Die Entstehung und Entwicklung von Anglizismen in der deutschen Sprache


Hausarbeit, 2018
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Ursprung von Anglizismen in der deutschen Sprache

2. Anglizismen: Definitionen
2.1. Vor 1945: Britische Anglizismen
2.2. Nach 1945: Amerikanische Anglizismen
2.3. Klassifikationen
2.3.1 Lexikalisch
2.3.2 Morphologisch
2.3.3 Phonetisch
2.3.4 Pragmatisch
2.4. Lehnwörter
2.4.1 Lehnschöpfung, Lehnwendung
2.4.2 Scheinentlehnung, Lehnübersetzung, Lehnübertragung
2.4.3 Lehnbedeutung, Doppelentlehnung
2.5. Anglizismus in der deutschen Sprache
2.6. Anglizismen - Bereiche des Einflusses
2.6.1 Die unterschiedlichen Anwendungsgebiete von Anglizismen

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Der Ursprung von Anglizismen in der deutschen Sprache

Die Entwicklung von Anglizismen in der deutschen Sprache ist ein faszinierender und umstrittener Vorgang von Sprachwandelprozessen über die letzten Jahrhunderte. Die Frage nach dem Ursprung und der weiteren Entwicklung der englischen Entlehnungen ist eine zum Teil vielfach belegte Thematik, die über die Jahre hinweg zu vielen unterschiedlichen Diskussionen über die Vor- und Nachteile des englischen Einflusses auf die deutsche Sprache geführt hat. Dabei spielt vor allem die Integration der englischen Entlehnungen in die deutsche Sprache eine wichtige Rolle, aber auch der Kampf gegen die Eingliederung der Fremdwörter hat einen ausschlaggebenden Effekt darauf. Die fehlende Dokumentation in den letzten Jahrhunderten erschwert es der Forschung zudem genau festzulegen, wie Anglizismen tatsächlich entlehnt werden. Aufgrund dessen wird eine Klassifikation der Entlehnungen versucht, die sich auf die unterschiedlichen Bereiche der Sprachwissenschaft wie Morphologie, Phonologie, Phonetik und Pragmatik bezieht. Jedoch ist die Art der Einteilung ziemlich unübersichtlich auf Grund der fehlenden Dokumentation über die Entlehnungen, weshalb eine Gliederung in Lehnwörter entwickelt worden ist. Die Gliederung nach den unterschiedlichen Arten von Lehnwörtern beurteilt die entlehnten Begriffe nach Grad der Übersetzung und Integration und bietet so einen anschaulicheren Überblick über die Eingliederung der Entlehnungen in die deutsche Sprache.

Inwiefern Anglizismen in die deutsche Sprache integriert und wie die englischen Entlehnungen aufgenommen werden, sind Fragestellungen, mit denen ich mich in dieser Arbeit auseinandersetzen werde. Dabei werde ich vor allem auf die Entwicklung der britischen und amerikanischen Anglizismen eingehen und ergründen, warum die Einteilung in Lehnwörter vorteilhafter ist für die Dokumentation englischer Entlehnungen. Darüber hinaus wird die historische Entwicklung von Fremdwörtern eine wichtige Rolle spielen im Versuch, die englische Sprache als Weltsprache zu konzipieren, und ich werde ebenfalls die Gründe der Akzeptanz des englischen Einflusses betrachten. Letztlich werde ich genauer betrachten, warum und wie die Einwirkung von Anglizismen die englische Sprache zu einer Weltsprache macht.

2. Anglizismen: Definitionen

Anglizismen werden in verschiedenen Lexika unterschiedlich definiert, das Gleiche gilt für die Begriffe Fremdwort und Sprachwandel. Die divergenten Sinnbedeutungen der Ausdrücke liegen an den historischen Grundlagen, auf denen sie basieren. An der Geschichte der Sprache kann man vor allem deren konstanten Wandel beobachten und in wie vielen unterschiedlichen Arten und Weisen an die Ermittlung der Anglizismen herangegangen wurde. Das Metzler Lexikon Sprache bietet eine solide Grundlage für diese Termini. Es definiert Anglizismus wie folgt:

Lexikal., morpholog., graphem. oder syntakt., mehr oder weniger ins Dt. integrierte Entlehnung aus dem Engl.: […]. In zahlreichen Fach- und Sonderspr. setzt sich englischsprachige Terminologie durch (downloaden, upgraden u. a.). Die vielfältige Verwendung engl. und pseudoengl. Wörter im Alltag und v.a. in der Werbung (das sog. Denglisch) wird oft als ›übertrieben‹ und lächerlich empfunden (z. B. McClean als Bezeichnung für die Bahnhofstoiletten). Der Unmut darüber führte zur Gründung des Vereins deutsche Sprache (Rödel 2016: 42).

Anglizismen sind demnach Ausdrücke, die aus dem Englischen entlehnt und in den deutschen Sprachgebrauch integriert werden. Dennoch können und werden englische Begriffe auch direkt übernommen, dies vor allem in Bereichen in denen eine Internationalität von Sprechpartnern vorherrscht, wie zum Beispiel in der Wissenschaft oder auch der Medizin. Peter von Polenz beschreibt Entlehnungen aus dem Englischen als einen wichtigen Vorgang der Sprachgeschichte, der „primär als modernster Teil der Internationalisierung europäischer Sprachen“ zu verstehen sei (Polenz 1999: 400). Internationalität bedeutet nicht das Aufgeben eigener sprachlicher Werte, sondern vielmehr die Möglichkeit einer Integrierung von verschiedenen Kulturen und Sprachen in die Eigene. Durch die verschiedenen Einflüsse der Sprachen, nicht nur des Englischen, entstehen Varietäten: „Die deutsche Sprache wird somit als System von Systemen, […], als System von Varietäten aufgefaßt.“ (Schippan 2002: 11). Diese Varietäten ermöglichen internationale Kommunikation.

Die Implementierung von Fremdwörtern in die deutsche Sprache gestaltet sich historisch betrachtet schwierig und auch hier bieten verschiedene Lexika unterschiedliche Definitionen, was ein Fremdwort ist. Das Metzler Lexikon Sprache definiert Fremdwörter wie folgt:

Lexikal. Entlehnung aus einer fremden Spr., die nicht oder nur sehr gering in das phonolog., morpholog. und graphemat. System der Nehmersprache integriert ist. F. gelten (im Dt.) zumeist als akzeptiert, wenn sie einer Fachsprache zuzurechnen sind. Insbes. Latinismen und Gräzismen werden als ›gebildete‹ Ausdrucksweisen geschätzt. Dagegen werden alltags sprachl. F. (z. B. aus dem Engl., Anglizismus) seit einigen Jahren wieder stärker negativ belegt, da sie in den Augen mancher das Deutsche ›überfremden‹, lächerlich wirken oder nicht verständlich sind; Denglisch, Fremdwortdiskussion, Verein deutsche Sprache, im Verz. der Institutionen (Rödel 2016: 211).

Die Integrierung der Fremdwörter ist demnach von einer großen Bedeutung, denn wenn das fremde Wort nicht von Sprechern akzeptiert und genutzt wird, kann es nicht in den sprachlichen Gebrauchsalltag implementiert werden. Die kontinuierliche Verwendung der Entlehnungen ist essenziell, wenn dies nicht geschieht, kann man nicht von Entlehnung als Sprachwandel sprechen (Vgl. Polenz 2000: 42 f.).

Ohne Sprachwandel stagniert die Sprache und entwickelt sich nicht weiter. In der deutschen Sprachgeschichte kann man verschiedene Sprachwandlungsprozesse verfolgen, letztlich haben all diese Prozesse ein Ziel und zwar die bessere Integrierung der Sprache in den Alltag und die Vereinfachung der Nutzung. Die Veränderungen innerhalb der Sprache, sei es pragmatisch, phonologisch, morphologisch oder syntaktisch, werden als Sprachwandel bezeichnet (Vgl. Rödel 2016: 211): „Sprachwandel besteht zum größten Teil […] im Bedeutungswandel von bereits vorhandenen Wörtern und Wortverbindungen“ (Polenz 2000: 45). Diese Zusammenarbeit von neu entstehenden Wörtern und neuen Wortverbindungen mit bereits vorhandenem Material entwickelt die Sprache weiter.

Ebenfalls sind Sprechbeziehungen zwischen verschiedensprachigen Sprechern und dem damit einhergehenden Kulturaustausch ein großer Teil der Beeinflussung und Entlehnung der Sprache. Diese entstanden vermehrt durch historische Ereignisse wie zum Beispiel der industriellen Revolution oder dem Ersten und Zweiten Weltkrieg (Vgl. Schippan 2002: 261). Demnach ist die Integrierung der Anglizismen und deren Entlehnungen ein natürlicher Prozess der Sprachentwicklung, der durch historische Ereignisse begünstigt wurde.

2.1. Vor 1945: Britische Anglizismen

Spracheinfluss in der deutschen Sprache existiert bereits schon im Mittelalter (Vgl. Besch 2004: 3317). Während zu dieser Zeit der Einfluss vor allem aus dem Lateinischen stammt, entwickelt es sich in den folgenden Jahrhunderten vom Französischen zum Englischen. Der lateinische Spracheinfluss stammt weitestgehend von der Kirchensprache ab, da Gelehrte diese Sprache nutzten.

Dennoch existieren bereits im frühen Mittelalter vereinzelt Wörter aus dem Englischen. „Dazu gehören ahd. gotspell nach ags. g ō dspell ‘gute Botschaft, Evangelium‘ und der heilago geist nach s ē h ā lga g ā st “ (Besch 2004: 3317). Einzelne andere englische Lehnwörter kommen aus der Seefahrt, dies aber vorwiegend im Spätmittelalter (Besch 2004: 3317). „Der kulturelle und sprachliche Austausch zwischen Großbritannien und Deutschland“ beginnt dennoch weitaus früher (Busse 2011: 18):

Er beginnt auf der englischen Seite mit der Landnahme der angelsächsischen Stämme im 5. Jahrhundert n. Chr. und auf der deutschen Seite mit der anglo-irischen Mission durch Bonifatius im 8. Jahrhundert (Busse 2011: 18).

Aber auch in diesen Jahrhunderten ist der Austausch geistlich-kulturell ausgelegt, wodurch Latein als Sprache immer noch von Bedeutung ist. Politische Begriffe werden ab dem 17. Jahrhundert vermehrt in übersetzter oder direkter Form in Deutschland übernommen (Vgl. Besch 2004: 3317). Das 18. Jahrhundert ist geprägt von literarischen Ausdrücken, die durch die Beziehung zwischen Deutschland und England vermehrt ins Deutsche übernommen werden. Durch die zunehmenden Ausdrücke geistlich-kultureller Gebiete spricht man von einem ersten richtigen Zuwachs an englischen Ausdrücken in die deutsche Sprache (Vgl. Besch 2004: 3318). Die Einwirkung englischer Ausdrücke ist bis zu diesem Zeitpunkt dokumentiert, aber durch den vermehrten Einfluss in den Jahren danach wird die Dokumentation über den Einfluss der Entlehnungen im Deutschen erschwert und ist nahezu unmöglich festzuhalten:

Für das 20. Jh. eine solche Darstellung zu erwarten, ist vollkommen illusorisch: der engl. lexikale und semantische Einfluß hat derartige Dimensionen angenommen, die eine vollständige und zuverlässige Dokumentation unmöglich machen (Besch 2004: 3320).

Englische Ausdrücke existieren in so vielen unterschiedlichen Bereichen des Alltags, dass eine komplette Dokumentation unmöglich ist. Es ist also nicht verwunderlich, dass selbst der Versuch einer Aufzeichnung nicht durchführbar ist. Trotz des bereits schon existierenden englischen Spracheinflusses ist Französisch neben Deutsch im 18. Jahrhundert die Zweitsprache, „zumal der Hochadel dem akademischen Latein von jeher und zunehmend ferner stand und sich modernisierende deutsche Gelehrte seit Thomasius mehr dem internationalen Französisch zuwandten“ (Polenz 2013: 63). Französisch gilt zu diesem Zeitpunkt als die Sprache der barocken Hofkultur und wird bevorzugt genutzt. Der dadurch entstandene Einfluss des Französischen führt in Deutschland zu „einer komplementären Dreisprachigkeit“ in der Sprachkultur (Polenz 2013: 63).

In den folgenden Jahrhunderten entwickelt sich „das bildungsbürgerliche Deutsch nach Vorbild des Stils der Weimarer Klassik“, wodurch die Entlehnungen und der damit eingehende Einfluss des Französischen zurückgehen (Polenz 1999: 6). Stattdessen wird in allen Bereichen des öffentlichen Lebens Deutsch als Standardsprache genutzt. Wenn Entlehnungen nichstdestoweniger aus dem Englischen übernommen worden sind, werden sie verstärkt graphemisch integriert, dies geschieht vermehrt im 19. Jahrhundert bis hin in die 1930er Jahre (Vgl. Polenz 1999: 253). Primär hat die Industrielle Revolution einen starken Einfluss auf den Sprach- und Kulturkontakt zwischen Großbritannien und Deutschland:

Viele Wortentlehnungen sind zugleich Sachentlehnungen und dokumentieren Englands führende Rolle auf wirtschaftlichen Gebiet, insbesondere in den Bereichen Eisenbahnwesen, Schiffbau, Stahlproduktion und Textilindustrie (Busse 2011: 19).

Diese prävalente Position Großbritanniens führt zur vermehrten Nutzung und Einführung englischer Begriffe in Deutschland. Der neu eingeführte englische Wortschatz wird vorwiegend im Bereich der Sportwelt genutzt, eigens in der „Fußballsprache, die zum großen Teil ihren Ursprung in England hatte“ (Busse 2011: 20). Der Lehneinfluss wird in der Gesellschaft, als auch in der Freizeit populärer und darüber hinaus wird Englisch in der Schule zur ersten Fremdsprache gemacht (Vgl. Polenz 1999: 7).

2.2. Nach 1945: Amerikanische Anglizismen

Das 20. Jahrhundert lässt sich nach Besch in drei Perioden der Entlehnung unterteilen: „die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg, die Zwischenkriegszeit und die Zeit nach 1945“ (Besch 2004: 3319). Der Einfluss amerikanischer Anglizismen entsteht vorwiegend durch den Sprachkontakt zwischen Amerikanern und Deutschen während der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs. „Zum einen kann dies als politische Reaktion gegen den Nationalismus und Isolationismus aufgefasst werden, zum anderen spielt hierbei die Besatzungszeit in Westdeutschland nach 1945 eine Rolle (Kupper 2007: 49).

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Details

Titel
Die Entstehung und Entwicklung von Anglizismen in der deutschen Sprache
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Germanistik)
Veranstaltung
Sprachgeschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V444212
ISBN (eBook)
9783668816466
ISBN (Buch)
9783668816473
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache, Englisch, Deutsch, Anglizismen, Linguistik, Weltsprache, Morphologie, Sprachwissenschaft, Phonetik
Arbeit zitieren
Jasmin Biesenroth (Autor), 2018, Die Entstehung und Entwicklung von Anglizismen in der deutschen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444212

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