Die Globalisierung und ihre Folgen für Städtehierarchien und Städtenetzwerke


Seminararbeit, 2002
14 Seiten, Note: 1-

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Globalisierung
2.1. Die Entwicklung der globalen Wirtschaft seit dem 19. Jahrhundert
2.2. Die Geographie der Globalisierung
2.3. Machtzentren in der Globalisierung

3. Städtehierarchien

4. Global City
4.1. Eigenschaft der Global City an Beispielen
4.2. Polarität und Probleme der Global City

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir leben im Zeitalter der Globalisierung, in einer Zeit in der Geld und Produkte fast keine Grenzen mehr kennen. Kauft sich heute ein japanischer Fußball Fan ein Trikot vom italienischen Club AC Mailand, so erwirbt er ein Produkt der deutschen Firma Adidas, das in China produziert wurde und auf der Brust mit dem Trikotsponsor Opel, einem deutschen Unternehmen, wirbt. Opel wurde von dem amerikanischen Unternehmen General Motors übernommen und Adidas ist mittlerweile unter französischer Führung. Ein einziges Produkt repräsentiert hier fünf verschiedene Staaten und zeigt, dass Unternehmen übernommen werden fusionieren, und sich internationalisieren. Die Wirtschaft ist nicht auf die Grenzen der Nationalstaaten beschränkt. Neue Strukturen bilden sich und werden verfestigt. Es existieren neue Knotenpunkte und Machtzentren. Der Staat als Entscheidungsträger der Weltökonomie tritt in den Hintergrund und Städte, in denen sich neue Schaltzentralen der Macht befinden und ansiedeln, werden bedeutender. Einige Städte ragen bei diesem Prozess heraus. Ihnen gab Saskia Sassen (1991) den Namen Global Cities.

2. Globalisierung

Globalisierung ist in dieser Zeit ein viel diskutierter Begriff. Es heißt, er bestimme unsere Wirtschaft, und nehme immer stärkeren Einfluss auf das Leben eines jeden Individuums. Diesen Begriff zu definieren ist schwer, wenn nicht sogar unmöglich. So differieren Meinungen von z.B. Reich, der meint, die Globalisierung stelle eine Welt ohne Grenzen dar, in der der Nationalstaat keine Relevanz mehr habe, bis hin zu Hirst & Thompson, die der Ansicht sind, es liege durch die protektionistisch fungierenden Wirtschaftsblöcke eher eine Regionalisierung als eine Globalisierung vor (vgl. Backhaus 1999 S. 14- 20). Obwohl die Meinungen derart weit auseinander liegen, kann man für beide Seiten Bestätigungen in der heutigen Globalisierung finden. Das Beispiel des Trikot des AC Mailand veranschaulicht die Aufhebung von Grenzen für Güter und Kapitalströme. Trotzdem wird bei einer genaueren Betrachtung der weltgrößten Finanzmärkte in New York, London und Tokyo deutlich, dass diese Zentren sich auf die Märkte der sogenannten Triade (Nordamerika, Westeuropa und Südostasien) beziehen und somit eine Regionalisierung vorantreiben. Globalisierung meint also nicht die Verbindung der gesamten Erde zu einem Wirtschafts- und Sozialraum, sondern symbolisiert den Handel und die Verknüpfung der Triade.

2.1. Die Entwicklung der globalen Wirtschaft seit dem 19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts beschränkt sich die Weltwirtschaft auf den Außenhandel mit Industrie- und Landwirtschaftsprodukten. Die Produzenten dieser Güter sind die Hauptverdiener dieser Zeit. Somit wird Kapital hauptsächlich durch und auf Plantagen, Minen oder Fabriken agglomeriert. Zwar fungieren vor allem Hafenstädte als Handelszentren, trotzdem ist der Einfluss der Städte auf die globale Wirtschaft aber eher gering. Bis in das 20. Jahrhundert ändert sich an diesem Handelsbild wenig. Nach dem II. Weltkrieg modifiziert sich die Weltwirtschaft immer stärker. Hatten vorher der primäre und vor allem der sekundäre Sektor die Wirtschaft bestimmt, so wird jetzt der tertiäre Sektor immer einflussreicher. Seit dem Zusammenbruch der Pax Americana[1], verlaufen die Hauptströme der Weltwirtschaft nicht mehr entlang einer Nord-Süd-Achse, sondern zunehmend von Westen nach Osten. Der Welthandel wird von den internationalen Finanzströmen, in Form von Anleihe-, Wertpapier- oder Devisengeschäft bestimmt. Maßgebend ändert sich der Handel in den achtziger Jahren, als spezialisierte Dienstleistungen und Transaktionen auf den Finanzmärkten in Anzahl und Umfang rapide zunahmen. Insbesondere die Auslanddirektinvestitionen (ADI) steigen in den achtziger Jahren extrem an und übertreffen den Wert der Weltexporte um das dreifache (vgl. Sassen 1997, S.28- 31)

2.2. Die Geographie der Globalisierung

Ein Grundpfeiler der Globalisierung ist die ständige Verbesserung der Technik. Neue Lager- und Transporttechnologien führen zu einer Rationalisierung von Warentransporten. Dadurch verliert die geographische Lage von Produktionsstandorten an Relevanz, weshalb Auslagerung von Produktion zu kostengünstigen Orten leicht möglich ist. Die Optimierung von Informations- sowie Telekommunikationstechniken unterstützt diesen Prozess und ermöglicht die geographische Ausdehnung und zunehmende Interaktionsdichte des internationalen Handels (Habermas 1998, S. 70- 71). Unternehmen können sich durch diese Techniken neu koordinieren, ihre Produktionsprozesse reorganisieren und arbeiten nur sehr begrenzt mit dem Problem der räumlichen Distanz. Die Nationalstaaten verlieren ihren Einfluß auf die Wirtschaft und buhlen mit Geschenken und Steuerfreiheiten um neue Investoren. Neue Fabriken werden in sogenannten exportorientierten Produktionszonen gebaut, die sich durch billige Arbeitskräfte, Steuerfreiheit und milde Arbeitsschutzbedingungen auszeichnen. „ Bei BMW fiel die Wahl für den Standort des Montagebetriebes auf South-Carolina, dem US-Staat mit der geringsten gewerkschaftlichen Organisationsquote und einer ausgewiesenen gewerkschaftsfeindlichen
Haltung“
(http://www.labournet.de/igm-akint.berlin/dokumente/usa.htm). Globale Unternehmen können nahezu überall produzieren, durch Massenmedien und Trends ihre Produkte weltweit bekannt machen und diese dann von Seattle bis Kalkutta absetzen. (vgl. Korff 1996, S.120- 123).

Ein weiterer Hauptgrund für die Globalisierung ist die schon in 2.1. angesprochene Dominanz des Dienstleistungssektors. Die zu Beginn der achtziger Jahre stark angewachsenen Finanzmärkte decken den Bedarf der transnationalen Konzerne (TNK), die über Tochtergesellschaften, Kooperationsabkommen und Zweigstellen verfügen. Hierdurch können sie sich immer flächendeckender ausbreiten und erhöhen ihr Umsatzvolumen in den Industriestaaten. Nach der Verschuldungskrise 1982 übernehmen die TNK sogar Aufgabenbereiche, die vorher Banken innehatten. Da Kredite an die hochverschuldeten Entwicklungsländer nur noch in sehr geringem Maße vergeben werden, kommt der Großteil der ADI in die Entwicklungsländer von den TNK aus der Privatwirtschaft. Ende der achtziger Jahre kommen 80% des Außenhandels der USA durch TNK zu Stande. Die TNK gewinnen hierdurch enorm an Bedeutung und setzen die Nationalstaaten unter Druck. Die ADI steigen zwischen 1982 und 1990 um 29% jährlich, was deutlich macht in was für einer Position sich die Unternehmen plötzlich befinden. Hauptexporteur von diesen Kapitalströmen ist Japan, Hauptimporteur die USA. Die Verschuldungskrise hat ebenso auf die Finanzmärkte bedeutenden Einfluß. Denn da es sich für die Entwicklungsländer als unmöglich erweist, ihre Schulden zurückzuzahlen, nutzen Kleinunternehmen den neuen Freiraum, um Spekulationen von bisher ungeahnten Ausmaß zu tätigen. Zwar bringen diese Unternehmen mehr Instabilität, aber die immensen Gewinnaussichten lassen die Finanzmärkte florieren und ihr Volumen um ein Vielfaches ansteigen. (vgl. Sassen 1991, S. 64- 78)

[...]


[1] Pax Americana: Periode der politischen, wirtschaftlichen Vorherrschaft der Vereinigten Staaten (Sassen 1997)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Globalisierung und ihre Folgen für Städtehierarchien und Städtenetzwerke
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Geographische Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Kultur und Sozialgeographie
Note
1-
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V4437
ISBN (eBook)
9783638127479
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Global City Cities Megastadt Auslandsdirektinvestitionen Transnationale Konzerne TNK ADI
Arbeit zitieren
Johannes Edelhoff (Autor), 2002, Die Globalisierung und ihre Folgen für Städtehierarchien und Städtenetzwerke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4437

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