Die Münchener Stadtbefestigungsringe. Die Rolle der mittelalterlichen Stadtmauern in München


Hausarbeit, 2011
17 Seiten, Note: 2,13

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bauliche Beschaffenheit der Stadtmauern Münchens
2.1 Die erste Stadtmauer
2.1.1 Beschaffenheit
2.1.2 Standort
2.2 Die zweite Stadtmauer
2.2.1 Beschaffenheit
2.2.2 Hohe Beständigkeit
2.3 Der Zwingerbau

3. Herrschaftsverhältnisse in den Zeiten des Mauerbaus
3.1 Stadtgründung unter Heinrich dem Löwen
3.2 München unter den Freisinger Bischöfen
3.3 Pfalzgraf Otto I. als erster Wittelsbacher Herrscher
3.4 Ludwig der Strenge setzt Grundstein für zweite Stadtmauer
3.5 Beschluss zum Zwingerbau durch Bayerische Herzöge

4. Stadt und Mauer im Zusammenspiel
4.1 Vorgesehener Schutz
4.2 Strenge Plandurchführung
4.2.1 Ausmaße der Stadterweiterung
4.2.2 Langer Bestand des Erweiterungsgebietes
4.3 Bürgertum
4.3.1 Erhalt der Mauer als wichtiger Bestandteil des Stadtlebens
4.3.2 Heranziehen der Bürger zu Bau und Finanzierung
4.3.3 Finanzierung des Zwingerbaus als Belastung

5. Auswirkungen der Mauern auf das Münchener Stadtbild
5.1 Unterstützung der Herzöge
5.2 Beitrag der Mauern zum Ansehen der Stadt
5.3 Stadtmauern als Aushängeschild Münchens

6. Die Stellung der mittelalterlichen Stadtbefestigung in der Stadtgeschichte Münchens

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Freimut Scholz nutzt in seinem Text „Vom Marktflecken zur Residenzstadt 1158 – 1800“[1] die Bauzeiten der Münchner Stadtbefestigungsringe als Anhaltspunkte für eine zeitliche Unterteilung der frühen Entwicklung der Stadt München.

Die ersten 600 Jahre Stadtgeschichte bis in die Neuzeit hinein lassen sich seiner Meinung nach in drei Schritten zusammenfassen, die sich alle an der baulichen Entstehung und Weiterführung der Mauerringe orientieren. Den ersten Abschnitt bilde dabei die Gründung der Stadt 1158 bis zum Bau der ersten Stadtmauer. Die Erweiterung der Stadtfläche bis zur weitgefassten Vergrößerung durch den Bau der zweiten Stadtmauer im 13. und 14. Jahrhundert, bestimme den zweiten Zeitabschnitt der Geschichte Münchens. Die Ausdehnung zur Residenzstadt, die schon nicht mehr im Mittelalter, sondern in der frühen Neuzeit stattfand, mache den dritten zeitlichen Rahmen des Wachstums Münchens aus.[2]

Durch die Ausrichtung dieser Einteilung anhand der Münchner Stadtbefestigungen stellen diese also einen wichtigen Bestandteil der Wachstumsentwicklung der Stadt dar.

Offen bleibt dabei, welche Rolle die ersten Stadtmauern Münchens im mittelalterlichen Stadtleben spielten und inwiefern sie das Stadtbild beeinflussten. Um dies heraus zu arbeiten soll in der folgenden Arbeit der geschichtliche Hintergrund in Form der Herrschaftsverhältnisse betrachtet werden, sowie deren Einflussnahme auf die Stadt. Zudem sollen das Wirken zwischen Stadt und Mauer im Zusammenspiel vorgestellt werden und damit die Bedeutung der Stadtbefestigung für Bürger und Stadtbild dargelegt werden.

Ausgerichtet sind die Ergebnisse hauptsächlich an den Forschungsständen von Freimut Scholz[3] und Fridolin Solleder[4]. Der „Chronik der Stadt München“ von Helmuth Stahleder[5] und Michael Schattenhofers Bericht „Im Spiegel der Jahrhunderte“[6] wurden einige Quellen entnommen und analysiert.

2. Bauliche Beschaffenheit der Stadtmauern Münchens

Um anhand der Mauer die erarbeiteten Ergebnisse vorstellen zu können, sollen zuerst die Mauern an sich in ihrer physischen Erscheinung beschrieben werden. Solleder stellt in seinem Werk „München im Mittelalter“ die bauliche Zusammensetzung und die Standorte der im Zeitrahmen des Mittelalters erbauten Mauern anschaulich dar.[7] Den Rahmen für die gesamte Thematik soll nun die bauliche Beschaffenheit der Stadtbefestigungen geben.

2.1 Die erste Stadtmauer

Dabei ist klar überliefert aus welchen Bestandteilen die erste Münchner Stadtmauer zusammengesetzt war. Zu welchem Zeitpunkt sie erbaut wurde, ist in der Forschung allerdings noch umstritten. Am wahrscheinlichsten ist laut Scholz, dass schon unter Stadtgründer Heinrich dem Löwen die erste Stadtbefestigung errichtet wurde. Bewiesen sei dies dadurch, dass archäologische Funde von Backsteinen den Bauvorgang der Backsteintechnik in München nachweisen, die auch schon beim Dom von Ratzeburg und beim Dom von Lübeck angewandt wurde. Bei beiden agierte Heinrich der Löwe vorher als Schirmherr.[8] Somit ist ein Zusammenhang geschlossen, der als Beleg für die Theorie überzeugte, dass München schon in seinen jüngsten Jahren eine Stadtmauer besaß. Unterstützt wird diese Theorie noch von der Begebenheit, dass im Mittelalter eine Stadt ohne Stadtmauer Dorf geblieben wäre.[9] Für die Pläne von Heinrich war es jedoch erforderlich, dass München die Anerkennung als Stadt erhielt.

2.1.1 Beschaffenheit

Die verwendeten Backsteine wurden schließlich als zweischalige Ziegelmauer aufgebaut, was bedeutet, dass zwei Mauern in einem geringen Abstand voneinander parallel aufgezogen wurden. Der so entstehende Zwischenraum wurde mit einer Mischung aus Kies und Mörtel ausgegossen. Insgesamt hatte die Mauer nun eine Dicke von etwa 1,70 bis 2 Metern und war 5 bis 6 Meter hoch. Das flache Fundament für die Mauer bildete wiederum eine Kies-Mörtel-Mischung.

Die entstandene Mauer schloss einen Ring um die bis dahin bestehende Stadt und wird daher „Ringmauer“ genannt. 10 bis 15 Meter vor dem Mauerring verlief ein Wassergraben, der von den Stadtbächen bewässert wurde.

Durch fünf Tore konnte man in die Stadt gelangen: Das hintere Schwabinger Tor, im Nordwesten der Stadt, das Vordere Schwabinger Tor im Nordosten, das Talburgtor im Osten, das Innere Sendlinger Tor im Süden und das Kaufinger Tor im Westen der Stadt.[10]

2.1.2 Standort

Noch heute ist der Verlauf der Mauer um den ovalen Stadtkern an der Straßenführung der Münchener Innenstadt nachzuvollziehen. Beginnend vom südöstlichen Rand mit der Sparkassenstraße führte die Mauer am Viktualienmarkt, Rosental und Färbergraben entlang, über die Augustiner-, Schäffler- und Schrammerstraße und zurück an den Anfang über die Pfisterstraße.

Die ovale Form der ursprünglichen Stadt gab der terrassenförmige Abstieg zur Isar hin vor. Der Bereich, wo der älteste Stadtkern entstand wird auch heute noch „Altstadtterrasse“ genannt.[11]

Dieser Bereich reichte schon bald für die schnell wachsende Bevölkerung der Stadt nicht mehr aus.[12] Zudem sollten entstandene Vororte und das bebaute Gelände rings um die Stadt in den Schutz der Stadtmauer mit einbezogen werden.[13] Anfang des 13. Jahrhunderts ließ Herzog Ludwig I. die erste Stadtmauer abreißen[14] und legte mit dem Bau der zweiten Befestigungsmauer die großzügige Erweiterung der Stadtfläche fest.

2.2 Die zweite Stadtmauer

Ausschlaggebender Punkt für die Stadterweiterung war die Teilung der Peterspfarrei 1271. Wegen der starken Bevölkerungszunahme wurde im nördlichen Stadtteil die Frauenpfarrei eingerichtet. Dieser Beschluss gilt laut Schattenhofer als Anstoß dafür, den entstehenden Umbruch zu nutzen und zur Stadtvergrößerung auszudehnen.[15] 1285 wurde mit dem Bau der zweiten Stadtbefestigung begonnen.[16]

2.2.1 Beschaffenheit

Auch diese Mauer wurde als zweischalige Ziegelmauer errichtet. Mit 8 bis 10 Metern war sie etwas höher als die erste Stadtmauer, die Breite war mit etwa 2 Metern beibehalten. Das Fundament bildete hierbei eine Fläche aus Tuffsteinquadern, die zusätzlich durch einen circa 1 Meter hohen Erdwall verstärkt war, auf dem sich schließlich die Mauer emporhob. Eine weitere Neuerung war der hölzerne Wehrgang, der an der Innenseite der Mauer entlanglief.

Auch die zweite Mauer war eine in sich geschlossene Ringmauer, umgeben von einem parallel verlaufenden Wassergraben.

Vier Tore verbanden die Stadt mit dem Umland: Das Isartor im Osten, das Sendlinger Tor im Süden, das Neuhauser Tor im Westen und das Schwabinger Tor im Norden.[17]

Die neue Mauer folgte dem Verlauf der alten größtenteils in einem Abstand von 400 Metern und ist an den Grenzen der heutigen Altstadt nachzuvollziehen.[18]

2.2.2 Hohe Beständigkeit

Dass der Verlauf der zweiten Stadtmauer auch heute noch so genau nachzuvollziehen ist, liegt größtenteils daran, dass sich jene Befestigung fast ein halbes Jahrtausend in ihrer ursprünglichen Form hielt.[19] Ab ihrer Fertigstellung im Jahr 1337[20] betrieben die Münchener Bürger eine rege Pflege ihrer Mauer. Regelmäßig wurden Beschädigungen ausgebessert und für den Erhalt der Mauer wurde sorgfältig gearbeitet. Zum Beispiel wurden schwere Schäden durch Brände in den Jahren 1429 und 1434 sogleich repariert[21] auch wenn das zu jener Zeit durch den zeitgleich laufenden Bau eines

Zwingerbaus,[22] eine Doppelbelastung bedeutete.

Die Errichtung dieses Zwingerbaus direkt vor der Grenze des Mauerrings[23] unterstützte die Form der zweiten Stadtmauer andererseits.

2.3 Der Zwingerbau

Obwohl der Standort der zweiten Stadtmauer somit für mehrere Jahrhunderte die Fläche Münchens festlegte, reichte sie bald als alleiniger Schutz nicht mehr aus. Aus Angst vor den Einfällen der Hussiten begann im Jahr 1429 die Bauperiode eines sogenannten Zwingerbaus.[24] Nachdem in den Jahren 1443 bis 1445, während der Angriffe der französischen Armangnacs, der Bau mit Druck angetrieben wurde, konnte der Zwingerbau trotzdem erst 1472 fertig gestellt werden.[25]

Man begann beim dem Bau des neuen Zwingerbaus damit den parallel zur Stadtmauer verlaufende Graben aufzuschütten. An dessen Stelle wurde wiederum eine zweischalige Ziegelmauer aufgebaut. Mit einer Breite von 1 Meter und einer Höhe von ungefähr 5 Metern war sie insgesamt kleiner gehalten als die ursprüngliche Stadtmauer. Der Name „Zwingerbau“ kommt von dem 7 bis 9 Meter breiten zwischen den beiden Mauern entstehenden Zwischenraum, der wie ein Zwinger wirkte. Gefestigt war der Zwischenraum durch die Aufschüttung mit Erde und Schutt. Durchweg parallel vor dem Zwingerbau wurde zum wiederholten Male ein Wassergraben ausgehoben.[26]

Die Zwingermauer war durchgehend mit Mauertürmen durchsetzt und die Einlässe durch Tore waren an denen der zweiten Stadtmauer angepasst.[27]

Damit waren die mittelalterlichen Bauzeiten der drei unterschiedlichen Stadtbefestigungen beendet.

3. Herrschaftsverhältnisse in den Zeiten des Mauerbaus

Welche Herrscher fassten nun die Beschlüsse zu den Bauten und was gab den jeweiligen Anstoß dafür? Als die regierende Institution bestimmten die Herzöge Münchens nicht nur über die Notwendigkeit und die Durchführung des Baus der Stadtmauern, sondern mussten auch für die Finanzierung des teuren Mauerbaus sorgen. Die Herzöge trugen durch ihre initiierende Stellung maßgeblich zur Entwicklungsgeschichte der Befestigungen bei. Die breite Unterstützung, die München dabei von den Adeligen erhielt resultierte darin, dass sie die finanzielle Abwicklung München später als beliebte Investitionsmöglichkeit für Einfluss und Macht auftreten ließ.

[...]


[1] Scholz, Freimut: Vom Marktflecken zur Residenzstadt 1158 – 1800, in: Landeshauptstadt München (Hg.): München wie geplant. Die Entwicklung der Stadt von 1158 – 2008. München 2004, 19 – 35.

[2] Scholz, Freimut: München wie geplant, 17.

[3] Scholz, Freimut: Vom Marktflecken zur Residenzstadt 1158 – 1800, in: Landeshauptstadt München (Hg.): München wie geplant. Die Entwicklung der Stadt von 1158 – 2008. München 2004, 19 – 35 und

Scholz, Freimut: Die Gründung der Stadt München. Eine spektakuläre Geschichte auf dem Prüfstand, München 2007.

[4] Solleder, Fridolin: München im Mittelalter, München und Berlin 1938.

[5] Stahleder, Helmuth: Herzogs- und Bürgerstadt. Die Jahre 1157 – 1505 (Chronik der Stadt München, Band 1), München 1995.

[6] Schattenhofer, Michael: Im Spiegel der Jahrhunderte, in: Flügel, Rolf: Lebendiges München. 1158 – 1958. München 1958, 1-72.

[7] Solleder, Fridolin: München im Mittelalter, 358 – 360.

[8] Scholz, Freimut: Die Gründung der Stadt München, 46.

[9] Solleder, Fridolin: München im Mittelalter, 358

[10] Solleder, Fridolin: München im Mittelalter, 358.

[11] Solleder, Fridolin: München im Mittelalter, 358 und Hofmann, Friedrich H.: Stadtbefestigung a) Die erste Stadtbefestigung unter Heinrich dem Löwen b) Die zweite Stadtbefestigung unter Ludwig dem Bayern, in: Kunstverein München e.V. (Juli 1914): München im Bilde. Darstellungen des Münchner Stadtbildes vom Jahre 1493 bis zur Gegenwart, 9.

[12] Scholz, Freimut: München wie geplant, 22.

[13] Solleder, Fridolin: München im Mittelalter, 359.

[14] Schattenhofer, Michael: Im Spiegel der Jahrhunderte, 10.

[15] Schattenhofer, Michael: Im Spiegel der Jahrhunderte, 10.

[16] Solleder, Fridolin: München im Mittelalter, 360.

[17] Solleder, Fridolin: München im Mittelalter, 359.

[18] Vogt, Manfred: Rundgang durch das mittelalterliche München, München 1878, 22

[19] Scholz, Freimut: München wie geplant, 33

[20] Vogt, Manfred: Rundgang durch das mittelalterliche München, 22.

[21] Stahleder, Helmuth: Chronik der Stadt München, Band 1: „1429 Ende September: Auch die Stadtmauer war beim Großbrand beschädigt worden. Von der zweiten September-Hälfte an wird >> an der verprunnen rinckmawr<< gearbeitet.,“ 279 und „1434 vor Mai 16, Pfingstsonntag: Zur selben Zeit werden die ersten Reparaturarbeiten auf der Ringmauer durchgeführt, die >>in der Prunst<< entstanden waren.“ 298

[22] Solleder, Fridolin: München im Mittelalter, 360.

[23] Scholz, Freimut: München wie geplant, 22.

[24] Schattenhofer, Michael: Im Spiegel der Jahrhunderte, 14.

[25] Schattenhofer, Michael: Im Spiegel der Jahrhunderte, 14.

[26] Solleder, Fridolin: München im Mittelalter, 360.

[27] Hofmann, Friedrich H. Stadtbefestigung, 11.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Münchener Stadtbefestigungsringe. Die Rolle der mittelalterlichen Stadtmauern in München
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,13
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V444239
ISBN (eBook)
9783668823990
ISBN (Buch)
9783668824003
Sprache
Deutsch
Schlagworte
München, Stadtmauer, Mittelalter, Stadtbefestigung, Wachstum, Bevölkerung, Freimut Scholz
Arbeit zitieren
Lisa Hyna (Autor), 2011, Die Münchener Stadtbefestigungsringe. Die Rolle der mittelalterlichen Stadtmauern in München, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444239

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