In der folgenden Arbeit nähere ich mich diesem möglichen Zusammenhang. Ich beschreibe sowohl innovatives Denken und Handeln als auch Kulturelle Bildung in den ihnen eigenen Bezügen. Durch die Darstellung wesentlicher, konkreter Überschneidungen betone ich dann die Bedeutung Kultureller Bildung als ein mögliches Potenzial für die Entwicklung von innovativem Denken und Handeln. Eine Idee für einen empirischen Nachweis führe ich im abschließenden Ausblick an.
Die Frage nach der offenen Relationalität leitet den Verlauf der vorliegenden Arbeit. Das heißt: Gibt es überhaupt einen Bezug zwischen Kultureller Bildung und innovativem Denken und Handeln? Wenn ja, drängt sich die Frage nach dem Wie dieses Bezugs auf. Dabei ist nicht von einem funktionalen Bedingungszusammenhang, sondern von einer möglichen Relation auszugehen, das heißt, von einer möglichen und nutzbringenden, aber nicht notwendigen Beziehung. Auf der Suche nach einem Nachweis ist dies noch weiter einzuschränken: Es ist zu vermuten, dass sich die Beziehung nicht strukturell herausarbeiten lässt, sondern nur ein Hinweis auf eine offene Beziehungshaftigkeit möglich ist. Das heißt, dass eine offene Beziehung besteht, die aber, wie auch immer geartet, nicht klar bestimmbar ist.
Meine hier vorliegende Bearbeitung des Themas beschränke ich sowohl für die Kulturelle Bildung, für die Entstehung von Innovationen als auch für die möglichen Zusammenhänge auf eine vor allem individuumszentrierte Sicht. Dies bedeutet, dass ich den Einzelnen mit seinem Lernen beziehungsweise seiner Beteiligung an der Schaffung von Innovationen betrachte. Bildung und Innovationen als sozial-kulturelle Phänomene stellen eine andere Sichtweise dar, die wenn überhaupt, dann zum Teil ergänzend hinzugezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Impuls und Problemstellung der Arbeit
1.2 Literaturlage
1.3 Weg der Bearbeitung
1.4 Dank und Widmung
2. Innovatives Denken und Handeln
2.1 Der Begriff der Innovation
2.1.1 Innovation als erfolgreiche Neuerung
2.1.2 Gesellschaftliche Veränderungen, der Bedarf und das Auftreten von Innovationen
2.1.3 Orte und Arten von Innovationen
2.2 Der Entstehungsprozess von Innovationen
2.2.1 Innovation als Leistung und Ergebnis
2.2.2 Initiieren von Innovationen
2.2.3 Prüfen und Entscheiden von Innovationen
2.2.4 Entwickeln von Innovationen
2.2.5 Umsetzen von Innovationen
2.3 Charakteristika von Innovationen
2.3.1 Neuheit und Neuartigkeit von Innovationen und deren implizite Bedeutung
2.3.2 Komplexität und Reichweite von Innovationen
2.3.3 Unsicherheiten von Innovationen
2.3.4 Konfliktgehalt von Innovationen
2.4 Innovatives Denken und Handeln und seine Rahmenbedingungen
2.4.1 Voraussetzungen und Bedingungen für Innovationen
2.4.2 Innovatives Denken und Handeln
3. Kulturelle Bildung
3.1 Begriffe Kultureller Bildung
3.1.1 Begriffe der Bildung
3.1.2 Begriffe der Kultur
3.1.3 Kulturelle Bildung als Bildung von und mittels Kultur
3.2 Zeiten, Objekte und Orte Kultureller Bildung
3.2.1 Lebenslanges Lernen als Zeiten Kultureller Bildung
3.2.2 Gebiete der Kunst und Interkulturalität als Objekte Kultureller Bildung
3.2.3 Institutionen und andere Wirkungsbereiche als Orte Kultureller Bildung
3.3 Bildende Faktoren und Wirkungen Kultureller Bildung
3.3.1 Emotionalität und Wahrnehmung
3.3.2 Sinn und Wissen
3.3.3 Vielfalt und vielfältige Zugänge zur Realität
3.3.4 Kreativität
3.3.5 Kommunikation und kommunikative Fähigkeiten
3.3.6 Herausforderung und Lernen
3.3.7 Gelingende und hemmende Kulturelle Bildung
3.4 Prozess, Zugänge und Voraussetzungen Kultureller Bildung
3.4.1 Kulturelle Bildung als Leistung und Ergebnis
3.4.2 Der selbsttätig-kreative Zugang kultureller Bildung
3.4.3 Der reflexiv-rezeptive Zugang kultureller Bildung
3.4.4 Der verstehend-kommunikative Zugang kultureller Bildung
4. Wirkungen Kultureller Bildung als Faktoren von innovativem Denken und Handeln
4.1 Kreativität als kognitiver Faktor
4.1.1 Kreativität als originelles Erschaffen und überwiegend kognitives Problemlösen
4.1.2 Konstruktive Zerstörung, Neukombination und visionäre Phantasie
4.1.3 Merkmale kreativer Persönlichkeiten
4.1.4 Der Zusammenhang von Innovation und Kultureller Bildung über Kreativität
4.2 Selbstbewusstsein, Antrieb und Risikobereitschaft als emotional bedingte Faktoren
4.2.1 Emotion als wahrnehmbare Bewertung
4.2.2 Selbstbewusstsein als emotionale Basis
4.2.3 Antriebsfähigkeit und Risikobereitschaft
4.2.4 Der Zusammenhang von Innovation und Kultureller Bildung über Selbstbewusstsein, Antrieb und Risikobereitschaft
5. Ausblick
5.1 Forschungsausblick: Idee eines Nachweises
5.1.1 Innovativität und Kulturelle Bildung: Kriterien für eine Vergleichbarkeit
5.1.2 Die tendenzielle Relationalität einzelner Faktoren
5.1.3 Ein möglicher Ansatz für eine Befragung
5.2 Andere Sichtweisen und weiterführende Fragen
5.3 Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht den potenziellen Zusammenhang zwischen der kulturellen Bildung und der Entwicklung von innovativem Denken und Handeln. Dabei wird eine individuelle, lerntheoretische Perspektive eingenommen, um zu prüfen, inwieweit kulturelle Bildungsprozesse als förderliche Basis für die Entstehung von Innovationen im beruflichen und persönlichen Kontext dienen können.
- Innovation als individueller Entstehungsprozess und dessen Charakteristika
- Kulturelle Bildung als lebenslanges Aneignungsgeschehen von Kultur
- Die Rolle von Kreativität als kognitiver Faktor bei Innovationen
- Emotional bedingte Einflussfaktoren wie Selbstbewusstsein und Risikobereitschaft
- Ansätze zur empirischen Erfassung dieser Zusammenhänge
Auszug aus dem Buch
1.1 Impuls und Problemstellung der Arbeit
Ohne Zweifel können die Bezeichnungen "Innovation" beziehungsweise "innovativ" als derzeitige Modebegriffe bezeichnet werden. Viele Unternehmen und andere Organisationen beschreiben sich, ihre Angebote und Arbeitsweisen in werbewirksamer Weise als innovativ. Sie folgen damit, zumindest in ihrer Selbstdarstellung, dem allgemeinen Ruf nach einer zukunftsfähigen Gesellschaft, die durch fortschrittliche und wachstumsfördernde Innovationen geprägt ist. Die Fülle an plötzlich "Innovativen", wie sie nicht nur im Internet geboten ist, lässt einen vielfach an der gerechtfertigten Verwendung des Begriffs "innovativ" zweifeln. Er erscheint inflationär benutzt zu werden und verliert als unreflektiertes Etikett an allgemeinem Gebrauchswert.
Dieser Erscheinung zum Trotz ist Innovation in Zeiten immer schnellerer und damit stärkerer Veränderung nach wie vor von Bedeutung. Sie liegt notwendigerweise im Hinterherkommen der Gesellschaft oder besser: im Mitgehen und im vorausgehenden Mitgestalten des stetigen Wandels. Damit bleibt das Phänomen der Innovationen interessant und führt zu der Frage nach den Ursachen von Innovationen. Eine nähere und kritische Beschäftigung mit dem Thema ermöglicht dem Betrachter zudem, auch im Großen und Kleinen solchen Entwicklungen zu begegnen, die meiner Meinung nach gerechtfertigt als Innovation bezeichnet werden können.
Ein zudem weiter Blick über die oft ökonomisch-technisch konzentrierte Innovations-Diskussion hinaus bezieht die möglichen Wirkungen von Kultur und Bildung und damit wichtigen Aspekte als Faktoren des gesamtgesellschaftlichen Lebens mit ein. In diesem Zusammenhang fielen mir an verschiedenen Orten immer wieder speziell die Kulturelle Bildung und ihre Potenziale für Veränderungen und Entwicklungen auf. Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen ihr und dem Phänomen der Innovation. Nicht nur, dass gerade der Kunst eine Vorreiterrolle bei Veränderungen zukommt, die sich über die Kultur oft bis weit in die Gesellschaft niederschlagen. Auch theoretisch erscheint der Bezug zwischen Kultureller Bildung und innovativem Denken und Handeln als fast offensichtlich, ein empirischer Beleg dagegen als so gut wie unmöglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, beleuchtet die inflationäre Nutzung des Innovationsbegriffs und formuliert das Forschungsinteresse am Zusammenhang zwischen kultureller Bildung und innovativem Denken.
2. Innovatives Denken und Handeln: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Innovation, beschreibt dessen Entstehungsprozess in vier Phasen sowie dessen zentrale Merkmale und Rahmenbedingungen.
3. Kulturelle Bildung: Hier werden die Begriffe Bildung und Kultur geklärt, bevor die kulturelle Bildung als lebenslanger Prozess definiert und ihre verschiedenen Orte sowie bildenden Wirkfaktoren erläutert werden.
4. Wirkungen Kultureller Bildung als Faktoren von innovativem Denken und Handeln: Dieses Kapitel verknüpft die Wirkungen kultureller Bildung mit den Voraussetzungen für innovatives Handeln, wobei insbesondere Kreativität, Selbstbewusstsein und Risikobereitschaft analysiert werden.
5. Ausblick: Der abschließende Teil skizziert eine Idee für eine empirische Untersuchung zur Relationalität der Faktoren und reflektiert die Arbeit kritisch sowie persönlich.
Schlüsselwörter
Innovation, Innovatives Denken, Innovatives Handeln, Kulturelle Bildung, Kreativität, Lebenslanges Lernen, Individuelle Entwicklung, Selbstbewusstsein, Risikobereitschaft, Innovationsprozess, Kulturarbeit, Persönlichkeitsmerkmale, Sinnstiftung, Ästhetische Erfahrung, Problemlösung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob und wie kulturelle Bildung als Potenzial für die Entwicklung von innovativem Denken und Handeln bei Individuen fungieren kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind zum einen die Betriebswirtschaftslehre (Innovationsmanagement) und zum anderen die erziehungswissenschaftlichen Diskurse der kulturellen Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den theoretischen Bezug zwischen der individuellen kulturellen Bildung und den für Innovationen notwendigen persönlichen Kompetenzen herauszuarbeiten und aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene Ansätze der Innovationsforschung mit bildungstheoretischen und pädagogischen Modellen zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Innovationsprozesse sowie der kulturellen Bildung, um anschließend deren wechselseitige Wirkungszusammenhänge (Kreativität, Emotion, Risikobereitschaft) zu untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Innovation, Kulturelle Bildung, Kreativität, lebenslanges Lernen, individuelle Kompetenzentwicklung und Identität.
Warum wird Innovation als "destruktiver Prozess" bezeichnet?
Der Autor greift den Begriff der "schöpferischen Zerstörung" auf, da Innovationen bestehende, eingespielte Produkte oder Verfahren ablösen und somit altes Wissen oder Strukturen in Frage stellen.
Welche Rolle spielt die "ästhetische Erfahrung" für Innovation?
Ästhetische Erfahrungen fördern laut Arbeit Flexibilität, Wahrnehmungsoffenheit und die Fähigkeit, Probleme aus neuen Perspektiven zu betrachten, was wesentliche Voraussetzungen für innovative Lösungsansätze sind.
- Quote paper
- Joachim Papst (Author), 2005, Kulturelle Bildung als mögliches Potenzial für die Entwicklung von innovativem Denken und Handeln, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44363