Das Thema Suizid ist im Zusammenhang mit „Risikoverhalten im Jugendalter“ ein wichtiger Punkt, denn laut SWIENTEK (1990) soll es sogar keinen einzigen Menschen geben, der nicht selber mindestens einmal in seinem Leben an Suizid gedacht hat.
Die Hausarbeit ist wie folgt gegliedert: Da die Fülle an verschiedenen Begriffen, die sich mit Suizid in Verbindung bringen lassen, relativ groß ist, gehen wir zunächst auf die verschiedenen Begriffsbestimmungen ein. Diesen Teil halten wir einführend für durchaus wichtig um dem Leser einen direkten Überblick über bedeutende begriffliche Unterschiede zu geben.
Im darauffolgenden Teil werden kurz einige allgemeine Aussagen angefügt. Hierbei handelt es sich um Richtigstellungen von Aussagen, die verbreitet sind, aber dennoch wissenschaftlich widerlegt wurden.
Der vierte Teil der Arbeit soll einen Einblick geben, warum gerade Jugendliche so stark gefährdet sind. Dieses Kapitel bringt den direkten Bezug zu dem Thema des Seminars „Risikoverhalten im Jugendalter“ mit sich.
Teil 5 weist auf die verschiedenen Entstehungstheorien hin, die im Laufe der Zeit von Wissenschaftlern aufgestellt wurden und immer noch als wichtige Anhaltspunkte in der Forschung dienen.
Der Unterschied zwischen Auslösern und Ursachen für Suizid wird in Kapitel 6 beschrieben, während unter Punkt 7 der direkte Zusammenhang mit Depressionen und Suizid geklärt werden soll.
Punkt 8 setzt sich mit den Entwicklungsstadien der Suizidhandlung nach Pöldinger auseinander. Hierbei werden die unterschiedlichen Phasen des Suizidgefährdeten verdeutlicht, während dem Leser gleichzeitig eine bessere Erkennungsgabe vermittelt wird.
Punkt 9 soll einen Einblick in die angewandten Methoden geben, während sich der zehnte Teil mit Abschiedbriefen beschäftigt.
Unter Punkt 11 wird der Zusammenhang zwischen Suizid und der familiären Situation geschildert. Dieser Punkt ist deshalb wichtig, da viele Ursachen in der Familie liegen.
Das Kapitel 12 beschäftigt sich mit Suizidprävention in der Schule. Hier soll deutlich werden, was Lehrer im Unterricht diesbezüglich behandeln können, welche Schwierigkeiten auftreten und wie diese behoben werden. Dieser Punkt war uns als angehende Lehrkräfte besonders wichtig.
Den Abschluss bildet die Diskussion über Suizidforen. Hierbei wird in einer Gegenüberstellung der Argumente pro und contra dieser Chats dargestellt, ob das Internet im Zusammenhang mit Suizid eine Gefahr oder eine Hilfe für Betroffene ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Suizid und Suizidversuch
2.2 Weitere Begriffe
3. Allgemeines
4. Warum sind Jugendliche so stark gefährdet?
5. Entstehungstheorien
5.1 Die soziologische Suizidtheorie nach DURKHEIM (1897)
5.2 Die psychoanalytische Suizidtheorie nach FREUD (1917)
5.3 Die psychodynamische Suizidtheorie nach RINGEL (1949)
5.4 Exkurs: Die Frage der Vererbung
6. Auslöser und Ursachen
7. Depressionen im Zusammenhang mit Suizid
8. Entwicklungsstadien d. Suizidhandlung nach Pöldinger
9. Methoden
10.Abschiedsbriefe
11.Suizid und Familie
12.Suizidprävention in der Schule
13.Suizidforen- Gefahr oder Hilfe für Betroffene?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht das komplexe Phänomen des Suizids im Jugendalter, analysiert die theoretischen Entstehungsmodelle, identifiziert zentrale Risikofaktoren im familiären und schulischen Umfeld und diskutiert kritisch die Rolle des Internets als Informationsquelle oder Gefahrenherd für suizidgefährdete Heranwachsende.
- Theoretische Fundierung durch soziologische, psychoanalytische und psychodynamische Erklärungsmodelle.
- Unterscheidung und Interaktion von Auslösern und tieferliegenden Ursachen.
- Die Bedeutung von Depressionen und familiärer Belastungssituationen als kritische Risikofaktoren.
- Analyse von Suizidprävention im schulischen Kontext und die Rolle von Lehrkräften.
- Ethische und sicherheitsrelevante Diskussion über Suizidforen im digitalen Raum.
Auszug aus dem Buch
5.3 Die psychodynamische Suizidtheorie nach Ringel (1949)
1949 untersuchte der Suizidforscher Erwin RINGEL 745 erwachsener Patienten nach einem Suizidversuch (vgl. Ringel 1995, S. 15). Er stellte bei allen Patienten drei Symptome (Einengung, Aggressionsumkehr und Suizidfantasien) in der dem Suizid vorausgehenden, seelischen Befindlichkeit fest, die er unter dem Namen „Präsuizidales Syndrom“ zusammenfasste und das unter Hinzunahme psychosomatischer Störungen wie Bauch- und Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und Schlaflosigkeit ebenfalls für Kinder und Jugendliche gilt (vgl. Bründel 1993, S. 49 + S. 52).
Laut RINGEL fühlen sich präsuizidale Jugendliche eingeengt und bedroht, ihre eigene Person erleben sie als „[…] klein, hilflos, ausgeliefert und ohnmächtig[…]“ (vgl. Ringel 1995, S.16). Sie haben das Gefühl, von allen Seiten behindert und umzingelt zu sein und sehen den Suizid als einzigen Weg zur Flucht aus der Einengung. Freundschaften werden abgebrochen, Hobbies und auch andere Beschäftigungen und Tätigkeiten, an denen sie früher Spaß hatten, haben keine Bedeutung mehr. Einerseits fühlt sich der Jugendliche alleingelassen, andererseits sucht er geradezu die Einsamkeit und isoliert sich so mehr und mehr (vgl. Bründel 1993, S. 49).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Relevanz des Themas im Rahmen des Seminars „Risikoverhalten im Jugendalter“ und Kurzvorstellung der Kapitelstruktur.
2. Begriffsbestimmungen: Klärung terminologischer Unterschiede zwischen Suizid, Suizidversuch und verwandten Begriffen wie Parasuizid.
3. Allgemeines: Wissenschaftliche Richtigstellung verbreiteter Vorurteile und Mythen bezüglich suizidalen Verhaltens.
4. Warum sind Jugendliche so stark gefährdet?: Analyse der Entwicklungsanforderungen und Belastungen in der Adoleszenz anhand statistischer Daten.
5. Entstehungstheorien: Vorstellung soziologischer, psychoanalytischer und psychodynamischer Theorien inklusive eines Exkurses zur genetischen Disposition.
6. Auslöser und Ursachen: Differenzierung zwischen akuten Anlässen und tieferliegenden, oft familiär begründeten Ursachen.
7. Depressionen im Zusammenhang mit Suizid: Erörterung der klinischen Depression als maßgeblichem Risikofaktor und Erkennungssymptomen bei Jugendlichen.
8. Entwicklungsstadien d. Suizidhandlung nach Pöldinger: Modellierung der suizidalen Krise in den Phasen Erwägung, Abwägung und finaler Entschluss.
9. Methoden: Klassifizierung und prozentuale Verteilung von harten und weichen Suizidmethoden bei Jugendlichen.
10.Abschiedsbriefe: Analyse der Funktion und Häufigkeit von Abschiedsbriefen als Kommunikationsmittel der Suizidanten.
11.Suizid und Familie: Untersuchung des familiären Umfelds, „Broken-Home“-Situationen und Geschwisterkonstellationen als Einflussfaktoren.
12.Suizidprävention in der Schule: Darstellung der Rolle von Lehrkräften und der Notwendigkeit von Präventionsstrategien im Schulalltag.
13.Suizidforen- Gefahr oder Hilfe für Betroffene?: Kritische Auseinandersetzung mit Internetforen zwischen Stigmatisierungsvorbeugung und dem Risiko der Anstiftung.
Schlüsselwörter
Suizid, Jugendalter, Präsuizidales Syndrom, Risikoverhalten, Suizidversuch, Depression, Familie, Suizidprävention, Schule, Internetforen, Bewältigungsstrategien, Identitätskrise, Selbstwertgefühl, Aggressionsumkehr, Einengung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Suizid von Jugendlichen im Kontext des Seminars „Risikoverhalten im Jugendalter“ und beleuchtet die Ursachen, den Verlauf und die Präventionsmöglichkeiten.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen Entstehungstheorien, den Zusammenhang mit Depressionen, den Einfluss des familiären Umfelds, Methoden, Abschiedsbriefe und die Rolle des Internets.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für suizidale Krisen bei Jugendlichen zu schaffen, um Anzeichen früher zu erkennen und präventive Ansätze, insbesondere für angehende Lehrkräfte, aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autoren stützen sich auf eine fundierte Literaturrecherche, die Einbeziehung psychologischer und soziologischer Theorien sowie die Auswertung statistischer Daten des Statistischen Bundesamtes und klinischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Entwicklungsstadien der Suizidhandlung, die Trennung von Auslösern und Ursachen, psychische Störungen und die Bedeutung sozialer Systeme wie Schule und Familie detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Suizidalität, Jugendalter, präsuizidales Syndrom, Depression, familiäre Dynamik und Suizidprävention.
Welche Rolle spielt laut Arbeit die Schule bei der Prävention?
Obwohl die Wissensvermittlung primär ist, sollten Lehrkräfte ein förderliches Klassenklima schaffen und Anzeichen von Suizidalität erkennen, wobei die eigentliche Erziehung beim Elternhaus liegt.
Wie bewerten die Autoren die Rolle von Suizidforen im Internet?
Sie bewerten diese Foren ambivalent: Einerseits können sie durch den Austausch mit Leidensgenossen entlastend wirken, andererseits bergen sie erhebliche Gefahren durch den Gruppendruck und die Anleitung zu tödlichen Methoden.
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- Anne Matthiesen (Author), Kathrin Striegler (Author), 2005, Suizid bei Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44360