Nirgendwo ist man noch sicher vor dem Trend des Pilgerns: Egal ob in sozialen Netzwerken, in Filmen wie „Ich bin dann mal weg “, oder einfach in der wöchentlichen Zeitung. Doch was steckt hinter diesem Pilgerboom?
Auch Ihnen könnte aufgefallen sein, wie schnelllebig und hektisch wir heutzutage leben; alles muss zügig gehen und effizient sein, Entspannung gilt nur als weiteres Mittel zum Zweck. Darunter leidet der Großteil an Menschen, was sich wiederum in den Krankenakten widerspiegelt. Rückenschmerzen beispielsweise sind ein weit verbreitetes Krankheitsbild unseres Zeitalters; sie belasten nicht, wie man erwarten könnte, ältere Menschen, sondern treten in immer jüngeren Alterskreisen auf. Nicht selten sind sie ein Signal des Körpers, ein Symptom psychosomatischer Einflüsse, welches oft missinterpretiert und nur oberflächlich behandelt wird. Viele Menschen lassen die Wichtigkeit des seelischen Wohlbefindens im Zusammenhang mit ihren extrinsischen Merkmalen außer Acht. Hier muss man anmerken, dass es für Betroffene keinesfalls leicht ist, die seelische Ursache des körperlichen Leidens auszumachen und zu therapieren, denn das erfordert Zeit und Geduld - beides Dinge die man nur selten übrig hat. Die Zeit in sich hineinzuhören oder seine Umwelt bewusst wahrzunehmen bringen nur die Wenigsten auf. Heutzutage ist es wichtiger sein Leben gut zu planen, schneller als die Konkurrenz zu sein und Erfolg zu haben – doch meistens sind es beengende gesellschaftliche Konventionen dieser Art, die uns die Kraft rauben und letzten Endes krank machen. Denn wer will schon ein Leben nach Drehbuch führen, gefangen in den Vorstellungen anderer? Schule, Beruf, Familie und dann sterben? Muss da nicht mehr sein, etwas größeres, dass allem Sein zugrunde liegt? Oder ist der Gedanke von einer höheren Macht auch nur eine weitere Methode sich klein zu halten, um sich vor der Verantwortung für das eigene Leben zu drücken? Wie wir unser Leben gestalten, woran wir unser Herz hängen oder was unserem Leben einen Sinn gibt, letztendlich entscheiden wir selbst. Es ist jedoch nicht zu leugnen, dass der Mensch ein spirituelles Wesen ist, und noch keiner existiert hat, der sich nicht mit der grundlegenden Existenzfrage beschäftigt hat. In meiner wissenschaftlichen Arbeit thematisiere ich deshalb das Thema der Geistigkeit, und erörtere, ob man seine Spiritualität beim Pilgern finden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE SPIRITUALITÄT
2.1. Begriffserklärung
2.2. Damals und heute
2.3. In den Weltreligionen
2.3.1. Christentum
2.3.2. Islam
3. DAS PILGERN
3.1. Begriffsdefinition
3.2. Neuorientierung der Motivation
3.3. Der Pilgerboom
3.3.1. Im Mittelalter
3.3.2. Im 21. Jahrhundert
3.4. Eigene Pilgererfahrung
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den gegenwärtigen Trend des Pilgerns und analysiert, inwieweit das Pilgern heute noch als spirituelle Praxis zur Sinnsuche und Selbstfindung dienen kann, nachdem sich die Motivationen im Vergleich zum Mittelalter grundlegend gewandelt haben.
- Wandel der Spiritualität im historischen Kontext
- Unterschied zwischen religiösem und säkularisiertem Pilgern
- Soziologische und psychologische Aspekte des modernen Pilgerbooms
- Reflektion durch eine praktische Pilgererfahrung
Auszug aus dem Buch
3.2. Neuorientierung der Motivation
Im Laufe der Zeit hat das Pilgern einen großen Wandel durchlaufen - auch wenn man, oberflächlich gesehen, nicht direkt benennen kann worin die Veränderung liegt. Ist es etwa die Ausrüstung? Vielleicht die bessere Infrastruktur? Oder doch die Motivation? Erst einmal, natürlich haben sich sowohl die Ausrüstung als auch die Infrastruktur um ein vielfaches verbessert.
Niemand trägt das Büßergewand, heute tut es der normale Anorak. Feste Schuhe statt Sandalen, Thermosflasche statt Kalebasse. Doch den Pilgerstock nutzen viele noch – und natürlich das Pilgerzeichen, Jakobsmuschel, Palmzweig oder Petrusschlüssel, am Rucksack.
Doch ungeachtet der vielen Oberflächlichen Veränderungen, kann man die Umwandlung zentraler intrinsischer Antriebe beobachten. Damals lag die Motivation in der Zielorientierung, man wusste, wohin man aus welchem Grund wollte - es gab keine Suche, keine Ungewissheit.
Anlass einer Pilgerreise konnten eine auferlegte Buße, und somit das Bemühen, sich von seinen Sünden rein zu waschen, die Erfüllung eines Gelübdes oder die religiöse Vertiefung, sein. Ziel war meist ein als heilig betrachteter Ort, etwa eine Wallfahrtskirche oder ein Tempel, was daran lag, dass das Pilgerwesen eng mit der Reliquienverehrung verbunden war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen Trend des Pilgerns vor dem Hintergrund einer hektischen, leistungsorientierten Gesellschaft und stellt die Forschungsfrage nach der Relevanz von Spiritualität beim Pilgern.
2. DIE SPIRITUALITÄT: Dieses Kapitel definiert Spiritualität als umfassende Geistigkeit und untersucht ihren Stellenwert innerhalb der Weltreligionen Christentum und Islam sowie den historischen Wandel von einer festen Lebenskonstante hin zu einer individuellen Sinnsuche.
3. DAS PILGERN: Das Hauptkapitel befasst sich mit der Definition des Pilgerns, analysiert die veränderte Motivationslage vom mittelalterlichen Bußgang zur heutigen Auszeit und reflektiert dies anhand einer eigenen siebentägigen Praxiserfahrung.
4. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass Pilgern eine solide Basis zur persönlichen spirituellen Entfaltung bieten kann, jedoch eine bewusste mentale Vorbereitung und individuelle Offenheit erfordert.
Schlüsselwörter
Pilgern, Spiritualität, Sinnsuche, Jakobsweg, Religion, Selbsterfahrung, Entschleunigung, Geistigkeit, Reliquienverehrung, Moderne, Leistungsgesellschaft, Motivationswandel, Pilgerboom, Achtsamkeit, Individuum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des Pilgerns und dessen Wandlung von einer religiös motivierten Praxis zu einer modernen Form der Sinnsuche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition von Spiritualität, der historische Vergleich der Pilgermotivation sowie die Analyse des heutigen Pilgerbooms.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Erörterung, ob ein Mensch in unserer heutigen Gesellschaft beim Pilgern tatsächlich seine Spiritualität finden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie einen empirischen Selbstversuch im Rahmen einer Exkursion als qualitative Grundlage.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Etymologie und Bedeutung von Spiritualität, den Vergleich zwischen mittelalterlichem und modernem Pilgern sowie die Dokumentation einer eigenen Pilgererfahrung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Spiritualität, Pilgern, Sinnsuche, Entschleunigung und Selbsterfahrung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die mittelalterliche Pilgermotivation von der heutigen?
Früher stand die zielorientierte Buße und die Reinigung von Sünden im Vordergrund, während das moderne Pilgern oft der Auszeit vom Alltagsstress und der persönlichen Selbstfindung dient.
Welche Erkenntnis zieht der Autor aus seinem eigenen Pilgerversuch?
Der Autor stellt fest, dass für ihn persönlich kein spiritueller Durchbruch stattfand, die Reise aber dennoch als wertvolle Erfahrung zur körperlichen und mentalen Entspannung fungierte.
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- Angelika Hildebrandt (Author), 2017, Von der Spiritualität und ihrer Erreichbarkeit durch das Pilgern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444267