Die Arbeit setzt sich mit dem Thema Anerkennung in der Erwachsenenbildung auseinander. Im Zentrum steht die Frage, wie Pädagoginnen und Pädagogen Anerkennungsverhältnisse in Kontexten der Erwachsenenbildung gestaltet können. Die Autorin berücksichtigt insbesondere, wie die emotionale Kompetenz sowie die Kommunikationskompetenz richtig eingesetzt werden.
Zum Thema führen Überlegungen zur Entwicklung von Anerkennungsverhältnissen und die drei für die Arbeit wesentlichen Anerkennungstheorien von Wolfgang Müller-Commichau, Axel Honneth und Werner Nothdurft. Darauf aufbauend nimmt die Arbeit die Emotionale Kompetenz in den Blick. Sie beschäftigt sich dabei auch mit den Begriffen Empathie, Verstehensfähigkeit, Introspektions- und Selbstreflexionsfähigkeit. All diese Eigenschaften sind sowohl für die Suche als auch für das Geben von Anerkennung wichtig.
Vertiefend gibt es dazu Beispiele zur Förderung emotionaler Kompetenz in Kontexten der Erwachsenenbildung. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Kommunikationsfähigkeit. Hier werden Fragen, wie gelingende Gespräche, wie ein verstehender Dialog aussehen könnte, beleuchtet und es wird der Frage nachgegangen, wie Gesprächskompetenz in erwachsenenpädagogischen Settings weiterentwickelt werden kann. Dazu werden Möglichkeiten einer anerkennenden pädagogischen Beziehungsgestaltung, die eine bejahende und ermöglichende, aber auch eine begrenzende Perspektive (Verkennung, Missverstehen, ausbleibende Anerkennung) aufweisen können, aufgezeigt. Abschließende Überlegungen zielen auf eine Kultur der Anerkennung in erwachsenenpädagogischen Kontexten, es geht um Anerkennung als Haltung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Vorbemerkungen zur Schreibweise
1.2 Motivation für das Thema
1.3 Erkenntnisleitendes Interesse, Forschungsfragen und Ziele der Arbeit
1.4 Bezugstheorien
1.4.1 Theorie der Intersubjektivität
1.5 Aufbau der Arbeit
2. Anerkennung
2.1 'Anerkennung' – das Werden eines Begriffs
2.2 Begriffe und Metaphern
2.3 Anerkennung – Aktuelle Ansätze
2.3.1 Wolfgang Müller-Commichau: 'Anerkennung in der Pädagogik'
2.3.1.1 Emotionale Kompetenz in der Anerkennungstheorie Müller-Commichaus
2.3.1.2 Dialogfähigkeit
2.3.1.3 Anerkennungstauglichkeit
2.3.2 Axel Honneth: Der Kampf um Anerkennung Ein dreistufiges Anerkennungsmodell
2.3.2.1 Liebe
2.3.2.2 Recht (rechtliche Gleichbehandlung)
2.3.2.3 (Soziale) Wertschätzung
2.3.2.4 Kritische Würdigung
2.3.3 Werner Nothdurft – Anerkennung in sozialen Interaktionen
3. Emotionale Kompetenz
3.1 Was sind Emotionen/Gefühle?
3.1.1 Emotionen: Vier historische Strömungen
3.2 Empathie, Verstehensfähigkeit, Introspektions- und Selbstreflexionsfähigkeit
3.2.1 Empathie
3.2.2 Verstehensfähigkeit
3.2.3 Introspektions- und Selbstreflexionsfähigkeit
3.3 Förderung emotionaler Kompetenz in Kontexten der Erwachsenenbildung
3.3.1 Selbstanerkennung
4. Gesprächskompetenz und Kommunikationsfähigkeit
4.1 Über die Leibgebundenheit der Sprache/Nonverbale Kommunikation
4.2 Gelingende Gespräche: Förderung der Gesprächskompetenz und Kommunikationsfähigkeit in Kontexten der Erwachsenenbildung
5. Anerkennung in der Erwachsenenbildung
5.1 Beziehungsgestaltung in Kontexten der Erwachsenenbildung Anerkennende, beziehungs- und bildungsstiftende Interaktionen
5.2 Kultur der Anerkennung
5.3 Anerkennungspädagogische Gestaltung von Such- und Lernbewegungen in Kontexten der Erwachsenenbildung
5.3.1 Die Anerkennungsskulptur
5.4 Anerkennung hat eine bejahende/ermöglichende Perspektive und begrenzende Aspekte
5.4.1 Dimensionen der Macht, Missverstehen (Verkennung), Ausbleibende Anerkennung, Wiederholungsphänomene
6. Zusammenfassung der Ergebnisse, Schlussfolgerungen und Relevanz der Anerkennungstheorien für die Gestaltung von Anerkennungsverhältnissen in Kontexten der Erwachsenenbildung
7. Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht die Gestaltung von Anerkennungsverhältnissen in der Erwachsenenbildung, wobei der Fokus auf dem Einsatz emotionaler Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit liegt. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie diese Kompetenzen als Fundament für gelingende, anerkennende Beziehungen genutzt werden können, um das Selbstwirksamkeitserleben erwachsener Lernender zu stärken und Lernprozesse nachhaltig zu fördern.
- Anerkennung als pädagogisches Handlungsprinzip in der Erwachsenenbildung.
- Die Rolle der emotionalen Kompetenz für Selbstwahrnehmung und Empathie.
- Kommunikationsfähigkeit als Werkzeug für einen gelingenden, verstehenden Dialog.
- Die Macht- und Wiederholungsphänomene innerhalb von Anerkennungsprozessen.
Auszug aus dem Buch
2.1 'Anerkennung' – das Werden eines Begriffs
Seit den 1990er Jahren erlebt der Begriff der Anerkennung einen Höhenflug und Anerkennungstheorien unterschiedlichster Schulen und wissenschaftlicher Disziplinen sind in aller Munde. Die Sozialphilosophie, Psychologie, Neurologie, Soziologie, Politikwissenschaft, Linguistik, Ethnologie und nicht zuletzt die Pädagogik und hier der Bereich der Erwachsenenbildung nehmen interpersonale und intersubjektive, symmetrische und asymmetrische Anerkennungsverhältnisse in den Fokus. Die Entwicklungen, die diesen zur Zeit wahrnehmbaren 'Boom' des Anerkennungsbegriffs einleiteten, beginnen jedoch bereits im 18. Jahrhundert. Werner Nothdurft (2007) macht das an drei Entwicklungslinien fest. Zum einen beginnen um diese Zeit feststehende soziale Kategorien und Leitvorstellungen zu bröckeln (Ehrlosen bzw. Unwürdigen wurde die Anerkennung versagt, Ehrwürdige wurden mit sozialer Anerkennung bedacht) und es entsteht eine bis zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellbare Idee von persönlicher Identität, die an Attributen wie authentischer Lebensweise und Einzigartigkeit festgemacht wird (vgl. Nothdurft Werner, 2007: 110-111).
Das bedeutet, dass die „soziale Geltung der Einzigartigkeit einer Person (...) in Prozessen sozialer Anerkennung errungen werden [muss] (...). Soziale Anerkennung wird damit zum einen zur Bedingung von Selbstfindung, zum anderen kontingent; sie benötigt besondere Interaktionsbedingungen“ (Nothdurft Werner, 2007: 111). Um die zweite Entwicklungslinie zu beschreiben, fokussiert Werner Nothdurft auf Jean-Jacques Rousseau, für den das Bestreben, Anerkennung von anderen zu erhalten, ein konstitutives Element jeder menschlichen Natur darstellt. Galt die Suche nach Anerkennung in früheren Zeiten als Schwäche, als Zeichen von Egoismus und überhöhter Eigenliebe ist es für Rousseau wesentlich hier zu differenzieren. Er unterscheidet die Neigung zur Selbstwerterhöhung und die damit verbundene Herabsetzung anderer und den Selbsterhaltungstrieb vom Bedürfnis, von anderen wahrgenommen zu werden und Anerkennung und Wertschätzung zu erhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier werden die Motivation für das Thema, die erkenntnisleitenden Fragen und die theoretischen Bezugspunkte der Masterarbeit dargelegt.
2. Anerkennung: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Anerkennungsbegriffs und diskutiert zentrale Ansätze von Müller-Commichau, Honneth und Nothdurft.
3. Emotionale Kompetenz: Es werden die Grundlagen von Emotionen sowie Kernaspekte wie Empathie und Introspektionsfähigkeit definiert und deren Förderung für die Bildungspraxis beleuchtet.
4. Gesprächskompetenz und Kommunikationsfähigkeit: Der Fokus liegt auf der Bedeutung nonverbaler Kommunikation und der Gestaltung gelingender, verstehender Dialoge im Bildungskontext.
5. Anerkennung in der Erwachsenenbildung: Das Kapitel verknüpft Theorie und Praxis, indem es Beziehungsgestaltung, Anerkennungskultur und die Machtdynamiken der Anerkennung kritisch untersucht.
6. Zusammenfassung der Ergebnisse, Schlussfolgerungen und Relevanz der Anerkennungstheorie für die Gestaltung von Anerkennungsverhältnissen in Kontexten der Erwachsenenbildung: Die zentralen Erkenntnisse der Arbeit werden in 22 prägnanten Thesen zusammengefasst und auf ihre praktische Bedeutung hin reflektiert.
7. Resümee und Ausblick: Diese abschließende Reflexion fasst die Bedeutung von emotionaler und kommunikativer Kompetenz zusammen und skizziert künftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Anerkennung, Erwachsenenbildung, Emotionale Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit, Beziehungsgestaltung, Intersubjektivität, Selbstwirksamkeit, Selbstreflexion, Empathie, Anerkennungspädagogik, Machtverhältnisse, Dialogfähigkeit, Anerkennungsskulptur, Selbstanerkennung, Identitätsbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Anerkennungsverhältnisse in der Erwachsenenbildung professionell gestaltet werden können, um die Identitätsentwicklung und Lernprozesse zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Anerkennungstheorien, der emotionalen Kompetenz, der Gesprächs- und Kommunikationsfähigkeit sowie der pädagogischen Beziehungsgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die wesentlichen Kompetenzen für Lehrende zu identifizieren, die eine gelingende Anerkennungskultur im erwachsenenpädagogischen Kontext ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Masterarbeit, die durch fundierte Literaturrecherche relevante pädagogische und philosophische Ansätze verknüpft und auf die Praxis der Erwachsenenbildung überträgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Anerkennung, definiert emotionale und kommunikative Kompetenzen und überträgt diese in praktische Handlungskonzepte wie die 'Anerkennungsskulptur'.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Anerkennung, emotionale Kompetenz, Intersubjektivität, Beziehungsdidaktik und Selbstreflexion.
Was versteht der Autor unter der 'Anerkennungsskulptur'?
Dies ist ein Modellkonzept für einen intersubjektiven Resonanzraum, in dem Lernende und Lehrende durch wechselseitige Interaktion Anerkennung aushandeln und ihre jeweilige Identität stabilisieren.
Welche Rolle spielt die 'emotionale Achtsamkeit'?
Emotionale Achtsamkeit dient als reflexives Werkzeug für Lehrende, um die eigenen Gewissheiten zu erschüttern und das 'Echo' der Lernenden aufmerksamer wahrzunehmen.
- Arbeit zitieren
- Andrea Pierus (Autor:in), 2018, Anerkennung in der Erwachsenenbildung. Emotionale Kompetenz und Kommunikationskompetenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443730