Zu Beginn der Besiedlung durch die Europäer Ende des 18. Jahrhunderts war das Bewahren von natürlich geformten Naturlandschaften leider nicht wichtig und so wurden riesige Teile außergewöhnlich biodiverser Gebiete einfach in ebenes, baumloses Acker- und Weideland umgewandelt.
Australien ist seit 1901 eine föderale, parlamentarische Monarchie, wobei die Kompetenzverteilung besagt, dass alle Kompetenzen, die nicht explizit als Angelegenheiten des Bundes genannt werden, in den Verantwortungsbereich der Bundesstaaten fallen. Der Natur- und Umweltschutz gehört dabei zu den Kompetenzen der Bundesstaaten.
1967 wurde im Bundesstaat New South Wales die Schutzgebietsbehörde „National Parks and Wildlife Service (NPWS)“ gegründet, womit erstmals die Agenden aller Schutzgebiete unter einen Hut gebracht und gleichzeitig die Rechtssicherheit aller Gebiete, durch die Verabschiedung des ersten Schutzgebietsgesetzes, erreicht wurde.
Die schon erwähnte NPWS ist eine stark dezentral organisierte Behörde, die derzeit 653 Schutzgebiete mit einer Gesamtfläche von knapp 59.000 km² managt. Insgesamt zählt man in Australien 6.720 geschützte Gebiete mit einer Fläche von 774.390 km². Eine Schwäche ist jedoch die Verteilung der Schutzgebiete über das Land, so liegt der Großteil in Küstennähe und nahe der großen Zentren, im Landesinneren jedoch sind Schutzgebiete nu wenig verbreitet.
Nach dem Gesetz hat die NPWS für jedes einzelne Schutzgebiet einen eigenen Managementplan nach den Leitplänen der Schutzgebietsbehörde zu erstellen. Diese haben zwingend Ziel- und Maßnahmenformulierungen inkl. einer Prioritätenreihung zu beinhalten. Ebenso strikt sind auch die Monitoringmaßnahmen, nach denen alle fünf Jahre eine Überarbeitung der Managementpläne erforderlich ist.
Unterschiede zur Verwaltung österreichischer Schutzgebiete sind:
Eine gemeinsame Behörde für alle Schutzgebiete gibt klar Leitlinien für die zukünftige Entwicklung vor.
Jedes Schutzgebiet verfügt über einen auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Managementplan mit einer klaren Ziel- und Maßnahmenformulierung inkl. einer Prioritätenreihung.
Es findet eine regelmäßige Evaluierung der Managementpläne statt.
Im naturschutzrechtlichen Verfahren hat in sensiblen Gebieten (Nationalparks, Naturschutz-gebiete, Wildnisgebiete und Historische Stätten) jeder(!) Rechtsstellung.
Inhaltsverzeichnis
0 EINLEITUNG
0.1 ZIEL DER ARBEIT
0.2 AUFBAU DER ARBEIT
0.3 THEMENWAHL
0.4 ABLAUF VOR ORT
0.5 WEITERE ANMERKUNGEN
0.5.1 Literaturhinweise
0.5.2 Zusatzinformationen in Boxen
1 DAS UMFELD DER SCHUTZGEBIETE
1.1 ZUR BESIEDLUNGSGESCHICHTE AUSTRALIENS
1.1.1 Die Annektierung durch die Engländer
1.1.2 Erste Schritte zur Selbstbestimmung
1.1.3 Entstehung echter Demokratie
1.2 DIE ENTWICKLUNG DES AUSTRALISCHEN FÖDERALISTISCHEN SYSTEMS
1.2.1 Erste erfolglose Versuche
1.2.2 Die neue Bundesverfassung
1.3 DER ADMINISTRATIVE AUFBAU DES STAATES
1.3.1 Politischer und rechtlicher Überblick
1.3.2 Die drei Verwaltungsebenen
1.4 DATEN UND FAKTEN ZU AUSTRALIEN
2 DAS NETZWERK DER SCHUTZGEBIETE
2.1 ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER SCHUTZGEBIETE
2.2 DARSTELLUNG DES NETZWERKS AN SCHUTZGEBIETEN
2.2.1 Allgemeines
2.2.2 Das Schutzgebietsnetzwerk Australiens
2.2.3 Das Schutzgebietsnetzwerk in New South Wales
3 DIE KONZEPTION DER SCHUTZGEBIETE
3.1 DAS PLANUNGSSYSTEM IN NEW SOUTH WALES
3.1.1 Die Bundesstaatlichen Umweltplanungsstrategien (SEPPs)
3.1.2 Die Regionalen Umweltpläne (REPs)
3.1.3 Die Lokalen Umweltpläne (LEPs)
3.1.4 Die Entwicklungskontrollpläne (DCPs)
3.2 DAS BEWILLIGUNGSVERFAHREN IM PLANUNGSSYSTEM VON NEW SOUTH WALES
3.2.1 Vorhaben, die ohne behördliche Bewilligung ausgeführt werden dürfen
3.2.2 Vorhaben, die nur mit behördlicher Bewilligung ausgeführt werden dürfen
3.2.3 Vorhaben, die verboten sind
3.2.4 Bewilligungsschema
3.3 DIE NATURSCHUTZRECHTLICHEN GRUNDLAGEN IN NEW SOUTH WALES
3.3.1 Zur Kompetenzverteilung im Naturschutz
3.3.2 Die Australische Biodiversitätsstrategie als nationaler Rahmen
3.3.3 Das Nationale Schutzgebietsprogramm
3.3.4 Die Biodiversitätsstrategie von New South Wales
3.3.5 Die naturschutzrechtliche Basis für die Schutzgebiete
3.3.6 Das naturschutzrechtliche Bewilligungsverfahren
3.3.7 Rechtssicherheit der Schutzgebiete
3.4 DAS MANAGEMENT DER SCHUTZGEBIETE IN NEW SOUTH WALES
3.4.1 Administrativer Kontext
3.4.2 Die Bundesstaatliche Schutzgebietsbehörde „National Parks and Wildlife Service“ (NPWS)
3.4.3 Managementpläne für Schutzgebiete
4 FALLSTUDIE: BLUE MOUNTAINS NATIONAL PARK
4.1 LAGE, GESCHICHTE SOWIE REGIONALER KONTEXT
4.2 MANAGEMENTSTRUKTUR DES NATIONALPARKS
4.2.1 Juristische Grundlage
4.2.2 Verwaltungsstruktur
4.2.3 Managementplan des Blue Mountains Nationalparks
4.2.4 Evaluation und Monitoring
4.3 TOURISMUS IM NATIONALPARK
4.3.1 Statistischer Überblick
4.3.2 Besuchereinrichtungen
4.4 BEDROHUNGEN UND SCHWÄCHEN FÜR DEN BLUE MOUNTAINS NATIONALPARKS
4.4.1 Siedlungsentwicklung
4.4.2 Tourismus
4.4.3 Wassermanagement
4.4.4 Bergbau
4.4.5 Eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten
4.4.6 Fallbeispiel: Filmrechte im Blue Mountains Nationalpark
5 VORSCHLÄGE FÜR DAS HEIMISCHE NATURSCHUTZSYSTEM
5.1 ECHTES MANAGEMENT FÜR SCHUTZGEBIETE
5.1.1 Gemeinsame Verwaltung aller Schutzgebiete
5.1.2 Einheitliche Managementpläne
5.2 STÄRKUNG DER ROLLE DES NATIONALSTAATS IN SCHUTZGEBIETSPLANUNG UND -MANAGEMENT
6 ZUSAMMENFASSUNG
7 ANHANG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das Management von Schutzgebieten in Australien mit einem spezifischen Fokus auf die administrativen und rechtlichen Rahmenbedingungen im Bundesstaat New South Wales, um wertvolle Erkenntnisse für die österreichische Naturschutzpraxis abzuleiten.
- Struktur des australischen Planungssystems und dessen Instrumente
- Verwaltung und Management von Schutzgebieten auf nationaler und bundesstaatlicher Ebene
- Fallstudie zur Analyse der Managementpraxis am Blue Mountains Nationalpark
- Übertragbarkeit australischer Ansätze auf das österreichische Naturschutzsystem
- Herausforderungen wie Siedlungsdruck, Tourismus und Interessenskonflikte im Naturschutz
Auszug aus dem Buch
4.4.6 Fallbeispiel: Filmrechte im Blue Mountains Nationalpark
In diesem Fall standen sich Mitte 2004 am Umweltgerichtshof von New South Wales der Verein zum Schutz der Blue Mountains und der Generaldirektor der Nationalparkbehörde, gemeinsam mit dem Umweltminister von New South Wales und der Filmproduktionsfirma “Talons Productions” gegenüber. In „Blue Mountains Conservation Society Inc. vs. Director-General of National Parks and Wildlife & (2) Ors [2004] NSWLEC 196“ soll über eine Ausnahmegenehmigung zu Filmaufnahmen für den amerikanischen Actionthriller “Stealth” im Wildnisgebiet des als Weltnaturerbegebiet deklarierten Blue Mountains Nationalpark, gewährt durch den Generaldirektor der Nationalparkbehörde, entschieden werden.
Die steil abfallenden Klippen am Butterbox Point nahe Mount Hay (siehe Abb. 33 und Abb. 34 auf der nächsten Seite), im als Wildnisgebiet deklarierten Teil des Nationalparks, sollten Ende April 2004 sieben Tage lang Kulisse und Drehort für mehrere Szenen des 130 Mio. Dollar-Actionthrillers “Stealth” werden.
Kurz nach Bekanntwerden dieses Vorhabens übernahm der “Verein zum Schutz der Blue Mountains” die Organisation und Koordination der Protestmaßnahmen, die bis zu Besetzung der Zufahrtsstraßen ging. Zusätzlich leitete man eine groß angelegte Zeitungskampagne gegen den Umweltminister ein und klagte die oben genannten Personen auf Unterlassung ihrer Pläne aufgrund folgender Begründungen:
Das Filmen eines Actionthrillers steht in keinem Zusammenhang mit dem Schutz der Wildnis und ist nicht konsistent mit der Film- und Fotografierichtlinie der Nationalparkverwaltung.
Die Errichtung einer 36 m² großen Hubschrauberlandeplattform, zweier 40 m² großen Kameraplattformen, mehrerer Kamerastandplätze, der dazu benötigten Verbindungswege sowie zweier Stromgeneratoren verstößt gegen den Managementplan des Blue Mountains Nationalparks.
Die Nutzung von Fahrzeugen, Helikoptern und Spezialeffekten wie Mikroexplosionen und Lichteffekten verursacht Lärm und kann, ebenso wie die oben genannten temporären Bauten, besonders fragile Sandsteinstrukturen und seltene Pflanzenarten zerstören.
Zusammenfassung der Kapitel
0 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Schutzgebiete, die Zielsetzung der Arbeit sowie eine Erläuterung der persönlichen Beweggründe und der methodischen Vorgehensweise.
1 DAS UMFELD DER SCHUTZGEBIETE: Historischer Rückblick auf die Besiedelung Australiens und die Entwicklung des politischen sowie administrativen Systems des Bundes und der Bundesstaaten.
2 DAS NETZWERK DER SCHUTZGEBIETE: Detaillierte Darstellung der Geschichte und des aktuellen Stands der Schutzgebietsnetzwerke in Australien und New South Wales unter Berücksichtigung der Landbesitzverhältnisse.
3 DIE KONZEPTION DER SCHUTZGEBIETE: Analyse des Planungssystems in New South Wales, inklusive der verschiedenen Planungsinstrumente, Bewilligungsverfahren und rechtlichen Grundlagen für den Naturschutz.
4 FALLSTUDIE: BLUE MOUNTAINS NATIONAL PARK: Praktische Anwendung der untersuchten Managementprinzipien anhand des Blue Mountains Nationalparks, inklusive Analyse der Herausforderungen durch Tourismus und Siedlungsdruck.
5 VORSCHLÄGE FÜR DAS HEIMISCHE NATURSCHUTZSYSTEM: Ableitung konkreter Verbesserungsvorschläge für das österreichische System auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse aus Australien.
6 ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenfassende Darstellung der wichtigsten Ergebnisse der Arbeit und ein abschließender Ausblick auf das Schutzgebietsmanagement.
Schlüsselwörter
Australien, New South Wales, Schutzgebietsmanagement, Naturschutz, Biodiversität, Blue Mountains Nationalpark, Planungssystem, Umweltrecht, Nachhaltigkeit, Managementplan, National Parks and Wildlife Service, Tourismus, Siedlungsdruck, Wildnisgebiete, Commonwealth.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Verwaltung und dem Schutz von Schutzgebieten in Australien, mit besonderem Fokus auf die administrativen und rechtlichen Strukturen in New South Wales.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind das australische Föderalsystem, die Planungsinstrumente des Umwelt- und Naturschutzes, das Management von Nationalparks sowie die Herausforderungen durch anthropogene Nutzungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das australische Schutzgebietsmanagement zu analysieren und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie dessen Prinzipien und Vorteile auf das österreichische Naturschutzsystem übertragen werden könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Sichtung von Behördeninformationen, Expertenbefragungen vor Ort in Sydney sowie der Untersuchung konkreter Fallbeispiele.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert das komplexe Planungssystem von New South Wales, die rechtlichen Grundlagen des Naturschutzes sowie die operative Arbeit der Nationalparkbehörde NPWS am Beispiel des Blue Mountains Nationalparks.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Schutzgebietsmanagement, Naturschutzkompetenz, administrative Rahmenbedingungen, Managementpläne und die Balance zwischen Naturschutz und Nutzung.
Welche Rolle spielt der Bund in Australien beim Naturschutz?
Obwohl die Bundesstaaten primär zuständig sind, greift der Bund durch internationale Verpflichtungen und das Natur- und Biodiversitätsschutzgesetz bei national bedeutsamen Schutzgebieten regulierend ein.
Wie wirkt sich der Tourismus auf den Blue Mountains Nationalpark aus?
Der enorme Andrang durch Tagesgäste verursacht hohe Belastungen für die Natur, wie Lärm und Schadstoffemissionen, was eine präzise Besucherlenkung und Zonierung des Parks erfordert.
Warum ist das "Crown Land" für den australischen Naturschutz relevant?
Ein Großteil des australischen Landes befindet sich im Besitz der Krone. Die Widmung dieses Landes als Schutzgebiet ermöglichte in der Vergangenheit eine einfache und kostengünstige Ausweitung des Schutzgebietsnetzes.
Was macht den Nationalpark- und Artengesetz 1974 für New South Wales so bedeutsam?
Es bildet das grundlegende Rechtsinstrument, das erstmals ein gemeinsames Management aller Schutzgebiete unter einer zentralen Behörde (NPWS) ermöglichte und die Rechtssicherheit massiv erhöhte.
- Citar trabajo
- Martin Scheiflinger (Autor), 2005, Schutzgebietsmanagement in Australien: Administrative und rechtliche Rahmenbedingungen am Beispiel von New South Wales, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44464