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"Strafen" bei Ekkehard IV

Title: "Strafen" bei Ekkehard IV

Seminar Paper , 2001 , 13 Pages , Grade: 2+

Autor:in: Hannah Schelter (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Das Thema „Strafen bei Ekkehard IV“, lässt den Leser, wenn er weiß, dass es sich bei Ekkehards Werk um die St. Galler Klostergeschichten handelt und er um 1050 bereits Vergangenes aufschreibt, erst einmal an die Art von Strafen denken, die der hl. Benedict in seinen Regeln festgelegt hat - also Ermahnungen, Zurechtweisungen, körperliche Züchtigung, Ausschluss, etc.. Bei der genaueren Lektüre mit Blick auf dieses Thema fällt jedoch schnell auf, dass eben jene Strafen keinen hohen erzählerischen Stellenwert haben. Sie werden eher am Rande und vermutlich oft überhaupt nicht erwähnt. Das ist verwunderlich, da Strafen unvermeidlich waren, wollte man die Disziplin im Kloster aufrecht erhalten. In der Benediktregel wird in 18 Kapiteln ausdrücklich erwähnt, dass bei Zuwiderhandlung entsprechend gestraft werden soll 1 , nimmt man die Strafe der Ausschließung hinzu, sogar noch in weiteren. Dafür fallen Arten von Strafen auf, an die man vorher vielleicht gar nicht gedacht hat: regelwidrige Bestrafungen und vor allem solche, die nicht durch Menschenhand ausgeführt werden, wie z. B. plötzlicher Tod, Krankheit oder Unfall nach begangenem Frevel. Weiter kommen noch eine Reihe weltlicher Strafen vor, wie Todesurteile wegen Majestätsverbrechen und ähnliche, auf die ich jedoch nicht eingehen möchte, da sie einen interpretatorischen Gehalt bieten, welcher sich von dem übrigen zu weit abhebt. Ich möchte mich mit den Strafen auseinandersetzen, die der Ordnung und Disziplin im Kloster dienen und damit anhand der Benediktregel interpretierbar sind und mit solchen Phänomenen wie plötzlicher Tod etc., die wirken, als würden sie von Gott direkt ausgeführt, um einen Sündigen nicht straflos entkommen zu lassen. Das Thema scheint bisher wenig Beachtung gefunden zu haben. Diesen Eindruck vermittelt zumindest die Suche nach Literatur, bei der man auf kaum ein Werk stößt, welches sich mit diesen Arten von Strafen im Mittelalter beschäftigt. Das ist erstaunlich, weil die Rolle der Klöster im Mittelalter keine geringe war und Strafen unweigerlich zu einem Klosterleben dazugehörten. Ekkehard IV. berichtet von einem Mönch, Ratpert, der für das Strafen im Kloster St. Gallen verantwortlich war und welcher selbst die Straflosigkeit als „größtes Verderben für ein Kloster 2 “ bezeichnete. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zusammenstellung der beschriebenen Strafen

1. Regelkonforme Strafen im Kloster

1. 1. Sindolf

1. 2. Sandrat und Ruomo

1. 3. Wolo

2. Nicht – regelkonforme Strafe im Kloster: Sindolf

3. Strafen außerhalb des Klosters: Tuotilo

4. Nicht durch Menschenhand herbeigeführte „Strafen“

4. 1. Notker und der Kapellan des Königs

4. 2. Heinrich und der hl. Otmar

4. 4. Ulrichs Mitschüler

4. 5. Hugo

III. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion von Strafen in den "St. Galler Klostergeschichten" von Ekkehard IV. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie ordnungsdisziplinierende Maßnahmen im mittelalterlichen Klosteralltag angewendet wurden, wobei sowohl regelkonforme, regelwidrige als auch vermeintlich göttlich initiierte Strafen in Bezug auf die Benediktregel interpretiert werden.

  • Analyse der Benediktregel als Maßstab für klösterliche Disziplin.
  • Unterscheidung zwischen regelkonformen Züchtigungen und eigenmächtigen Konfliktlösungen der Mönche.
  • Die Rolle der sozialen Hierarchie und persönlichen Ansehens bei der Bestrafung.
  • Interpretation von Unglücksfällen als unmittelbare göttliche Strafe für sündiges Verhalten.
  • Der Einfluss klostereigener Auslegungsspielräume auf die Strenge der Regelanwendung.

Auszug aus dem Buch

1. 1. Sindolf

Sindolf war der refectorarius des Klosters, also mitverantwortlich für das leibliche Wohl seiner Klosterbrüder.

Ekkehard berichtet, wie Sindolf den Brüdern Notker und Ratpert, welche zusammen Wochendienst haben, ihr Getränk nicht reichte oder hinstellte, sondern einfach auf den Tisch warf. Doch da geschah es, dass vas illud quasi de mensa lapsum in terram cecidit operculoque procul rotante in latus jacuit vinumque, tanquam si subrectum esset, solide continuit. Den herbeieilenden Brüdern sagte Sindolf, sie sollten sich nicht wundern, dass der Teufel die Becher seiner Anbeter vor dem Auslaufen bewahre. Auf die Ermahnungen Hartmanns, der später von dem Vorfall erfuhr, reagierte Sindolf mit Unverschämtheiten bis hin zur offenen Schmähung, woraufhin Waltram, der damalige Dekan, in proximo fratrum capitulo regulari illum vindicte subiecit.

Wie diese Strafe genau ausgesehen haben soll, wird von Ekkehard nicht näher beschrieben. Möglicherweise ist er davon ausgegangen, dass jedem seiner Leser die Folgen eines solchen Verhaltens und dessen Bestrafung geläufig sind.

Die Benediktregel sieht für die Weigerung, sich bei einem Älteren zu entschuldigen, indem man sich ihm zur Buße vor die Füße wirft, corporali vindictae vor. Diese werden vermutlich in dem eigens dafür gedachten Kapitelsaal allmorgendlich nach der Prim erteilt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Strafen bei Ekkehard IV. ein und stellt die Relevanz der Benediktregel sowie die Einordnung der St. Galler Klostergeschichten dar.

II. Zusammenstellung der beschriebenen Strafen: Dieses Kapitel kategorisiert verschiedene Strafarten, von regelkonformen Disziplinarmaßnahmen bis hin zu außerordentlichen, scheinbar durch göttliche Fügung herbeigeführten Ereignissen.

III. Zusammenfassung: Das Fazit reflektiert die Erkenntnisse über das menschliche Verhalten im Kloster und betont, wie sehr die Wahrnehmung von Unglücksfällen als direkte Strafe Gottes den mittelalterlichen Geist prägte.

Schlüsselwörter

Ekkehard IV., St. Galler Klostergeschichten, Benediktregel, Klosterdisziplin, Strafen, Mittelalter, göttliches Eingreifen, klösterliches Leben, Konfliktlösung, Tugend, Sünde, Regelverstoß, St. Gallen, Sündigen, asketische Ordnung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung von Strafen und Disziplinarmaßnahmen in den St. Galler Klostergeschichten des Autors Ekkehard IV. aus dem 11. Jahrhundert.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Anwendung der Benediktregel, die Rolle des menschlichen Verhaltens innerhalb der Klostermauern und die mittelalterliche Vorstellung von göttlicher Strafe durch Krankheit oder Unfall.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu ergründen, wie im Kloster St. Gallen mit Vergehen umgegangen wurde und inwieweit soziale Dynamiken oder ein Gottesglaube die Interpretation dieser Maßnahmen beeinflussten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin wählt eine quellenanalytische Methode, bei der die Texte Ekkehards IV. mit den Vorschriften der Regula Benedicti verglichen und in ihren historischen Kontext eingeordnet werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in regelkonforme Bestrafungen, eigenmächtige Disziplinierungen durch Mönche sowie Berichte über Unglücksfälle, die als direkte göttliche Sanktionen gedeutet werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Klosterdisziplin, Benediktregel, göttliches Eingreifen, Fehlverhalten, Sühne und die soziale Hierarchie im Klosterkontext.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen "regelkonformen" und "regelwidrigen" Strafen?

Regelkonforme Strafen folgen den Vorgaben der Benediktregel, während regelwidrige Strafen – wie das eigenmächtige Verprügeln von Mitbrüdern – als Grenzüberschreitungen interpretiert werden, die zeigen, wie Mönche trotz ihrer Ideale menschlichen Emotionen unterliegen.

Warum spielt das Schicksal von Hugo oder dem Kapellan des Königs eine besondere Rolle?

Diese Beispiele illustrieren die mittelalterliche Überzeugung, dass plötzliche Krankheit oder körperliches Leid keine Zufälle sind, sondern als direkte Konsequenz für begangene Sünden und mangelnde Buße verstanden wurden.

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Details

Title
"Strafen" bei Ekkehard IV
College
University of Bamberg
Course
Proseminar
Grade
2+
Author
Hannah Schelter (Author)
Publication Year
2001
Pages
13
Catalog Number
V44353
ISBN (eBook)
9783638419697
Language
German
Tags
Strafen Ekkehard Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hannah Schelter (Author), 2001, "Strafen" bei Ekkehard IV, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44353
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