Was in der Wirtschaft schon lange Standard und bei den Pflegekassen und deren Verbänden sowie den zugelassenen Pflegeeinrichtungen schon lange vorgeschrieben ist (§§ 80, 80a und 97a SGBXI), hält langsam aber sicher auch Einzug in den Kinder- und Jugendhilfebereich. Jedoch ist das Qualitätsmanagement in diesem Bereich bislang noch nicht verpflichtend. Allerdings gibt es mittlerweile kaum eine Organisation, die mit dem Qualitätsbegriff noch nicht in Berührung gekommen ist. Was aber ist „Qualität“? Die Frage danach ist inzwischen zu einem wichtigen Thema geworden.
Einrichtungen werden damit konfrontiert, ihre Qualität zu beschreiben, zu sichern und zu entwickeln.
Durch verschiedene Faktoren wurde diese Debatte beeinflusst: Kostenaspekte, Fortbildungsveranstaltungen, Literaturbeiträge zu diesem Thema, Entwicklungen im kommerziellen Dienstleistungsbereich, die Fragestellung des Nutzens für die Adressaten oder etwa die Änderungen der Rechtsgrundlagen sowie der steigende Konkurrenzdruck trugen zu Diskussionen bei.
Unsere Seminararbeit soll dem Leser Einblicke in das Qualitätsmanagement in der Sozialen Arbeit, unter besonderer Berücksichtigung der Jugendhilfe, gewähren. Auch für uns Absolventen ist es ein großes Anliegen, uns mit diesem Bereich, also einer Managementphilosophie, vertraut zu machen, um in unserem zukünftigen Arbeitsfeld über notwendiges Fachwissen zu verfügen. Vorlesungen haben uns dazu angeregt, uns expliziter mit diesem Thema zu beschäftigen.
Der erste Abschnitt dieser Studienarbeit befasst sich mit dem Begriff Qualität und Qualitätsmanagement. Um den Unfang dieser Arbeit nicht zu sprengen, wollen wir uns hier auf das Führungsmodell Total Quality Management, welches unserer Meinung nach aufgrund seiner Managementphilosophie sehr geeignet für den Kinder- und Jugendhilfebereich ist, beschränken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Qualitätsmanagement
2.1 Begriffsklärung
2.1.1 Annäherung an den Begriff Qualität
2.1.2 Qualitätsmanagement
2.1.3 TQM – Total Quality Management
2.2 Merkmale, Standards, Rahmenbedingungen
2.2.1 Kundenorientierung
2.2.2 Werteorientierung
2.2.3 Prozessorientierung
2.2.4 Mitarbeiterorientierung
3. Die Entwicklung der Qualität in der Sozialen Arbeit
3.1 Die alte Qualitätsentwicklung
3.2 Die neue Qualitätsentwicklung
4. Auswirkung auf die Praxis
5. Schlussbemerkung & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendbarkeit von Qualitätsmanagement (QM) im Bereich der Sozialen Arbeit, insbesondere innerhalb der Jugendhilfe, vor dem Hintergrund zunehmender wirtschaftlicher Anforderungen und des Drucks zur Effizienzsteigerung. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie professionelle Standards in einem Feld, das sich der standardisierten Produktbeschreibung entzieht, gewahrt werden können und inwieweit das Modell des Total Quality Management (TQM) hierfür eine geeignete Managementphilosophie darstellt.
- Theoretische Grundlagen des Qualitätsbegriffs und der Qualitätsmanagement-Systeme
- Analyse des Total Quality Management (TQM) als Führungsmodell für soziale Organisationen
- Historische Betrachtung der Qualitätsentwicklung in der Jugendhilfe
- Diskussion der Chancen und Risiken bei der Implementierung von QM-Verfahren
- Bedeutung der Kunden-, Mitarbeiter- und Prozessorientierung im sozialen Sektor
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Annäherung an den Begriff Qualität
Die Diskussion über die Inhalte und die Vieldeutigkeiten der Definitionen des Begriffes Qualität, ist genauso alt wie der Terminus `Qualität´ selbst. Im Mittelalter wurde z.B. festgestellt, dass Qualität bezogen auf andere Kategorien `schwieriger als die übrigen´ sei, da sie leichter als die anderen sich auf alles erstrecke.1
Der Begriff Qualität lässt sich zurückführen auf den lateinischen Begriff `qualitas´, der mit den Worten „Eigenschaft“ oder „Beschaffenheit“ übersetzt werden kann.2
Platon belegte erstmals Qualität als philosophischen Terminus. Er betont, zuerst zu wissen was es ist und dann zu wissen wie etwas beschaffen ist. Durch Aristoteles erhielt der Qualitätsbegriff seinen zentralen Stellenwert, er definierte Qualität als abstrakte Eigenschaft, welche einem oder mehreren qualitativ bestimmten Konkreten zukommt. Qualität in diesem Sinne beschreibt die Wesensmerkmale eines Gegenstandes, das heißt das Eigene, ihn von anderen Gegenständen Abgrenzende.3
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Einzug von Qualitätsmanagement in den Sozialbereich als notwendige Reaktion auf wirtschaftlichen Druck und veränderte Rechtsgrundlagen.
2. Qualitätsmanagement: Dieses Kapitel definiert grundlegende Begriffe, erläutert die verschiedenen Dimensionen von Qualität und stellt das Total Quality Management (TQM) als umfassendes Führungsmodell dar.
3. Die Entwicklung der Qualität in der Sozialen Arbeit: Hier wird der historische Wandel der Qualitätsdiskussion von einer fachdisziplinär geprägten Entwicklung hin zu einer durch externe ökonomische Anforderungen initiierten Steuerung nachgezeichnet.
4. Auswirkung auf die Praxis: Das Kapitel diskutiert kritisch die Chancen wie Professionalisierungsschübe und die Risiken wie Deprofessionalisierung und hohen bürokratischen Aufwand bei der praktischen Anwendung.
5. Schlussbemerkung & Ausblick: Die Autoren fassen die Relevanz des Themas zusammen und befürworten trotz der dargestellten Herausforderungen die Einführung von Qualitätsmanagement in der Jugendhilfe.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, Soziale Arbeit, Jugendhilfe, Total Quality Management, TQM, Kundenorientierung, Prozessorientierung, Mitarbeiterorientierung, Qualitätssicherung, Sozialmanagement, Effektivität, Effizienz, Professionalisierung, Jugendhilfegesetz, SGB VIII
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt die Einführung und Bedeutung von Qualitätsmanagement innerhalb sozialer Organisationen, mit einem spezifischen Fokus auf den Kinder- und Jugendhilfebereich.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Qualität, den historischen Veränderungen der Qualitätsdiskussion im Sozialwesen sowie der kritischen Auseinandersetzung mit Managementinstrumenten wie TQM.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Lesern Einblicke in Managementphilosophien zu gewähren, die für das Arbeitsfeld der Jugendhilfe relevant sind, und die Chancen sowie Risiken der Qualitätsentwicklung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die zentrale Fachbegriffe, historische Entwicklungsstufen und aktuelle Diskurse zum Thema Qualitätsmanagement aufarbeitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung des TQM-Modells, eine Analyse der historischen Entwicklung der Qualität in der Jugendhilfe sowie eine Gegenüberstellung von Chancen und Risiken in der Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Qualitätsmanagement, Soziale Arbeit, Jugendhilfe, TQM, Kundenorientierung und Professionalisierung.
Warum wird das Modell des Total Quality Management (TQM) besonders hervorgehoben?
Die Autoren betrachten TQM aufgrund seines ganzheitlichen Ansatzes als besonders geeignet, um den Anforderungen von Markt und Gesellschaft gerecht zu werden und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit von Organisationen zu sichern.
Welche Bedenken äußern die Autoren bezüglich der Standardisierung?
Sie warnen davor, dass eine zu starke Standardisierung professionelles Handeln unmöglich machen kann, da soziale Problemstellungen hochkomplex sind und sich einer statischen Produktbeschreibung entziehen.
Warum konnte kein praktisches Fallbeispiel in die Arbeit integriert werden?
Die Leitung der für die Untersuchung in Frage kommenden Einrichtung hat den Verfassern die Durchführung eines konkreten Praxisbeispiels untersagt.
- Quote paper
- Kim Göhner (Author), Sabrina Büchle (Author), 2004, Qualitätsmanagement in der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44336