Wie in jeder Schulgrammatik nachzulesen ist, werden gewöhnliche Nebensätze durch Verb-Letzt-Stellung (VL) gekennzeichnet. Jedoch zeigt ein einfaches Beispiel (1), dass Nebensätze auch mit Verb-Zweit-Stellung (V2) möglich sind. (1) Sebastian glaubt, er gewinnt das Spiel.
Diese V2-Nebensätze weisen zu konjunktional eingeleiteten Nebensätzen wesentliche Unterschiede auf, die eine differenzierte syntaktische Betrachtung erforderlich machen. Die folgende Hausarbeit hat zum Ziel, sowohl den formalen als auch den funktionalen Charakter der V2-Nebensätze näher zu bestimmen und zudem das Problem der syntaktischen Einordnung von V2-Nebensätzen zu beschreiben. Zunächst sollen die gewöhnlichen Nebensätze mit VL-Stellung näher beschrieben und in die Syntax eingeordnet werden. Diese Nebensätze stehen, wie später gezeigt wird, in Alternanz zu den V2-Sätzen und müssen deshalb vergleichend herangezogen werden. Anschließend werden die V2-Nebensätze genau bestimmt. Die Bedingungen und Beschränkungen, unter denen diese Sätze vorkommen und die syntaktischen Unterschiede zu den zuvor behandelten VL-Sätzen werden ausführlich aufgezeigt. Darauf aufbauend soll eine eigene Position für die V2-Sätze in der Syntax gefunden werden, die auf ihre speziellen Eigenschaften angepasst ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nebensätze mit Verb-Letzt-Stellung
2.1. Theta-Rollen-Zuweisung
2.2. Komplementsätze
2.3. Adjunktsätze
3. Zur näheren Bestimmung von Verb-Zweit-Nebensätzen
3.1. Zwischenstatuscharakter der V2-Nebensätze
3.2. Konstruktionstypen in denen V2-Nebensätze auftreten
3.3. Restriktionen denen V2-Nebensätze unterliegen
3.4. Syntaktische unterschiede zu den alternierenden VL-Nebensätzen
4. Einordnung in die Syntax
4.1. Basisgenerierung unter V0 oder Adjunktion an die IP?
4.2. Alternativlösung: Adjunktion an die VP
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den formalen und funktionalen Charakter von Verb-Zweit-Nebensätzen (V2-Nebensätze) im Deutschen und analysiert, wie diese innerhalb der syntaktischen Struktur, insbesondere im CP-IP-Schema, eingeordnet werden können. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie die argumentrealisierende Funktion dieser Sätze mit ihrem durch die Verb-Zweit-Stellung bedingten Hauptsatzcharakter in Einklang gebracht werden kann.
- Syntaktische Klassifikation von V2-Nebensätzen im Vergleich zu konjunktionalen Verb-Letzt-Sätzen.
- Analyse der Theta-Rollen-Zuweisung und der Valenzabhängigkeit.
- Identifikation von Konstruktionstypen und syntaktischen Restriktionen für V2-Nebensätze.
- Diskussion theoretischer Modelle zur syntaktischen Integration (Basisgenerierung vs. Adjunktion).
Auszug aus dem Buch
3.1. Zwischenstatuscharakter der V2-Nebensätze
Die V2 Nebensätze nehmen einen Zwischenstatus zwischen Haupt- und Nebensatz ein. Einerseits besitzen sie hauptsatztypische Verb-Zweit-Stellung, andererseits realisieren sie, wie die Komplementsätze, ein Argument des Matrixprädikats. V2-Sätze haben also die Form eines Hauptsatzes und gleichzeitig die Funktion eines Nebensatzes. Auch dass V2-Sätze immer in Alternation mit dass- bzw. wenn- Sätzen stehen (8, 9), bekräftigt die Funktion als Nebensatz.
8) Ich hoffe, unser Urlaub wird sonnig.
9) Ich hoffe, dass unser Urlaub sonnig wird.
Es stellt sich also die Frage, welche Position V2-Nebensätze in einer syntaktischen Struktur einnehmen sollen. Dies wird in Kapitel 4 näher beschrieben. Zunächst sollen die verschiedenen Typen und Beschränkungen der V2-Sätze erläutert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Verb-Zweit-Nebensätze und Zielsetzung der Untersuchung.
2. Nebensätze mit Verb-Letzt-Stellung: Erläuterung der Grundlagen der Theta-Rollen-Zuweisung und Abgrenzung von Komplement- und Adjunktsätzen im CP-IP-Schema.
3. Zur näheren Bestimmung von Verb-Zweit-Nebensätzen: Untersuchung der hybriden Eigenschaften, Konstruktionstypen sowie der syntaktischen Restriktionen von V2-Nebensätzen.
4. Einordnung in die Syntax: Diskussion verschiedener syntaktischer Modelle zur Integration von V2-Nebensätzen, unter anderem die Adjunktion an die VP.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der syntaktischen Einordnungsmöglichkeiten und Ausblick auf noch offene Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Verb-Zweit-Nebensätze, V2-Stellung, Syntax, CP-IP-Schema, Theta-Rollen-Zuweisung, Komplementsätze, Adjunktsätze, Matrixprädikat, Argumentrealisierung, Verb-Letzt-Stellung, syntaktische Integration, Syntax, Linguistik, Grammatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der syntaktischen Einordnung von deutschen Nebensätzen, die eine Verb-Zweit-Stellung aufweisen, anstatt die für Nebensätze typische Verb-Letzt-Stellung zu zeigen.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der formalen und funktionalen Beschreibung von V2-Nebensätzen, ihrer Abgrenzung zu herkömmlichen Nebensätzen und ihrer Stellung innerhalb theoretischer syntaktischer Modelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine syntaktische Position für V2-Nebensätze im CP-IP-Schema zu finden, die sowohl ihre Funktion als Argument des Matrixverbs als auch ihre formale Eigenständigkeit berücksichtigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptiv-grammatische Analyse auf Basis von syntaktischen Strukturen und Beispielsätzen vorgenommen, ergänzt durch die Diskussion bestehender linguistischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Eigenschaften von V2-Sätzen, identifiziert Konstruktionstypen und syntaktische Beschränkungen und diskutiert theoretische Ansätze zur Basisgenerierung und Adjunktion.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem V2-Nebensätze, Theta-Rollen-Zuweisung, CP-IP-Schema, Verb-Letzt-Stellung sowie die Unterscheidung zwischen Komplement- und Adjunktsätzen.
Warum unterscheidet der Autor zwischen Brücken-Verben und Nicht-Brücken-Verben?
Diese Unterscheidung ist entscheidend, da nur bestimmte Verbgruppen die V2-Stellung in Nebensätzen erlauben, während andere diese strikt ausschließen.
Warum ist die Adjunktion an die VP als Lösungsvorschlag relevant?
Sie ermöglicht eine „nicht-strukturelle“ Theta-Rollen-Zuweisung, wodurch der Nebensatz einerseits unter dem Einfluss des Verbs bleibt, andererseits aber seine spezifischen syntaktischen Eigenheiten behält.
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- Anke Hillen (Author), 2005, Ein Versuch der syntaktischen Einordnung von Verb-Zweit-Nebensätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44371