Übungen zur Umsetzung von Fußgymnastik in Schule und Alltag. Warum unsere Füße uns mitten im Leben stehen lassen


Diplomarbeit, 2018
58 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Problemstellung

2. Anatomie des Fußes

3. Fußfehlstellungen – Formen, Ursachen und Folgen
3.1. Formen von angeborenen sowie erworbenen Fußfehlstellungen
3.1.1. Spitzfuß
3.1.2. Sichelfuß
3.1.3. Klumpfuß
3.1.4. Hackenfuß
3.1.5. Hohlfuß
3.1.6. Der Knickfuß und Knick-Senkfuß
3.1.7. Senk-Plattfuß
3.1.8. Spreizfuß
3.2. Ursachen von Fußfehlstellungen
3.3. Folgen von Fußfehlstellungen

4. Entwicklung des Kinderfußes
4.1. Neugeborene und Säuglinge
4.2. Kleinkinder
4.3. Schulkinder
4.4. Jugendliche
4.5. Der richtige Schuh

5. Fußgymnastik
5.1. Gesunde Füße als Ziel der Fußgymnastik erkennen
5.1.1. Gerade Fersenbelastung
5.1.2. Normales Fußgewölbe
5.1.3. Gesunder Vorfuß
5.1.4. Aufgerichtetes Becken
5.1.5. Gerade Bein- und Fußachsen
5.2. Wichtige Hinweise zur Fußgymnastik

6. Übungen zur Umsetzung von Fußgymnastik in Schule und Alltag
6.1. Einführung – Den Füßen auf der Spur
6.1.1. Auf die Socken – fertig – los!
6.1.2. Die eigenen Füße betrachten
6.1.3. Einen Fußpass erstellen
6.1.4. Fußgesichter
6.2. Basisübungen
6.2.1. Reiben, Klatschen und Paddeln
6.2.2. Fußkreisen
6.2.3. Seitliches Abrollen und Zehen spreizen
6.2.4. Zehenstand und freier Stand auf einem Vorfuß
6.2.5. Zehen- und Fersengang
6.2.6. Wippen und Schaukeln
6.2.7. Krallen
6.2.8. Raupengang
6.2.9. Tierparade
6.2.10. Pumpen und Fahrradfahren zu Zweit
6.2.11. Tipp-Tapp mit Füßen
6.2.12. Bewegungen spiegeln
6.3. Wahrnehmungsübungen – Tasten, Fühlen und Spüren
6.3.1. Barfußparcours oder Taststraße
6.3.2. Tastbox
6.3.3. Fußmassage zur Entspannung
6.4. Greifübungen – Greifen, Festhalten und Loslassen
6.4.1. Greifen- Loslassen – Bauen - Umblättern
6.4.2. Fußzange und Ball werfen
6.4.3. Stäbchen stapeln
6.4.4. Becher stapeln und Ringe einfädeln
6.4.5. Bällecocktail
6.4.6. Weit und Zielwerfen – Sockenball
6.4.7. Wäscheklammern
6.4.8. Papier falten und reißen
6.4.9. Knoten binden
6.4.10. Mit den Schnüren laufen
6.4.11. Zehen- Wettziehen
Kraft-, Balance- und Flexibilitätsübungen
6.4.12. 6.5.1 Basisübung Balance – Auf einer Linie gehen
6.4.13. Basisübung Balance – Abrollen
6.4.14. Balancieren auf Alltagsgegenständen
6.4.15. Springen und Hüpfen
6.5. Kreatives für die Füße
6.5.1. Fuß-Picasso – mit dem Fuß malen oder schreiben
6.5.2. Kunstwerke legen
6.5.3. Bunte Füße
6.5.4. Fußmemory
6.5.5. Fußtheater
6.5.6. Schaufensterfüße
6.5.7. Musik mit den Füßen
6.5.8. Basteln mit den Füßen
6.6. Weitere Spiel- und Sportideen für die ganze Klasse
6.6.1. Lauf- und Fangspiele
6.6.2. Ballspiele
6.6.3. Spiele mit Teppichfliesen
6.6.4. Der barfüßige Tausendfüßler
6.6.5. Hahnenkampf
6.6.6. Staffelwettbewerbe

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

10. Anhang

11. Praxisnachweis

1. Einleitung und Problemstellung

Füße sind eine außerordentlich komplexe Kombination von Stabilität und Elastizität sowie Belastbarkeit und Empfindsamkeit. Sie sind die Grundlage für den Haltungsaufbau und sorgen für Stütze, Gleichgewicht sowie Beweglichkeit.

Der Mensch umrundet mit ihnen mindestens viermal die Erde in seinem Leben, das sind ungefähr 180 000 Kilometer oder 300 Millionen Schritte (vgl. Zimmermann 2010, S. 10). Zudem befinden sich in den Füßen mehr Sinneszellen als im Gesicht, dadurch können wir spitze oder stumpfe Gegenstände ertasten, weichen oder harten Untergrund fühlen, Kälte und Wärme empfinden sowie vieles mehr.

All das schaffen die Füße unter der Belastung des Körpergewichts und trotz dieser Höchstleistungen findet dieser Körperteil oftmals nicht die notwendige Aufmerksamkeit.

Bedenkt man, dass 98 Prozent aller Menschen mit gesunden Füßen zur Welt kommen, aber nur noch 40 Prozent der Erwachsenen gesunde Füße haben, dann wird klar, dass zahlreiche negative Einflüsse auf sie gewirkt haben. Fehlende Bewegungserfahrungen, falsches Schuhwerk und mangelnde Pflege sind nur einige Probleme, die zu leistungsschwachen Füßen führen (vgl. Zimmermann 2010, S. 9).

Diese fußfeindliche Entwicklung beginnt oftmals bereits in der Kindheit und dies wiederum verursacht weitere Haltungs- und Bewegungsprobleme, die sich von den Füßen ausgehend auf die Beine, das Becken und die Wirbelsäule auswirken können (vgl. Zimmermann 2010, S. 12). Ein leistungsfähiger Fuß ist daher essentiell für die lebenslange Fußgesundheit und darauf sollte bereits bei den Kinderfüßen geachtet werden.

Aus diesem Grund möchte die vorliegende Diplomarbeit sowohl Eltern als auch Pädagogen/Pädagoginnen die Bedeutung gesunder Kinderfüße für die langfristige Entwicklung näherbringen. Die Aufklärung über Fußgesundheit, Hinweise zum Schuhkauf sowie das Zusammenwirken von Fußwahrnehmung und Motorik sind hierbei äußerst wichtig.

In den nachfolgenden Kapiteln werden die Anatomie des Fußes sowie häufige Fehlstellungen erläutert. Im Kapitel „Entwicklung von Kinderfüßen“ geht es darum, aufzuzeigen, dass einige der zuvor beschriebenen Fehlstellungen bis zu einem gewissen Alter sowie einer bestimmten Entwicklungsstufe normal sein können und es werden Hinweise gegeben, wie beispielsweise ein gesunder Vorderfuß erkannt wird.

Den umfangreichsten Teil der Arbeit stellen allerdings die praktischen Übungen dar, da gezeigt werden soll, wie vielfältig sich Fußgymnastik umsetzen lässt. So können sich einfache Übungen, wie der Zehenspitzenstand während des Zähneputzens oder das regelmäßige Barfußlaufen, bereits positiv auf die Fußgesundheit auswirken.

Durch gezielte Förderung kann sich das wahre Potenzial der Füße entfalten, denn das Ziel sollte sein: „Gut zu Fuß – ein Leben lang!“

2. Anatomie des Fußes

Der menschliche Fuß hat sich in den letzten Millionen Jahren während der Entwicklung des aufrechten Ganges extrem verändert. So verlagerte sich das gesamte Körpergewicht von vier auf nur zwei Füße, wodurch sich der Körperschwerpunkt und das Halten des Gleichgewichts veränderten. Dieser Prozess machte es notwendig, dass sich beispielsweise das Fersenbein, ein Knochen in der Fußwurzel, den neuen Gegebenheiten anpasste.

Die Evolution hat die Füße derartig komplex konstruiert, dass sich jeweils 26 Knochen, 33 Gelenke, 20 Muskeln, 107 Sehnen und Bänder sowie zigtausende Nervenbahnen darin befinden (vgl. Zimmermann 2010, S. 10).

Der Fuß, in der Fachsprache „Pes“ genannt, lässt sich anatomisch grob in

- Zehen (Digiti pedis),
- Mittelfuß (Metatarsus) mit Fußsohle (Planta pedis) sowie Fußrücken (Dorsum pedis) und
- Fußwurzel (Tarsus) einteilen.

Den hinteren Anteil des Fußes bildet die Ferse (Tuber calcanei).

Eine Einteilung in Vorfuß, Mittelfuß und Rückfuß ist ebenfalls möglich (vgl. Zimmermann 2010, S. 10).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der Fuß

Die Beschreibung der drei Bereiche Zehen – Mittelfuß – Fußwurzel bezieht sich auf die Literatur von Köhler/Reber 2003, S. 7f.:

Die Zehen bestehen aus kleinen Röhrenknochen, wobei die Großzehe (Halux) zwei sehr kräftige Glieder besitzt und die anderen aus jeweils drei Gliedern bestehen. Diese sind allerdings kurz und kräftig und daher nicht so beweglich wie Fingerglieder.

Der Mittelfuß besteht aus fünf Röhrenknochen – den Mittelfußknochen. Der Fußrücken oder auch Rist beschreibt die Oberseite des Mittelfußes und an der Unterseite befindet sich die Fußsohle. In dieser befindet sich ein Fettpolster, welcher enorm wichtig ist, um die Belastungen beim Gehen und Rennen abzufedern.

Die Fußwurzel besteht aus sieben Fußwurzelknochen:

- Fersenbein (Calcaneus): größter Fußwurzelknochen mit dem kräftigen Fersenbeinhöcker, der der Achillessehne als Ansatz dient.
- Sprungbein (Talus): liegt auf dem Fersenbein
- Kahnbein (Os naviculare)
- drei Keilbeine (Ossa cuneiformia), aufgeteilt in inneres, mittleres und äußeres Keilbein
- Würfelbein (Os cuboideum)

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Abbildung 2: Die Abschnitte des Fußes

Die Knochen des Fußes sind über Gelenke miteinander verbunden und werden über die Fußmuskulatur bewegt. Die Fußmuskulatur wird in die Gruppe der langen und der kurzen Fußmuskeln unterteilt. Die langen Fußmuskeln liegen am Unterschenkel und über das obere Sprunggelenk (Articulatio talocruralis) ist der Fuß mit dem Unterschenkel verbunden.

Die kurzen Fußmuskeln befinden sich am Fußskelett, das heißt sie haben hier ihren Ursprung und Ansatz (vgl. Köhler/Reber 2003, S. 8).

Besonders erwähnenswert ist an dieser Stelle die Zwischenknochenmuskulatur, welche für die Beugung und Streckung des Fußes sorgt, als Stoßdämpfer wirkt und zudem den entscheidenden Vorwärtsimpuls beim Gehen gibt.

Die zahlreichen Gelenke ermöglichen verschiedene Bewegungsabläufe, wie die Bewegung des Fußes im Sprunggelenk in Richtung Fußrücken (Dorsalflexion) bzw. Fußsohle (Plantarflexion), das Abspreizen (Abduktion) und das Anziehen (Adduktion) der Zehengelenke sowie die Supination (Hebung des inneren Fußrandes bei gleichzeitiger Senkung des äußeren) und Pronation (Gegenteil der Supination).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bewegungsmöglichkeiten des Fußes

Neben den vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten ist zudem die extreme Belastung, welche auf die Füße wirkt, zu beachten.

Das Fußskelett wird durch die an ihm ansetzenden Sehnen, Bänder und Muskeln so verspannt, dass die Knochen das Fußgewölbe (Quer- und Längsgewölbe) formen.

Diese Gewölbekonstruktion wirkt wie ein Stoßdämpfer und ermöglicht das Abstoßen und Abrollen des Fußes, ohne Knie- und Hüftgelenke zu belasten. (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 33).

Für die Belastbarkeit des Fußes sorgt das „Keilprinzip“, bei dem sich die drei Keilbeine, welche sich am Scheitelpunkt des Fußgewölbes befinden, unter Belastung ineinander verkeilen (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 31).

Für Stabilität im Fußgewölbe sorgt zudem das „Spiralprinzip“, denn das Fußskelett ist spiralig verschraubt. Das heißt, dass die Ferse durch den Schienbeinmuskel nach außen dreht und der Vorfuß durch den Wadenbeinmuskel nach innen dreht. Durch diese Verschraubung werden die drei Keilbeine dicht aneinandergelagert und zusätzlich stabilisiert (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 32.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Spiralprinzip

Wie die kurzen Ausführungen zur Anatomie des Fußes zeigen, ist der Fuß ein hochkomplexer und auch sensibler Körperteil – sie gelten als „Fundament des Körpers“ (vgl. Rösner/Küsgen 2017, S. 20).

Die Füße bilden mit den Muskeln, Bändern und Sehnen ein funktionelles System, welches den ganzen Bewegungsapparat beeinflusst. Das bedeutet, wenn mit den Füßen etwas nicht in Ordnung ist, dann wirkt sich das auf den ganzen Körper – Knie, Becken, Wirbelsäule – aus (vgl. Zimmermann 2010, S. 12f.).

Aus diesem Grund sollten Eltern und Pädagogen/Pädagoginnen im Zuge der Gesundheitserziehung um die Bedeutung von gesunden Füßen wissen und auch Anzeichen einer fußschädigenden Entwicklung erkennen und erst nehmen.

Im nachfolgendem Kapitel wird daher eine Übersicht über die häufigsten Fußfehlstellungen gegeben.

3. Fußfehlstellungen – Formen, Ursachen und Folgen

Etwa 60 Prozent der Erwachsenen haben heutzutage mehr oder weniger deformierte Füße, wobei neben angeborenen Missbildungen, die etwa 3-4% aller Neugeborenen betreffen, vor allem erworbene Fehlstellungen verbreitet sind (vgl. Zimmermann 2010, S. 9).

Angeborene Fußmissbildungen können genetische Ursachen haben oder durch den Platzmangel in der Gebärmutter verursacht werden. In den meisten Fällen können sie durch frühzeitige und richtige Behandlung korrigiert werden (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 12).

Erworbene Fußmissbildungen können durch Fehl- und Überbelastungen, beispielsweise durch Übergewicht sowie falsches Schuhwerk und die mangelnde Aufmerksamkeit diesen Problemen gegenüber, entstehen.

Besonders durch falsche Schuhe können Fußdeformationen auftreten, wie

- das Haglund-Syndrom – eine Verknöcherung am Knochenfortsatz oder Sehnenansatz der Ferse, welche nur bei Kindern auftritt,
- der Fersensporn – ein dornartiger, knöcherner Sporn auf der Sohlenseite des Fersenbeines oder
- die bekannteste Zehenverformung, der Hallux valgus – eine Fehlstellung der Großzehe (Zimmermann 2010, S. 53f.).

3.1. Formen von angeborenen sowie erworbenen Fußfehlstellungen

Nachfolgend werden einige Fußfehlstellungen erläutert, um Eltern und Pädagogen/Pädagoginnen überblicksmäßig darüber zu informieren. Auf ausführlichere Erklärungen sowie Behandlungs- und Therapievorschläge wird allerdings verzichtet, da diese in die Hände von erfahrenen Orthopäden, Ärzten und Therapeuten gehören. Weiters ist anzumerken, dass einige Fehlstellungen in bestimmten Entwicklungsphasen des Kindes auftreten können und unbedenklich sind. Darauf wird im Kapitel 4 „Entwicklung des Kinderfußes“ eingegangen.

3.1.1. Spitzfuß

Ein Spitzfuß ist im oberen Sprunggelenk steil nach unten gerichtet, somit setzt die Ferse beim Gehen nicht vollständig am Boden auf und rollt nicht ab. Die Ursache dafür kann eine verkürzte Achillessehne oder Wadenmuskulatur sein. Angeborene Spitzfüße gehen meist auf eine Unterentwicklung der Unterschenkelknochen, geschädigte Kniegelenke oder eine Zwangshaltung im Mutterleib zurück (vgl. https://www.netdoktor.at/krankheit/spitzfuss-bei-kindern-8028).

Diese Fehlstellung kann zu einem Schiefstand des Beckens und einer Verkrümmung der Wirbelsäule führen. Außerdem wird das Knie der gesunden Seite zum Ausgleich dauernd überstreckt, wodurch das Stehen und Gehen unsicher wird (vgl. Zimmermann 2010, S.52).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 5: Spitzfuß

3.1.2. Sichelfuß

Der Sichelfuß kommt häufig bei Neugeborenen vor, wobei es auch eine erworbene Form gibt, welche durch falsches Schuhwerk verursacht wird (vgl. Zimmermann 2010, S. 52).

Meist ist die Ursache der Platzmangel in der Gebärmutter oder eine Weitervererbung durch die Eltern, jedoch müssen diese nicht selbst betroffen sein.

Der vordere Teil des Fußes und die Zehen sind dabei nach innen gedreht, was dem Fuß ein sichelförmiges Aussehen verleiht. Der Fuß befindet sich in einer so genannten Adduktionsstellung. Die Ferse steht meist gerade oder nur leicht nach innen abgeknickt. Oft ist auch die Großzehe im Grundgelenk nach innen gerichtet (vgl. https://www.netdoktor.at/krankheit/sichelfuss-beim-baby-8027).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 6: Sichelfuß

3.1.3. Klumpfuß

Der Klumpfuß ist eine angeborene Fußfehlform, welche bei einem von 1000 Neugeborenen vorkommt. Dabei handelt es sich, um eine komplexe dreidimensionale Fehlbildung des Fußes, die mit knöchernen Veränderungen, Gelenksdeformitäten, muskulärer Imbalance und einer verminderten Beweglichkeit des Fußes einhergeht. Der Fuß nimmt dabei im oberen Sprunggelenk eine Spitzfuß-Stellung ein, die mit einer Verkürzung und Unterwicklung der Wadenmuskulatur einhergeht. Im unteren Sprunggelenk kommt es zu einer Innendrehung und Hebung der Außenseite des gesamten Fußes und zusätzlich noch zu einer Anhebung des Vorfußes, so wie bei der Sichelfuß-Fehlstellung (vgl. https://www.netdoktor.at/krankheit/klumpfuss-bei-kindern-8024).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 7: Klumpfuß

3.1.4. Hackenfuß

Beim Hackenfuß ist der Fuß nach oben abgeknickt und die Fußsohle ist nach außen gerichtet.

Die Fehlstellung kann so stark sein, dass der Fußrücken das Schienbein berührt und nur die Ferse beim Laufen am Boden aufliegt. Da der Vorfuß kaum belastet wird, werden Knie, Hüfte und Becken in eine unnatürliche Haltung gezwungen.

In den meisten Fällen ist diese Fehlstellung angeboren – erbliche Faktoren oder eine Zwangshaltung im Mutterleib können der Grund dafür sein. Auch Nerven- und Sehnenschäden bzw. ein gelähmter Nerv können den Hackenfuß verursachen (vgl. https://www.netdoktor.at/krankheit/hackenfuss-bei-kindern-8023).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 8: Hackenfuß

3.1.5. Hohlfuß

Bei einem Hohlfuß ist das Fußlängsgewölbe erhöht. Typisch ist ein unbeweglicher Mittelfuß mit hohem Rist und eine verkleinerte Auftrittsfläche. Der Fußabdruck ist zweigeteilt in Ballen- und Fersenabdruck, der Mittelfußabdruck fehlt komplett oder ist stark verschmälert (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 38).

Weiters kann zwischen echtem Hohlfuß und unechtem „Pseudo“ Hohlfuß unterschieden werden. Beim echten ist das Fersenbein nach außen geknickt, da die spiralförmige Verschraubung in diesem Fall zu stark ist. Beim unechten ist die Fußsohlenmuskulatur extrem gespannt und das Fersenbein knickt nach innen. Es handelt sich somit um eine Kombination aus Knick- und Hohlfuß (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 38).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 9: Hohlfuß

3.1.6. Der Knickfuß und Knick-Senkfuß

Der Knickfuß ist die häufigste und am meisten unterschätzte Form der Fußfehlstellungen.

Der Knickfuß ist meist nach innen geknickt und in seltenen Fällen nach außen. Von hinten betrachtet steht das Fersenbein schräg und die Achillessehne verläuft nicht gerade, sondern bogenförmig. Von vorne betrachtet wirkt das Sprunggelenk nach innen verdreht und scheint „neben der Ferse“ zu stehen (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 36).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 10: Knickfuß

Meist tritt bei Kindern ein Knick-Senkfuß auf, das heißt zusätzlich zum Knickfuß ist auch das Längsgewölbe abgesenkt. Weiters unterscheiden kinderorthopädische Experten zwischen flexiblen und einem unflexiblen Knick-Senkfuß. Ein flexibler Knick-Senkfuß liegt dann vor, wenn das Kind in der Lage ist, in den Zehenstand zu gehen und dabei das Fußgewölbe sichtbar wird. Dies stellt eine normale Entwicklungsstufe des kindlichen Fußes dar.

Erst wenn der Knick-Senkfuß im Jugendalter noch nicht verschwunden ist, spricht man von einer echten Fehlstellung (vgl. Zimmermann 2010, S. 50).

3.1.7. Senk-Plattfuß

Beim Senkfuß ist das Fußlängsgewölbe abgeflacht, die Mittelfuß-Taille hat sich auf die halbe Ballenbreite verbreitet. Beim Plattfuß ist das Fußgewölbe sogar vollständig abgeflacht und somit zerstört – die Mittelfuß-Taille ist genauso breit wie die Ballenbreite.

Anders als beim Plattfuß der Säuglinge, der völlig normal ist, da das Fußgewölbe erst ausgebildet wird, stellt der erworbene Plattfuß eine ernstzunehmende Fehlhaltung dar.

Das bereits beschriebene Spiralprinzip (siehe Kapitel 2) ist beim Senkplattfuß ins Gegenteil verkehrt und der Fuß verliert dadurch an Belastbarkeit und Stabilität (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 37). Ursachen dafür können neben Vererbung, Alter, Dauer- und Fehlbelastung sowie Bindegewebeproblemen auch das jahrelange Tragen von zu kurzen und zu weiten Schuhen sein (vgl. Zimmermann 2010, S. 51).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 11: Senk-Plattfuß

3.1.8. Spreizfuß

Beim Spreizfuß ist das Quergewölbe abgeflacht, dessen natürliche Spann- und Federkraft fehlt und der Vorfuß wird in die Breite gespreizt. Das Quergewölbe wölbt sich immer mehr nach unten durch und allmählich verlieren die Zehen im Stehen der Bodenkontakt. Nach dem Abrollen bleiben die Zehengrundgelenke krampfhaft überstreckt und sie schauen nach oben anstatt unten. Diese Deformität geht oftmals mit Hallux valgus und Krallenzehen einher sowie Hornhautschwielen und Dornwarzen in der Vorderfußmitte aufgrund der Überlastung (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 39).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 12: Spreizfuß

3.2. Ursachen von Fußfehlstellungen

Grundsätzlich ist zu den Ursachen von Fußfehlstellungen zu sagen, dass ein Drittel Vererbung ist und zwei Drittel Gewohnheit sind (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 17).

Genetische Faktoren sowie der Platzmangel in der Gebärmutter wurden bereits genannt und ebenso können Verletzungen oder Vernarbungen an den Füßen zu Fehlhaltungen führen.

Es kann auch ein längerer Zeitraum der erzwungenen Entlastung des Fußes, beispielweise ein Gipsverband nach einem Bruch verantwortlich sein. Eine Bindegewebsschwäche, darunter versteht man eine angeborene herabgesetzte Haltefähigkeit des gesamten passiven Bewegungsapparates, kann ebenfalls eine Fußfehlstellung begünstigen. Diese wird wiederum durch ungesunde Ernährung sowie Bewegungsarmut verstärkt.

Daraus folgt eine weitere Ursache, nämlich fehlendes Training der Fußmuskulatur. Durch zu wenig Bewegung und Abwechslung in den Untergründen, auf denen wir gehen, wird die Fußmuskulatur nicht richtig ausgebildet und verkümmert (vgl. Köhler/Reber 2003, S. 15).

Überlastung durch Dauerbelastung und/oder Übergewicht gefährdet ebenfalls die Fußgesundheit, denn beispielsweise beim Stehen, werden ununterbrochen die gleichen Muskeln, ohne Erholungsphase beansprucht (vgl. Köhler/Reber 2003, S. 16).

Wie die angeführten Beispiele verdeutlichen, ist vor allem die heutige Lebensweise für die Fußprobleme verantwortlich. Bereits Sebastian Kneipp, ein deutscher Naturheilkundler und Theologe sagte, dass der Schuh eine Verkümmerungsmaschine sei. Zu früh werden Kinderfüße in Schuhe gesteckt und oftmals ist das Schuhwerk nicht passend.

Die Folgen die sich aus unbehandelten Fußfehlhaltungen ergeben sind zahlreich.

3.3. Folgen von Fußfehlstellungen

Eine Fehlhaltung der Füße führt zu einer Veränderung aller darüberliegenden Einheiten, denn den Körper durchziehen aneinandergereihte, miteinander verbundene Muskelketten. Von den Füßen ausgehend ziehen sie sich über das Fersenbein, die Wade hinauf, dann um das Knie herum, laufen weiter über das Becken, die Wirbelsäule bis zum Schädel und enden an den Augenbrauen. Jede Fußbewegung löst eine Reaktion der Muskulatur aus, eine Veränderung in der Muskelaktivität sowie der Gelenks- und Knochenstellung. Durch diese Präzision des Körpers ergibt sich allerdings auch das Problem, dass ein überlasteter oder geschwächter Fuß zur Folge hat, dass andere Muskeln versuchen dies auszugleichen.

Das führt auf Dauer zu kompensatorischen Fehlhaltungen, die im Besonderen das Knie, das Becken und den Rücken betreffen (vgl. Stark 2017, S. 49). Zu den Folgen zählen auch Muskelverspannungen, Koordinationsstörungen und Konzentrationsprobleme (vgl. Zimmermann 2010, S. 13). Auch Durchblutungsstörungen werden begünstigt und führen zu Kälte- und Taubheitsgefühl sowie Venenleiden (vgl. Zimmermann 2010, S. 48).

Daraus folgert, dass Fußfehlstellungen jeglicher Art ernst zu nehmen sind und unbedingt behandelt werden müssen. Das therapeutische Behandlungskonzept sollte auf alle Fälle mit fußgymnastischen Übungen unterstützt werden, worauf im Kapitel 5 „Fußgymnastik“ genauer eingegangen wird.

4. Entwicklung des Kinderfußes

Der Fuß durchläuft verschiedene Entwicklungsphasen, denn vom Krabbeln bis zum aufrechten Gang ist es ein langer Weg. Die Anforderungen an den Bewegungsapparat ändern sich und auch Bindegewebe, Muskeln und Knochen passen sich langsam an, werden stärker und stabiler. Zudem spielen auch das Alter, das Geschlecht, das Körpergewicht sowie das Schuhwerk eine Rolle und können die Entwicklung maßgeblich beeinflussen.

Durch die Entwicklung werden alle Funktionen ausgebildet, zu denen das Tragen des Körpergewichts gehört sowie bei jedem Schritt ein Mehrfaches dieses Gewichts abzufedern, um Wirbelsäule und Gelenke zu entlasten. Darüber hinaus hat der Fuß auch immer eine stabilisierende und stützende Funktion. Beginnend vom Fußgreifreflex, der sich im Kriechalter integriert haben sollte, entwickelt sich zunehmend die Fußfeinmotorik und der Fuß wird empfindsamer. Er spürt die Beschaffenheit des Untergrundes, Unebenheiten, Hitze, Kälte, Druck und vieles mehr (vgl. Rösner/Küsgen 2017, S. 20).

4.1. Neugeborene und Säuglinge

Der gesunde Fuß eines Neugeborenen zeigt ein kaum sichtbares, vom Sohlenspeck verdecktes, inneres Längsgewölbe. Das äußere Längsgewölbe und das Quergewölbe sind noch nicht entwickelt, doch diese Plattfüße sind nach der Geburt völlig normal. Das Fußskelett des Säuglings besteht aus weichem Knorpel und erst mit der Belastung, wie beim Erlernen des Gehens, dreht sich die Ferse und der Mittelfuß bildet ein Längsgewölbe (vgl. Zimmermann 2010, S. 14). Das freie Gehen, als Grenzstein der motorischen Entwicklung, geschieht meistens bis zum 18. Monat (vgl. Rösner/Küsgen 2017, S. 20). Hierbei ist anzumerken, dass das Krabbeln, die Initiative zum Hochziehen des eigenen Körpers sowie das Aufstehen aus eigener Kraft und aus dem eigenen Willen des Kindes entstehen sollten. Sie beginnen intuitiv damit, sobald die Wirbelsäule kräftig genug dafür ist (vgl. Zimmermann 2010, S. 15).

Auch O-Beine sind beim Neugeborenen völlig normal, denn aus anatomischen Gründen können die Knie noch nicht durchgestreckt werden und so bleiben die Kniegelenke gebeugt. Diese Beinform ist im Stand gut erkennbar, da sich die Fußinnenknöchel berühren, nicht aber die Knie. Doch durch die natürliche Wachstumsdynamik und die zunehmende Bewegungsintelligenz wachsen sich die Beine gerade und die Fußgewölbe bilden sich aus (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 13).

Wenn die O-Beine bei einem zweijährigen Kind stärker als 25 Grad gekrümmt sind und keine Rückbildung zeigen, dann sollte eine fachärztliche Meinung dazu eingeholt werden (vgl. Zimmermann 2010, S. 17).

4.2. Kleinkinder

Die O-Beinachse des Säuglings hat sich spätestens bis zum Alter von 3 Jahren zur X-Beinachse umgeformt, das heißt, dass sich nun die Knie berühren, nicht aber die Fußinnenknöchel.

Das Kind beginnt in dieser Entwicklungsphase zu gehen, wodurch ein anderer Druck auf den Knochen und Gelenken lastet. Da sich die Beinachsen allerdings nicht sofort gerade ausrichten, kommt es zu einer Überkompensation – den sogenannten X-Beinen. Dies bedeutet eine starke Beanspruchung für den noch weichen Kinderfuß (vgl. Köhler/Reber 2003, S. 10). Aus diesem Grund kann es in diesem Alter ebenfalls zu einem Knicksenkfuß kommen, der allerdings keine eigentliche Fehlhaltung, sondern eine im Normalfall vorübergehende Entwicklungsstufe darstellt (vgl. Köhler/Reber 2003, S. 11).

Bei Kleinkindern ist die Bewegungsfreude ungemein groß und jedes gesunde Kind wird bei den ersten Stehversuchen oft auf den Zehen stehen, da es so instinktiv seine Fußmuskulatur trainiert. In dieser Zeit sollten die Füße des Kindes so viele Bewegungserfahrungen wie möglich sammeln, damit sich die volle Funktion der Füße entfaltet, die Muskulatur kräftigt und sich die Gewölbe gut entwickeln. Jede Art von Fußbekleidung würde das freie Zehen- und Gelenkspiel, die Aufrichtung des Fußes und den unmittelbaren Kontakt der Füße mit der Umwelt einschränken. Lediglich weiche, nicht zu enge Strümpfe oder Socken, mit nicht rutschenden Sohlen, sollten bei kälteren Temperaturen getragen werden (vgl. Köhler/Reber 2003, S. 11).

4.3. Schulkinder

Zum Kleinkindalter gehören die Knickfüße dazu, doch bis zum Beginn des Zahnwechsels bzw. bis zur Einschulung sollte diese Entwicklungsphase abgeschlossen sein (vgl. Zimmermann 2010, S. 25). Mittlerweile sollte die Beinachse gerade und das innere Längsgewölbe deutlich sichtbar sein. Die Ferse steht gerade, so dass die Achillessehne mit dem Unterschenkel eine senkrechte Linie bildet (vgl. Köhler/Reber 2003, S. 11f.).

Starke X-Beine liegen bei einem 7-jährigen Kind dann vor, wenn die Krümmung mehr als 15 Grad beträgt und in diesem Fall ist ein Facharzt/eine Fachärztin zu konsultieren. Bereits vorher sollten sich Eltern an orthopädische Fachkräfte wenden, wenn nur auf einer Beinseite eine X- oder O-Beinformung vorliegt (vgl. Zimmermann 2010, S. 17).

Bei Schulkindern sind die häufigsten Fußprobleme der Senkplattfuß und der Knickhohlfuß, also eine Kombination aus mehreren Fehlstellungen. Beim Senkplattfuß zwingen Fehl- und Überbelastung den Fuß zum Abflachen und beim Hohlfuß wehrt sich die Fußmuskulatur erfolgreich, allerdings entsteht ein hoher Rist. Heutzutage hat jedes sechste Schulkind behandlungsbedürftige Hohlfüße (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 15).

Die endgültige Fußform erreichen Kinder erst im Alter von 12 bis 14 Jahren. Das heißt, bis dahin entwickelt sich das Fußskelett noch und kann durch regelmäßige fußgymnastische Übungen dabei optimal unterstützt werden (vgl. Köhler/Reber 2003, S. 12).

4.4. Jugendliche

Der Wachstumsschub der Pubertät und die damit verbundenen körperlichen Veränderungen bedeuten auch für die Füße vermehrte Anforderungen. Wachstumssprünge der Füße von zwei bis drei Größen innerhalb eines halben Jahres sind möglich. Dadurch ist der Fuß in der Lage, das rasch zunehmende Körpergewicht zu tragen und zu bewegen. Untersuchungen zeigen, dass bei 98% der Mädchen die Füße mit 12 bis 13 Jahren ausgewachsen sind und es bei 98% der Jungen mit 15 Jahren soweit ist. Da die Schmerzempfindlichkeit in diesem Alter immer noch geringer ist als bei Erwachsenen zeigen sich erst nach Ende der Hauptentwicklung die Schäden am Fuß (vgl. Zimmermann 2010, S. 28).

Müdigkeit und Bewegungsunlust sind Zeichen verminderter Belastbarkeit, dennoch sollte die Fußmuskulatur in dieser Zeit nicht vernachlässigt werden. Negative Einwirkungen, beispielsweise durch einengende Schuhe, können schlimme Folgen haben, denn es ist zwar das Fußskelett ausgereift, nicht aber die Muskulatur (vgl. Köhler/Reber 2003, S. 12).

Bei Teenagern kommen zu den Knicksenkfüßen und Knickhohlfüßen oftmals auch noch ein Rundrücken oder ein Hohlkreuz hinzu sowie einwärts gedrehte, durchgedrückte Knie. Dies liegt vor allem am Wachstumsschub und dem fehlenden Training für Körper und Füße in dieser Zeit (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 16).

4.5. Der richtige Schuh

Schuhe haben an Kinderfüßen eigentlich nur eine Schutzfunktion, denn Halt und Stütze braucht der Fuß nicht. Der optimale Schuh passt sich der Bewegung des Fußes an, nicht anders herum (vgl. Zimmermann 2010, S. 34).

Untersuchungen und Messungen von Kinderfüßen zeigen allerdings, dass über die Hälfte der Kinder zu große oder zu kurze Schuhe tragen. Das Problem ist, dass ein Kind sich nicht beklagt, wenn der Schuh drückt, denn Kinderfüße sind noch sehr weich und biegsam. Sie passen sich schmerzlos auch viel zu kurzen oder engen Schuhen an (vgl. Zimmermann 2010, S. 41). Wenn die Füße im Schuh dann nicht mehr richtig abrollen können, wird der Vorfuß gestaucht, gespreizt und bereits unwiderruflich geschädigt. In der Fachsprache wird dies „Wachstumsfehllenkung während der sensiblen Wachstumsphase“ genannt (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 19).

Grundsätzlich gilt beim Kauf von Schuhen – zuerst messen und dann kaufen!

Der Fuß wird im Bereich der Ballenlinie, das ist hinter seiner breitesten Stelle, im Schuh gehalten. Genau an dieser Stelle sollte der Schuh daher wirklich passen. Neben der Länge muss also auch die Weite gemessen werden (vgl. Zimmermann 2010, S.41).

Dazu werden am besten im Vorfeld die Umrisse der Füße – im Stehen und ohne Schuhe – auf Karton gezeichnet. Hier können bereits vorne etwa 10 bis 15 mm (Schub- und Zuwachslänge) zugegeben werden. So wird gewährleistet, dass die Zehen genügend Spielraum haben. Die fertige Schablone sollte dann bequem im Schuh Platz finden (vgl. Zimmermann 2010, S. 42).

Regelmäßige Fußmessungen, ob mit einer selbst angefertigten Schablone oder im Schuhfachgeschäft, sind vor jedem Schuhkauf ein Muss.

Wichtige Hinweise für den Kauf von Kinderschuhen (vgl. Zimmermann 2010, S. 34, S. 43ff.):

- Schuhe nachmittags oder abends kaufen, dann ist die Gefahr geringer, dass die Schuhe zu klein gekauft werden;
- richtige Länge und Breite mittels Schablone oder Fußmessgeräten im Fachgeschäft feststellen, Schub- und Zuwachslänge miteinberechnen;
- Höhe mit dem Daumen überprüfen, dieser sollte in die Schuhspitze hineinpassen;
- Vorfuß-Bereich (1/3) muss ausreichend lang und breit sein, damit die Zehen ausreichend Platz haben, also besser eckige als spitze Schuhe;
- 2/3 des Schuhs (Mittelfuß und Ferse) müssen schmal sein;
- der Biegepunkt des Fußes stimmt mit dem Biegepunkt des Schuhs überein;
- Kinderschuhe sollten leicht sein und
- eine dünne, flache und flexible Sohle haben;
- das Obermaterial, das Futter und die Futtersohle sollten aus Leder oder einer
Naturfaser sein;
- das Material ist weich und im Zehenbereich stören keine Nähte, die auf die Nägel drücken;
- auf Fußbettung verzichten, da die Muskulatur erschlafft – je flacher die Einlegesohlen sind, desto besser für die Fußmuskulatur;

Mit einem praktischen Handgriff – dem „Flexi-Text“ – können Kinderschuhe schnell auf ihre Eignung getestet werden. Mit leichtem Druck sollte sich der Schuh mit einer Hand biegen und sich leicht verwinden lassen (vgl. Zimmermann 2010, S. 44). Ein passender, fußgerechter Schuh sollte die natürliche Abrollbewegung des Fußes gewährleisten.

Es sollten auch nicht zu schnell Einlagen im Schuh verwendet werden. Eine Einlagenversorgung sollte nur bei nicht selbst korrigierbaren Gewölbeabflachungen erfolgen, und zwar so lange, bis eine ausreichende Kräftigung des Fußgewölbes erreicht worden ist. Das frühzeitige, jahrelange Tragen von passiven Stützeinlagen ohne gleichzeitig durchgeführte Fußgymnastik ist eine sinnlose und sogar schädliche Behandlung. Dadurch wird die wichtige Muskulatur für die Gewölbeaufrichtung entscheidend gehemmt (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 24). Zuerst sollte der Schuh auf seine richtige Passform überprüft werden, danach können Fußgymnastik und regelmäßiges Barfußlaufen helfen. Erst dann sollte mit orthopädischer Fachberatung über Einlagen sowie unterstützende Therapiemaßnahmen gesprochen werden (vgl. Larsen/Miescher/Wickihalter 2012, S. 26).

Kaum ein Körperteil ist so komplex konstruiert wie der Fuß, doch sein Potential wird erst durch den Gebrauch voll entwickelt. Nur wenn er Möglichkeiten bekommt, seine Funktion uneingeschränkt auszuprobieren und zu üben, ist eine gesunde Reifung möglich. Daher sollte grundsätzlich gelten: Je mehr Zeit Füße außerhalb von Schuhen verbringen, desto besser, denn Barfußlaufen ist gesund und fördert die Beweglichkeit der Füße. Dies bestätigt auch eine Forschung von österreichischen Wissenschaftlern und Biomechanikern aus dem Jahr 2009. Dabei wurde mittels Sensoren und Infrarotkameras die Beweglichkeit der Füße von 5-7jährigen Kindern mit Schuhen und barfuß untersucht. Es zeigte sich, dass sich die Füße der Kinder in Schuhen um mindestens 30% weniger beugen. Barfußgehen hingegen trainiert die Kinderfüße, macht diese beweglicher, kräftiger und widerstandsfähiger (vgl. Rösner/Küsgen 2017, S. 22).

In den nachfolgenden Kapiteln werden die Fußgymnastik sowie verschiedene Übungen und Spiele vorgestellt, die Eltern und Pädagogen/Pädagoginnen bei der praktischen Umsetzung helfen.

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Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Übungen zur Umsetzung von Fußgymnastik in Schule und Alltag. Warum unsere Füße uns mitten im Leben stehen lassen
Hochschule
Vitalakademie
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
58
Katalognummer
V443267
ISBN (eBook)
9783668807914
ISBN (Buch)
9783668807921
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Füße, Kinder, Fußreflexzonen, Stabilität, Gleichgewicht, Mensch, Körper, Anatomie
Arbeit zitieren
BEd Silke Plank (Autor), 2018, Übungen zur Umsetzung von Fußgymnastik in Schule und Alltag. Warum unsere Füße uns mitten im Leben stehen lassen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443267

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