Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu beleuchten, ob das aktuelle Recht den Anforderungen bei einer Umgangsverweigerung gerecht wird. Den Kern der Arbeit bildet die Fragestellung, warum Kinder den Umgang mit dem umgangsberechtigten Elternteil verweigern und mit welchen Interventionen einer Umgangsverweigerung ggf. begegnet werden kann. Es soll ferner beleuchtet werden, ob der Umgang mit dem Kind tatsächlich immer seinem Wohl dient und wie dem Kind geholfen werden kann, aus dem Dilemma herauszufinden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Kindschaftsrecht
2.1 Reformen des Familienrechts
2.2 Das Umgangsrecht und seine Bedeutung
2.3 Die Ausgestaltung des Umgangs
2.4 Die Anhörung des Kindes
2.5 Der Wille des Kindes
2.6 Das Hinwirken auf Einvernehmen
3 Konflikterleben in hochkonflikthaften Trennungs- und Scheidungsfamilien
3.1 Die Psychodynamik des Trennungserlebens
3.2 Eingeschränkte Eltern-Kind-Beziehung
3.3 Mangelnde Bindungsqualität
4 Störungen des Umgangs
4.1 Die Umgangsvereitelung bzw. Verweigerung
4.2 Die Umgangsverweigerung durch das Kind
4.2.1 Die Streitvermeidung
4.2.2 Die instrumentalisierte Loyalität
4.2.3 Die Kränkung und seelische Verletzung
5 Chancen und Grenzen einer Intervention
5.1 Streitvermeidung
5.2 Instrumentalisierte Loyalität
5.3 Kränkung und seelische Verletzung
6 Umgangsausschluss
7 Interventionen
7.1 Die Mediation
7.2 Das themenzentrierte Kinder-Interview
7.3 Die Kinderberatung
8 Zusammenfassung des Theorieteils mit Lösungsansatz
9 Forschungsstand und Theorie
9.1 Theoretischer und empirischer Forschungsstand
9.2 Theoretisches Modell der Studie
9.3 Fragestellung und Hypothesen
10 Methode
10.1 Untersuchungsdesign
10.2 Instrumente und Messgeräte
10.3 Stichprobenkonstruktion
10.4 Untersuchungsdurchführung
10.5 Datenanalyse
11 Ergebnisse
11.1 Stichprobenbeschreibung
11.2 Ergebnisse zu den einzelnen Fragestellungen und Hypothesen
11.3 Weitere Befunde
12 Diskussion
13 Anlagen
14 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Umgangsverweigerung in hochkonflikthaften Trennungs- und Scheidungsfamilien mit dem Ziel zu klären, warum Kinder den Kontakt zu einem umgangsberechtigten Elternteil ablehnen und welche Interventionsmöglichkeiten bestehen, um dem Kindeswohl gerecht zu werden.
- Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und deren Anwendung bei Umgangsverweigerung
- Untersuchung der psychodynamischen Prozesse und Ursachen kindlicher Kontaktverweigerung
- Evaluation von Interventionsformen wie Mediation, Kinder-Interview und Kinderberatung
- Empirische Erhebung unter Familienrichtern zum Umgang mit hochkonfliktären Fällen
- Entwicklung von Lösungsansätzen für eine kindgerechte Konfliktlösung
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Die Streitvermeidung
Diese Variante der Umgangsverweigerung kann als eine Coping-Strategie verstanden werden, bei der insbesondere jüngere Kinder durch den Rückzug eine Konfrontation vermeiden (vgl. Behrend 2013, S. 240 ff.). Sie dient der Stressverminderung und ist situations- und nicht personenbezogen zu betrachten. Gerade bei jüngeren Kindern lösen die elterlichen Konflikte Rückzugsimpulse aus, die vom sorgeberechtigten Elternteil oftmals verkannt werden und in eine Ablehnung des Umgangsberechtigten umgedeutet werden. Da gerade das Aufeinandertreffen beider Elternteile, wie z. B. bei der Übergabe des Kindes, eine belastende Situation für das Kind darstellt, versucht das überforderte Kind so dieser angespannten Situation zu entkommen. Gerade bei Klein- und Vorschulkindern resultiert die Umgangsverweigerung aus der Überforderung der Konfliktspannung.
Eine Streitvermeidung ist allerdings auch bei älteren Kindern und Jugendlichen anzutreffen. Hier zeigt sie sich überdauernd, jedoch reversibel. Tritt zu der Umgangsverweigerung noch eine Instrumentalisierung und/oder seelische Verletzung hinzu, wird sich die ablehnende Haltung intensivieren. Mit dem Wunsch in ein Internat oder ins Ausland wechseln zu wollen, bringen sie ihre psychische Erschöpfung zum Ausdruck.
De facto kann festgehalten werden, dass Kinder dieses Typs gezwungen sind, den Kontakt zu einem Elternteil aufzugeben, um ihre psychische Stabilität wieder herzustellen. Kinder, die permanent der Unversöhnlichkeit ihrer Eltern ausgesetzt sind, büßen einen großen Teil ihrer Lebensqualität ein und stehen zwischen ihren egozentrischen Eltern, die das Wohl ihrer Kinder aus den Augen verlieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt das Thema im Kontext sich wandelnder Familienstrukturen vor und benennt die Fragestellung zur Umgangsverweigerung bei Kindern.
2 Das Kindschaftsrecht: Erläutert die rechtlichen Grundlagen, die Rolle des Kindeswillens und das Prinzip des Hinwirkens auf Einvernehmen.
3 Konflikterleben in hochkonflikthaften Trennungs- und Scheidungsfamilien: Analysiert die psychodynamischen Folgen elterlicher Konflikte auf die Eltern-Kind-Bindung.
4 Störungen des Umgangs: Kategorisiert Umgangsstörungen in Streitvermeidung, instrumentalisierte Loyalität sowie Kränkung und seelische Verletzung.
5 Chancen und Grenzen einer Intervention: Diskutiert, welche Unterstützungsangebote bei welcher Form der Umgangsstörung geeignet sind.
6 Umgangsausschluss: Illustriert anhand eines Fallbeispiels die Konsequenzen schwerwiegender Beziehungsstörungen für das Umgangsrecht.
7 Interventionen: Stellt spezifische Methoden wie Mediation, Kinder-Interview und Kinderberatung als Unterstützungsmöglichkeiten vor.
8 Zusammenfassung des Theorieteils mit Lösungsansatz: Fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und plädiert für frühzeitige, verpflichtende Beratung.
9 Forschungsstand und Theorie: Legt die wissenschaftliche Basis für die eigene empirische Untersuchung fest.
10 Methode: Beschreibt das Untersuchungsdesign und die Durchführung der Befragung von Familienrichtern.
11 Ergebnisse: Präsentiert und analysiert die Daten der empirischen Befragung.
12 Diskussion: Würdigt die Ergebnisse kritisch und leitet Empfehlungen für die Praxis ab.
13 Anlagen: Beinhaltet das verwendete Instrumentarium der Studie.
14 Literaturverzeichnis: Listet sämtliche herangezogene Quellen der Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Umgangsverweigerung, Kindschaftsrecht, Trennung, Scheidung, Hochkonfliktfamilien, Kindeswohl, Eltern-Kind-Bindung, Mediation, Umgangsrecht, Kinderberatung, Loyalitätskonflikt, Familienrichter, Interventionsmöglichkeiten, Parental Alienation Syndrome, Kindeswille.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Ursachen und Interventionsmöglichkeiten bei der Umgangsverweigerung von Kindern in hochkonflikthaften Trennungs- und Scheidungsfamilien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Familienrecht, der kindlichen Psychodynamik in Trennungssituationen sowie der Wirksamkeit von Unterstützungsangeboten für betroffene Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu beleuchten, ob das aktuelle Recht den Anforderungen bei Umgangsverweigerungen gerecht wird und wie Kindern geholfen werden kann, aus diesem Dilemma herauszufinden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert einen theoretischen Teil mit einer empirischen quantitativen Untersuchung, bei der Familienrichter zu ihren Erfahrungen befragt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben den rechtlichen Grundlagen werden typische Störungsformen des Umgangs analysiert und Interventionsmöglichkeiten wie Mediation und spezielle Kinderberatungsformate kritisch beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Umgangsverweigerung, Hochkonfliktfamilien, Kindeswohl, Eltern-Kind-Bindung und Interventionsmöglichkeiten im Familiengerichtsverfahren.
Welche Rolle spielen Familienrichter bei der Umgangsverweigerung laut dieser Studie?
Sie stehen vor der Herausforderung, Ursachen für die Verweigerung (z. B. Konflikte oder Instrumentalisierung) zu identifizieren, wobei die Studie zeigt, dass der Kindeswille bisher oft noch unzureichend als eigenständiges Motiv wahrgenommen wird.
Warum wird eine verpflichtende Beratung bei Hochkonfliktfamilien gefordert?
Da hochkonflikthafte Eltern oft zu sehr in eigenen Konflikten verstrickt sind, um die kindlichen Bedürfnisse wahrzunehmen, soll eine verpflichtende Beratung eine Eskalation verhindern und das Kindeswohl schützen.
Wird das PA-Syndrom in der Arbeit thematisiert?
Ja, das PA-Syndrom wird als viel diskutiertes, aber wissenschaftlich umstrittenes Phänomen erwähnt, wobei die Autorin kritisch auf die Gefahr der Pauschalisierung hinweist.
Welche Bedeutung hat das themenzentrierte Kinder-Interview?
Es bietet eine explizit kindzentrierte Methode, um Ängste und Wünsche des Kindes in einer sicheren Atmosphäre zu erheben, ohne das Kind vor die Entscheidung über seine eigene Zukunft zu stellen.
- Citar trabajo
- Iris Rhodes-Risters (Autor), 2014, Umgangsverweigerung. Bedeutung und Interventionsmöglichkeiten von induzierter Kind-Elternteilentfremdung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444506