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Die soziale Zusammensetzung des Deutschen Bundestages: Analyse und Bewertung

Title: Die soziale Zusammensetzung des Deutschen Bundestages: Analyse und Bewertung

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 27 Pages , Grade: 1,2

Autor:in: Irene Gebauer (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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„Ein Parlament wird vom Volk (...) erst dann als repräsentativ empfunden, wenn in ihm alle Schichten und Berufe der Gesellschaft vertreten sind. Der Deutsche Bundestag leidet nicht so sehr an Fleiß, gutem Willen und Charakter, es fehlen ihm aber Repräsentanten der Eliten, und es fehlen Frauen und Arbeiter.“
Dieser Ausspruch eines ehemaligen Mitgliedes des Deutschen Bundestages spricht vielen Bürgern der Bundesrepublik förmlich aus dem Herzen. Denn in Bezug auf die Repräsentativität entspricht die Zusammensetzung der Bundestagsabgeordneten weder nach Beruf, Alter oder Geschlecht der Verteilung in der Bevölkerung, die „soziale Struktur der Bevölkerung wird nicht einmal annähernd wiedergespiegelt“. Aber trifft diese Sicht auf die soziale Zusammensetzung des Bundestages wirklich den Kern des Problems? Ob und inwieweit muss denn das Parlament in seiner Zusammensetzung wirklich die Bevölkerung wiederspiegeln?
Wie das erste Kapitel zeigen wird, ist diese oft beschworene rigorose Spiegelbildlichkeit weder herstellbar noch sinnvoll. Es muss in einer abschließenden Bewertung vielmehr geklärt werden, ob die Zusammensetzung des Parlaments ein ausreichendes Maß an personeller Mobilität gewährleistet oder ob sie der „Bildung geschlossener Eliten Vorschub leistet“.
Um sich schrittweise an die Beantwortung dieser Fragen annähern zu können, besteht der nächste Teil diese Arbeit in einer Art historischen Rückblende. Der Fokus richtet sich dabei vor allem auf die Frankfurter Nationalversammlung als erster „politischer Gesamtvertretung“ des deutschen Volkes und auf die politische Ausgangssituation nach Ende des Dritten Reiches, auf deren Boden sich die soziale Zusammensetzung des Deutschen Bundestages entwickeln wird. Wichtigste Frage ist dabei, ob es schon zu Zeiten der Paulskirche Entwicklungen oder Probleme gab, die sich bis in die Gegenwart fortgesetzt haben.
Diesem Teil wird sich eine ausführliche Analyse der Berufs- und Alterstruktur anschließen, gefolgt von einer kritischen Prüfung des Geschlechterverhältnisses. Der zu untersuchende Zeitraum reicht dabei von der 1. Wahlperiode [im folgenden: WP] (1949-53) bis zur 13. WP (1994-98), da ab da eine einheitliche Zusammenstellung der Daten durch Peter Schindler im „Datenhandbuch zur Geschichte des Deutschen Bundestages 1949-1999“ nicht mehr vorliegt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Der Deutsche Bundestag – Spiegelbild der Bevölkerung?

2. Historische Heranführung: Die soziale Zusammensetzung deutscher Parlamente ab 1848

2.1 Von der Paulskirche bis zum Beginn des Dritten Reiches

2.2 Die Ausgangslage 1945

3. Die Berufsstruktur

3.1 Theoretische Grundannahmen zur Erfassung der Berufsstruktur

3.2 Überrepräsentierte Berufsgruppen im Deutschen Bundestag

3.2.1 Beamte und Angestellte des Öffentlichen Dienstes

3.2.2 Angestellte politischer und gesellschaftlicher Organisationen

3.2.3 Selbständige und Angehörige freier Berufe

3.3 Unterrepräsentierte Berufsgruppen im Deutschen Bundestag

4. Die Altersstruktur

4.1 Altersgliederung und Durchschnittalter

4.2 Anteil der Parlamentsneulinge, Dauer der Zugehörigkeit zum Parlament und Wiederwahlquote

5. Frauen im Bundestag

6. Abschließende Wertung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die soziale Zusammensetzung des Deutschen Bundestages im zeitlichen Verlauf von der ersten Wahlperiode (1949-53) bis zur 13. Wahlperiode (1994-98). Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit das Parlament die soziale Struktur der Bevölkerung widerspiegelt, welche Berufsgruppen über- oder unterrepräsentiert sind und in welchem Maße sich eine professionalisierte politische Klasse herausgebildet hat.

  • Analyse der historischen Entwicklung parlamentarischer Sozialstrukturen seit 1848.
  • Untersuchung der Berufsstruktur und Identifizierung politisch dominanter Gruppen.
  • Bewertung der Altersstruktur sowie der personellen Fluktuation und Kontinuität.
  • Kritische Prüfung der Unterrepräsentation von Frauen und Arbeitern.
  • Erörterung der Professionalisierung der Politik und der Rolle der Parteien.

Auszug aus dem Buch

3.1 Theoretische Grundannahmen zur Erfassung der Berufsstruktur

Generell gibt es in der Parlamentssoziologie drei Möglichkeiten, den beruflichen Hintergrund von Abgeordneten statistisch sinnvoll zu erfassen. Entweder man fragt nach

(1) dem erlernten Beruf, nach

(2) dem gegenwärtigen oder nach

(3) der unmittelbar vor erstmaligem Eintritt in den Bundestag wahrgenommenen beruflichen Tätigkeit.

Ad (1): Der erlernte Beruf steht am Anfang einer jeden beruflichen und politischen Karriere von Abgeordneten. Er ist „analytisch von Bedeutung im Zusammenhang der Untersuchung vorparlamentarischer Sozialisation“ und kann Aufschluss über die „soziale Mobilität von Mandatsinhabern“ und über die Frage nach gewissen Interessenbindungen geben. Darüber hinaus ist aber das Kriterium „erlernter Beruf“ wenig brauchbar, weil „die zeitliche Diskrepanz zwischen der ersten beruflichen Tätigkeit und dem erstmaligen Einzug in den Bundestag recht unterschiedlich ist und zumal der Anteil sozialer Aufsteiger, die häufig mehrere Berufe in verschiedener sozialer Stellung ausgeübt haben, unter den Abgeordneten besonders hoch ist“.

Die statistische Erfassung des gegenwärtigen Berufes macht aus zweierlei Gründen ebenfalls keinen Sinn. Zum einen würde der Großteil aller Mandatsträger die Berufsbezeichnung „Bundestagsabgeordneter“ angeben, da „die Abgeordneten des Deutschen Bundestages seit Mitte der 70er Jahre ihr Mandat nicht nur de facto, sondern auch de jure hauptamtlich ausüben“.

So stellte das Bundesverfassungsgericht 1975 fest, dass „der Umfang der Inanspruchnahme so stark angewachsen sei, dass der Abgeordnete in keinem Fall mit der im Arbeitsleben sonst üblichen (...) wöchentlichen Regelarbeitszeit von 40 Stunden seine Verpflichtungen bewältigen könne“.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Einführung in die Thematik der parlamentarischen Repräsentation und Abgrenzung der Fragestellung gegenüber dem Konzept der rigorosen Spiegelbildlichkeit.

1. Der Deutsche Bundestag – Spiegelbild der Bevölkerung?: Diskussion der theoretischen Anforderungen an ein Parlament und die Frage, ob eine sozialstatistische Übereinstimmung mit der Bevölkerung sinnvoll oder erreichbar ist.

2. Historische Heranführung: Die soziale Zusammensetzung deutscher Parlamente ab 1848: Historischer Rückblick auf die Entwicklung von der Frankfurter Paulskirche über das Kaiserreich bis zur Ausgangslage nach 1945.

3. Die Berufsstruktur: Untersuchung der beruflichen Hintergründe der Abgeordneten sowie methodische Diskussion zur statistischen Erfassung dieser Daten.

4. Die Altersstruktur: Analyse der Altersgliederung, des Durchschnittsalters sowie der Bedeutung von Wiederwahlquoten und Parlamentsneulingen für die Professionalisierung.

5. Frauen im Bundestag: Untersuchung der spezifischen Unterrepräsentation von Frauen und der Einflussfaktoren auf deren politischen Aufstieg.

6. Abschließende Wertung: Synthese der Ergebnisse und Fazit über die Stabilität der Personalstruktur sowie Empfehlungen für eine stärkere Öffnung des Parlaments.

Schlüsselwörter

Soziale Zusammensetzung, Deutscher Bundestag, Berufsstruktur, Altersstruktur, Professionalisierung, politische Elite, Repräsentativität, Parlamentssoziologie, Frauen im Bundestag, Wahlperiode, soziale Mobilität, Parteien, Mandat, Interessenstruktur, Spiegelbildlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die soziale Zusammensetzung des Deutschen Bundestages von der 1. bis zur 13. Wahlperiode unter soziologischen Gesichtspunkten.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Schwerpunkte sind die Berufsstruktur, die Altersstruktur, der Frauenanteil und der Prozess der zunehmenden Professionalisierung der politischen Tätigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu klären, ob das Parlament die soziale Struktur der Bevölkerung widerspiegelt und welche Auswirkungen die aktuelle Personalzusammensetzung auf die parlamentarische Arbeit hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es erfolgt eine deskriptive Analyse und Auswertung von statistischem Material, primär basierend auf dem „Datenhandbuch zur Geschichte des Deutschen Bundestages“.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einleitung, eine detaillierte Analyse der Berufs- und Altersstrukturen sowie eine gesonderte Untersuchung der Frauenrepräsentanz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Soziale Zusammensetzung, Professionalisierung, politische Elite und Repräsentativität.

Welche Rolle spielen Beamte im Bundestag?

Beamte sind eine überrepräsentierte Gruppe, was auf ihre besondere Vereinbarkeit von Amt und Mandat sowie ihre Fachkenntnisse zurückgeführt wird.

Warum sind Arbeiter und Hausfrauen so selten im Bundestag vertreten?

Die Arbeit nennt hierfür primär Bedingungen der Berufswelt und mangelnde Karrierechancen innerhalb der parteiinternen Selektionsprozesse.

Was besagt die Arbeit zur "Spiegelbildlichkeit"?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass eine rigorose spiegelbildliche Zusammensetzung weder herstellbar noch wünschenswert ist, da sie die tatsächliche Interessenstruktur des Parlaments nicht direkt abbildet.

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Details

Title
Die soziale Zusammensetzung des Deutschen Bundestages: Analyse und Bewertung
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt
Grade
1,2
Author
Irene Gebauer (Author)
Publication Year
2002
Pages
27
Catalog Number
V44301
ISBN (eBook)
9783638419284
Language
German
Tags
Zusammensetzung Deutschen Bundestages Analyse Bewertung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Irene Gebauer (Author), 2002, Die soziale Zusammensetzung des Deutschen Bundestages: Analyse und Bewertung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44301
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