Das Gesundheitswesen Deutschlands steht schon seit vielen Jahren in der öffentlichen Diskussion. Durch viele Reformen wurde und wird versucht, das erreichte Niveau der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die ständig steigenden Kosten zu begrenzen. Da die Krankenhäuser einen erheblichen Teil der Gesundheitsversorgung erbringen, stehen diese immer wieder im Mittelpunkt entsprechender Diskussionen und Reformen. Ein Ergebnis dieser Reformen ist der ständig wachsende wirtschaftliche Druck auf die Krankenhäuser, welcher zu einem stetig zunehmenden Wettbewerb unter diesen führt. Dieser für die Krankenhäuser relativ neuen Herausforderung gilt es mit Mitteln der Betriebswirtschaft zu begegnen. Jedoch wird dabei bisher hauptsächlich von Allgemeinkrankenhäusern ausgegangen. Die Fachkliniken wurden kaum in der öffentlichen Diskussion wahrgenommen. Dabei sind diese nicht weniger von den Auswirkungen der verschiedenen Reformen im Gesundheitswesen betroffen und müssen sich nun ebenfalls dem Wettbewerb stellen. In diesem Zusammenhang haben gerade Psychiatrische Krankenhäuser eine schwierigere Aufgabe als somatische Kliniken.
Die Psychiatrischen Krankenhäuser wurden erst durch die Psychiatrie-Enquête in den 70er Jahren und durch die Psychiatrie-Personalverordnung in den 90er Jahren von reinen Verwahr-Anstalten zu Kliniken, die mit somatischen Häusern vergleichbar sind. Aber die dadurch im Geist von Humanität und Partnerschaft in Behandlung und Versorgung erreichten Verbesserungen könnten bald wieder in Gefahr kommen durch knapper werdende Ressourcen und einen Wandel des Zeitgeistes hin zu einer härteren, egoistischeren Mentalität. Gerade bei anstehenden Neubauten von Psychiatrischen Kliniken ist oft ein viel stärkerer Widerstand in der benachbarten Bevölkerung wahrzunehmen, als bei Allgemeinkrankenhäusern. Dieser Umstand spricht dafür, dass die Öffentlichkeit Angst hat vor Menschen mit seelischen und psychischen Erkrankungen.
Marketing kann auch als die Summe von Maßnahmen zur Markenbildung, zur Werbung, zur Verbesserung der Ärztebeziehungen und zur Verbesserung der Kommunikation mit der Gesellschaft ("Community Outreach") definiert werden. Ich habe mich daher bewusst bei der Erstellung dieser Arbeit für das Thema "Marketing-Konzept für Psychiatrische Fachkliniken am Beispiel des Bezirkskrankenhauses Mainkofen" entschieden, da durch Marketing nicht nur ein Teil der anstehenden wirtschaftlichen Erfordernisse...
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definition, allgemeine Aufgaben und Ziele von Marketing
2. Marketing im Krankenhaus
3. Marketing für Psychiatrische Kliniken
3.1 Die Psychiatrische Klinik des Bezirkskrankenhauses Mainkofen
3.2 Marketing bei unterschiedlicher Auslastung
3.3 Krankenhaus-Marketing für die Psychiatrie
3.3.1 Leistungen des Krankenhauses
3.3.1.1 medizinische Qualität
3.3.1.2 nicht-medizinische Qualität
3.3.2 Preise für Krankenhausleistungen
3.3.3 Distribution der Krankenhausbehandlung
3.3.4 Kommunikation
3.3.4.1 Zielgruppen
3.3.4.1.1 Patienten
3.3.4.1.2 Mitarbeiter
3.3.4.1.3 Externe Ansprechpartner
3.3.4.1.3.1 Niedergelassene Ärzte
3.3.4.1.3.2 Einweisende Krankenhäuser
3.3.4.1.3.3 Kostenträger
3.3.4.2 Kommunikationsmanagement
3.3.4.2.1 Öffentlichkeitsarbeit
3.3.4.2.2 Werbung
3.3.4.2.3 Werbebeschränkungen
3.3.4.2.4 Verkaufsförderung
3.3.4.3 Internet
3.3.4.3.1 Juristische Rahmenbedingungen
3.3.4.3.2 Anwendungsmöglichkeiten
3.3.4.3.2.1 niedergelassene Ärzte
3.3.4.3.2.2 Allgemeinheit
3.4 Realisierung von Marketing für Psychiatrische Fachkliniken
3.5 Voraussetzungen
3.6 Imageanalyse
4. Allgemeine Marketing-Maßnahmen
4.1 Klinik-Leitfiguren
4.2 Umgang miteinander in der Klinik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, ein fundiertes Marketing-Konzept für psychiatrische Fachkliniken zu entwickeln, wobei das Bezirkskrankenhaus Mainkofen als exemplarisches Fallbeispiel dient. Dabei wird untersucht, wie Krankenhäuser trotz zunehmendem wirtschaftlichen Druck und Wettbewerb eine kundenorientierte Ausrichtung erreichen können, um sowohl ihre wirtschaftliche Stabilität als auch die Qualität der Patientenversorgung zu sichern.
- Analyse der theoretischen Grundlagen des Krankenhausmarketings unter Berücksichtigung psychiatriespezifischer Besonderheiten.
- Untersuchung der Bedeutung von Kunden- und Patientenorientierung als strategischer Erfolgsfaktor im psychiatrischen Kontext.
- Erörterung der verschiedenen Marketinginstrumente (Leistung, Preis, Distribution, Kommunikation) für die psychiatrische Fachklinik.
- Ableitung konkreter Marketingmaßnahmen für die Klinikpraxis, einschließlich der Verbesserung der Außenbeziehungen und der internen Kommunikation.
- Bewertung der Rolle des Internets und der Öffentlichkeitsarbeit bei der Entmystifizierung psychischer Erkrankungen und der Imagebildung.
Auszug aus dem Buch
3.3.1.2 nicht-medizinische Qualität
Außermedizinische, relativ gut beurteilbare menschliche Qualitäten müssen mindestens genau so gut sein, wie die schwer beurteilbaren medizinischen Qualitäten. Denn grundsätzlich fällt immer das auf, was nicht funktioniert. „Der barsche Ton des Pförtners, die ständig von Zigarettenqualm vernebelte Lobby, der chronisch verschmutzte Aufzug und die Putzfrauen die, nach dem Weg gefragt, immer nur „nix verstehen“, da sie als externe Reinigungskräfte mit der Klinik nicht vertraut sind - es sind die vielen kleinen Negativerlebnisse, die den Klinikeindruck nachhaltig prägen.
Und da Patienten nicht die medizinische Qualität eines Krankenhauses beurteilen können, suchen sie sich ein Beurteilungssurrogat. Von der schlechten Verpflegung, dem schmutzigen Waschbecken, den wenigen Schwestern oder den dauergestressten Ärzten wird auf die medizinische Kompetenz des Krankenhauses geschlossen. Hier nun Wiedergutmachung zu leisten wird teuer, denn nun muss man viel Zeit aufwenden, um solche Patienten „mundtod“ zu machen.“ Grundsätzlich ist Qualität das, was der Kunde dafür hält. Also kommt es auf die von außen wahrgenommene Qualität stärker an als auf die von innen geforderte. Entscheidend ist demnach der Qualitätsruf einer Klinik.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende wirtschaftliche Herausforderung für psychiatrische Kliniken durch Reformen im Gesundheitswesen und die Notwendigkeit, sich dem Wettbewerb durch betriebswirtschaftliches Marketing zu stellen.
1. Definition, allgemeine Aufgaben und Ziele von Marketing: Dieses Kapitel erläutert den Marketingbegriff als zielgruppenorientierte Unternehmensführung und führt die vier klassischen Marketinginstrumente (Product, Price, Placement, Promotion) im Krankenhauskontext ein.
2. Marketing im Krankenhaus: Hier werden die ökonomischen Rahmenbedingungen und der steigende Wettbewerbsdruck dargestellt, die Krankenhäuser zu einem Umdenken in Richtung Kundenorientierung zwingen.
3. Marketing für Psychiatrische Kliniken: Das Kapitel überträgt die allgemeinen Marketingprinzipien auf die Psychiatrie, betont die Notwendigkeit der Entstigmatisierung und analysiert spezifische Herausforderungen bei der Versorgung psychisch Kranker.
4. Allgemeine Marketing-Maßnahmen: Dieses Kapitel stellt praktische Ansätze für Kliniken vor, wie durch den Einsatz von Leitfiguren und einen positiven Umgang miteinander die Patienten- und Mitarbeiterbindung gestärkt werden kann.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Marketing für psychiatrische Kliniken unverzichtbar ist, um Vertrauen als zentrales Betriebskapital aufzubauen und langfristig wirtschaftlich zu bestehen.
Schlüsselwörter
Krankenhaus-Marketing, Psychiatrie, Patientenorientierung, Qualitätssicherung, Öffentlichkeitsarbeit, Wettbewerb, Gesundheitswesen, Einweiser-Marketing, Kundenbindung, Unternehmenskultur, Marketing-Instrumente, Imageanalyse, Psychiatrische Institutsambulanzen, Patientenführung, Servicequalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung eines professionellen Marketing-Konzepts für psychiatrische Fachkliniken, um diesen dabei zu helfen, sich in einem zunehmend kompetitiven Gesundheitsmarkt erfolgreich zu positionieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Übertragung betriebswirtschaftlicher Marketingstrategien auf den Klinikalltag, die Bedeutung der Kundenorientierung, die Rolle der Öffentlichkeitsarbeit bei der Stigmatisierung psychischer Krankheiten sowie die Qualitätssicherung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Nutzen von Marketing für psychiatrische Kliniken aufzuzeigen und Strategien abzuleiten, die sowohl den wirtschaftlichen Erfolg sichern als auch das Vertrauen in die psychiatrische Versorgung fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu aktuellen Trends im Krankenhausmanagement sowie einer praxisorientierten Fallstudie am Bezirkskrankenhaus Mainkofen, ergänzt durch Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt detailliert die vier klassischen Marketingbereiche (Leistung, Preis, Distribution, Kommunikation), die Anwendung von Marketinginstrumenten bei verschiedenen Zielgruppen (Patienten, Mitarbeiter, Einweiser) sowie die Umsetzung im Klinikalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Krankenhaus-Marketing, Patientenorientierung, Psychiatrie, Entstigmatisierung, Qualitätssicherung und Wettbewerbsfähigkeit.
Wie unterscheidet sich das Marketing für eine Psychiatrie von somatischen Kliniken?
Während die grundlegenden Instrumente identisch sind, spielt in der Psychiatrie die zusätzliche Dimension der Entmystifizierung und das aktive Entgegenwirken von Vorurteilen in der Öffentlichkeit eine entscheidende Rolle für den Marketingerfolg.
Warum spielt die Öffentlichkeitsarbeit bei psychiatrischen Kliniken eine besondere Rolle?
Da psychische Erkrankungen in der Bevölkerung häufig mit Ängsten und Vorurteilen behaftet sind, ist eine aktive, transparente Öffentlichkeitsarbeit entscheidend, um Vertrauen zu schaffen und das Krankenhaus als Teil der medizinischen Normalversorgung zu etablieren.
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- Valentin Adam (Autor), 2004, Marketing-Konzept für eine Psychiatrische Fachklinik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44321