Seit langem spielen die Frauen eine sehr bedeutende Rolle in der Literatur. Sie sind nämlich imstande ihre Umgebung sowohl zu guten als auch zu äußerst bösen Taten anzuregen. Eben diese gewissermaßen Macht der Frauen ist nicht nur im Alltagsleben, sondern auch in der Welt der Literatur zu beobachten. Das europäische Kulturerbe ist reich an verschiedenen Beispielen, in denen das weibliche Wesen im Vordergrund steht, oder als eine sekundäre Gestalt sehr stark den Handlungsablauf in literarischen Werken beeinflusst. Als Beispiel dient Claire Zachanassian, eine der Hauptfiguren in Friedrich Dürrenmatts Drama „Der Besuch der alten Dame“. In meiner Arbeit versuche ich zu beweisen, dass die Frau als „Deus ex Machina” bezeichnet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Clair Zachanassian als im richtigen Moment auftauchende Helferin in einer Notlage
2.2. Claire Zachanassian bringt eine überraschende, unerwartete Lösung der Schwierigkeit mit sich
2.3. Claire Zachanassian als „Deus“, geheimnisvolle Göttin
3. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Rolle der Figur Claire Zachanassian in Friedrich Dürrenmatts Drama „Der Besuch der alten Dame“ unter dem Aspekt des dramaturgischen Konzepts „Deus ex Machina“. Ziel ist es aufzuzeigen, inwieweit die Milliardärin durch ihre Ankunft und ihr Handeln als göttliche, aber gleichzeitig parodistische Instanz fungiert, die den Handlungsverlauf in der verarmten Stadt Güllen maßgeblich beeinflusst.
- Analyse des Begriffs „Deus ex Machina“ im Kontext antiker Dramen und dessen Anwendung auf Dürrenmatts Werk.
- Untersuchung der wirtschaftlichen Notlage der Stadt Güllen als Katalysator für die Handlung.
- Charakterisierung von Claire Zachanassian als wohlhabende und machtvolle, fast göttlich verehrte Gestalt.
- Reflektion über die moralischen Implikationen und die Korruption der Bürger durch das Geld.
Auszug aus dem Buch
1.1. Erklärung des Begriffs „Deus ex Machina“
Der Begriff „Deus ex Machina“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Gott aus der (Theater)maschine“. Im antiken Theater schwebten die Götter an einer kranähnlichen Flugmaschine auf die Bühne und haben mit sich jeweils die Lösung eines scheinbar nicht zu lösenden Problems gebracht. „Deus ex Machina“ wird als unerwarteter, im richtigen Moment auftauchender Helfer in einer Notlage verstanden, er bringt eine überraschende, unvorhergesehene Lösung einer Schwierigkeit mit sich. Dürrenmatt präsentiert aber nahezu parodistische Verkehrung das „Deus-ex-Machina“-Element antiker Dramen.
Der Unterschied zwischen den griechisch-römischen Theaterstücken und der Tragikomödie von Dürrenmatt besteht darin, im antiken Theater Euripides‘ ist eine Gottheit erst am Ende des Stücks erschienen, um einen komplizierten Konflikt zu lösen, bei Dürrenmatt jedoch taucht die Milliardärin gleich zu Beginn auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein und stellt die zentrale These auf, dass Claire Zachanassian als moderne Auslegung des antiken Begriffs „Deus ex Machina“ betrachtet werden kann.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Ankunft der Milliardärin, ihre Funktion als Helferin in der ökonomischen Not der Kleinstadt Güllen sowie ihre Inszenierung als mächtige, gottähnliche Figur.
3. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Figur Claire Zachanassian durch ihre Mittel und ihre Manipulation des moralischen Kompasses der Bürger die Merkmale eines „Deus ex Machina“ erfüllt.
Schlüsselwörter
Deus ex Machina, Friedrich Dürrenmatt, Der Besuch der alten Dame, Claire Zachanassian, Güllen, Tragikomödie, antikes Theater, Helferin, Gerechtigkeit, Macht, Korruption, Moral, Gottheit, Dramaturgie, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Hauptfigur Claire Zachanassian aus Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ und analysiert sie als moderne, parodistische Interpretation des dramaturgischen Mittels „Deus ex Machina“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die ökonomische Armut, Machtverhältnisse, Moralvorstellungen sowie die Transformation klassischer antiker Theaterkonzepte in die moderne Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist der Nachweis, dass Claire Zachanassian durch ihre Rolle als plötzliche Problemlöserin und ihre fast göttliche Distanz zu den Güllenern die Funktion eines „Deus ex Machina“ übernimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch den Vergleich mit antiken Theaterstücken und theoretischen Begriffsklärungen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Verwahrlosung der Stadt Güllen, die Ankunft und das Angebot der Milliardärin sowie die Charakterisierung ihrer Person als unnahbare, göttliche Gestalt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind „Deus ex Machina“, „Dürrenmatt“, „Macht“, „Güllen“ und „Moral“.
Warum wird Claire Zachanassian als „Deus“ bezeichnet?
Aufgrund ihres enormen Reichtums und ihrer fast unmenschlichen, überlegenen Art wird sie von den Bürgern wie eine geheimnisvolle, antike Göttin verehrt, die über das Schicksal der Stadt bestimmt.
Inwiefern ist das „Deus ex Machina“ bei Dürrenmatt parodistisch?
Während in der Antike ein Gott am Ende erscheint, um einen Konflikt zu lösen, tritt die „Göttin“ bei Dürrenmatt bereits zu Beginn auf, um durch Geld eine moralisch höchst fragwürdige Lösung zu erzwingen.
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- Dominika Krupa (Author), 2017, Claire Zachanassian als Deus ex Machina in Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444653