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Morphologisierung der (deutschen) alphabetischen Schrift

Title: Morphologisierung der (deutschen) alphabetischen Schrift

Term Paper , 2005 , 14 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Marko Tomasini (Author)

Speech Science / Linguistics
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„Alle piktographischen Systeme, sogar solche aus Ideogrammen und Rebussen, benötigen eine erschreckende Menge von Symbolen. Das Chinesische ist das größte, komplexeste und reichhaltigste [...]. Kein Chinese, kein Sinologe kennt sie alle, hat sie je alle gekannt. Nur wenige der schreibfähigen Chinesen, können alle diejenigen Wörter, welche sie verstehen, auch aufschreiben. Im chinesischen Schriftsystem einigermaßen bewandert zu sein, setzt ein etwa zwanzigjähriges Studium voraus. Solch eine Schrift verschlingt eine Menge Zeit und ist deswegen elitär. Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß die Schriftzeichen durch das römische Alphabet ersetzt werden, sobald in der Volksrepublik China jeder die gleiche chinesische Sprache („Dialekt“) beherrscht, [...].“

Diese These von Walter Ong spiegelt eine durch das lateinische Alphabet geprägte Sichtweise wieder, welche im wesendlichen auf der Überzeugung beruht, dass die Entwicklung der Schrift, wie sie in Europa stattgefunden hat, eine geradlinige ist und dass die Verwendung von Schriftzeichen, welche keine Phoneme sondern Morpheme darstellen, nur ein Entwicklungsschritt ist, den die Europäer schon lange hinter sich und die Chinesen noch vor sich haben. Diese Annahme besagt also auch, dass die Darstellung von Sprache auf der Ebene der Phoneme den Endpunkt der Schriftentwicklung darstellt.

In dieser Arbeit soll es im Wesentlichen darum gehen, ob diese These, so wie sie aufgestellt ist, haltbar ist. Es soll untersucht werden, ob sich die alphabetische Schrift tatsächlich nicht mehr (wesentlich) ändert, oder es vielleicht doch mehr Gemeinsamkeiten zwischen chinesischer und alphabetischer Schrift gibt als angenommen und sich die alphabetische Schrift sogar ein wenig in Richtung chinesisches System bewegt. Dazu sollen kurz beide Systeme vorgestellt werden, ehe dann genauer auf die alphabetische Schrift und deren sogenannte „Morphologisierung“ eingegangen werden soll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Aufbau der Schriftsysteme

2.1 Das chinesische Schriftsystem

2.2 Das lateinische Alphabet

3. Morphologisierung der (deutschen) alphabetischen Schrift

3.1 Was ist Schrift?

3.2 Das morphematische Prinzip in der Orthographie (Graphie)

3.3 Die Art des Lesens

3.4 Zusammenführung

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die These einer vermeintlichen Überlegenheit und geradlinigen Entwicklung alphabetischer Schriftsysteme gegenüber dem chinesischen Schriftsystem. Ziel ist es zu analysieren, ob sich die alphabetische Schrift – entgegen eurozentristischer Annahmen – durch eine zunehmende „Morphologisierung“ in ihrer Funktionsweise an nicht-alphabetische Systeme annähert.

  • Struktureller Vergleich zwischen lateinischem Alphabet und chinesischer Schrift.
  • Kritik an der rein phonematischen Sichtweise auf Schriftsysteme.
  • Analyse des morphematischen Prinzips innerhalb der deutschen Orthographie.
  • Untersuchung kognitiver Leseprozesse als Bestätigung für die Bedeutung von Wortbildern.
  • Einordnung der Schriftentwicklung im Kontext von Literalität.

Auszug aus dem Buch

3.1 Was ist Schrift?

Zur ersten Frage habe ich bereits das Argument vorweggenommen, dass es sich bei (jeder) Schriftsprache um Kommunikation handelt und Kommunikation immer durch Inhalte bestimmt sein muss. Nun stellt Ong zu recht fest, dass sich das Alphabet nicht an den Dingen selbst, sondern an dem Klang der Sprache orientiert bzw. (so schreibt er) den Bezug zu den Dingen verloren habe, allerdings muss auch festgehalten werden, dass es bei der graphischen Darstellung von gesprochenen Lauten nicht bleiben kann. Einzelne Buchstaben sind zwar bedeutungsunterscheidende Schriftelemente, aber nicht selbst Bedeutungstragende. Erst in Kombination mit anderen graphischen Schriftelementen können sie einfache Bedeutung erlangen und erst durch eine Vielzahl von Kombinationen können sie tiefere Bedeutungen darstellen. Hiezu stellt Stetter fest, dass Buchstaben nicht dazu verwendet werden (und wurden) Laute auszudrücken, „[...],sondern ausschließlich dazu, lesbare Wörter oder Texte zu schreiben“ und das seit Beginn der Entwicklung des Alphabets. Der Aufbau einer Schriftsprache, auf der Basis der gesprochenen Laute, kann also nur als Mittel zum Zweck angesehen werden und nicht als Selbstzweck schlechthin. Die Darstellung der Phoneme durch graphisch einfache Grapheme (phonematisches Prinzip) ist also nur Konstitutionsprinzip, nicht aber Funktionsprinzip, nur die Basis, von der es vielerlei Abweichungen gibt, ohne dass die alphabetische Schrift an Funktionalität verlieren würde. Als Beispiel einer alphabetischen Schrift, die kaum noch als phonematisch bezeichnet werden kann, wäre hier die englische Schriftsprache zu nennen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die eurozentristische These einer geradlinigen Schriftentwicklung, die das Alphabet als Endpunkt betrachtet, und stellt die Forschungsfrage nach den Gemeinsamkeiten zwischen chinesischer und alphabetischer Schrift.

2. Der Aufbau der Schriftsysteme: Dieses Kapitel liefert eine grundlegende Einführung in den strukturellen Aufbau des morphosyllabischen chinesischen Systems sowie des phonematisch orientierten lateinischen Alphabets.

3. Morphologisierung der (deutschen) alphabetischen Schrift: Der Hauptteil analysiert die Funktionalität von Schrift jenseits reiner Phonem-Abbildung, beleuchtet das morphematische Prinzip in der Orthographie und untersucht, wie wir als geübte Leser Schrift erfassen.

4. Resümee: Das Resümee kommt zu dem Schluss, dass beide Schriftsysteme unterschiedliche Effizienzen aufweisen und keine pauschale Überlegenheit eines Systems gegenüber dem anderen begründet werden kann.

Schlüsselwörter

Morphologisierung, Alphabet, chinesisches Schriftsystem, Phonem, Morphem, Graphem, Orthographie, Schriftsprache, Literalität, Sprachwissenschaft, Schriftgeschichte, Kommunikation, ideographisch, morphematisches Prinzip, Leseprozess.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einem kulturvergleichenden Blick auf Schriftsysteme. Sie vergleicht die deutsche alphabetische Schrift mit dem chinesischen Schriftzeichensystem und hinterfragt die Annahme, dass das Alphabet das überlegene Endstadium einer linearen Schriftentwicklung sei.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder sind die Struktur von Schriftsystemen, das Verhältnis zwischen gesprochener Sprache und geschriebener Form, die Bedeutung des Leseprozesses sowie die funktionale Entwicklung der deutschen Orthographie weg von einer rein lautgetreuen Schreibung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, die These zu prüfen, ob sich die alphabetische Schrift in ihrer Anwendung und Funktionsweise tatsächlich so radikal vom chinesischen System unterscheidet, wie oft angenommen, oder ob sie sich durch die Notwendigkeit der Identität von Morphemen und Wörtern in Richtung „ideogrammartiger“ Prinzipien entwickelt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine kulturvergleichende und schriftlinguistische Methodik. Sie stützt sich auf die theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur, um die strukturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Systeme unter Berücksichtigung von Literalisierungsprozessen herauszuarbeiten.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Systeme, eine Untersuchung des Begriffs der Schrift, eine detaillierte Analyse der morphematischen Prinzipien in der deutschen Rechtschreibung sowie eine Erörterung moderner kognitiver Leseprozesse, bei denen nicht mehr Buchstabe für Buchstabe, sondern größere Sinneinheiten verarbeitet werden.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind Morphologisierung, phonematische vs. morphematische Prinzipien, Literalität, Schriftlinguistik und die Identität von Wortbildern.

Inwiefern beeinflusst das „morphematische Prinzip“ die deutsche Rechtschreibung?

Das morphematische Prinzip führt dazu, dass die Schrift nicht nur Laute wiedergibt, sondern die Identität von Morphemen und Wörtern bewahrt. Dies erklärt, warum Ausnahmen in der Schreibung existieren und warum Schreibweisen wie „Wälder“ (analog zu Wald) trotz Lautveränderung beibehalten werden, um die Lesbarkeit und Bedeutungserkennung zu sichern.

Warum ist das Argument der „Einfachheit“ des Alphabets laut Autor relativ zu betrachten?

Der Autor argumentiert, dass die geringe Anzahl an Grundzeichen des Alphabets nur der erste Schritt ist. Da das Alphabet in der Praxis zahlreiche orthographische Regeln und Ausnahmen kennt, erfordert eine umfassende „Literalisierung“ einen langjährigen Lernprozess, der die vermeintliche Überlegenheit durch Einfachheit relativiert.

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Details

Title
Morphologisierung der (deutschen) alphabetischen Schrift
College
University of Erfurt  (Philosophische Fakultät)
Course
Kulturvergleichende Mediengeschichte
Grade
1,7
Author
Marko Tomasini (Author)
Publication Year
2005
Pages
14
Catalog Number
V44323
ISBN (eBook)
9783638419482
ISBN (Book)
9783638824231
Language
German
Tags
Morphologisierung Schrift Kulturvergleichende Mediengeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marko Tomasini (Author), 2005, Morphologisierung der (deutschen) alphabetischen Schrift, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44323
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