Das oftmals vorherrschende Bild, das die westliche Welt auch heutzutage noch über den Harem des Sultans sowie die Frauen des Osmanischen Reichs hat, ist ein überwiegend mit Vorurteilen beladenes. Die Frauen seien unterdrückt gewesen, zur Konvertierung gezwungene Sklaven, die keinerlei Rechte besäßen und deren einzige Funktion darin bestünde dem Sultan sexuell zu Diensten zu stehen. Die Verfasserin hat sich als Ziel für dieses Werk gesetzt die wahre Bedeutung des Harems zu erläutern und den Machteinfluss bedeutender Frauen der damaligen Zeit aufzuzeigen. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf der tatsächlichen Machtausübung, sondern ebenfalls auf dem Image, welches die Haremsdamen nach außen hin abgaben und warum sie oftmals als Frauen mit großer und überwiegend destruktiver Macht beschrieben wurden. Kösem Sultan, Nur Banu und Safiye Sultan werden nicht nur mit dem Sultanat der Frauen assoziiert, sondern auch mit dem beginnenden Untergang des Osmanischen Reichs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Der Harem und seine Bewohner
2.2 Das Sultanat der Frauen
2.3 Machtausübung am Beispiel von Nur Banu und Safiye Sultan
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle, das Wirken und den Machteinfluss von Frauen im Osmanischen Reich während der Frühen Neuzeit, wobei insbesondere die Struktur des Harems sowie das Phänomen des "Sultanats der Frauen" kritisch beleuchtet werden, um das oft vorurteilsbeladene Bild einer rein unterdrückten Stellung zu hinterfragen.
- Strukturelle Analyse der Haremshierarchie und ihrer Bewohnerinnen
- Untersuchung des "Sultanats der Frauen" im 16. und 17. Jahrhundert
- Analyse der politischen Machtausübung prominenter Haremsdamen wie Nur Banu und Safiye Sultan
- Kritische Auseinandersetzung mit westlichen und zeitgenössischen Geschichtsbildern
- Rolle von Vermittlerinnen (kiras) in der politischen Kommunikation
Auszug aus dem Buch
2.3 Machtausübung am Beispiel von Nur Banu und Safiye Sultan
Verschafft man sich einen Überblick über die aktuelle historische Forschung zum Thema Machteinfluss der Frauen im osmanischen Sultanspalast der Frühen Neuzeit, so fällt einem auf, dass Werke von weiblichen Autoren, beispielsweise von Leslie Pierce, objektiv und wertschätzend über die Haremsdamen berichten, wohingegen Josef Matuz den Machtzuwachs und die politische Einflussnahme kritisch sieht und ein eher negatives Frauenbild beschreibt. Er behauptet die Frauen seien für das Führen von politischen Angelegenheiten nicht qualifiziert gewesen, und da sie aus fremden Ländern kämen, wären sie über die osmanischen Verhältnisse nicht ausreichend informiert gewesen. In der Regel jedoch wurden die Haremsfrauen bereits in jungen Jahren meist auf einer Überfahrt von osmanischen Seeleuten geraubt und an den Sultan verkauft. Bis sie dann also Valide Sultan werden konnten vergingen viele Jahre, in denen sie das politische Geflecht des osmanischen Reichs kennenlernen konnten. Leslie Pierce beschreibt die negative Auffassung über führende Haremsdamen als westliche Denkweise und die allgemeine Annahme Privates wäre von Öffentlichem getrennt gewesen in der Hinsicht, dass nur im öffentlichen Raum Politik stattgefunden habe und nicht in privaten Gemächern, wie beispielsweise im Harem ist nicht korrekt. Historische Forschungen belegen, dass die Familie im Osmanischen Reich durchaus als politisches Gefüge betrachtet wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, räumt mit gängigen Vorurteilen über den Harem auf und skizziert das Ziel der Arbeit, die tatsächlichen Machtmöglichkeiten der Haremsdamen aufzuzeigen.
2. Hauptteil: Dieses Kapitel widmet sich der Haremshierarchie, definiert das Sultanat der Frauen als historische Epoche und beleuchtet die politische Wirksamkeit von Nur Banu und Safiye Sultan anhand von Primärquellen.
3. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Haremsdamen eine zentrale politische Rolle einnahmen, deren Legitimität jedoch stark von ihrer Loyalität gegenüber dem Wohle des Reiches abhing.
Schlüsselwörter
Osmanisches Reich, Harem, Valide Sultan, Sultanat der Frauen, Machtausübung, Frühe Neuzeit, Nur Banu, Safiye Sultan, Politische Einflussnahme, Geschlechtergeschichte, Topkapı Palast, Kira, Diplomatie, Weiberherrschaft, Hierarchie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und dem Machteinfluss von Frauen innerhalb des osmanischen Herrschaftssystems in der Frühen Neuzeit, insbesondere mit der Bedeutung der Haremsdamen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Haremshierarchie, die historische Phase des Sultanats der Frauen sowie die politische Handlungsfähigkeit von Sultansmüttern und Favoritinnen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, das westlich geprägte, negative Bild des Harems zu korrigieren und die tatsächliche politische Bedeutung der Frauen im Osmanischen Reich aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung historischer Primärquellen, insbesondere der Berichte venezianischer Diplomaten (bailos).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Haremshierarchie, die historische Einordnung des Sultanats der Frauen sowie konkrete Fallbeispiele der politischen Machtausübung detailliert dargelegt.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit geprägt?
Wichtige Begriffe sind Valide Sultan, Harem, Sultanat der Frauen, politische Partizipation und die Rolle der Vermittlerinnen, der sogenannten kiras.
Wie legitimierten Safiye Sultan und Nur Banu ihren politischen Einfluss?
Sie nutzten unter anderem ihre Position als Vertraute des Sultans und etablierten über ihre kiras ein Netzwerk, das es ihnen ermöglichte, direkt in die Politik einzugreifen und diplomatische Beziehungen zu pflegen.
Warum wird die Periode des Sultanats der Frauen oft negativ bewertet?
Die negative Bewertung rührt teilweise von einer patriarchalischen Geschichtsschreibung her, die die weibliche Einflussnahme als illegitim und als Ursache für den Niedergang des Reiches betrachtete.
- Arbeit zitieren
- Lina Öner (Autor:in), 2017, Die Frauen des Sultans. Wirken und Machteinfluss der Haremsdamen im Osmanischen Reich der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444468