Islam in der Bundesrepublik. Probleme der Integration muslimischer Einwanderer anhand der Rollen der Medien und des Terrorismus


Hausarbeit, 2018
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung:

3. Grundlagen
a. Historische Entwicklung anhand von Jörg Hüttermanns Vier-Sequenzen-Theorie
i. Erste Sequenz
ii. Zweite Sequenz
iii. Dritte Sequenz
iv. Vierte Sequenz

4. Muslimische Einwandernde im Konfliktfokus
a. Vier praktische Beispiele für die Entwicklung der Konfliktlage zwischen Einwandernden und der alteingesessenen Gesellschaft

5. Die Rolle der Medien und die mediale Berichterstattung über Terrorismus

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

2. Einleitung:

Der Islam blickt in der Bundesrepublik auf eine bereits über 50-jährige Geschichte zurück, dessen Ursprung hauptsächlich in der Arbeitsmigration aus islamisch geprägten Ländern liegt. Seitdem hat sich einiges gewandelt, sodass sich einerseits der Bevölkerungsanteil muslimischer Bürger in der BRD von anfänglichen 6000 Muslimen nach Ende des zweiten Weltkrieges auf fast 5 Millionen Muslime gesteigert hat[1]. Andererseits hat sich mittlerweile ihr Organisationsgrad immens entwickelt und es können erfolgreiche Integrationsprozesse in allen gesellschaftlich relevanten Feldern verzeichnet werden. Seit Beginn der 2000er Jahre und durch die sogenannte „Flüchtlingskrise“ 2015 rückt der Islam mit einer so vorher noch nicht dagewesenen Intensität immer weiter in den öffentlichen Diskurs und die allgemeine Wahrnehmung. Dabei überschätzen Mitglieder der noch immer christlich-deutschen Majorität den Anteil der muslimischen Bevölkerung ungemein, wie eine Studie des britischen Meinungsforschungsinstituts Ipso Mori zeigt. Demnach glaubten die Bürger, dass einer von fünf Mitbürgern muslimischen Glaubens sei – dabei sei es einer Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlingen zufolge nur in etwa einer von zwanzig[2]. Nichtsdestotrotz haben die öffentliche Aufmerksamkeit und die nicht zu vernachlässigende politische Relevanz der muslimischen Minorität zuweilen eine Debatte ausgelöst, die das politische Tagesgeschäft und die mediale Berichterstattung in weiten Teilen bestimmt. Parallel zur Steigerung der öffentlichen Wahrnehmung kam es jedoch nicht zu einer gehobenen Akzeptanz muslimischer Einwanderer und Mitbürger, sondern gegenteiliger Weise zur gesellschaftlichen Ablehnung bis hin zur Islamophobie, die sich in Bewegungen (PEGIDA) oder Parteien (AfD) ausdrückt[3]. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung werde ich zunächst den Einwanderungsprozess historisch einordnen, um daraufhin die Rolle der Medien, insbesondere des Themas des Terrorismus, und dessen Wirkung auf die Gesellschaft heutzutage zu erläutern, um so ein Bild davon machen zu können, wieso sich die Integration und damit das Zusammenleben muslimischer Einwanderer und alteingesessener Deutscher schwieriger gestaltet, als es sich bei Einwanderern anders geprägter Länder verhält. Dabei wird deutlich, dass es sich nicht nur um einen kulturellen oder religiösen, sondern vor allem um einen sozialen Konflikt handelt. Um einen praktischen Bezug herzustellen und zur Veranschaulichung werden im zweiten Teil Beispiele für Moscheebaukonflikte in Deutschland herangezogen.[4]

3. Grundlagen

a. Historische Entwicklung anhand von Jörg Hüttermanns Vier-Sequenzen-Theorie

„Die Migration ist die Mutter aller Probleme“. Diesen Satz prägte Horst Seehofer, Bundesinnenminister, im September 2018. Dass ein Politiker eines solchen Amtes eine derartige Aussage tätigt, ist zum einen sicherlich der Versuch, im politischen Geschäft kurz vor der Landtagswahl in Bayern Wähler für sich zu gewinnen. Allerdings liegt darin bereits der Knackpunkt: Horst Seehofer hält es für möglich, mit Aussagen dieser Art die Gunst der Wähler für sich bzw. seine Partei zu gewinnen. Dies bedeutet, dass es mittlerweile eine große Zahl an Menschen in der Bundesrepublik geben muss, die der Aussage zustimmen würden. Gründe für die sich wieder immer stärker formierende Fremdenfeindlichkeit werden in den Massenmedien nahezu täglich genannt: Die „Flüchtlingskrise“, Angela Merkels „Wir schaffen das“ oder die Unfähigkeit der etablierten Parteien, auf die Anliegen vieler Menschen adäquat zu antworten.

An dieser Stelle möchte ich jedoch die These wagen, dass die wirklichen Ursachen der oben genannten Fremdenfeindlichkeit wesentlich länger und tiefer in der Gesellschaft verwurzelt sind. Sie sind nicht rein religiöser oder kultureller Natur, sondern zeigen sich seit geraumer Zeit in simplen sozialen Mechanismen, wie wir sehen werden. Jörg Hüttermann, ein deutscher Soziologe der Universität Bielefeld, hat dazu bereits eine Untersuchung angelegt, in der er den Integrations- und Figurationsprozess der letzten 50-60 Jahre in vier idealtypischen Sequenzen erläutert. Diese Einteilung erscheint mir sinnvoll und verständlich, daher soll sie im Folgenden zusammenfassend genutzt werden.

i. Erste Sequenz

Die erste Sequenz beschäftigt sich mit verschiedenen Akteuren, zu denen die Platzanweiser gehören, welche einen Teil der zunächst bestehenden Gesellschaft darstellen und keinem Integrationsdruck ausgesetzt sind, da sie in der Gesellschaft, hier Deutschland, bereits seit mehreren Generationen verwurzelt und gut integriert sind und den sogenannten Gästen, welche die Einwanderer darstellen. Die Einwanderer versuchen sich also nun in einer bereits bestehenden Gesellschaft mit ihrer ganz eigenen normativen, sowie sozialen Ordnung zurechtzufinden. Interessanterweise nimmt an dieser Stelle die soziale Figur des alteingesessenen Gastgebers eine platzanweisende Rolle ein und weist den Zuwanderern bestimmte Positionen zu, die diese in ihrer Bemühung um Konfliktvermeidung annehmen. Sie ordnen sich gewissermaßen unter. In der Praxis geschieht dieses Phänomen ganz nebenbei, wenn Zuwandernde auf Personen wie Vermieter, Hausmeister, Polizisten, Schaffner oder Lehrer treffen. Dort nehmen sie dann auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, im Wohnumfeld oder im Freizeitbereich eine randständige soziale Position ein. Anerkennung können sie jedoch erst erwarten, sobald sie sich vollständig an die neuen Strukturen angepasst haben. Die von den Platzanweisenden gezogenen Grenzen werden zunächst als vollkommen selbstverständlich wahrgenommen und nicht kaum bis gar nicht hinterfragt. Das Ziel der Einwandernden ist Konfliktvermeidung, wie sich darin zeigt, dass in den neuen Strukturen bereits erfahrenere Einwandernde eine Transmissionsrolle als Dolmetscher einnehmen. Sie vermitteln zwischen Platzanweisern und den „peripheren Fremden“, also den noch ankommenden Einwandernden.

ii. Zweite Sequenz

In der darauffolgenden Sequenz entwickelt sich erstmalig ein Konfliktpotenzial, da sich sowohl im Modell als auch in Deutschland seit den 1970er Jahren die Figurationsstrukturen zwischen Alteingesessenen und Zugewanderten verändern. Genauer heißt das, dass sich die Machtbalance zugunsten der Einwandernden verschiebt. Erklären lässt sich das dadurch, dass sie allmählich beginnen, sich in ihrem Arbeitsumfeld frei zu fühlen und es „wagen“, ihnen indessen vertraute Arbeiterrechte und Klasseninteressen in Anspruch zu nehmen, wodurch sich die von den Alteingesessenen als legitim verstandene Grenze auf jene zubewegt. Dieser Verschiebung der Machtverhältnisse entspringt eine weitere Figur, die sich, genauso wie die des Dolmetschers, in der Rangordnung zwischen den Alteingesessenen und den peripheren Fremden befindet. Hüttermann nennt sie „soziale Anwälte“. Diese stammen aus den Reihen der Alteingesessenen und haben das Ziel, als Vermittler Zugewanderte gegenüber Ausbeutung, Diskriminierung und Übergriffen, beispielsweise von Arbeitgebern, Vermietern oder Behördenvertretern zu schützen. Die Einwandernden beginnen ermutigt von dieser Hilfeleistung, sich gewerkschaftlich und anderweitig zu engagieren, wodurch die Machtverschiebung, wie sich in der dritten Sequenz zeigt, weiter angeregt wird.

iii. Dritte Sequenz

In der darauffolgenden dritten Sequenz entsteht aus dem peripheren Fremden die Figur des „avancierenden Fremden“, da die Zuwandernden zunehmend von ihrem Recht auf Teilhabe am öffentlichen Interessensstreit Gebrauch machen und nicht länger von der Vermittlung des sozialen Anwalts abhängig sind. Im Zuge dessen stehen die Einwandernden für ihre Interessen verstärkt selbst ein, mit dem Ziel, auf Augenhöhe mit ihren Antagonisten zu agieren. Dass dieses Phänomen auf die Alteingesessenen geradezu beängstigend wirkt, liegt hauptsächlich daran, dass die Zuwandernden, die zuvor als Minderheit agierten, die von den Alteingesessenen selbst ernannten Statusgrenzen hinterfragen und verändern, um nicht länger in ihren randständigen sozialen Positionen zu verharren.

Zur Eskalation des Konflikts kommt es jedoch erst, aufgrund von unterschiedlichen Faktoren und bedeutsamen Ereignissen, sowie durch die Einflussnahme der Medien, in der vorerst letzten Sequenz, in der sich die Individuen zu sogenannten „Kultursubjekten“ entwickeln.

iv. Vierte Sequenz

Die Rangordnungskonflikte zwischen Alteingesessenen und Einwandernden, wie man sie tatsächlich im Alltagsleben erleben kann, eskalieren folgend zu einer Art Kulturkonflikt auf Makroebene, was nicht zuletzt durch Kristallisationsereignisse, wie die Anschläge des 11. Septembers 2001, angeschoben wird. Zunächst entwickelt sich ein Konfliktpotenzial, indem der avancierende Fremde die ihm gelegten Statusgrenzen durchbricht. In dieser Sequenz kommt jedoch der Einfluss der Medien, durch die Art der Berichterstattung, hinzu. Dadurch werden die Einwandernden aus Sicht der bestehenden Gesellschaft in Kultursubjekte umgeformt, das heißt, sie werden zunehmend Opfer einer gesamtkulturellen Stigmatisierung. Beide Parteien entfremden sich zunehmend voneinander. So wird beispielsweise die Revolution im Iran (1978/1979) in den Medien mit Bildsequenzen betender Männer, kopftuchtragender Frauen oder repräsentativer Moscheen gezeigt, um die Kultur der muslimischen Einwanderer widerzuspiegeln, obwohl kein direkter Zusammenhang besteht. Hier kann man von einer massenmedialen Inszenierung sprechen, die Kultur der muslimischen Einwanderer wird nicht nur als grundsätzlich fremd und als dem Westen gegenüberstehend, sondern vor allem auch als gefährlich empfunden.

[...]


[1] https://www.deutschlandfunk.de/religionsstatistik-zahl-der-muslime-in-deutschland.886.de.html?dram:article_id=408677

[2] http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/neue-studie-deutsche-ueberschaetzen-anteil-muslimischer-bevoelkerung-enorm-14573677.html

[3] Peter Antes, Rauf Ceylan (Hrsg.): Muslime in Deutschland, Historische Bestandsaufnahme, aktuelle Entwicklungen und zukünftige Forschungsfragen, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017

[4] Hüttermann, Jörg: Moscheekonflikte im Figurationsprozess der Einwanderungsgesellschaft: eine soziologische Analyse, in: Marianne Krüger-Potratz und Werner Schiffauer (Hg.), Migrationsreport 2010: Fakten – Analysen – Perspektiven, Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2011

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Details

Titel
Islam in der Bundesrepublik. Probleme der Integration muslimischer Einwanderer anhand der Rollen der Medien und des Terrorismus
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V443721
ISBN (eBook)
9783668808782
ISBN (Buch)
9783668808799
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islam, BRD, Soziologie, Sozialwissenschaften, Terror, Medien, Integration, Flüchtlinge
Arbeit zitieren
Maurice Adiek (Autor), 2018, Islam in der Bundesrepublik. Probleme der Integration muslimischer Einwanderer anhand der Rollen der Medien und des Terrorismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443721

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