Wie ein Geschäftsmodell aus dem Kulturbereich die Ökonomie einer Stadt verwandelt. Das Guggenheim Museum in Bilbao


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bilbao
2.1. Ökonomie vor der Revitalisierung
2.2. Planung eines Kulturzentrums
2.2.1 Standort
2.2.2 Wettbewerb

3. Solomon R. Guggenheim Foundation
3.1. Geschichte und Geschäftsmodell der Solomon R. Guggenheim Foundation
3.2. Das Guggenheim Bilbao – genauere Betrachtung des Geschäftsmodells

4. Kritiken und Ängste – wie sich die Ökonomie tatsächlich gewendet hat

1. Einleitung

2017 jährte sich zum zwanzigsten Mal die Eröffnung eines Museums, welches wohl maßgeblich für die Verwandlung der Ökonomie einer ganzen Stadt verantwortlich ist. Die Rede ist vom Guggenheim Museum in Bilbao. Als Teil eines Revitalisierungskonzeptes, welches die Wirtschaft der Stadt Bilbao wiederbeleben sollte, stand es in der Bauphase stark unter Kritik. In dieser Arbeit soll herausgearbeitet werden, inwiefern dieses Revitalisierungsprojekt die Ökonomie tatsächlich gewandelt hat. Hierzu soll im ersten Schritt die wirtschaftliche Lage Bilbaos vor dem Museumsbau betrachtet werden, sowie das daraus resultierende Revitalisierungskonzept der Stadt vorgestellt werden. Außerdem soll näher auf die Solomon R. Guggenheim Foundation und deren Geschäftsmodell eingegangen werden, wie explizit dieses am Wandel der Ökonomie gewirkt hat und ob der Begriff „Franchise“ an dieser Stelle passend ist.

Auch werden Kritiken und Ängste der damaligen Zeit mit dem heutigen tatsächlichen Ergebnis der Revitalisierung betrachtet. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, anhand der vorliegenden Revitalisierungsergebnisse sowohl Vor- als auch Nachteile eines kommerziellen Kunstbetriebes herauszuarbeiten.

2. Bilbao

2.1. Ökonomie vor der Revitalisierung

Alles Andere als einfach ist es, Informationen zur Geschichte der Stadt Bilbao vor dem ausschlaggebenden Museumsbau heranzuziehen. Obwohl es das Guggenheim Museum erst seit rund zwanzig Jahren gibt, die Stadt jedoch schon seit 1300 als eine solche existiert[1], scheint es gerade zu, als wäre die lange Zeit zwischen diesen beiden Ereignissen nicht erwähnenswert. Alle Recherchen zu Bilbao führen unweigerlich zum Guggenheim Museum. Dabei glänzte Bilbao einst nicht durch seine kulturellen Fähigkeiten, sondern durch seine vorteilhafte Lage an der Flussmündung „Ria de Bilbao“, welche die im Baskenland liegende Stadt zu einer der wichtigsten Hafenstädte Spaniens machte. Auch die Gewinnung von Eisen in der Umgebung machte sie zur reichsten Industriestadt des Baskenlandes. Als die Schwerindustrie jedoch in den 1970er Jahren zu Grunde geht, verliert die Stadt ihren Stellenwert. Die daraus folgende Arbeitslosigkeit, sowie die terroristischen Unabhängigkeitsbestrebungen der baskischen Separatistengruppe ETA sorgen für den Untergang der einstigen Industriestadt.[2] Folge waren enorme brachliegende Industrieflächen und eine vergessene Stadt fernab von jeglicher Touristik.

2.2. Planung eines Kulturzentrums

Um dieser Entwicklung entgegen zu treten, entschließt sich die baskische Regierung in den 1980er Jahren dazu, ein Konzept zur Revitalisierung der Stadt zu erstellen. Im Vordergrund standen hierbei „die Städtische und ökologische Regeneration, bessere Erreichbarkeit von außen und höhere Mobilität in der Stadt, technologische- und personelle Mittel und die Entwicklung eines kulturellen Zentrums für die Region“[3]. Die Planung dieses Kulturzentrums soll im Folgenden näher betrachtet werden.

2.2.1 Standort

Zunächst wurde ein Museum für internationale Kunst in dem ehemaligen Lagerhaus „Alhóndiga“ geplant. Bereits jetzt wurde über einen internationalen Kooperationspartner beraten, da es an einer eigenen Sammlung an Kunstwerken mangelte. Es entstehen erste Kontakte zu dem Direktor der Salomon R. Guggenheim Foundation, Thomas Krens. Im Jahr 1991 wird dieser gerufen um den geplanten Standort im Alhóndiga zu begutachten. Diese Lagerhalle, welche sich ins Stadtbild optimal eingliedert, sollte im Inneren weitestgehend als Ausstellungsfläche erhalten bleiben – von außen jedoch einen „großflächigen Umbau mit großflächigen Fensterflächen“ erfahren.[4] Beratend zieht sich Thomas Krens den Architekten Frank O. Gehry zur Seite. Beide raten den Verantwortlichen dazu, einen anderen Standort für das geplante Museum zu finden, da Sie die Räumlichkeiten zum einen nicht für optimal befanden und zum anderen die Fassade dieses historischen Gebäudes nicht durch den geplanten Umbau zerstören wollten.[5] Alternativ schlagen Gehry und Krens einen neuen Museumsbau auf dem alten Hafengelände der Stadt vor. Da es sich hierbei um eine bisher nicht genutzte Brachfläche handelte, es über eie grundsätzlich optimale Zugänglichkeit, sowie die Nähe zu den drei wichtigsten Kultureinrichtungen der Stadt – dem Museo de Bellas Artes, der Universität und dem Opernhaus „Teatro Arriaga“ – verfügt, bieten sich in diesem Gelände viele Vorteile für die Errichtung eines Kulturzentrums für Bilbao. Da sich das Gelände bisher durch Schienen von der Stadt abgegrenzt hatte, sollte es eine umfassende Neugestaltung durch verschiedene Projekte erfahren, mit dem Ziel, sich zu einem neuen Tor zur Stadt zu wandeln. Geplant wurde eine neue Metrostation, um das Gelände der Stadt anzugliedern, eine umfangreiche Begrünung durch Cesar Pelli, sowie die Ausstattung mit Appartements und Geschäften.[6]

2.2.2 Wettbewerb

Nach der Festlegung des Standortes, wurde nun der passende Architekt für das Projekt gesucht. Hierzu wurde ein geschlossener Wettbewerb, mit nur drei internationalen Teilnehmern veranstaltet. Diese kamen aus Asien, Europa und Amerika. Aus Japan tritt Arata Isozaki an, aus Europa das Architektenteam „Coop Himmelblau“, bestehend aus Wolf D. Prix und Helmut Swiczinsky, sowie aus Amerika Frank O. Gehry, welcher wie oben beschrieben bereits am Projekt beteiligt war.

Im Vordergrund des Wettbewerbs stand „der Gesamteindruck und die Vision“ des Architekten, weshalb die Wettbewerbsauflagen gering ausfielen: Die Hauptverkehrsbrücke „Puente de la Salve“, sowie die nördliche Uferstraße „Muelle de Evaristo“ sollten mit einbezogen werden, sowie der optische Eindruck und die Verbindung zum Stadtbild der umliegenden Gebäude erhalten bleiben. Des Weiteren sollte die Verwaltung und Organisation des Museums im New Yorker Stammhaus der Guggenheim Foundation stattfinden und dem entsprechend der Fokus des Architekten auf dem Ausstellungsgebäude liegen.[7] [8] Ziel war es „ein Gebäude zu finden, das mehr als nur die Summe seiner Teile sein würde und das eine starke symbolische Identität aufweise, so dass die Menschen den Bau um seiner selbst willen sehen sollen, ohne deswegen die darin präsentierte Kunstwerke zu vernachlässigen.“[9]

Die am 20. Juli 1991 in Frankfurt erstmals veröffentlichten Entwürfe gestalteten sich folgendermaßen: Arata Isozaki reicht einen Bau in Form einer mehrstöckigen Ellipse ein. Diese orientiert sich in der Form einer mehrstöckigen Ellipse am Guggenheim Museum in New York und gliedert sich nur schwer in die Umgebung ein. Coop Himmelblau präsentiert einen geradlinigen Bau, bestehend aus mehreren kubischen Gebäuden, welche die Gegebenheiten der Industriefläche mit einbeziehen, indem zum Beispiel die alte Fabrik mit deren Schornstein ein Teil des Entwurfs war. Der Gewinnerentwurf kam letztlich jedoch von Frank O. Gehry. Auch sein Gebäude fasst die Umgebung optimal auf und sticht dabei in seiner Einzigartigkeit, wie es die Wettbewerbsmacher nach dem Vorbild des Sydney Opera House haben wollten, besonders heraus. Gehry überzeugt hierbei durch verschiedene Aspekte, wie zum Beispiel den Einsatz lokaltypischer Materialien, wie Mörtel und Stahl.[10]

3. Solomon R. Guggenheim Foundation

Mit dem abgeschlossenen Wettbewerb, steht nun also der Architekt für das Projekt „Kulturzentrum für Bilbao“ fest. Im Folgenden soll nun jedoch noch die Solomon R. Guggenheim Foundation und deren Geschäftsmodell, welches hinter dem Projekt stehen wird, näher beleuchtet werden. Diesem Geschäftsmodell wird teilweise die Form eines Franchise Unternehmens nachgesagt. Ob sich dieser Begriff tatsächlich auf die Solomon R. Guggenheim Foundation und somit auch auf die „Filiale“ in Bilbao anwenden lässt, soll in den folgenden Absätzen ebenso beleuchtet werden.

3.1. Geschichte und Geschäftsmodell der Solomon R. Guggenheim Foundation

Um das Geschäftsmodell der Solomon R. Guggenheim Foundation nach zu vollziehen ist es sinnvoll zuvor die Geschichte dieser Stiftung zu beleuchten.

Entsprungen ist sie aus der spät begonnenen Sammlung des bereits 66-jährigen US-amerikanischen Industrie-Millionärs Solomon R. Guggenheim. 1929 beginnt dieser mit der Hilfe der deutschen Künstlerin Hilla Rebay moderne Kunstwerke, so zum Beispiel von Wassily Kandinsky, Marc Chagall oder Paul Klee, zu sammeln. Seine Sammlung installiert Guggenheim erstmals in seinem privaten Appartement im Plaza Hotel in New York City und macht diese auch teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich. 1937 wird die Solomon R. Guggenheim Foundation, mit Solomon Guggenheim als Präsident und Hilla Rebay als dessen Vertraute und Kuratorin, gegründet. 1939 wird das erste kleine Museum gegründet um die Sammlung zur Schau zu stellen. Das „Museum of non-object painting“ wird in einem alten Autohaus in New York City der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zwischenzeitlich, 1938, eröffnet Solomon R. Guggenheims Nichte Peggy Guggenheim eine kommerzielle Kunstgalerie in London und baut sich ebenfalls eine eigene Kunstsammlung, bestehend aus surrealistischer und abstrakter Kunst, auf. 1942 eröffnet sie eine weitere Galerie in New York City. 1943 wird der Architekt Frank Lloyd-Wright damit beauftragt, einen neuen Museumsbau für die Guggenheim Foundation zu entwerfen. Dieser wird im Jahr 1952 fertiggestellt und findet durch sein außergewöhnliches Design, sowohl viele Bewunderer, als auch Kritiker. Darauf soll in dieser Arbeit jedoch später eingegangen werden. Von 1961 bis 1988 übernimmt Thomas M. Messer die Direktion des Museums – ab 1980 auch die der Foundation. Unter seiner Leitung expandiert die Sammlung stark und das Guggenheim Museum etabliert sich als weltbekannte Institution. 1976 wird die Sammlung um die der Peggy Guggenheim bereichert. Auch den Palazzo, den Peggy Guggenheim zwischenzeitlich für ihre Sammlung eingerichtet hatte, schenkt sie der Solomon R. Guggenheim Foundation. Nach Peggys Tod 1979 bezieht die Foundation diesen Palazzo. Thomas M. Messer wird nun auch noch Direktor der dortigen sogenannten „Peggy Guggenheim Collection“. Somit entstand die erste „Filiale“[11] des Guggenheim Museums. 1980 wird diese der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der bereits erwähnte Thomas Krens übernimmt die Direktion der Foundation im Jahr 1988.[12]

[...]


[1] http://baskultur.info/reisen/urban/242-bilbao, abgerufen am 29.08.2019

[2] Nina Körbe, 2010, S. 11

[3] Nina Körbe, 2010, S. 11

[4] Nina Körbe, 2010, S. 12f

[5] Nina Körbe, 2010, S. 13

[6] Nina Körbe, 2010, S. 13

[7] Nina Körbe, 2010, S. 14 f

[8] Van Bruggen, Coosje: Frank O. Gehry. Guggenheim Museum Bilbao, Ostfildern-Ruit 1997, S. 28

[9] Van Bruggen, Coosje: Frank O. Gehry. Guggenheim Museum Bilbao, Ostfildern-Ruit 1997, S. 28

[10] Nina Körbe, 2010, S. 15f

[11] Ob der Begriff Filiale passend ist, soll an anderer Stelle noch geklärt werden.

[12] Solomon R. Guggenheim Foundation Timeline, abgerufen auf: https://www.guggenheim.org/history/foundation am 19.09.2018

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Wie ein Geschäftsmodell aus dem Kulturbereich die Ökonomie einer Stadt verwandelt. Das Guggenheim Museum in Bilbao
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Museum, Konzertsaal und Opernhaus – Kulturgebäude als spektakuläre Landmarken der Globalisierung
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V444122
ISBN (eBook)
9783668816404
ISBN (Buch)
9783668816411
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunstgeschichte, Architektur, Bilbao, Guggenheim, Museum, Marke, Markenarchitektur, Franchise, Geschäftsmodell, Thomas Krens, Foundation, New York, Spanien, Baskenland, Kunst, Sammlung
Arbeit zitieren
Vanessa Zmudzinski (Autor), 2018, Wie ein Geschäftsmodell aus dem Kulturbereich die Ökonomie einer Stadt verwandelt. Das Guggenheim Museum in Bilbao, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444122

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