Preispolitik am Beispiel der Mineralölindustrie


Seminararbeit, 2000

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1 Das Oligopol
1.1 Das Oligopol auf dem Mineralölmarkt
1.2 Arten von Oligopolen nach der Marktvollkommenheit
1.2.1 Markttransparenz und Reaktionsgeschwindigkeit
1.2.2 Untersuchung der Homogenitätsbedingungen
1.3 Vollkommenes Oligopol und gleichförmiges Verhalten

2 Der Wettbewerb
2.1 Das Preissystem in Deutschland
2.2 Preisunterschiede auf regionaler Basis
2.3 Preisverhalten und Konzentration in der Mineralölwirtschaft

Schlußbetrachtung

Glossar

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prozentuale Verteilung der Preisanteile im Kraftstoffpreis

Abbildung 2: Straßentankstellen in Deutschland per 1. Januar 1999

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Preispolitik der Mineralölunternehmen. Die Mineralölindustrie in der Bundesrepublik Deutschland ist ein typisches Beispiel für einen oligopolistisch strukturierten Markt. Ausgehend von der Definition eines Oligopols wird zunächst untersucht, inwieweit der Mineralölmarkt die oligopolistischen Merkmale erfüllt. Da die Mineralölindustrie aus einzelnen betriebswirtschaftlichen Stufen besteht, daneben mehrere Mineralölprodukte produziert und vertrieben werden, beschränken sich die Überlegungen auf den Bereich des Vertriebes von Vergaserkraftstoffen allgemein (keine Trennung von Dieselkraftstoff und Motorenbenzin).

Im nächsten Schritt soll anhand der Marktvollkommenheitskriterien die Frage geklärt werden, ob der Mineralölmarkt ein vollkommenes oder unvollkommenes Oligopol ist.

Auf dieser Grundlage werden die Reaktionsweisen der Oligopolisten in beiden Marktformen dargestellt. Trotz der allgemeinen Schwierigkeit, die in der Realität stattfindenden Funktionsweisen in ein Modell einzupassen, soll die Abhandlung zeigen, inwieweit das Verhalten der Oligopolisten miteinander verflochten ist.

Im Anschluß daran beschäftigt sich Kapitel 2 mit der Frage, ob auf dem deutschen Mineralölmarkt/Tankstellenmarkt ein marktgeleiteter Wettbewerb stattfindet. Dazu werden die Bedingungen des Preisystems in der Bundesrepublik und das Zustandekommen der regionalen Preisunterschiede dargestellt. Anschließend werden die wichtigsten Fragen dieser Arbeit, nämlich ob die Unternehmen der Mineralölindustrie kooperative Absprachen praktizieren oder ob der Preis ein Produkt des Marktwettbewerbes ist, abschließend geklärt.

1 Das Oligopol

1.1 Das Oligopol auf dem Mineralölmarkt

In der theoretischen Diskussion gibt es aufgrund der Vielzahl an Ökonomen, die sich mit der Oligopoltheorie beschäftigt haben[1], keine „einheitliche Auffassung über die Reichweite oligopolistischer Märkte und oligopolistischen Wettbewerbs“[2]. Von daher ist es schwierig, eine bestimmte Oligopolsituation in der Realität mit einer Definition sowie der entsprechenden Theorie zu beschreiben, weil die meisten Modellannahmen einen geringen Bezug zur Realität haben.

Dennoch ist die Grundlegung eines Oligopolmodells unabdingbare Voraussetzung für die systematische Analyse von Realität. Dabei ist die Qualität des Modells grundsätzlich von untergeordneter Bedeutung.

Ein oligopolistischer Markt liegt dann vor, „wenn sich das Angebot an bestimmten Waren oder Leistungen auf eine so geringe Anzahl von Anbietern verteilt, daß aufgrund der Höhe der einzelnen Marktanteile jeder Anbieter in der Lage ist, durch sein jeweiliges Verhalten spürbaren Einfluß auf das gesamte Marktgeschehen zu nehmen“[3].

Ausgehend von dieser Definition wird untersucht, inwiefern sich der Mineralölmarkt als ein Oligopol klassifizieren läßt. Dabei sollen die Zahl der Anbieter und deren Marktanteile genauer betrachtet werden. Der Einfluß eines Oligopolisten auf den gesamten Markt wird im Laufe der Arbeit genauer bestimmt.

Die Zahl der Anbieter hängt von der Offenheit eines Marktes ab, insbesondere davon, ob Eintrittsbarrieren vorhanden sind. Diese können rechtlich-institutionellen bzw. ökonomischen Charakter haben. Sind die Marktzutrittsschranken niedrig, können potentielle Konkurrenten eher in den Markt eindringen. Die etablierten Unternehmen müssen demzufolge die Auswirkungen ihrer eigenen Aktionen, die Reaktionen der Konkurrenten sowie zusätzlich die der „Newcomer“ berücksichtigen. Besonders letztere sind schwierig einzuschätzen.[4]

Der Zugang zu dem Mineralölmarkt mit seinen verschiedenen Teilmärkten (z.B. nach Art der Produkte: Kraftstoffe, leichtes und schweres Heizöl, Rohbenzin, u.a. ) unterliegt keinen Einschränkungen. Doch die etablierten Unternehmen der Mineralölindustrie haben im Laufe der Zeit starke Vorteile im Bereich der Logistik und Kostendetermination erreicht. Da der Produktionssektor (Raffinerien) sehr kapitalintensiv arbeitet, müssen neue Unternehmen, die in den Markt eindringen wollen, kapitalstark sein und das notwendige technische Wissen mitbringen.[5] Die neuen Marktteilnehmer sparen das kapitalintensive Produktionssegment aus und werden vornehmlich im Vertrieb tätig. So kaufen die freien Importeure ihre i.d.R. fertigen Produkte auf den internationalen Ölmärkten, z.B. dem Rotterdamer Markt. Branchenfremde Anbieter, wie Supermärkte, beziehen ihren Kraftstoff häufig von inländischen Raffinerien.

Knecht[6] unterscheidet die Unternehmen der Mineralölindustrie in folgende Gruppen:

- Tochtergesellschaften multinationaler Ölkonzerne, zu denen beispielsweise ESSO, Shell und BP gehören,
- Größere nationale Unternehmen, wie z.B. Veba und Wintershall ( beide sind Mütter von Aral zu 56% und 15 %),
- Tochtergesellschaften kleinerer US-Multis sowie ausländische, unter Staatseinfluß stehende Gesellschaften mit eigenen Raffineriekapazitäten in Deutschland, z.B. Elf, Conoco und
- Unabhängige Importeure.

Die führenden Unternehmen auf dem deutschen Markt stammen überwiegend aus Tochtergesellschaften multinationaler Mineralölkonzerne, die, so Knecht[7], gemeinsam die Rolle des Marktführers innehaben. Er bezeichnet sie als Oligopolgruppe, in der die Marktanteile relativ gleich hoch sind. Inwiefern eine Preisführerschaft vorliegt, ist in der weiteren Abhandlung noch zu klären.

Schürmann[8] spricht dagegen von einem Teiloligopol[9] in der Mineralölbranche und führt zusätzliche Daten auf:

- Der Marktanteil der 1. Gruppe (Tochterunternehmen multinationaler Ölkonzerne) beträgt zusammen 50 %;
- Der Marktanteil der zweiten Gruppe beträgt rund 20%;
- Die sog. „Mitläufergruppe“ ( Gruppe 3) hält einen durchschnittlichen Marktanteil von etwa 12%;
- Der Marktanteil der 4. Gruppe (unabhängige Importeure) beträgt durchschnittlich mehr als 15% über die gesamte Produktpalette.

Simon[10] ordnet den Tankstellenmarkt ebenfalls unter die Definition des Teiloligopols, in dem die 5 größten Anbieter/Tankstellen in Deutschland im Jahre 1987 einen kumulierten Marktanteil von 52 % bei einer Wettbewerberzahl von über 1000 hielten.

Über viele Jahrzehnte dominierten die großen internationalen Ölgesellschaften. Sie betrieben ihr Geschäft in integrierter Form angefangen im Upstream-Bereich (Exploration und Förderung) bis zum Downstream-Bereich (Verarbeitung und Vertrieb), d.h. bis zur Tankstelle. Nach der ersten Ölpreiskrise 1973 entwickelten sie sich verstärkt zu Rohölkäufern und Rohölhändlern, behielten aber ihre Raffinerienstandorte in Deutschland.

1.2 Arten von Oligopolen nach der Marktvollkommenheit

Anhand der[11] Vollkommenheits- bzw. Unvollkommenheitsfaktoren ist zu untersuchen, ob der Mineralölmarkt ein vollkommenes oder unvollkommenes Oligopol ist.

1.2.1 Markttransparenz und Reaktionsgeschwindigkeit

Eine hohe Markttransparenz bedeutet Übersichtlichkeit über das wirtschaftliche Geschehen eines Marktes. Somit ist jeder Anbieter über die dort herrschenden Marktkonstellationen informiert. Insbesondere die Preise und deren Änderungen auf dem Beschaffungsmarkt und dem Endverbrauchermarkt haben eine hohe Transparenz.

Der Beschaffungsmarkt ist der Ölmarkt, der in ein breites Spektrum verschiedener Teilmärkte zerfällt. Einerseits wird Rohöl in die Bundesrepublik eingeführt, andererseits erfolgt der Import von Produkten und Komponenten. Rohöl wird zu ca. 29% aus der OPEC, zu ca. 38,2% aus Westeuropa, zu 26 % aus der GUS und zu 6,8 % aus sonstigen Ländern eingeführt[12]. Der Großteil des Rohöls stammt also aus politisch instabilen Regionen (OPEC, GUS), deren Preis von der Förderkapazität und der Ölpreispolitik des

OPEC-Kartells abhängig ist.

Der Produkten- und Komponentenimport erfolgt überwiegend vom Rotterdamer Markt. Er ist ein Spotmarkt (Kassamarkt mit warenbezogenen Effektivgeschäften) und existiert nicht punktuell an einem Ort. Die Kurse werden von kommerziellen Informationsdiensten, z.B. „Platt`s Oilgram“ über Befragungen der Händler gesammelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht[13].

Der Endverbrauchermarkt sind die Tankstellen der Mineralölunternehmen. Die Tankstellenpreise sind sowohl für die Konkurrenz in der Marktnähe als auch für die Abnehmer deutlich an großen Preistafeln, die gesetzlich vorgeschrieben sind, sichtbar. Die Presse[14] wisse, daß alle Mineralölkonzerne über ein computergestütztes Meldesystem verfügen, welches anzeige, welche Preise und insbesondere Preisänderungen die Tankstellen in entsprechenden Entfernungen von der jeweils eigenen Station herrschen.

Durch die intensive Nutzung des Internets besteht für jeden privaten Abnehmer generell die Möglichkeit, sich über die ihn interessierenden Preise zu informieren[15].

Diese doch sehr hohe Transparenz ermöglicht eine schnelle Reaktion aller Marktteilnehmer.

Die Mitarbeiter der ESSO beispielsweise und deren Tankstellenpartner beobachten die Wettbewerbspreise nach eigenen Angaben intensiv. Die Zentrale wird sofort über die Marktgegebenheiten informiert, diese reagiert auf die Veränderungen und kann ihre Preise dem Wettbewerb anpassen. Jährlich werden etwa 130000 individuelle Preisanpassungen an ESSO Stationen vorgenommen.[16]

Es ist davon auszugehen, daß diese Praxis in ähnlicher Form in jedem Mineralölunternehmen stattfindet.

Eine weitere Erhöhung der Markttransparenz können Preismeldestellen[17] leisten. So sammelt das Nationale Informationssystem (NIS) Meldungen von Mineralölunternehmen über Erträge, Kosten und Erlöse aus dem Downstream-Bereich (Mineralölverarbeitung und –vertrieb). Zielsetzung ist die Veröffentlichung unternehmensinterner Daten durch unabhängige Stellen (Arbeitskreis „Preismeldesystem“ mit Vertretern des MWV, der Mineralölindustrie und des BMWi). Das Bundeswirtschaftsministerium aggregiert diese Daten allerdings, um Rückschlüsse auf einzelne Unternehmen auszuschließen. Das durchschnittliche Ergebnis wird anschließend vom EWI interpretiert. Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität Köln und die Gesamthochschule Essen veröffentlichen ihre Daten in der Zeitschrift für Energiewirtschaft unter dem Titel „Daten zur Entwicklung der Kosten- und Ertragslage der Mineralölindustrie in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre ...“. Neben der Ölmarktentwicklung und den Versorgungstrends, werden die einzelnen Erlös- und Kostenpositionen aufgezeigt incl. Endverbraucherpreise. Diese Ergebnisse beziehen sich allerdings auf die Vergangenheit und lassen, wie bereits festgestellt, keine Rückschlüsse auf einzelne Mineralölfirmen zu.

[...]


[1] Vgl. dazu z.B. Simonis, B.; Die Aussagen der neueren Oligopolpreistheorie und ihre Bedeutung für die Wettbewerbspolitik, Meisenheim am Glan, 1971, Abb. Systematik der wesentlichsten Oligopoltheorien, S. 26/27

[2] ebd., S.4

[3] Kühn, Klaus-Dieter; Abgestimmtes und sogenanntes bewußtes Parallelverhalten auf Oligopolmärkten: Bedeutung, Unterscheidungsproblematik und Konsequenzen für die Wettbewerbspolitik, Verlag Harri Deutsch, Zürich u.a., 1978, S. 5

[4] ebd., S.19ff

[5] Knecht, T.; Gewinn und Leistung als Elemente des Wettbewerbs - Das Beispiel der Mineralölindustrie in der Bundesrepublik Deutschland, Diss. 1979, Hamburg, a.a.O., S. 89

[6] ebd. ; S.42

[7] ebd., S.87

[8] Schürmann, Dr. H. J.; Mineralölmarkt und Anbieterstrukturen: Plädoyer für den Schutz marktwirtschaftlicher Elemente; In: OEL-Zeitschrift für die Mineralölwirtschaft, März 1977, S.68 ff.

[9] siehe Definition im Glossar

[10] Simon, H.; Preismanagement. Analyse – Strategie – Umsetzung, 2., vollst. Überarbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden: Gabler, 1992, S. 21

[11] Definition im Glossar

[12] Zahlen von 1998 in Shell; Daten und Fakten, S. 2

[13] Zeitschrift für Energiewirtschaft 4/92, S.65

[14] FAZ, 20.08.1990

[15] siehe dazu z.B. http://www.deutsche-shell.de, www.oeamtc.at/reise/benzinpreise.htm, www.adac.de/adac.storefront, www.worldbank.org/html/fpd/transport/urbans/other.htm

[16] ESSO:Infoservice; http://www.esso.de

[17] siehe Definition im Glossar

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Preispolitik am Beispiel der Mineralölindustrie
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Industriebetriebslehre und Organisation)
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
25
Katalognummer
V44315
ISBN (eBook)
9783638419420
ISBN (Buch)
9783638687584
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Preispolitik, Beispiel, Mineralölindustrie
Arbeit zitieren
Dana Lüdtke (Autor), 2000, Preispolitik am Beispiel der Mineralölindustrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44315

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