein hohes Qualifikationsniveau gebunden und werden als Idealtechniken bezeichnet. (s. LETZELTER 1987b) Außerdem können Bewegungen sowohl qualitativ als auch quantitativ bewertet werden: Während sich die Qualität einer Bewegung anhand der von MEINEL und SCHNABEL (1976) definierten Merkmale von Bewegungsqualität wie Bewegungstempo, - rhythmus, -fluß, etc. beurteilen läßt, ist mit Hilfe biomechanischer Beobachtungen eine quanti- tative Beurteilung der entscheidenden Bewegungsmerkmale möglich. Techniken werden im Sport anhand ihrer Bewegung im Raum (kinematisch, Raum-Zeit-Verlauf) sowie ihrer Kraft- aufwendungen (Kraft-Zeit-Verlauf, dynamisch) beschrieben. Das Drei-Phasen-Modell von MEINEL und SCHNABEL zeigt die kinematische Grundstruktur von azyklischen Bewegun- gen, die in eine Vorbereitungs-, eine Haupt- und eine Endphase aufgeteilt werden. Die Reihen- folge der Phasen ist eindeutig festgelegt und nicht umkehrbar, da sie aufeinander aufbauen und verschiedene gegenseitige Beziehungen bestehen. Azyklische Bewegungen können weiter de- finiert werden als Aktionen, "mit deren einmaliger Ausführung die gestellte Bewegungsaufga- be (das Ziel) erreicht wird." (GROSSER / HERMANN / TUSKER / ZINTL 1987, 23) Ein ent- scheidendes Merkmal azyklischer Bewegungsabläufe "ist die Verbindung von `Abbremsen der Bewegung´ am Ende der Vorbereitungsphase und `Bewegungsumkehr´ zu Beginn der Haupt- phase." (GROSSER et al. 1987, 23) Fallen Endphase des vorhergehenden Zyklus und Vorbe- reitungsphase des folgenden Zyklus hingegen zusammen, handelt es sich dagegen um zykli- sche Bewegungen. "Die Grundstruktur zyklischer Bewegungen ist somit zweiphasig" (GROS- SER et al. 1987, 23), da sie sich aus einer Haupt- und einer Zwischenphase (der Kombination von Vorbereitungs- und Endphase) zusammensetzt. Die Bedeutung der Technik hat für die verschiedenen Sportarten einen unterschiedlichen Stellenwert. In Sportarten, in denen es nur einer einzigen Technik bedarf (monotechnische Sportarten), wird der Technik vergleichsweise weniger Relevanz zugemessen als in Sportarten, die auf mehrere Techniken zurückgreifen (po- lytechnische Sportarten). Der Stellenwert der Technik und damit des Techniktrainings nimmt mit der Anzahl der zum Einsatz kommenden Techniken zu.

KOORDINATION

Die Bedeutung und allgemein hohe Einschätzung der koordinativen Grundlagen ist in der sportwissenschaftlichen Literatur unbestritten. Trotzdem weisen NEUMAIER und MECH- LING (1995) jedoch darauf hin, daß lediglich "kaum differenzierte und theoretisch unzurei- chend begründete Analysen des koordinativen Anforderungsprofils und des Koordinationstrai- nings auch in Abgrenzung zum reinen Techniktraining" bestehen. Die vorhandenen Konzepte zu den koordinativen Fähigkeiten beschäftigen sich meistens sehr oberflächlich mit dem Grundlagenbereich und der allgemeinen Koordination. Damit ist jedoch keine Übertragung auf genaue Analysen für spezifische koordinative Anforderungsprofile der einzelnen Sportar- ten möglich. In der Physiologie versteht man unter dem Begriff Koordination das Zusammen- spiel synergistisch und antagonistisch arbeitender Muskulatur. (s. ROTH 1987) BRACK, BU- BECK und PIETZSCH (1996, 13) umschreiben diese Fähigkeit als "Zusammenspiel von Zent- ralnervensystem und Skelettmuskulatur innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufes". HEIN- ZEL, KOCH und STRAKERJAHN (1997) bezeichnen die Koordination in ähnlicher Weise, wenn sie diese als diejenige Fähigkeit beschreiben, die bei einer Bewegung die beteiligten Muskeln so koordiniert, daß die gewünschte sportliche Handlung zustande kommt. Dabei un- terscheidet man die Koordination in intra- und intermuskuläre Koordination (s. Kap.

2.2.3.2 zur Schnelligkeit). DANGEL (1993, 243) beschreibt den Begriff Koordination etwas allgemeiner4 als "die Fähigkeit, gezielte Bewegungen mit dem geringsten Kraftaufwand schnellstmöglichst, situationsbedingt anwenden zu können." Im Sportspiel können die einzel- nen Spielaufgaben, die in den ständig wechselnden Spielsituationen immer wieder gefordert werden, sehr stark variieren und den spezifischen Einsatz verschiedener Techniken verlangen. Um dieses zu gewährleisten, braucht der Spieler seine koordinativen Fähigkeiten. Diese kön- nen den Spielerfolg letztendlich sogar in höherem Ausmaß als die beobachtbare Technikaus- führung bestimmen. (s. HEINZEL et al. 1997) Außerdem stellt DANGEL fest, daß Koordina- tion bei allen Beanspruchungsformen körperlicher Fähigkeiten gefordert sind. Demzufolge bemerken HEINZEL et al. (1997), daß die koordinativen Fähigkeiten (ebenso wie die übrigen konditionellen Fähigkeiten auch) eine grundlegende Voraussetzung zur Entwicklung der benö- tigten technischen Fertigkeiten darstellen. Daraus resultierend unterscheiden HEINZEL et al. (1997, 10) "in allgemeine Fähigkeiten, die sehr generell und übergreifend wirken, und in spe- zielle Fähigkeiten, die direkt und spezifisch bestimmte sportliche Tätigkeiten beeinflussen." Dabei können die speziellen Fähigkeiten einerseits als Grundlage für den Erwerb und die Fes- tigung sportartspezifischer Fertigkeiten und der dazugehörigen verschiedenen Techniken ange- sehen werden. Andererseits besitzen diese (Fertigkeiten / Techniken) bei ihrer Anwendung aus umgekehrter Sicht auch Rück- und Auswirkungen auf die Ausbildung dieser Fähigkeiten.

Die biomechanische Betrachtungsweise bezieht diesen Begriff hingegen auf den räumlichen, zeitlichen und kräftemäßigen Ablauf von Bewegungen. Äußerlich sichtlich sind Harmonie, Rhythmus und die flüssige Ausführungsweise der Bewegung (s. ROTH 1987). Aus trainings- theoretischer Sichtweise sind es die koordinativen Fähigkeiten, die es dem Sportler ermögli- chen, "motorische Aktionen in vorhersehbaren (Stereotyp) und unvorhersehbaren (Anpassung) Situationen sicher und ökonomisch zu beherrschen und sportliche Bewegungen relativ schnell zu erlernen." (FREY 1977, 356) GROSSER (1991, 12) beschreibt die koordinativen Fähigkei- ten aus trainingswissenschaftlicher Sicht als Voraussetzung für Bewegungstechniken, die in den "Strukturen, Präzision, Konstanz, Rhythmus, u.a." sichtbar werden. (s. GROSSER / NEUMAIER 1982, WILLIMCZIK / ROTH 1983, GROSSER / BRÜGGEMANN / TUSKER / ZINTL 1987) Im Gegensatz zu den konditionellen Fähigkeiten und Fähigkeitskonzepten, die bereits in einem hohen Maße standardisiert und definiert sind, existieren bezüglich der koordinativen Fähigkeiten eine ganze Reihe und eine teilweise sehr unübersichtliche Fülle ver- schiedener, miteinander konkurrierender allgemeiner Konzepte sowie Beschreibungen einzel- ner Aspekte. Es fehlt in der sportwissenschaftlichen Literatur ein standardisiertes wissenschaft- liches Theoriegebäude zu den koordinativen Leistungsfaktoren, welches auch auf die speziel- len Anforderungen in den einzelnen Sportarten und -disziplinen angewandt werden kann. (s. NEUMAIER / MECHLING 1995, 14) Das stellen auch HEINZEL et al. (1997, 14) fest, die "besonders das Fehlen von sportartspezifischen (speziellen) Konzepten beklagen." Im Wesent- lichen sind zwei verschiedene Forschungsrichtungen gegeneinander abzugrenzen: Auf der ei- nen Seite die deduktiven Forschungsansätze, die bemüht sind, sämtliche relevanten Wissen- schaftsbereiche zu berücksichtigen und zu integrieren. Und auf der anderen Seite stehen die in- duktiven Ansätze, die besonders bedeutsam für die Sportpraxis sind, weil sie sich an den äußer- lich sichtbaren Bewegungsmerkmalen koordinativer Fähigkeiten orientieren. (Gleiches gilt im übrigen auch für den Bereich Technik.) Dazu gehören z.B. der Bewegungsfluß, -kopplung, - harmonie, etc. (s.o.). Von diesen Merkmalen wird auf interne und individuelle motorische Fä- higkeiten und damit auf die koordinative Leistung geschlossen. Für diese Diplomarbeit sind aufgrund ihrer Praxisnähe besonders diese induktiven Ansätze von Bedeutung. Auf eine weite- re Darstellung der deduktiven Ansätze wird daher verzichtet.

INDUKTIVE ANSÄTZE

Die ersten aus der Sportpraxis stammenden Modellvorstellungen kennzeichnen koordinative Fähigkeiten als Gewandtheit, oder auch damit, Bewegungen schnell zu erlernen und sicher so- wie ökonomisch beherrschen und anwenden zu können. HIRTZ (1977) unterteilt die koordina- tiven Fähigkeiten aufgrund eigener Untersuchungen und der Ergebnisse anderer Wissenschaft- ler in sechs einzelne Komponenten von Bewegungskoordination: Reaktionsfähigkeit5, ki- nästhetische Differenzierungsfähigkeit, räumliche Orientierungsfähigkeit, Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit, Fähigkeit zu kontinuierlichen Bewegungshandlungen, Fähigkeit zur Koordination unter Zeitdruck. BLUME (1978) und DANGEL (1993) nehmen eine ähnliche Einteilung vor und differenzieren in folgende sieben Fähigkeiten, welche die Koordination be- inhaltet: Orientierungs-, Kopplungs-, Differenzierungs-, Gleichgewichts-, Rhythmisierungs-, Reaktions- und Umstellungsfähigkeit. Dazu gibt er in einer Tabelle kurze Definitionen zu jeder einzelnen Fähigkeit und erklärt zusätzlich, auf welche Sinnessysteme diese angewiesen sind. Diese Einteilung der verschiedenen Komponenten und ihre Beschreibung erfolgt in Anlehnung an BLUME (1978) und werden ebenfalls im DTB-Lehrplan (s. DTB 1996) zugrunde gelegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 01: Koordinative Fähigkeiten. (DANGEL 1993, 194/195, 3b)

Die Ziele der Koordination definiert DANGEL in einer Erweiterung des Bewegungsschatzes, einer verkürzten Lernfähigkeit für neue Bewegungen, besseren Bewältigung schwieriger Aus- gangspositionen, der situativen Anwendung spezifischer Techniken und einer Verbesserung der Antizipationsfähigkeit. Die Koordinationsfähigkeiten ihrerseits wird v.a. beeinflußt durch die Reaktionsschnelligkeit, zyklische und azyklische Schnelligkeit, Kraft und Antizipationsleis- tungen. ROTH (1982) versuchte, die Vielzahl an Konzepten für die allgemeinen Koordinati- onsfähigkeiten unter einen Hut zu bringen, wobei er sich stark an die Ausführungen von HIRTZ anlehnt. ROTH teilt Bewegungskoordination zunächst in zwei koordinative Grundka- tegorien: die Orientierung an der Zeit (von HIRTZ bezeichnet als Fähigkeit zur Koordination unter Zeitdruck) und die Orientierung an Bewegungserfolg und -genauigkeit (von HIRTZ definiert als Fähigkeit zu kontinuierlichen Bewegungshandlungen und zur Bewegungskontrol- le). Weiterhin unterscheidet ROTH zwischen konstanten und wechselnden Ausführungsbedin- gungen bzw. zwischen Steuerungs- und Anpassungs- / umstellungsfähigkeiten, die er den bei- den Grundkategorien jeweils zuordnet. Demzufolge besteht das von ROTH (1982) entwickelte Konzept der allgemeinen koordinativen Fähigkeiten aus vier Fähigkeits-Komplexen6:

- Fähigkeit zur schnellen motorischen Steuerung

- Fähigkeit zur schnellen motorischen Anpassung und Umstellung ¾ Fähigkeit zur präzisen motorischen Steuerung

- Fähigkeit zur präzisen motorischen Anpassung und Umstellung

Das derzeit wohl bekannteste und gebräuchlichste Modell wurde jedoch von HIRTZ im Jahre 1985 aufgestellt. Dabei modifiziert er seine Ausführungen von 1977 und begrenzt sein Konzept auf "fünf fundamentale allgemeine koordinative Fähigkeiten", die jedoch nicht als eigenständi- ge Bereiche zu sehen sind. Vielmehr betont ROTH in seiner Darstellung v.a. die enge Ver- knüpfung aller Faktoren untereinander: Reaktionsfähigkeit, Rhythmusfähigkeit, Gleichge- wichtsfähigkeit, räumliche Orientierungsfähigkeit und kinästhetische Differenzierungs- fähigkeit. Da diese einzelnen Komponenten bereits in der Abbildung von DANGEL (1993, 194/195) kurz erklärt wurden (s.o.), wird hier auf eine weitere Darstellung jedoch verzichtet.

Abschließend bleibt noch das Konzept von NEUMAIER und MECHLING (1995, 14ff) zu er- wähnen, die einen "Strukturierungsvorschlag zur Analyse und zum Training spezieller koordinativer Leistungsvoraussetzungen" entwickelt haben. In ihrem Konzept versuchen die Autoren ein sportartübergreifendes Strukturmodell für die allgemeinen koordinativen Anforde- rungen aufzustellen, das sich auch auf die spezifischen Anforderungen der Bewegungsaufga- ben in den einzelnen Sportarten übertragen läßt. Dazu ziehen sie ebenfalls die von DANGEL (1993, s.o.) bereits erwähnten Informationsquellen / Analysatoren7 für ihre Einteilung der An- forderungskategorien an die aufgabenspezifische Koordination als ein wesentliches Merkmal heran. Die unterschiedliche Nutzung der einzelnen Informationsquellen begründen NEUMAI- ER und MECHLING (1995) dabei mit dem jeweiligen Fertigkeitsniveau sowie dem Automati- sierungsgrad des einzelnen Sportlers. Für eine weitere Ausdifferenzierung des Analyserasters werden folgende fünf grundlegende Einflußfaktoren koordinativer Anforderungen bestimmt:

- Genauigkeitsanforderungen (Präzisionsdruck)

Die Anforderungen an die Koordination können unterschiedlich hoch sein. Ein entscheidender Faktor für die Bestimmung ist die geforderte Bewegungsgenauigkeit: Je größer der Präzisionsdruck, desto höher sind auch die koordinativen Anforderungen. Dabei unterscheiden NEUMAIER und MECHLING zwei Anforderungen an die Genauigkeit: die Zielpräzision und die Präzision der Ausführung. (s. Kap. 2.2.1)

- Verfügbare Bewegungszeit (Zeitdruck)

Die koordinativen Anforderungen steigen in ihrer Schwierigkeit ebenfalls bezüglich der erforderlichen Bewegungsgeschwindigkeit für die jeweilige Bewegungsaufgabe. Auch hier wird wieder in zwei Aspekte unterteilt: die Geschwindigkeit einer Bewegungsausführung im Sinne der Schnellkoordination (s. 2.2.3.2) und die Geschwindigkeit von bewegungsvorbereitenden Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozessen.

- Bewegungskomplexität und -organisation (Komplexitätsdruck)

Die koordinativen Schwierigkeiten variieren ebenfalls in Abhängigkeit von der Zahl der verschiedenen Freiheitsgrade des Bewegungssystems, wobei freien Bewegungen gegenüber eher geführten Bewegungen (z.B. beim Rudern oder Radfahren) die höheren Anforderungen stellen. Außerdem steigt die Koordinationsfähigkeit, je mehr sich der Körper nicht in einem stabilen Gleichgewichtszustand befindet. Auch die Koordination von mehreren gleichzeitig oder aufeinanderfolgenden Bewegungsteilen stellt erhöhte Anforderungen an die "Abstimmung" einer Bewegungshandlung (Bewegungskomplexität).

- Umweltanforderungen

Der Schwierigkeitsanspruch an die koordinativen Fähigkeiten wird ebenso durch die Varibilität der äußeren Bedingungen (s. Kap. 2.1) und die Situationskomplexität (Mitspieler / Gegner) geprägt. Außerdem beinhaltet die Orientierung an der Umwelt die Fähigkeit zur Umstellung und Anpassung an wechselnde Bedingungen (s.o., zu den Ausführungen von ROTH).

- Belastung / Beanspruchung

Sowohl die Belastungsdauer als auch die Intensität, mit der sie ausgeübt wird, haben Auswir- kungen auf die Qualität der Bewegungskoordination. Die koordinativen Anforderungen sind somit immer dann höher einzustufen, wenn die physische Vorbelastung (Ermüdungszustand) und die aktuelle muskuläre Beanspruchung durch den Bewegungsablauf selbst auf einem höheren Niveau liegen. (s. NEUMAIER / MECHLING 1995)

Bei der Übertragung dieses Analyserasters auf konkrete Anforderungsprofile der einzelnen zu untersuchenden Sportarten erfolgt bezüglich der kategorialen Einteilungen von den Informati- onsquellen / Analysatoren eine Zuordnung, die "den Grad der Beteiligung der jeweiligen Ana- lysatoren" (NEUMAIER / MECHLING 1995, 16) mit einem oder mehreren Plus- und Minus- zeichen angibt. Die dargestellten Einflußfaktoren (Präzisionsdruck etc.) werden bei der sport- artspezifischen Erfassung durch dieses Analyseraster ihrem Schwierigkeitsgrad entsprechend auf einer Skala von einem geringem bis hohen Anforderungsgrad bewertet. Als Bsp. für eine solche sportartspezifische Erfassung mit Hilfe dieses Rasters soll hier das koordinative Anfor- derungsprofil der Wettkampftechnik im Basketball angeführt werden:

Wie das Bsp. zeigt, werden im Sport häufig nicht nur hohe Anfor- derungen an einen einzigen Einfluß- faktor gestellt: Bei den meisten Be- wegungsaufgaben werden kombi- nierte Anforderungen von mittlerer bis hoher Ausprägung für mehrere oder sogar für alle Faktoren einge- fordert. Außerdem gehen NEU-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 02: "Analyseraster zur Einschätzung des

MAIER und MECHLING (1995) koordinativen Anforderungsprofils der Wettkampf- von Beziehungen und Verknüpfun- technik des Sprungwurfs im Basketball" (NEU- MAIER / MECHLING 1995, 16) gen der einzelnen einzelnen Faktoren untereinander ebenso aus, wie die Autoren der bereits dargestellten Konzepte zur Koordination auch. Sie merken jedoch auch an, daß "die Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Faktoren im Detail noch nicht genügend bekannt" sind. Genauso wenig bekannt sind aufgrund fehlender empirischer Untersuchungen die etwaigen Wechselbeziehungen von allgemeinen koordinativen Leistungsvoraussetzungen und sportartspezifischen Anforderungen an die Koordination. Weitere Defizite in der wissenschaftlichen Literatur bestehen nicht nur hinsichtlich der sportartspezifischen Anforderungskonzepte (s.o.), sondern auch bezüglich der Verbindung von koordinativen und kognitiven Fähigkeiten (z.B. Antizipation / Wahrneh- mung), des Einflusses von Automatisierungsgraden und dem jeweiligen Leistungsniveau eines Sportlers etc.

2.2.2 TAKTIK

Diese Leistungskomponente wird von LETZELTER (1987a) definiert als ein System von Handlungsplänen und Entscheidungsmöglichkeiten mit dem Ziel einer optimalen sportlichen Handlungsrealisierung. LETZELTER trennt dabei zwei Aspekte sportlicher Taktik: Der orga- nisatorische Aspekt beinhaltet sowohl die eigenen Fähigkeiten als auch die Bereitstellung aller nötigen Wettkampfmittel und die äußeren Bedingungen wie Schiedsrichter und Zuschauer, Wettkampfanlage und auch den Stellenwert des Wettkampfes. Unter Berücksichtigung aller organisatorischen Wettkampfelemente wird im Hinblick auf den Wettkampf ein taktisches Konzept erarbeitet und eingeübt. Möglicherweise auftretende Schwierigkeiten werden so weit wie möglich berücksichtigt. Der handlungsorientierte Aspekt hingegen schließt jene Hand- lungsweisen, die vom Sportler selbst gesteuert werden und dem eigenen Wettkampferfolg die- nen. Dazu gehören jedoch nicht nur Aktionen während des Wettkampfgeschehens, sondern auch im Vorfeld dessen stattfindende Lern-, Übungs- und Trainingsprozesse.

Da Taktik in den verschiedenen Sportarten unterschiedlich große Bedeutung besitzt, trennt LETZELTER grob drei Sportartengruppen, wobei die dritte allerdings noch einmal unterteilt wird:

1.) Sportarten mit indirektem Leistungsvergleich (z.B. Turnen)
2.) Sportarten mit direktem Vergleich, in denen der Wettkampf nebeneinander stattfindet, also ohne direkten Körperkontakt (z.B. 100m-Lauf)
3.) Sportarten, in denen Kämpfe unmittelbar gegeneinander stattfinden, wobei diese einerseits mit direktem Körperkontakt sowie körperlicher Behinderung (z.B. Handball), und anderer- seits ohne Körperkontakt (z.B. Tennis) gegeneinander durchgeführt werden. Der Einfluß der taktischen Komponente auf die sportliche Leistung nimmt von der ersten Kategorie bis zur dritten deutlich zu. Spielt sie für Sportarten mit indirektem Leistungsver- gleich nur eine nachrangige Rolle, nimmt ihre Bedeutung bis zur dritten Kategorie deutlich zu. In den Sportarten dieser Kategorie ist die Taktik gegenüber den Leistungskomponenten Tech- nik und Kondition etwa gleichwertig. Technische, konditionelle und koordinative Leistungsfä- higkeiten können nur dann optimal entfaltet werden, wenn sie im richtigen Zeitpunkt situati- onsgerecht durchgeführt werden. Die situationsadäquate Anwendung von Techniken ist

Inhalt der Taktikschulung im Sport, die sich in den Sportspielen v.a. mit dem Problem der schnellen und zielsicheren Aufgabenbewältigung in der jeweiligen Spielsituation beschäftigt. Entscheidend ist dabei die situationsangemessene Auswahl der jeweils am besten geeigneten Technik („Was-Entscheidung“). (LETZELTER 1987a, HAGEDORN / LORENZ / MESECK 1985, 369ff)

Das Erarbeiten und Einsetzen sportlicher Taktiken setzt voraus, daß man sowohl über takti- sches Wissen als auch über Regeln und Abläufe des Wettkampfes informiert ist und taktische Grundsituationen - bei den Sportspielen Bsp.sweise sowohl im Angriff als auch in der Abwehr - praktisch beherrscht. Taktische Handlungen im Sport durchlaufen - wie jede sportliche Aktivität - verschiedene Phasen, bevor am Ende die Ausführung und gegebenenfalls ihre Durchführung steht. Die Phaseneinteilung nach LETZELTER (1987a, 469):

1.) Wahrnehmung der an der momentanen Situation beteiligten Faktoren.
2.) Situationsanalyse und gedankliche Auseinandersetzung mit der Situation und den Zu- sammenhängen der einzelnen Faktoren. Gedankliches Durchspielen verschiedener Lö- sungsmöglichkeiten sowie Kalkulation von eigenen, gegnerischen und eventuell den Fä- higkeiten der Mitspieler.
3.) Erstellung und Entscheidung für ein konkretes Handlungsprogramm.
4.) Umsetzung dessen in motorische Handlungen und eventuell auch Änderungen des geplan- ten Handlungsprogramms, wenn die jeweilige Situation es erfordert.
5.) Im Anschluß daran - oder zum Teil auch noch während der Phase der Aktion selbst - folgt eine Analyse des oder der Ergebnisse. Ablauf und Ergebnis der Handlung werden mit dem im Gedächtnis gespeicherten Sollwert verglichen und im Hinblick auf den sportlichen Erfolg bewertet.

Die taktischen Anforderungen an eine sportliche Situation sind demnach sehr komplex. Verfügt der Sportler jedoch über grundlegende Erfahrungen über die Bewältigung derartiger Situationen, können ihm diese beim Bewältigen der momentanen Situation auch durch verbesserte Antizipationsfähigkeiten (s. Kap. 2.2.3.2 Schnelligkeit und Antizipation) behilflich sein. Außerdem hängt die erfolgreiche Bewältigung taktischer Aktionen im Sport zu einem großen Teil auch vom technischen Leistungsniveau des Sportlers und gegebenenfalls seiner Mitspieler ab. Der Sportler muß eine Lösungsvariante wählen, die er technisch beherrscht, um letztendlich seine Aktion erfolgreich abschließen zu können. Für die technischen Fähigkeiten sind jedoch wiederum konditionelle Fähigkeiten grundlegend. Somit ist das taktische Leistungsvermögen auch von technischen und konditionellen Fähigkeiten abhängig.

TAKTIK - STRATEGIE

Der Bereich der Taktik bezieht sich auf kurzfristige und situationsbedingte Lösungshandlungen (unter Berücksichtigung innerer und äußerer Einflüsse). Der Begriff Strategie hingegen, der im Zusammenhang mit der Taktik häufig genannt wird, bezeichnet auf mittel- und langfristige or- ganisatorische Aspekte ausgerichtete Maßnahmen (z.B. auf das jeweilige Saisonziel einer Mannschaft oder auf andere grundlegende Pläne, die über das einzelne Spiel oder den einzel- nen Wettkampf hinausgehen).

2.2.3 KONDITION

Zu den konditionellen Fähigkeiten gehören in der Trainingslehre die klassischen vier Bereiche Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Beweglichkeit. Manchmal wird auch die Koordination dazu gerechnet, u.a. deshalb, weil sie mit der konditionellen Fähigkeit Schnelligkeit einige Zusam- menhänge aufweist. Eng verknüpft sind koordinative Fähigkeiten aber auch mit dem Bereich Technik, in dem den koordinativen Fähigkeiten eine große Bedeutung zuzuordnen ist. Gute koordinative Fähigkeiten ermöglichen ein "leichteres" und schnelleres Erlernen von Techniken, und sie erlauben dem Spielsportler auch unter erschwerten bzw. sich ändernden äußeren Be- dingungen ein situationsangemessenes Ausführen seiner Bewegungen / Bewegungstechniken. Deshalb wird die Koordination auch hier dem Technik-Kapitel zugeordnet. (s. WEINECK 1994) Unter allgemeiner Grundkondition versteht man eine sportartübergreifende Kondition, wobei alle Komponenten der Kontition auf einem möglichst gleichmäßig hohen Ausbildungs- niveau sind. Bei der spezielle Kondition hingegen ist der Ausbildungsstand sportartspezifisch, und zielt hauptsächlich auf eine bestimmte Sportart ab. Im Rahmen dieser Diplomarbeit sollen in den folgenden Kapiteln 3 bis 5 neben den grundlegenden technischen Fertigkeiten und koor- dinativen Fähigkeiten sowie der Taktik die speziellen, sportartspezifischen konditionellen An- forderungen an die jeweilige spezifische Beinarbeit im Tennis und im Handball zunächst eru- iert und anschließend miteinander verglichen werden. (s. WEINECK 1994)

2.2.3.1 Ausdauer

Sportliche Leistungen in Training und Wettkampf führen zur Ermüdung. Die Widerstandsfä- higkeit gegen diese Ermüdung bezeichnet man als Ausdauer. Diese ist nötig, um eine Leistung über längere Zeit aufrecht erhalten zu können, d.h. ohne einen ermüdungsbedingten Leistungs- abfall. Eine genauere Einteilung der Ausdauer erfolgt nach der Belastungszeit in die Bereiche Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauer. Eine gute Langzeit- bzw. Grundlagenausdauer (s.o.) er- möglicht eine schnellere und vollständigere Erholung nach Belastungen. Damit besitzt die Ausdauerfähigkeit im Sport allgemein und v.a. für den Trainingsbetrieb eine Basisfunktion. In- tensives und umfangreiches Training ohne lange Pausen kann nur auf der Grundlage einer gut entwickelten Ausdauer durchgeführt werden. Das gilt damit auch für die Sportarten, in denen Ausdauer für die Wettkampfleistung keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt. Bsp.sweise könnte ein Sprinter nur sehr geringe Trainingsumfänge nutzen und nur ein paar kurze Sprints pro Trainingseinheit durchführen, wenn er nicht auf ein gewisses Maß an Aus- dauerkapazitäten zurückgreifen könnte. Für eine optimale Leistungssteigerung reichen derart geringe Trainingsumfänge aber nicht aus. (s. DE MARÉES 1994, LETZELTER 1987, STE- GEMANN 1991) In der Trainingslehre wird daher die konditionelle Fähigkeit Ausdauer von ZINTL (1994, 28) wie folgt definiert: "Ausdauer bezeichnet die Fähigkeit, physisch und psy- chisch lange einer Belastung zu widerstehen, deren Intensität und Ausdauer letztlich zu einer unüberwindbaren Ermüdung führt, und / oder sich nach physischen und psychischen8 Belas- tungen rasch zu regenerieren. Kürzer ausgedrückt: Unter Ausdauer versteht man Ermü- dungswiderstands- und rasche Wiederherstellungsfähigkeit."

Wichtig für die Sportpraxis ist auch die Unterscheidung von Grundlagen-, d.h. allgemei- ner, und spezieller Ausdauer (s.o.): Während die Grundlagenausdauer die Basis für den Trainings- und Wettkampfbetrieb in sämtlichen Sportarten bildet und sämtliche Ausprä- gungen von Ausdauerfähigkeiten beinhaltet, orientiert sich die spezielle Ausdauer an den individuellen Anforderungen der jeweiligen Sportart. Man kann die unterschiedlichen Ausdauerformen darüber hinaus auf verschiedene Art und Weise weiter differenzieren. Sehr bekannt und v.a. sehr praxisnah stellt sich das Schema von HOLLMANN und HET- TINGER (1990) dar: Demnach erfolgt eine Gliederung nach den Kriterien Energiegewin- nung, Arbeitsweise und Lokalisation. (s. LETZELTER 1987) Da für die hier im folgen- den angestrebte Gegenüberstellung in erster Linie die Frage der Energiegewinnung von Bedeutung ist, sollen die Erklärungen hier auch auf dieses Kriterium beschränkt werden:

Bei der Energiegewinnung unterscheidet man zunächst einmal die aerobe und die anae- robe Ausdauer. Der Körper greift bei unterschiedlichen Arbeitsintensitäten und -umfängen auf verschiedene Stoffwechselvorgänge zurück, um Energie zu gewinnen bzw. freizuset- zen. Das Ziel aller Stoffwechselvorgänge ist dabei die Herstellung von Adeno- sintriphosphat (ATP). (s. DE MARÉES 1994) Für kurze, intensive Belastungszeiten, wie sie zum Bsp. beim 100-Meter-Sprint gefordert sind, spielen Phosphate aufgrund ihrer schnellen Verfügbarkeit die entscheidende Rolle bei der Energiebereitstellung. Dazu ver- braucht der Körper zunächst die vorhandenen ATP-Bestände in der jeweiligen Muskulatur, die bei maximalen Kontraktionen allerdings nur etwa 1-2 Sekunden ausreichen. Über die sogenannte Lohmann-Reaktion wird mit Hilfe von Kreatinphosphat (KP) wieder ATP syn- thetisiert. Aber auch diese Form der Energiegewinnung kann bei maximaler Arbeitsweise aber nur bis zu 10 Sekunden, bei submaximalen Belastungen bis etwa 20 Sekunden auf- recht erhalten werden. Beide Formen der Energiegewinnung durch Phosphate finden ohne Sauerstoffverbrauch und ohne die Produktion von Laktat statt. Man bezeichnet diese Arten der Energiegewinnung daher als anaerob-alaktazid. Folgt im Anschluß eine Pause, kön- nen die Phosphate innerhalb von etwa 20-40 Sekunden - je nach konditionellem Zustand des Sportlers - wieder resynthetisiert werden. (s. DE MARÉES 1994, STEGEMANN 1991) Bei darüber hinausgehenden Belastungen wird die Energie bzw. das ATP hauptsäch- lich mit Hilfe von Kohlenhydraten aus der Glykolyse gewonnen, wobei diese zunächst (etwa von der 10.-60. Sekunde) v.a. ohne Sauerstoffverbrauch abläuft. Dabei bleibt der Laktatanstieg zunächst noch gering. Ein starker Laktatanstieg erfolgt erst dann, wenn das Kreatinphosphat um etwa die Hälfte des Ruhewertes gesunken ist. Aber auch diese Form der Energiebereitstellung, die als anaerob-laktazid bezeichnet wird, kann nur über einen Zeitraum von maximal 40 Sekunden durchgehalten werden. Danach benötigt der Körper entweder eine Pause zur Regeneration oder die Belastungsintensität muß deutlich "herun- tergefahren" werden und durch die vierte Möglichkeit der Energiebereitstellung bewältigt werden: Mit Belastungsbeginn wird außerdem der aerobe Abbau von Kohlenhydraten und Fetten sofort gesteigert, braucht aber über eine Minute bis zu seiner maximalen Aktivie- rung. (s. DE MARÉES 1994, HOLLMANN / HETTINGER 1990, STEGEMANN 1991) Mit einer gut trainierten aeroben Ausdauerkapazität lassen sich auch höhere Belastungsintensi- täten über längere Zeit halten, ohne daß es zu einer Sauerstoffschuld kommt: Der über das Herz-Kreislauf-System zugeführte und zur Energiegewinnung benötigte Sauerstoff in der Muskulatur ist ausreichend vorhanden. Eine Sauerstoffschuld (s. DE MARÉES 1994) entsteht also nicht. Die Summe der für eine konstante Leistung notwendigen energieliefernden Prozesse ist konstant (s. STEGEMANN 1991). Dabei nennt man die höchstmögliche Belastungsintensi- tät, die ohne das Eingehen einer Sauerstoffschuld über einen längeren Zeitraum gehalten wer- den kann, ein „steady-state“ (Fließgleichgewicht).9 Wird diese Belastungsintensität jedoch ü- berschritten, und steht dementsprechend nicht ausreichend Sauerstoff zur Verfügung, greift der Körper über die (anaerobe) Glykolyse auf die anaerob-laktazide Energiegewinnung zurück. Es werden vermehrt energiereiche Phosphate und Kohlenhydrate abgebaut und Laktat (Milchsäu- re) im Muskel abgelagert (s. LETZELTER 1987). Durch aerobe Prozesse werden dann später, nach dem Belastungsende, alle körpereigenen Energiespeicher wieder aufgefüllt und die Milchsäure eliminiert. Der ursprüngliche Zustand, wie er vor Belastungsbeginn bestand, wird damit wiederhergestellt.

2.2.3.2 Schnelligkeit

Physikalisch wird die Schnelligkeit als Weg pro Zeit ausgedrückt, und damit als Geschwin- digkeit. In der sportwissenschaftlichen Definition wird die Schnelligkeit "als eine komplexe, von konditionellen und koordinativen Einflußgrößen bestimmte Fähigkeit" beschrieben. (NEUMAIER / KLEIN 1991, 3, BÖTTCHER / HÖNL 1996, 39; s. MARTIN / CARL / LEH- NERTZ 1991, FREY / HILDENBRANDT 1994) Schnelligkeit ist in erster Linie koordinativ bedingt und damit abhängig von der Schnellkoordination (s.u.). Nicht selten wird deshalb die Schnelligkeit auch der Koordination zugeordnet (LETZELTER 1987). GROSSER (1991, 13ff) stellt bezüglich der Verknüpfung mit anderen Leistungskomponenten (s.o.) der Schnelligkeit fest, daß "die neuromuskulär bedingten Schnelligkeitsfähigkeiten nur in Verbindung mit der sportartspezifischen Technik (Handlungsgenauigkeit) zum Tragen kommen." Bewegungs- schnelligkeit ist demzufolge nur in Verbindung mit einer hochausgeprägten Bewegungstech- nik optimal realisierbar. (s. GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986) Da die elementaren Formen der Schnelligkeit in hohem Maße angeboren und vom Zentralen Nervensystem (ZNS) abhängig sind, läßt das die Vermutung zu, sie sei nur geringfügig trainierbar. Das gilt aber nicht in jedem Fall: V.a. in technomotorisch anspruchsvollen Sportarten sind meistens große Steigerungen in der sportartspezifischen Schnelligkeit zu verzeichnen. Allerdings liegt das weniger an einer höheren Zuckungsfähigkeit der Muskelfasern als vielmehr an einer besser entwickelten Technikausführung. (S. LETZELTER 1987) Auch die konditionellen Fähigkeiten Kraft und Ausdauer können nicht ganz von der Schnelligkeit abgegrenzt werden, da beson- ders in der Praxis der Sportarten weniger "reine Schnelligkeitsformen"10, als häufig vielmehr Mischformen11 (komplexe Schnelligkeitsformen) der konditionellen Fähigkeiten auftreten. (s.o.) Dabei besitzen insbesondere die Kraftfähigkeiten einen entscheidenden Einfluß. Schnel- ligkeit ist also in erster Linie von Kraft- und Koordinationsleistungen abhängig (s. GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986). Dazu sind aus biologischer bzw. sportmedizinischer Sicht v.a. das ZNS und die intra- und intermuskuläre Koordination von Bedeutung. Das ZNS ist für das Auslösen hochexplosiver und hochfrequenter Bewegungen verantwortlich und besitzt damit v.a. für die "reinen" Schnelligkeitsformen, bei denen weniger als 30% Prozent der Ma- ximalkraft (s. 2.2.3.3) eingesetzt wird, besondere Bedeutung. Die intramuskuläre Koordina- tion bestimmt das Zusammenwirken von Nervenfasern und Muskelfasern innerhalb eines Muskels und sorgt für eine rechtzeitige und ökonomische Innervation der benötigten Muskelfa- sern. Mit der intermuskulären Koordination beschreibt man dagegen das möglichst optimal abgestimmte Zusammenwirken verschiedener Muskeln bei bestimmten Bewegungshandlun- gen. (s. GROSSER 1991). Die elementare Schnelligkeit basiert auf im ZNS ausgebildeten, ge- speicherten und automatisierten Bewegungs- und Zeitprogrammen. (s. GROSSER 1991) Die elementare Schnelligkeit ist eine disziplinunspezifische Fähigkeit. Mit Hilfe dieser Programme wird eine individuell unterschiedlich hohe Erregungsleitungs- und Kontraktionsgeschwindig- keit erreicht. Schnelligkeit als elementare Fähigkeit ist demzufolge unabhängig von energeti- schen Kraftkomponenten. (s. GROSSER 1991, LETZELTER 1987)

Die Trainingslehre teilt die Schnelligkeit in zwei Komponenten und bezeichnet Schnelligkeit erstens als die Fähigkeit, auf ein Signal bzw. einen Reiz so schnell wie möglich zu reagieren (Reaktionsschnelligkeit) und / oder zweitens, Bewegungen mit größter Geschwindigkeit aus- zuführen (Bewegungsschnelligkeit). (s. GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL 1986) Auch GROSSER (1991, 13) stellt die beiden Bereiche Reaktions- und Bewegungsschnelligkeit als die grundlegenden Komponenten voraus: "Definitorisch versteht man unter Schnelligkeit im Sport die Fähigkeit, aufgrund kognitiver Prozesse, maximaler Willenskraft und der Funktiona- lität des Nerv-Muskel-Systems höchstmögliche Reaktions- und Bewegungsgeschwindigkei- ten unter gegebenen Bedingungen zu erzielen." NEUMAIER und KLEIN (1991, 3) schließen sich dieser Unterteilung von Schnelligkeitsleistungen an und beschreiben diese beiden Erschei- nungsformen als "relativ eigenständige Dimensionen der Schnelligkeit", ordnen dabei der Be- wegungsgeschwindigkeit jedoch den Begriff "Aktionsschnelligkeit" zu.

1. REAKTIONSSCHNELLIGKEIT

Reaktionsschnelligkeit ist besonders in den Kampfsportarten und in den Sportspielen von be- sonderer Bedeutung. Die Reaktion kann dabei sowohl auf einen einzelnen als auch auf mehrere unterschiedliche Reize erfolgen, wobei diese in optischer, akustischer, taktiler, statico- dynamischer und kinästhetischer Form wahrgenommen und beantwortet werden können (s. LETZELTER 1987, GROSSER 1991). Die Schnelligkeit der Reaktion wird von GROSSER (1991, 92) definiert als "diejenige Zeit, die vom Setzen eines Signals (eines Reizes; z.B. Start- schuß) bis zu einer verabredeten, geforderten Muskelbewegung (z.B. beim Sprintsstart erster Muskelandruck an die Startblöcke) vergeht. Reaktionsschnelligkeit ist also die Fähigkeit, auf einen Reiz in kürzester Zeit zu reagieren." Nach der Wahrnehmung eines Signals wird es ins Zentrale Nervensystem (ZNS) weitergeleitet. Dort wird es verarbeitet und in die jeweilige Muskulatur überführt. Durch die Reizung der Muskulatur kann jetzt die mechanische Aktivität ausgelöst werden. Der theoretische Grenzwert für eine schnellstmögliche Reaktion ist etwa bei 0,1sec anzusiedeln (s. ROTH 1987, KRÜGER 1982).12 Bis zum 25. Lebensjahr können mit Hilfe von Training noch Verbesserungen der Reaktionsfähigkeit erreicht werden. Dann tritt et- wa bis zum 50./60. Lebensjahr eine langsame Verschlechterung ein, die danach rapide zu- nimmt. Es bleibt aber festzustellen, daß die Reaktionsschnelligkeit weitgehend von der indivi- duellen Veranlagung bestimmt, d.h. genetisch festgelegt ist, und normalerweise den Grenzwert von 0,1 Sekunden nicht unterschreiten kann. (s. LETZELTER 1978, 191) Die Reizantwort wird außerdem im Bezug auf ihre Komplexität unterschieden: Mit einer einfachen Reaktion antwortet man auf festgelegte Reize mit ebenso festgelegten Reizantworten, während man mit komplexen Reaktionen antwortet, wenn entweder mehrere Signale gegeben werden, und / oder wenn mehrere Reaktionsmöglichkeiten bestehen. Die komplexen Reaktionen sind wesentlich trainierbarer als die einfachen. Dabei kann durch entsprechendes Training v.a. das intraindivi- duelle Reaktionsgefälle (s. LETZELTER 1987, 186), d.h. die Zuverlässigkeit, gesteigert wer- den. V.a. bei komplizierteren Bewegungsabläufen sind Verbesserungen in einer Höhe von 100 Prozent und darüber hinaus möglich. Als Grundregel läßt sich formulieren, daß Bewegungsre- aktionen, je komplizierter (d.h. auch: koordinativ anspruchsvoller) sie sind, auch um so besser zu trainieren sind. (s. NEUMAIER / KLEIN 1991, HOLLMANN / HETTINGER 1990) "Die Trainingseffekte beruhen überwiegend auf einer Verbesserung der beteiligten Wahrnehmungs- prozesse ... sowie der Optimierung der einzusetzenden Bewegungstechnik und deren schnelle- ren Programmierung." (NEUMAIER / KLEIN 1991, 5)

ANTIZIPATION

Mit dem Trainieren komplexer Reaktionen gewinnt auch die Fähigkeit zur Antizipation an Bedeutung13. Mit Antizipation bezeichnet man die Kunst des Vorausdenkens. (s. LET- ZELTER 1987) GROSSER (1991, 30) beschreibt die Antizipation lediglich mit etwas an- deren Worten als "Fähigkeit, Situationen und Aktionen `im Geiste´ vorauszunehmen." An- tizipation hat während der verschiedenen Phasen (s.u.) verschiedene Aufgaben, vereinfacht bzw. reduziert jedoch in jeder Phase die Komplexität des Geschehens. Die Bewegungen können dadurch "reaktionsschneller" ausgeführt werden. (s. GROSSER 1991) Somit kann die Antizipation einen entscheidenden Einfluß auf den Erfolg einer sportlichen Handlung haben. Die Wahrnehmungsantizipation (s. LETZELTER 1987) läßt anhand von entschei- denden Bewegungsmerkmalen des Gegners dessen Aktionen vorausahnen und ermöglicht eine frühe Planung der eigenen Folgehandlung. Die Erfahrungsantizipation resultiert aus der Wettkampfpraxis und ermöglicht eine Eingrenzung der voraussichtlichen und wahrscheinli- chen Handlungsweisen des Gegners. Bei Standardsituationen spielt die Situationsantizipation eine bedeutende Rolle. Der Sportler erkennt diese frühzeitig und kann seine Handlung in Ge- danken vor ihrer eigentlichen Ausführung „durchspielen“. (s. LETZELTER 1987, DTB 1996)14

2. BEWEGUNGSSCHNELLIGKEIT / LAUFSCHNELLIGKEIT

AZYKLISCHE SCHNELLIGKEIT / AKTIONSSCHNELLIGKEIT

Mit der azyklischen Schnelligkeit / Aktionsschnelligkeit bezeichnet man die Fähigkeit, azyklische Bewegungen (s. Kap. 2.2.1) mit höchster Geschwindigkeit gegen geringe Widerstände auszuführen. (s. GROSSER 1991) Die azyklische Schnelligkeit ist Grundlage für hohe Geschwindigkeiten bei abrupten Bewegungen, Richtungswechseln usw. (s. BRACK / BUBECK / PIETZSCH 1996) NEUMAIER und KLEIN (1991, 4) bezeichnen die azyklische Schnelligkeit auch als die "Geschwindigkeit von Einzelbewegungen".

ZYKLISCHE SCHNELLIGKEIT / FREQUENZSCHNELLIGKEIT

Erfolgt die Bewegung ebenfalls mit höchster Geschwindigkeit gegen geringe Widerstände (un- ter 30% der Maximalkraft), aber in zyklischer Form, d.h. mit "fortlaufenden, gleichförmigen Bewegungen" (NEUMAIER / KLEIN 1991, 4), spricht man von der Frequenzschnelligkeit, Bewegungsfrequenz, Grundschnelligkeit oder auch Schnellkoordination, die meistens als Fortbewegungsgeschwindigkeit / Laufschnelligkeit vorkommt. (s. GROSSER 1991, LET- ZELTER 1987) Die Laufschnelligkeit beruht vorrangig auf der elementaren Schnelligkeit und der Schnellkraft als gleichwertige Komponenten, wobei sich beide Komponenten völlig unabhängig voneinander verhalten. Die energetisch bedingte Schnellkraft ist von der Maximal- kraft sowie der intra- und intermuskulären Koordination abhängig. Die zyklische Bewegungs- schnelligkeit bildet die Basis für hohe Geschwindigkeiten bei gleichförmigen Bewegungen. (s. BRACK et al. 1996) Die im Anschluß an die Reaktion ablaufenden Phasen der Schnelligkeit gliedern sich in die Bereiche der Beschleunigung und der Maximalgeschwindigkeit. Also die eigentliche - oben dargestellte - Bewegungsfrequenz bei zyklischen Bewegungsausführungen: "Nach der Reaktionsphase folgt die Phase ansteigender Geschwindigkeit bis zum Erreichen der Maximalgeschwindigkeit (je nach Leistungsniveau ca. 2,5 bis 6 Sekunden), in der die ... Be- schleunigungsfähigkeit das entscheidende Leistungsmerkmal ist. Es folgt eine Phase der Auf- rechterhaltung der Maximalgeschwindigkeit". (NEUMAIER / KLEIN 1991, 9) In der Praxis der Sportspiele kommen jedoch häufig auch Bewegungskombinationen, die aus zyklischen und azyklischen Elementen bestehen, vor. (NEUMAIER / KLEIN 1991)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 03: Komponenten der Schnelligkeit

DIE HÄUFIGSTEN "MISCHFORMEN":

KRAFTSCHNELLIGKEIT / BESCHLEUNIGUNGSFÄHIGKEIT / SCHNELLKRAFT

Neben anderen Einflußgrößen ist die Kraft (s. 2.2.3.3) eine wichtige Komponente der Schnelligkeit. Eine gute Beinkraft begünstigt das Erreichen einer überdurchschnittlichen Laufschnelligkeit. Mit dem Begriff Kraftschnelligkeit (auch: Beschleunigungsfähigkeit, Antrittsschnelligkeit) bezeichnet man die "Fähigkeit, Widerständen bei zyklischen und / oder azyklischen Bewegungen in einer festgelegten Zeit einen möglichst hohen Kraftstoß zu erteilen; es ist die in kürzest möglicher Zeit wirkende Kraft." (GROSSER 1991, 111)15 Kraftschnelligkeit ist besonders bei Starts, Sprüngen und kurzen Antritten erforderlich.

SCHNELLIGKEITSAUSDAUER

Wird die Schnelligkeitsleistung über eine längere Strecke erbracht, spricht man von der Schnelligkeitsausdauer. Diese spezielle Schnelligkeitsform kommt - nach GROSSER (1991)

- in der Praxis der in dieser Arbeit zu untersuchenden Sportspiele jedoch eher selten vor.

2.2.3.3 Kraft

Die konditionelle Fähigkeit Kraft kann als motorische Eigenschaft sowie als physikalische Größe definiert werden: Als willkürliche motorische Fähigkeit, Masse zu bewegen, einen Wi- derstand zu überwinden, ihm entgegenzuwirken oder ihn zu halten, und physikalisch als Pro- dukt aus Masse und Beschleunigung. Im Sport wird durch das Einwirken von Kraft Masse in Form des eigenen oder gegnerischen Körpers oder auch eines Sportgerätes bewegt oder auch nur verformt. Durch Verkürzen der Skelettmuskulatur wird Kraft erzeugt, wodurch die Ausfüh- rung von Bewegungen letztlich erst möglich wird. "Ausführendes Organ" jeder Bewegung ist demzufolge die beteiligte Muskulatur. (s. SCHMIDTBLEICHER 1987) Kraftleistungen kön- nen unterschiedlich aufgebracht werden: Sie variieren im Bezug auf ihre Intensität, Dauer und Frequenz und haben für jede Sportart ihre spezifische Gewichtung der einzelnen Faktoren. Jede Sportart hat ihre eigene Kraftstruktur (S. LETZELTER 1987). Unterscheidungsmerkmale z.B. das Bewegungstempo, der Bewegungsrhythmus, die eingesetzte Muskulatur und die Arbeits- weise der Muskulatur. Außerdem unterscheidet man zwischen allgemeiner und spezifischer Kraft: Während die spezielle Kraftfähigkeit sich nach den Kraftanstrengungen bei sportart- bzw. disziplinspezifischen Bewegungen richtet, versteht sich die allgemeine Kraft als sportart- übergreifende Fähigkeit und wird in erster Linie durch Krafttraining verbessert, wobei alle Kraftfähigkeiten (s.u.) gleichmäßig trainiert werden. Bezüglich der Arbeitsweise werden eben- falls Unterscheidungen getroffen: Es gibt drei Dimensionen von Kraft: die statische bzw. iso- metrische und die dynamische, die noch weiter in die exzentrische und konzentrische Kraft- entfaltung zu unterteilen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 04: Die unterschiedlichen Arbeitsweisen bei Kraftleistungen

Konzentrisch arbeitet die Muskulatur gegen Widerstände oder eine Last, die sie (gerade) noch bewegen kann. Exzentrisch hingegen arbeitet sie, wenn bei maximaler willkürlicher Kontrak- tion der Muskel entgegen seiner Arbeitsrichtung gedehnt wird. Bei isometrischer Arbeitsweise kontrahiert die Muskulatur gegen einen Widerstand, ohne daß sich der Abstand zwischen An- satz und Ursprung des Muskels verändert. Die unterschiedlichen Arbeitsweisen sind dabei je- doch nicht als völlig unabhängig voneinander zu verstehen, sondern beeinflussen sich in ihren jeweiligen Leistungsmöglichkeiten gegenseitig. Weiterhin unterscheidet man drei verschiedene Kraftfähigkeiten bzw. Erscheinungsformen der Kraft: die Maximalkraft, die Schnellkraft und die Kraftausdauer. Alle drei Erscheinungsformen der Kraft stehen auf der gleichen hie- rarchischen Stufe (s. SCHMIDTBLEICHER 1987) und sind als gleichwertig anzusehen. Auch diese verschiedenen Erscheinungsformen der Kraft stehen nicht völlig isoliert voneinander: Vielmehr hängen sie eng miteinander zusammen.16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 05: Die verschiedenen Kraftfähigkeiten

MAXIMALKRAFT

Als Maximalkraft bezeichnet man die bei willkürlicher Kontraktion größtmögliche aufzubrin- gende Kraft. (s. DTB 1996) Maximale Muskelspannung basiert auf der Rekrutierung, d.h. der Aktivierung aller motorischen Einheiten und damit aller Muskelfasern; und auch auf der Fre- quenzierung, womit die zum Kontraktionszeitpunkt maximal verarbeitbare Innervationsfre- quenz durch die motorischen Einheiten bezeichnet wird (s. SCHMIDTBLEICHER 1987, DTB 1996).17 Die Maximalkraft ist abhängig von Muskelquerschnitt, Zusammensetzung der Mus- kelfasern, willkürlicher Aktivierungsfähigkeit (maximale Frequenzierung) verbunden mit inter- und intramuskulärer Koordination (s. Kap. 2.2.3.2) und der Zuglänge des jeweiligen Muskels.

SCHNELLKRAFT

Die Schnellkraft wird von LETZELTER (1987) definiert als diejenige Fähigkeit, die es erlaubt, Bewegungen gegen nennenswerte Widerstände (s.o.) mit hoher Geschwindigkeit und hoher Kraftaufwendung in möglichst kurzer Zeit durchzuführen. Anders ausgedrückt bedeutet dies, möglichst große Kraftwerte oder einen möglichst hohen Kraftstoß pro Zeiteinheit zu erreichen (s. GROSSER 1991), was physikalisch als Impuls ausgedrückt wird. Ausschlaggebend für die Größe dieses Impulses sind der Kraftanstieg, d.h. die Schnelligkeit der Kraftentfaltung, das je- weilige Kraftmaximum und die Dauer der Kraftentfaltung. Etwas anschaulicher und praxisnä- her kann die Schnellkraft jedoch auch als eine Fähigkeit definiert werden, die dem Sportler da- zu verhilft, möglichst große Beschleunigungen bzw. Bewegungsgeschwindigkeiten zu errei- chen. Bei größeren äußeren Widerständen nähert sie sich der maximalen Kraftfähigkeit, bei ge- ringeren Krafterfordernissen erfolgt die Beanspruchung eher im Bereich der Bewegungsschnel- ligkeit. (s.o.) Die Schnellkraft beinhaltet wiederum verschiedene Schnellkraft-Fähigkeiten. Be- züglich der Laufbeanspruchungen sind die Sprint- und Sprungkraft am häufigsten gefordert. Mit Sprintkraft bezeichnet man die Fähigkeit, möglichst hoch und über möglichst lange Stre- cken beschleunigen zu können. Sie wird auch definiert als Zeit für Starts über kurze Strecken (Startkraft) und ist in Sportspielen häufig eng verflochten mit der konditionellen Fähigkeit Ausdauer, da über einen längeren Zeitraum immer wieder kurze Antritte gefordert werden. In diesem Fall spricht man daher auch von Sprintkraftausdauer. Die Sprungkraft kann sowohl vertikal als auch horizontal gefordert werden und ist auch nach ihrer Bewegungsstruktur (zyk- lisch - azyklisch, s.o., aus dem Stand oder mit Anlauf, etc.) zu unterscheiden. V.a. für die Sportspiele besitzt die Sprungkraft eine besondere Bedeutung. Eine besondere Form, die in die Bereiche der Schnellkraft fällt, ist die Reaktivkraft. Diese braucht der Sportler für solche Be- wegungen, für die ein erhöhter Kraftstoß innerhalb eines Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus der Muskulatur erforderlich ist. Reaktivkraft wird v.a. für Sprintschritte und Sprünge benötigt. Während hoher Dehnungsbelastungen in der exzentrischen Phase wird die Muskelspannung aufrechterhalten und Energie bis zur konzentrischen Phase gespeichert. (s. GROSSER 1991)

KRAFTAUSDAUER

Von der konditionellen Fähigkeit Kraftausdauer spricht man, wenn Kraftleistungen über die Wettkampfdauer aufrecht erhalten werden müssen. Sie bestimmt die Ermüdungswiderstands- fähigkeit von langanhaltenden oder sich ständig wiederholenden Belastungen. Das heißt, daß entweder Haltekontraktionen oder wiederholte Krafteinsätze gegen höhere Lasten geleistet werden. (s. SCHMIDTBLEICHER 1973) Die Kombination von Kraft und Ausdauer, die Kraftausdauer, wird von der jeweiligen Kraftgröße sowie von der maximalen Haltezeit begrenzt. Je nach Höhe und Länge des Krafteinsatzes pendelt die Kraftausdauer entweder mehr zur Kraft oder zur Ausdauer.18

2.2.3.4 Beweglichkeit

Der Aspekt Beweglichkeit (Flexibilität) ist einzuordnen zwischen den Bereichen Kondition und Koordination. Sie ist eine grundlegende Leistungsvoraussetzung für das Erbringen sportli- cher Leistungen, weil sie die optimale Entfaltung der konditionellen Fähigkeiten Kraft und Schnelligkeit sowie koordinativ hochwertiger Bewegungen erst ermöglicht. (s. LETZELTER 1983) Erst eine bestimmte Beweglichkeit läßt größere, im Sport geforderte Bewegungsampli- tuden zu. Beweglichkeit bezeichnet den Bewegungsbereich in einem oder in mehreren Gelen- ken und beinhaltet die Fähigkeit, den Bewegungsspielraum der Gelenke auf natürlichem Wege maximal auszuschöpfen. In der Sportpraxis ist der maximale Bewegungsausschlag das Kriteri- um für die Güte der Beweglichkeit. FREY (1981) und LETZELTER (1987) unterteilen die Beweglichkeit in zwei Kategorien: die aktive und die passive Beweglichkeit. Während sich die aktive Beweglichkeit auch mit den Begriffen Dehnfähigkeit oder Wendigkeit beschreiben läßt und eigene muskuläre Aktivität voraussetzt, um den Bewegungsausschlag eines oder meh- rerer Gelenke zu evozieren, versteht man unter passiver Beweglichkeit größere Bewegungs- amplituden, die mit Hilfe äußerer Kräfte am passiven Körper erreicht werden: In diesem Fall spricht man auch von Gelenkigkeit. Dabei beschreibt die Gelenkigkeit die Beweglichkeit auf- grund der Art und Struktur des Gelenkes, ist damit also v.a. genetisch bedingt und nur gering- fügig trainierbar. Anders verhält es sich mit der Dehnfähigkeit: Sie nimmt Einfluß auf die Be- weglichkeit über die Dehnfähigkeit von Muskulatur, Bändern und deren Anordnung, Sehnen und Gelenkkapseln. Diese beiden Komponenten bedingen die Beweglichkeit, schränken sie andererseits aber auch ein. Eine unzureichende Beweglichkeitsfähigkeit kann nicht nur das Bewegungslernen sportlicher Techniken behindern, sondern auch leichter zu Verletzungen im Sport führen. Wird ausschließlich die Hauptfunktion der Muskulatur, nämlich sich zu verkür- zen und Kraftleistungen zu erbringen, gefordert, kann dies auf Dauer zu Muskelverkürzungen und damit zu einer größeren Verletzungsanfälligkeit und Fehlhaltungen führen. Zuletzt bleibt auch hier - wie bei den anderen Komponenten - die Unterscheidung von allgemeiner und spezieller Beweglichkeit: Während die spezielle Beweglichkeit auf sportart- bzw. disziplinspezifische Bewegungen zu beziehen ist, versteht sich die allgemeine Beweglichkeit als sportartübergreifende Fähigkeit. (s. WEINECK 1994, 488ff)

2.3 ZIELGRUPPE

Auf anatomische und biomechanische Grundlagen, sowie Prinzipien des Trainings, Adapti- onsmechanismen, Leistungssteuerung etc. wird hier verzichtet. Ebenso bleiben geschlechtsspe- zifische Unterschiede weitgehend unberücksichtigt, da keine speziellen Details untersucht wer- den, sondern das Augenmerk auf grundlegende Anforderungsprofile für Trainingsmaßnahmen gerichtet ist, welche für die Spieler beiderlei Geschlechts weitestgehend gleich sind. Auch die äußeren Bedingungen werden - bis auf wenige Ausnahmen - weitestgehend zurückgestellt. Im weiteren wird bei den genauen Bewegungsbeschreibungen, die in erster Linie in den jeweiligen Technik-Kapiteln zu finden sind, von den Bewegungen für Rechtshänder ausgegangen. Um ei- ne bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, wird auf die Darstellung für Linkshänder verzichtet. Allerdings sind die Aussagen natürlich auf Linkshänder im jeweils entsprechend umgekehrten Sinne übertragbar. Weil es den Rahmen dieser Diplomarbeit sprengen würde, wenn alle mögli- chen Bereiche, Faktoren und Merkmale berücksichtigt würden und die Gegenüberstellung nur schwer durchschaubar wäre, werden weitere Einschränkungen bezüglich weiterer Bereiche vorgenommen: "Die Belastungen im Hallenhandball variieren je nach Spielposition. Unter- schieden werden Außen-, Kreis- und Rückraumspieler." (KUCHENBECKER / ZIESCHANG 1992, 34) Außerdem muß natürlich auch der Torwart gesondert berücksichtigt werden. Aus Gründen der Einfachheit und Übersicht werden hier Anforderungen an den Torhüter und den Kreisläufer nicht berücksichtigt. Hier sollen in erster Linie die elementaren Bewegungsfor- men für Außen- und Rückraumspieler dargestellt werden. Da bei diesen die Unterschiede nicht so groß sind, und v.a. im Grundlagenbereich keine Positionsspezialisierung zu erfolgen hat (s. DHB 1995), aber auch in höheren Trainingsstufen eine immer deutlichere Abwendung von starken Positionsspezialisierungen stattfindet, werden die elementaren Bewegungsformen und Anforderungen an die handballspezifische Beinarbeit hier zusammenfassend dargestellt. Eine derartige zusammenfassende Darstellung und Einschränkung auf die elementaren Lauf- bewegungen gewährleisten nicht nur eine bessere Verständlichkeit und Übersicht, sondern er- möglichen an vielen Stellen erst den Vergleich mit dem Anforderungsprofil der Beinarbeit im Tennis. Außerdem wird im Handball und Tennis nur der individuelle Spieler betrachtet, um so eine bessere Vergleichsbasis bilden zu können. Mannschaften und Doppel werden nicht heran- gezogen. Allerdings basiert auch die Leistung von Mannschaften / Tennisdoppeln auf den indi- viduellen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Einzelspieler, was den Wert des individuellen Leis- tungsvermögens wiederum betont. In dieser Arbeit werden Grundlagenbereiche bzw. elemen- tare Fähigkeiten als die wichtigsten Anforderungen berücksichtigt. Dieses besitzen nicht nur für den Kinder- und Jugendbereich Relevanz, sondern auch für Spieler in höheren Trainings- und Altersstufen, wobei die elementaren Fähigkeiten als Basis für darauf aufbauende Fertigkei- ten dienen. Ebenso werden die verschiedenen Wurfvarianten oder Technikvariationen bei ver- schiedenen Schlägen nicht bedacht, da bei den Grundformen am ehesten Vergleiche und Ge- genüberstellungen möglich sind. Obwohl - wie in der Einleitung bereits angedeutet - diese Ge- genüberstellung v.a. im Hinblick auf leistungsorientiert Sport treibende Jugendliche von Be- deutung sein soll19, sind die wesentlichen Aspekte natürlich auch auf andere Leistungs- und Al- tersklassen anwendbar. Dies ist allein schon deshalb nachvollziehbar, als daß sich die elemen- taren Grundformen der Beinarbeit in allen Leistungs- und Altersstufen im wesentlichen wie- derfinden. Und auch obwohl alle hier vorgestellten Faktoren ihre Bedeutung für die Beinarbeit im Handball und im Tennis besitzen, soll hier ein besonderes Augenmerk auf der Kompo- nente Technik / Koordination liegen. Dies ist im Hinblick auf die sportliche Leistung nicht nur ein Bereich mit besonderer Wichtigkeit, sondern stellt zugleich auch denjenigen Bereich dar, der in der wissenschaftlichen Literatur bezüglich dieses speziellen Anforderungsprofils bisher am wenigsten Berücksichtigung gefunden hat. Und abschließend sei auch dazu auch noch einmal auf das "lebende Bsp." Bernhard KEMPA hingewiesen (s. Einleitung), der nach vielen Jahren als aktiver Handballer auch einige Zeit später noch einen offensichtlich sehr er- folgreichen Zugang zum Tennis (als einer technisch sehr komplexen Sportart) finden konnte.

3 BEINARBEIT IM TENNIS

Im Tennis gilt - wie in vielen anderen Sportarten auch - die Feststellung, daß es für ein erfolg- reiches Spiel auf lange Sicht "nicht ausreicht, nur einzelne Faktoren [sportlicher Leistung, d. Verf.] in überragender Weise auszubilden und dabei andere ebenfalls bedeutsame Leistungs- komponenten jedoch zu vernachlässigen." (FERRAUTI / MAIER / WEBER 1996, 10) Es ist jedoch möglich und auch die Regel, daß sich diese einzelnen Faktoren "überlagern, ergänzen, kompensieren oder gegenseitig störend beeinflussen." Die Bewegungen im Tennis sind durch eine hohe Komplexität gekennzeichnet. Das bezieht sich neben der Komplexität der verschie- denen Bewegungen innerhalb eines Schlages also auch auf die komplexen Zusammenhänge und die gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Einflußfaktoren. (s. MAIER 1988, 24, SCHÖNBORN 1998a, 13, 1998b, 8) Man kann auf der anderen Seite aber auch davon ausge- hen, daß die Technik für den Tennissport die größte Bedeutung besitzt. (s. FERRAUTI et al. 1996, 12, SCHÖNBORN 1998a, 13) Bei der Analyse der Anforderungen an die Beinarbeit im Tennis werden im folgenden die Leistungsfaktoren berücksichtigt, mit Hilfe derer die gestellten Bewegungsaufgaben möglichst optimal bewältigt werden können. (s. DEUTSCHER TENNIS- BUND (DTB), 1996, 93). Bei der Analyse der Einfluß nehmenden Faktoren wird dabei eine Einordnung dieser in die Kategorien der leistungslimitierenden (nicht kompensierbaren) und der mehr oder weniger kompensierbaren Faktoren vorgenommen. (s. SCHÖNBORN 1998a, 135)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 06: Übersicht zu Faktoren der sportlichen Leistungsfähigkeit (DTB 1993, 9)

Die Beinarbeit hat im Tennis schon immer einen besonderen Stellenwert in der wissenschaft- lichen Diskussion genossen, d.h. ihre Bedeutung wurde eigentlich nie in Frage gestellt. Nach genaueren Determinationen in den 80er Jahren hat sich vor allem HESS mit seiner Veröffentli- chung "Die Beinarbeit im Tennis" im Jahre 1992 intensiv einer differenzierteren Analyse der Beinarbeit gewidmet. Diese Arbeit soll für dieses Kapitel als Grundlage gewählt werden. HESS betrachtet in seinem Werk die Leistungskomponente Antizipation als eigenständig. Im folgenden sei diese jedoch aufgrund der engen Verflechtung mit der Reaktion und Schnellig- keit dem Kap. Kondition der Beinarbeit im Tennis zugeordnet. Sämtliche Bewegungsstruktu- ren im Tennis sind - so wie in fast allen anderen Sportarten auch - sehr komplex: Es bestehen immer funktionale Zusammenhänge mit dem gesamten Bewegungsapparat des Spielers (s. HESS 1992, 15). Deshalb wird an den Stellen, an denen es nötig erscheint, auf funktionale Zusammenhänge mit der Ganzkörperbewegung eingegangen. Die Beinarbeit ist für das mo- derne Tennisspiel deshalb von großer Bedeutsamkeit (s. DANGEL 1997, 151, HESS 1992, 232), denn "`Tennis ist ein Laufsport und daher ohne Beinarbeit nicht denkbar. Im Tennis gibt es keinen einzigen Schlag, der nicht durch die Beinarbeit beeinflußt wird." (DANGEL 1993, 243) Die Beinarbeit im Tennis gilt als ein spezifisch-koordinativer, leistungslimitierender nur und wenig kompensierbarer Faktor.20 (s. DTB 1995 / DTB 1996 / SCHÖNBORN 1998a, 147) Der Spieler muß sich "aus seiner jeweiligen Ausgangsstellung früh genug, schnell genug, ökonomisch genug und am Ende präzise genug zum Ball hin und anschließend schnell und ökonomisch in die günstigste neue Ausgangsposition zurückbewegen ... Diese Bewegung zum Ball und zur neuen Ausgangsposition zurück nennt man Beinarbeit." (DTB 1995, 12/13) Die Grundlage für eine gute Beinarbeit bildet dabei eine möglichst genaue Antizipation des vom Gegner geschlagenen Balles, damit die Beinarbeit bis zum eigenen Treffpunkt exakt dar- auf abgestimmt ("Auge-Hand-Koordination"), und der Ball in einem optimalen Abstand zum Körper getroffen werden kann (Distanzregulierung). Die Beine bewegen den Körper aber nicht nur zum Treffpunkt des Balles, sie unterstützen auch die Schlagbewegung (s. HESS 1992, 16) und bringen den Spieler anschließend "wieder zurück in eine taktisch günstige Feldposition" (KOLLATH / MAIER 1997, 41). Mit Hilfe der Beinarbeit erreicht der Spieler einen möglichst optimalen Abstand zum jeweiligen Treffpunkt und versucht, beim Schlagvorgang möglichst eine stabiles Gleichgewicht zu erlangen. Das Laufen ist also "eng mit dem Durchführen eines Schlages verknüpft." (KOLLATH / MAIER 1997, 41). Grundlegende Voraussetzung hierfür sind Schnelligkeit und koordinative Fähigkeiten. Diese sind notwendig, um Lauf- und Schlag- bewegungen miteinander verbinden zu können. (s. FUST 1997, 17) Am Schlagvorgang ist also nicht nur der Schlagarm beteiligt, sondern der gesamte Bewegungsapparat (s. HESS 1992, 16). Eingeleitet wird die Schlagbewegung grundsätzlich in den Beinen.

[...]


1 Bernhard Kempa erfand im Jahre 1954 einen Trick, der jedem Handballer bekannt ist: den sogenannten und nach ihm benannten "Kempa-Trick".

2 s. Anhang

3 Auch BRAND, derzeitiger Bundestrainer der Männer, bestätigt die Bedeutung einer sportspielübergreifenden Ausbildung in den Grundlagenbereichen (in: MEMMERT 2000, 12): "Die heutige `Einbahnstraßen- Ausbildung´ ist weder kind- noch entwicklungsgerecht. Am Anfang müssen verschiedene Wege und Richtungen aufgezeigt werden, das Generalmotto lautet: Vielseitiges Spielen macht den Meister!"

4 DANGEL bezieht bei seiner Umschreibung alle Sportarten ein, d.h. er beschränkt sich nicht nur auf diejenigen Sportarten, die mit einem "Gerät" ausgeübt werden.

5 Die Reaktionsfähigkeit spielt zwar auch für koordinative Fähigkeiten und Überlegungen eine Rolle, wird aber aufgrund ihrer engen Verknüpfung mit der konditionellen Fähigkeit Schnelligkeit unter diesem Aspekt näher erläutert. (s. Kapitel 2.2.3.2) Auch an diesem Zusammenhang wird aber wieder deutlich, wie sehr sich die einzelnen Leistungskomponenten untereinander beeinflussen können.

6 Vgl. hierzu HEINZEL / KOCH / STRAKERJAHN (1997, 15)

7 Informationsquellen / Analysatoren: vestibulär, kinästhetisch, taktil, optisch, akustisch (NEUMAIER / MECHLING 1995, 14/15)

8 Der Vollständigkeit halber bleibt zu bemerken, daß Ausdauer bzw. Ermüdungswiderstandsfähigkeit nicht nur auf der physischen Ebene anzusiedeln ist, sondern außerdem noch in vier weiteren Bereichen (ZINTL 1994, 25ff): Mentale Ermüdung hat ein vorübergehendes Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit zur Folge. Sensorische Ermüdung bedeutet eine vorübergehende Einschränkung der Sinneswahrnehmung. Motorische Ermüdung bezeichnet eine vorübergehende Reduktion der Aussendung von Bewegungsimpulsen durch das Zentralnervensystem. Und unter motivationale Ermüdung versteht man das Nachlassen von willens- und gefühlsbedingten Antriebserregung für sportliche Leistungen. Für die genauere Untersuchung der Beinarbeit können diese unterschiedlichen Formen der Ermüdung bzw. Ermüdungswiderstandsfähigkeit (Ausdauer) in diesem Zusammenhang jedoch weitestgehend vernachlässigt werden.

9 Durch gezieltes Training der aeroben Ausdauer kann diese Grenze weiter nach oben, d.h. zu höheren Belastungsintensitäten ohne das Eingehen einer Sauerstoffschuld, verschoben werden.

10 Reaktions-, Aktions-, Frequenzschnelligkeit. Es werden weniger als 30% der Maximalkraft eingesetzt.

11 Schnellkraft / Beschleunigungsfähigkeit, Schnellkraftausdauer, Schnelligkeitsausdauer

12 Als Bsp. aus der Wettkampfpraxis läßt sich an dieser Stelle u.a. die Reaktion von Ben Johnson beim Start des 100m-WM-Endlaufes 1987 in Rom anführen. Der Kanadier benötigte für seinen Start eine Reaktionszeit von nur 0,109 Sekunden.

13 Die Antizipation wird aus diesem Grunde der Reaktionsschnelligkeit zugeordnet.

14 Für diese beiden Komponenten der Antizipation wählt GROSSER (1991) auch die Bezeichnung "Bewegungsantizipation", die sowohl die eigenen, als auch die Aktionen des Gegners mit einschließt.

15 Die Grenze für die Größe der Widerstände wird in der Regel bei etwa 30 Prozent beschrieben: Sind die Widerstände kleiner, ordnet man diese Mischform aus Schnelligkeit und Kraft eher der Schnelligkeit zu, sind sie größer, wird diese Belastungsform eher zu den Kraftleistungen gerechnet.

16 Bsp.sweise können schnellkräftige Bewegungen - wie sie bei Sprints in diversen Sportarten vorkommen - nicht ausschließlich mit Hilfe von Schnellkraft-Leistungen bewältigt werden: Sie sind im Gegenteil nur dann optimal durchzuführen, wenn der Spieler neben diesen hauptsächlich koordinativ bedingten Schnellkraft- Fähigkeiten (s.o.) auch über ein angemessenes Potential an Maximalkraft verfügt. Je nach Länge des Sprints nehmen aber auch die Leistungsfähigkeiten bezüglich der Kraftausdauer mehr oder weniger Einfluß (s. DHB 1995, 64).

17 Bei willkürlicher Kontraktion kann der „Normalmensch“ seine Kraftfähigkeiten allerdings nur zu etwa 70 Prozent entfalten. Was nicht freigesetzt werden kann, bezeichnet man als autonom geschützte Reserve und kann nur bei ma- ximaler exzentrischer Muskelkontraktion oder mittels Elektrostimulation direkt am Nerv selbst aktiviert werden. Bei Leistungssportlern kann dieses Kraftdefizit (s. SCHMIDTBLEICHER 1987) jedoch erheblich verringert werden.

18 Von Kraftausdauerverhalten spricht man in der Trainingswissenschaft nur dann, wenn die Krafteinsätze größer als ein Drittel des individuellen Leistungsvermögens der Maximalkraft sind. Liegt die aufzubringende Kraft unterhalb dieses Wertes, so werden diese Leistungen eher der konditionellen Fähigkeit Ausdauer zugeschrieben.

19 Darauf beziehen sich auch die Praxishinweise in Kapitel 6 in erster Linie. Das gilt insbesondere für den optimalen, langfristigen und systematischen Trainingsaufbau.

20 Der DTB (1995, 13) schreibt der Beinarbeit im Tennis eine "dominierende Rolle" zu. U.a. deshalb, weil es

Ende der Leseprobe aus 157 Seiten

Details

Titel
Gegenüberstellung der Anforderungsprofile für die Beinarbeit im Tennis und im Handball
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
157
Katalognummer
V44292
ISBN (eBook)
9783638419208
Dateigröße
2158 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gegenüberstellung, Anforderungsprofile, Beinarbeit, Tennis, Handball
Arbeit zitieren
Mirja Eggen (Autor:in), 2001, Gegenüberstellung der Anforderungsprofile für die Beinarbeit im Tennis und im Handball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44292

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