Das Eingehen von Risiken ist begründet durch jegliche Form unternehmerischen Handelns durch zukunftsgerichtete Entscheidungen unter unvollkommenen Informationen. Die bisherigen Verfahren und Methoden des Risikomangements werden dem fortschreitenden Strukturwandel der Finanzmärkte nur in geringem Maße gerecht. Der Trend entwickelt sich in Richtung immer neuerer und ausgefeilterer Risikomangementsysteme, um dem zunehmenden Wettbewerbsdruck begegnen zu können. Als zentrales Element gilt in diesem Zusammenhang die verstärkte Herausbildung von Mess- und Steuerungssystemen, die zu einer effizienten und effektiven Verwendung von knappem Eigenkapital führen. Dabei verhindern insbesondere die klassischen Instrumentarien der Bankenaufsicht durch abstrakte Risikobegrenzungsnormen mit der nötigen Flexibilität und Geschwindigkeit den veränderten Marktbedingungen entgege nzutreten3.
Daher wird eine Quantifizierung der bankspezifischen Risiken durch mathematisch-statistische Verfahren zunehmend an Bedeutung gewinnen, was die Anerkennung des Value-at-Risk-Konzepts als Basis für ein internes Risikomodell durch die Regulierungsbehörden widerspiegel.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, verschiedene Risikomaße zu benennen und anschließend Vor- und Nachteile eben dieser aufzuzeigen. Dabei werden im zweiten Kapitel das Risiko definiert sowie bankspezifische Risiken genauer gekennzeichnet. Es wird weiterhin im dritten Kapitel eine Herleitung verschiedener Risikomaße aus der Nutzentheorie erläutert und außerdem auf die axiomatische Charakterisierung eingegangen. Im vierten Kapitel befasst sich die Arbeit mit verschiedenen Risikomaßen - einerseits als Abweichung von einer Referenzgröße und andererseits als notwendiges Kapital.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Risiko
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Klassifizierung von Risiken
2.2.1 Erfolgsrisiken
2.2.2 Liquiditätsrisiken
2.2.3 Technisch-organisatorische Risiken
3 Entwicklung von Risikomaßen
3.1 Die Nutzentheorie als Grundlage
3.1.1 Axiome der Nutzentheorie
3.1.2 Risikonutzenfunktionen
3.1.3 Arrow - Pratt - Maß
3.1.4 Stochastische Dominanz
3.2 Axiomensysteme zur Herleitung von Risikomaßen
3.2.1 Axiome nach PEDERSEN/SATCHELL
3.2.2 Kohärente Risikomaße
4 Risikomaße
4.1 Risikomaße als Abweichung von einer Referenzgröße
4.1.1 Varianz und Standardabweichung
4.1.2 Downside-Risikomaße
4.2 Risiko als notwendiges Kapital
4.2.1 Value-at-Risk
4.2.2 Conditional Value-at-Risk und Expected Shortfall
4.3 Weitere Risikomaße
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, verschiedene Ansätze zur Quantifizierung von Risiken in der Finanzwirtschaft zu analysieren und deren Vor- und Nachteile kritisch zu beleuchten. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Risiken im Kontext unternehmerischer Entscheidungen unter Unsicherheit adäquat gemessen und gesteuert werden können.
- Grundlagen der Risiko- und Nutzentheorie
- Klassifizierung bankspezifischer Risiken
- Methodische Herleitung von Risikomaßen
- Kritische Analyse traditioneller Risikokennzahlen wie Varianz und VaR
- Diskussion kohärenter und konvexer Risikomaße
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsbestimmung
Eine Fülle von ökonomischen, politischen, sozialen und technologischen Fragen sind mit Risiken verbunden. Es hat sich jedoch bis heute keine Definition als allgemeingültig erwiesen, so dass die Auslegungen von einer Vielzahl der Vertreter der Allgemeinen Betriebswirtschaft recht vielfältig sind. Gewöhnlich wird in der Literatur zwischen formalem und materiellem Risiko differenziert. Ersteres beschreibt den ursachenbezogenen Risikobegriff, da der Entscheidungsträger auf Basis gegenwärtiger Informationen künftige Ereignisse erörtert. Unsicherheit kann im Grundmodell der Entscheidungstheorie nach PERRIDON/STEINER als Oberbegriff für Risiko im weiteren Sinne verwendet werden. Die Autoren verstehen Risiko als Abweichung von einem erwarteten Referenzwert. Berücksichtigung finden dabei sowohl negative Veränderungen, welche als Gefahren bezeichnet werden, als auch positive, die als Chance charakterisiert werden können. Risiko im engeren Sinne liegt dann vor, wenn subjektive oder objektive Wahrscheinlichkeiten für die alternativen Zielwerte bestimmbar sind. Dem gegenüber steht die Ungewissheitssituation. Gekennzeichnet durch das Fehlen der Zuordenbarkeit von Umweltzuständen kann lediglich vorhergesagt werden, dass irgendeiner dieser Zustände eintreten wird. Eine rationale Entscheidung ist im letztgenannten Fall nicht möglich.
Der materielle Risikobegriff beschäftigt sich hingegen mit der wirkungsbezogenen Sichtweise. Es wird nur die negative Abweichung von einem Zielzustand betrachtet. Risiko ist dann die Gefahr einer Fehleinschätzung. Wichtig sind hierbei Referenzwerte, die als Vergleichsbasis dienen. In diesem Zusammenhang ist der Verlust die Wertkomponente und dieser zeigt die Höhe und Art des Schadens an. Die Gefahr wird durch die Wahrscheinlichkeit berücksichtigt, mit der der Schaden eintritt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Das Kapitel erläutert den Strukturwandel der Finanzmärkte und die Notwendigkeit moderner Risikomanagementsysteme, die über klassische bankaufsichtliche Normen hinausgehen.
2 Risiko: Hier werden zentrale Begriffe definiert, zwischen formalem und materiellem Risiko unterschieden und eine detaillierte Systematik bankspezifischer Risiken eingeführt.
3 Entwicklung von Risikomaßen: Dieses Kapitel behandelt die theoretische Fundierung durch die Nutzentheorie sowie die Ableitung von Risikomaßen mittels Axiomensystemen.
4 Risikomaße: Der Fokus liegt auf der praktischen Anwendung von Risikokennzahlen, wobei Varianz, Downside-Maße, Value-at-Risk sowie der Conditional Value-at-Risk analysiert werden.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass aufgrund komplexer Aggregationsprobleme kein einzelnes, universell perfektes Risikomaß für Banken existiert.
Schlüsselwörter
Risikomanagement, Nutzentheorie, Finanzwirtschaft, Value-at-Risk, Kohärente Risikomaße, Risikoaversion, Varianz, Standardabweichung, Downside-Risiko, Semivarianz, Conditional Value-at-Risk, Expected Shortfall, Bankrisiken, Axiome, Stochastische Dominanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in der Arbeit?
Die Seminararbeit befasst sich mit den theoretischen Grundlagen und der praktischen Anwendung von Risikomaßen in der Finanzwirtschaft sowie deren methodischer Herleitung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kerngebieten zählen die Risikodefinition, die Nutzentheorie, die Axiomatik zur Risikobewertung sowie die Analyse verschiedener statistischer Kennzahlen wie VaR und CVaR.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, verschiedene existierende Risikomaße vorzustellen und ihre Stärken sowie Schwächen bei der Quantifizierung bankspezifischer Risiken aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse entscheidungstheoretischer Ansätze und der mathematisch-statistischen Diskussion von Risikomodellen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung aus der Nutzentheorie (u.a. Axiome) und die praktische Anwendung von Maßen als Abweichungs- oder Kapitalrisiko.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Neben Risikomanagement stehen vor allem Fachbegriffe wie Value-at-Risk, Nutzentheorie, Risikoaversion und kohärente Risikomaße im Fokus.
Warum wird der Value-at-Risk (VaR) kritisch betrachtet?
Der VaR erfüllt nicht alle axiomatischen Anforderungen (z.B. Subadditivität) und berücksichtigt die tatsächliche Höhe extremer Verluste in den "fat tails" oft nur unzureichend.
Worin besteht der Vorteil von Lower Partial Moments (LPM)?
LPM-Maße fokussieren sich ausschließlich auf negative Abweichungen unterhalb eines Zielwertes und sind daher besser geeignet, asymmetrische Verteilungen realitätsnah abzubilden.
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- Kathleen Beutner (Autor), 2005, Finanzwirtschaftliche Risikomaße, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44459